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Staat Staate staaten Staaterei staatig staatisch staatlich Staatsthum
Stāāt, m., –(e)s; –en; –s-:
aus lat. status, it. stato etc. (s.stehen, Anm.):
1) (veralt.) der Stand, worin Jemand oder Etwas sich befindet, s. Frisch; Schm. (Im ehelichen „stot“. Murner Ul. 98) etc. und z. B. noch: Der Landesherr soll .. den S. des Landes nicht verändern. G. 9, 167. —
2) (s. 1) ,der einen Stand auszeichnende äußre Aufwand, Prunk, bes. an Kleidern, Bedienung, Gefolge“. Schm. (s. staatlich 2), z. B.:
a) von fürstlichen Pers. etc.: Der König nähert sich mit seinem ganzen S. Gotter Sch. 32 [Gefolge]; Für meinen Hof und meinen S. | die nöth’gen Kosten aufzutreiben. Nicolai 1, 57 etc., s. Hof-S. —
b) überh. Schmuck und Pracht (Prunk), nam. in Kleidern: Viel Geld für S. ausgeben oder (Volksspr.) „verstaaten“; Sein Mantel reich an S. Freiligrath SW. 1, 450; Die blaue Mütz’ | .. sie ist zum höchsten S. Sch. 320b; Sie prunken wie Döcklein | in flitterndem S. V. 4, 89 etc., s. Zsstzg. —
c) Auch bildl. übertr. in stehnden Wendungen: Etwas ist nur zum S. [nicht zu praktischem Zweck etc.], z. B.: Claudius 6, 66 etc.; Der piemontesische Hanf macht hier wegen seiner Länge großen S. Bucher (Nat.–Z. 15, 350), erregt Aufsehn etc.; Sein Stimmchen machte schlechten S., | es knarrte, wie ein Wagenrad. Ramler Lichtw. 116 etc.; Von (Adelung) oder mit Etwas großen S. machen, großthun etc.; Er machte ordentlich S. mit seinem alten Vater bei dem König. Hebel 4, 51; Humboldt Ens. 130; Stahr Jahr. 1, 246 etc. —
3) veralt. (s. Etat) Anschlag über Ausgaben und Einnahmen. Schm.; dazu die RA.: Auf Einen oder Etwas S. machen [rechnen, sich verlassen] können, z. B. Döbel 3, 42; Dyk Th. 8, 15; L. 12, 73; 153; 208; KLessing RFr. 50; Auf den elenden Tropf .. kann wohl kein vernünftiger Kerl den geringsten S. machen. Thümmel 3, 6; W. 14, 57; War S. darauf zu machen, daß etc. 11, 62 etc. (s. Brem. W. 4, 1006). —
4) in Mz.: die niederländ. Stände (s. d. 4b), d. h. die Vertreter der Provinzen in den Landesversammlungen: Jede Provinz hatte ihre S–en, ihre Landstände. G. 9, 165; Sch. 304a; 797a; 870b; Die Herren S–en. Droysen Y. 1, 51 etc. (Die Staden. Weidner 54; 87; 189 etc.; dazu: Ein „Stadischer“ Trompeter. 93); dazu: General-S–en, für sämmtliche Provinzen. Sch. 796a etc., auch z. B. in Frankreich. G. 33, 125, vgl. die ugw. Ez.: Der Fünfte war Amsterdammer Generalstaat e. Wa Stammb. 13 etc. —
5) ein Land (Reich) und Volk als politischer Körper, als ein in sich geschloßnes, in best. Form regiertes Ganze: Kleine, große, mächtige S–en; Das sternbesäete Banner der [ver- einigten] S–en [Nordamerika’s]. Sealsfield Leg. 1, 244 etc.; Pflichten gegen den S.; Das Wohl des S–s; Zum Besten des S–s etc.; S. und Kirche. G. 19, 164; Was der Priester bekam . .; was die Kirche oder der S. bekam. Möser Osn. 1, 30; Cäsar hat vor seinem 37. Jahre in dem S. [als S–s-Mann] wenig und nicht vor dem 42. im Krieg hervorgeleuchtet. JvMüller 14, 379; Der Stifter eines .. geheimen S–s im S. W. 18, 253 etc. —
a) verkl.: Unser Dörfchen stellte ein einziges feudales S–chen im S–e .. vor. Auerbach V. (61) 112; Monatbl. 1, 539b; Bucher, Nat.-Z. 13, 291 (ugw.: S–en und „Stäätchen“. 15, 326; Gartenl. 11, 667a); S–lein. Jahn M. 55. —
b) auch von Thieren, die in ähnlichen Genossenschaften leben, z. B. von Bienen. V. Ländl. 4, 789; Im Bienen-S. W. 29, 198 und bildl.: Österreich, dieser Immen-S. Görres V. 11 (vgl. Bienenkönigin; Biberrepublik etc.). — Zsstzg. nam. zu 2b, vgl. die von Schmuck, Putz, Kleid, Tracht etc. und — was unbez. bleibt — zu 5, vgl. die von Reich, Volk etc., leicht zu mehren und zu verstehn nach folg. Bsp.: Bīēnen- [5b]. — Brāūt- [2b]: V. 1, 130. — Ein B. im Staatenbunde. Ense T. 6, 37 etc. — Oppenheim 1, 256; 8, 348. — s. Gesammt-S. — Erb-. — Fést- [2b]: Arnim 74, vgl.: Festtags-S. W. 14, 18. — Umwandlungsproceß des mittelalterlichen F–s zum modernen Rechts-S. Scherr Bl. 1, 54. — Flítter- [2b]: Thümmel 1, 115. —
Búndes-: Eīnheits-: Eīnzel-: Feudāl-: Frēī-:
1) Republik (s. d.). W. 6, 24; 8, 118 etc. —
2) [1] ugw.: Denke dir Klaren kurz vor dem Hintritte in den F. der Natur. Thümmel 2, 204 etc. — Fürsten-: nam. [2b], seltner [5] Monarchie. — Generāl- [4]. — Gesámmt-: Höfer Hausbl. (57) 1, 2, Ggstz.: Einzel-S–en. — Grōß-: (vgl. Großmacht). Volksz. 11, 230 u. o., Ggstz. Klein-, Mittel-S–en. — Hándels-: Daß es, wie keinen geschlossenen H., auch keinen geschlossenen [alles Fremde ausschließenden] Sprach-S. geben könne. Ense D. 6, 369. — Hāūpt-: Die H–en Europas. — Hōf- [2a]: Cham. 4, 63; Ein Weisel, will ich schweifen, | umschwärmt von meinem H., den Gedanken. Freiligrath 1, 237; G. 33, 326; Musäus M. 2, 17 etc., daneben veraltend f.: Sein Schloß, seine „Hofstatt“. 1, 31; Salomon bei seiner „Hofstatt“. SClara EfA. 1, 308; Der ganzen H. Zug. Hagedorn 2, 20 (und dazu L. 11, 647); Zur Hofstatt. 149; Mandelslo 67a; b; 70a; Ihre zarische Majestät mit ihrer ganzen „Hoffstadt“. Olearius Reis. 157a; 336a; 378a; Auf seinen Schlössern .. wird er.. sich eine Hofstatt gründen. Sch. 365b; Eure Hofstatt ist | der Sitz der Minne. 467b; Gen Rheinfeld, wo die Hofstatt war, zu ziehn. 549; So lange als ihn der König nicht an seine H. beruft. W. 23, 11; Zinkgräf 2, 42 etc., vgl.: Den „Hofstaaden“ einziehen [einschränken]. 1, 236 und Hof-Stadt, -Statt. — Ich-: selbstsüchtiger. Gutzkow R. 3, 401. — Immen- [5b]. — Kírchen-: das weltliche Gebiet des Papsts. — Klēīder- [2b]: Hebel 3, 136. — Klēīn-, Míttel-: s. Groß-S. — Mútter-: Ggstz. Kolonie. Heeren 1, 636. — Natūr-: Dieser N., wie jeder politische Körper heißen kann, der seine Einrichtung ursprünglich von Kräften, nicht von Gesetzen ableitet. Sch. 1152b; Die Staaten des Alterthums . . N–en . . . Das Princip des Vernunft- S–es, die Garantie. .. So entsteht ein neuer N., richtiger ein Zufalls-S. Vischer Ästh. 2, 255. — Nónnen- [2b]: Thümmel 8, 141. — Nōth-: Der Zwang der Bedürfnisse warf den Menschen in den Staat hinein etc. .. Mit diesem N. etc. Sch. 1152a. — Rāūb-: Algier, früher der mächtigste der R–en. Daniel Geogr. 103 etc. [Seeräuberei treibend]. — Réchts-: Eine Forderung des R–es ..; dagegen im Patrimonial-S. Rönne Staatsr. d. pr. Mon. 1, 282, s. Feudal-S. — Rīēsen-: Eines R–es und Zwerg-S–leins etc. Jahn M. 3. — Sēē-: Heeren 1, 684. — Sónntags- [2b]: (s. Fest-S.). Grün Gd. 257; W. 11, 159. — Sprāchen-: s. Handels-S. — Stāāten-: So ward Deutschland .. kein Bundes-S., sondern ein St. Jahn M. 84. — Trāūer- [2b]: Spindler V. 1, 30. — Ür-: ein ursprünglicher oder (z. B. G. 32, 328) ein den Ur-Vhen entsprechender (vgl. Natur-S.). — Verlōbungs- [2b]: (vgl. Braut-S.). Thümmel 8, 48. — Vernúnft-, Zūfalls-: s. Natur-S. — Zwérg-: s. Riesen-S. — Zwíschen-: z. B. = Mittel-S. Jahn V. 277 u. ä. m. —
~e, f.; –n:
s. Malterbrett. —
~en, tr.:
s. Staat 2b. —
~erēī, f.; –en:
in Zsstzgn.: das tadelhafte Wesen und Treiben von Staaten: Bei Aufrecht- erhaltung der Einzel-S. ein einiges Deutschland eine Unmöglichkeit. Volksz. 8, 87; Uns von der unseligen Viel- und Klein-S. zu erlösen. Scherr Gr. 2, 60; IKinkel Ib. 1, 242 etc. —
~ig, a.:
ugw. — st. staatlich (s. d. 1), z. B. S–keit. Jahn M. 56 etc., — außer in Zsstzg.: In einem viel-st–en [aus vielen Staaten bestehnden] Volk. 58. —
~isch, a.:
1) (niederd.) Staat (s. d. 2) machend, vgl. stattlich: Er ist gar zu geschniegelt, zu s., zu geziert. V. Sh. 2, 492 etc. — 2) ugw. st. staatlich 1. Pröhle J. 245. —
~lich, a.:
1) den Staat (s. d. 5) betreffend, darauf bezüglich etc.: Die s–en Rechte und Pflichten. Droysen A. 2, 280; Ein zu einem innigen und einigen Gemeinwesen s. und stattlich (s. 2) verbundenes Volk. Jahn M. 35; Durch die s–en Fugen und Spalten des zerbröckelnden deutschen Reichs. König Jer. 1, 400; Kirchliche und st–e Heuchelei. Scherr Bl. 1, 111; Wenn sich dir statt einer st–en, eine stadtliche [gw.: städtische, s. u.] und wohl gemerkt auch eine stattliche [s. 2] Versorgung böte. Schücking GsE. 3, 133; Die Vielheit der fest abgeschlossenen st–en und städtischen Individualitäten. Schwegler (47) 914 etc., vgl. (s. o. Schücking): Die „statt“ Erlach.. in der Berner Regierung .. hat .. ihr eigen „stattliche“ Policei. Stumpf 590b. Zsstzg. z. B.: Die Umwandlung des deutschen Bundes in ein bundes-s–es Reich. Radowitz 140; In unsern klein-s–en Kreisen. Kürnberger N. 1, 103; Schmidt-Weißenfels 18 etc.; Die süd-s–en Landesvertretungen. Nat.–Z. 15, 79 etc. — 2) (s. Staat 2) in seinem Erscheinen prächtig, ansehnlich etc.: S. vor dem Volke. G. 4, 165; Der Almanach macht wirklich ein s–es Gesicht. Sch. (13. Apr. 1796); Den s–en Schritt und die volltönende Energie der Drydenschen Reime. Kosegarten Rh. 3, 93; Eine s–e, patriarchalisch würdevolle Figur. Waldau N. 1, 26; Er geht manchmal s–er als der Herr selbst. Weiße Kom. Op. 2, 287 etc., heute zur Vermeidung von Zweideutigkeiten (vgl. 1) — nach der ältern Schreibw. und Ausspr. Statt, Stadt für Staat — gw.: stattlich, s. d., vgl. staatisch und mit fremder Endung: statiös. —
~sthum, n., –(e)s; 0:
das eigenthümliche Wesen eines — oder des — Staats (val. Volksthum und Fortbild.): Einem Volk, dessen Kraft noch nicht in den zersetzenden Dunstkreis des modernen S–s gezogen worden. Becker Weltgesch. 14, 171 etc.