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spannen Um-Spannen Um-Spannen
Spánnen: 1) tr.:
auf etwas Elastisches (s. d.) eine die Ausdehnung verändernde Kraft einwirken lassen, so daß das Streben, in den urspr. Zustand zurückzuschnellen entsteht etc., eig. und übertr., z. B.:
a) Eine Feder (s. d. 9), Uhrfeder etc. s., zusammendrückend; Ein Seil etc. s., straff s., ausdehnend etc.; Das Trommelfell, meton.: die Trommel straffer oder loser s. etc.; von Schießgewehren: Die Sehne des Bogens; den Bogen, die Armbrust etc.; den Hahn des Gewehrs; das Gewehr, die Flinte, Büchse etc. s.; Spann nicht den Bogen .. so lange, bis er bricht. W. 20, 325; Daß dein Feind den Bogen auf dich [zielend etc.] spannte. Olearius Ros. 97a etc.; übertr. (s. b): Indem sie mein Verlangen gut und tugendhaft zu sein auf einen zwar hohen, aber sichern Zweck hin spannte. Klinger Giaf. 491; Wenn unsre Einbildungskraft einmal auf Etwas heftig gespannt ist. G. 8, 168; H. Ph. 13, 346 etc. —
b) Eine Saite (s. d. 1, nam. 1a; b) s., hoch s., eig. und zunächst, insofern von dem Grad der Spannung die Höhe des Tons abhängt, und danach bildl.: Nicht zu hoch gespannt, daß die Sehne (s. a) nicht springt! Klinger Zw. 38; Seine Forderungen immer höher (W. 31, 141), zu hoch (32, 167) s.; Sie s. meine ganze | Erwartung. Sch. 290b; Erwartungen, Hoffnungen und Aussichten .. durch die Probevorstellungen bis zu einem hohen Grad von Zuversicht gespannt. Schütze Hamb. 565; Meine Neugier bis zur Ungeduld s. W. 18, 258 etc. —
c) Jede Muskel des Halses, jede Sehne der Hand heldisch gespannt. Gutzkow R. 8, 481 etc.; Seine schlaffen Nerven durch etwas ganz Besonderes gespannt. L. 7, 146; Göckingk Lieb. 92 etc.; Umsonst spannte ich mein Ohr nach einem einzigen Laute. Thümmel 1, 132 etc.; Soweit die Kraft zu sehn | die Augen spannt. 247; Sein Auge, das fest auf dich gespannt ist. Sch. 350b; Die Augen auf Jemand (W. 12, 47 etc.), — auf sich (Guhrauer Less. 1, 254) s. etc.; Alle seine Kräfte auf einen Punkt zu s. Klinger Giaf. 249; Thümmel 5, 212; Begeisterung, welche die großen Kräfte seiner Seele noch höher spannte. W. 6, 25; Sch. 705b; Auch das wahrste .. Erhabene ist .. Vielen Überspannung . ., eine kleine Seele fühlt sich peinlich über ihren moralischen Durchmesser auseinander gespannt. 1137a (s. f) etc.; Euripides weiß uns zu rühren und zu s. FSchlegel GR. 1, 347 etc. —
d) Ein Wasser s. (an-, auf-, ein-s.), stauen, schwellen. —
e) Den Dampf s., ihm durch Erhitzung eine größre Expansionskraft geben. —
f) Etwas weit s. [ausdehnen], z. B.: Die Flügel weit gespannt. ESchulze 3, 298; Die Freude spannt’ ihm das Herze weit. Freiligrath 1, 361; Nicht auf engem Bezirk der Lust am eigenen Hause | grenzt dann Liebe sich ab, spannt sich den weitesten Kreis. Kinkel 144 etc.; Ggstz. (s. g): Sie werden unser Nachgeben weitläuftig .. annehmen, ihres aber werden sie enge, noch enger, aufs aller- engste s. Luther 5, 121b; Doch musst du nicht den Text so enge s. 421a etc. —
g) zuw. = beschränkend fesseln, ein- engen etc.: Ein weidendes Thier s., am Vorderfuß anfesseln (vgl. seideln 2; tüdern) etc.; Kunst [der Hetären] Den, der schon gefangen war, festzuhalten, zu s. W. Luc. 4, 18; Schlafsucht, die bisher meine Kräfte in Ketten schlug, meine Aussichten sperrte und spannte. Sch. 108a etc., s. h; i. —
h) (s. g) Wie spannt [drückt’s etc.] mich auf dem Schienbeine! Gellert etc.; Ein Kleidungsstück spannt (Einen), ist zu eng, knapp (spannig. Schwäb. W. 499), — im Partic. Präs. (ohne Obj.) auch nur = eng anliegend: In schwarzen Mohr gekleidet, der sich s–d um den .. Leib schloß. Sch. 742a. —
i) Die Last des Frachtwagen, meton.: den Wagen s. (ein-s.), mit der Spannkette (s. d.) fest zusammenziehnd schließen; daher: Spanner, Spänner, Einspänner = Auf- und Ablader. — Ferner (k—n) = Etwas s–d befestigen, zumeist mit örtl. Best.: k) Ein Tuch etc. in den Rahmen; das zu Bearbeitende in den Schraubstock, zw. die Docken (s. d. 1c), die zu gärbende Haut aufs Holz (Schwab 385); die Meßkette um den Baum s. etc. — l) Das darüber gespannte Sonnensegel. Gerstäcker Äq. 1, 317; Nachdem | erst entgegen dem sonnigen Strahl er ein Tuch gespannt. Platen 2, 213a; Himmel, spann dein blaues Zelt! Rückert 1, 28; Hütten s. Simrock Gudr. 980 etc.; Ranken s. ein grünes Blattgewebe über die nackten Stellen des Zaunes. Bronner 1, 61; Ein Netz um Jemand s., bildl.: Du spanntest um mich den Verdacht. Cham. 3, 266 etc. — m) Einen in den Fußblock, auf die Folter (s. d.) s. etc. — n) Zugthiere vor den Wagen, Pflug etc.; an oder in die Deichsel; ins Joch s., auch bildl. (s. Joch 2); Die Pferde neben einander, hinter einander oder lang s. etc.; sprchw.: Die Pferde hinter den Wagen s. (z. B. Ense B. 3, 40 etc.), von verkehrtem Treiben etc.; dann auch (s. binden 3f): Die Ochsen von (Sch. 522a) oder aus (523a) dem Pflug s. — o) Etwas mit ausgestreckten Körpergliedern umfassen, vgl. klaftern 1a, z. B.: Mit den Armen 5¼“ s.; Der Vater konnte den Neugebornen mit den Fingern s. Kerner Bild. 42; Tonstücke für Kinder, die noch keine Oktave s. [mit den Fingern auf dem Klavier greifen] können etc., auch ohne Obj.: Ich kann so weit nicht s. etc. — 2) adjekt. Partic. pass.:
a) nach allen Anwend. von 1, wofür es im Allgm. keines Belegs bedarf, außer etwa für die Steigrung, z. B.: Daß wiederholtes Ziehn | auch die gespannteste der Saiten | erschlaffen macht. Nicolai 6, 224 etc.; Mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Wackern. 4, 1305² etc.; Mit gespanntester Angst. Brachvogel Narc. 149 etc. und für die Verschmelzung mit Bstw., z. B.: Ungespannt | den Bogen. Wackern. 2, 894¹⁰ etc.; Mit hochgespannten Saiten (1a) .. bezogen. IP. 8, 191 etc.; Hochgespannte Einbildungskraft (W. 5, 117); Hoch- (Karmarsch 2, 230), stark- (3, 208) gespannter Wasserdampf (s. 1e); Bewegt von selbstgespannten Federn (1a). Haller 133, die sich selbst s. (s. 5); Zur Überdeckung freier und weitgespannter (1f) Öffnungen. Guhl GR. 1, 30; Weitgespannte Gewölbe etc.; ferner (s. 1n): Vier gleich gespännete Hengste. V. Od. 13, 81; Mit vier Pferden lang gespannt. Benedix 10, 133 etc., auch: Wo immer Zwei zusammentreten mußten, um diese Summe herauszubringen. Man nannte sie die Zweige- spannten [́eνγταe]. Sch. 1026b etc. — Im Besondern:
b) = straff etc., z. B.: Gespannter Leib [krankhaft]; Prall, wie aus Stahl gespannt. Rückert W. 1, 125 (vgl.: feder-, spannkräftig); Der Schnee war leider nicht „gespannt“, wie die Bergsteiger ihn gern haben, d. h. fest und gefroren, sondern lind, d. h. weich und nachgiebig. Kohl A. 1, 30; Geht das Pferd mit den Vorderfüßen steif und gespannt. Ziller Th. 77 etc. —
c) Jemand ist gespannt (s. 1a—c, vgl. 5k), sein Sinnen, Denken, seine Kraft ist angestrengt auf ein Ziel hin gerichtet: „Und?“ warf M. gespannt [erwartungsvoll etc.] ein. Gutzkow R. 8, 364 etc.; Ich bin zu gespannt [durch Anstrengung hingenommen], ich will mich zu sammeln suchen. Tieck N. 2, 45 etc.; So gespannt waren sie auf das Nächste. Wackern. 4, 130124 [Dies nahm all ihre Gedanken in Anspruch]; H. Ph. 13, 346 etc.; Die Hugenotten, immer gespannt [eifrigst strebend] ihre Freiheit wieder zu erfechten. Woltmann Westf. 1, 49 etc. —
d) insofern die Spannung bei fortgesetzter Steigrung zum Riß, Bruch Losbruch etc. führt, z. B.: In einer ganz ruhigen Zeit . .; in einer so schwierigen, gespannten und aufgeregten. Görres V. 147 etc.; Sein Verhältnis mit Mäcen war aufs äußerste gespannt, es konnte so nicht bleiben. W. HB. 1, 137; Mit dem er seit lange in gespannten Verhältnissen gestanden. Monatbl. 2, 3b etc.; Auf einem gespannten Fuße (s. d. 1f) mit Jemand stehn. G. 21, 2 etc. und wohl als Umdeutung davon: Mit Jemand über den Fuß (s. d. 1m) gespannt sein. W. 14, 14 etc. (doch s. auch Hand 6n und Achsel 2). — 3) Fortbild. zu 2: Gespanntheit: der Zustand des Gespanntseins, z. B.: Seine Gesichtszüge verlieren die .. Weiche der Jugend und nehmen die Schärfe und G. des Mannesalters an (s. 3b). Arndt Fragm. 1, 223; Mit dem Ausdruck höchster G. (s. 3c) .. hinüberschauen. Gerstäcker Miss. 3, 97; Exaltierte sich die Stimmung bis zur äußersten G. Matthisson E. 1, 76 (s. 3d, vgl. Überspanntheit); In dieser allgemeinen G. [Neugier, s. 3c] auf Ch. Schlichtkrull LaM. 291. — 4) refl. zu 1, z. B.: Wie spannten sich alle seine Muskeln im Frohmuth (s. 1c)! Auerbach Ab. 240; Über der Runde spannte sich das .. Blau des römischen Märzhimmels. PHeyse N. 165 (s. 11); [Rings] um die Natur sich Täuschungsfäden s. WHumboldt Son. 317 (s. 11); Da, da spanne sich des Fleißes Nerve! Sch. 72b (s. 1c); Wird sich die nicht zerstörte Schwungfeder für Ehre, Ruhm, Vaterland zur Begeistrung s. Schwegler (46) 538 (s. 1, — sich steigern etc.); Sie spannte sich zu einer erzwungnen Heiterkeit. Tieck A. 1, 87 etc. — 5) intr. (haben) oder o. Obj., z. B.:
a) Ihr spannt [den Bogen], bis Sehn’ und Bogen bricht. W. 12, 162; Sie [Artemis] spannt [den Bogen, schießt] auf mich [Niobe]. Kurz 3, 430a etc. —
b) Dieser Roman spannt sehr [die Erwartung etc.], nam. auch Partic. Präs.: S–de Erzählung; S–d erzählen etc.; seltner (vgl. h): Nachher spannte Tieck lange Jahre auf ein umfassendes Werk über Shakspear. Gervinus Sh. 1, 26, machte gespannt etc. —
c) s. 1h. —
d) s. 1o. —
e) Bis keine Nerve mehr spannte [sich spannte, Spannung oder Spannkraft hatte], klang und drang. Klinger Gris. 37. —
f) (veralt.) Daß Christus so hart spannet und heißt das Auge ausreißen. Luther 5, 380b, vergl. 1g und 1n (ein hartes Joch auflegen etc.). —
g) (s. 1n und Spann 3b) Sein Vater und Bunsen, Das ginge nicht, die s. nicht mit einander. Ense T. 3, 56, kein zusammenpassendes Gespann sein, nicht gleichen Strang ziehn etc. —
h) Jemand spannt = ist gespannt (s. 2c), richtet sein Augenmerk etc., nam.: auf Etwas, z. B.: Alles spannte darauf und wartete, was es dort geben würde. Forster Br. 1, 855; 2, 128; 168; Jt. 1, 167; Der spannte auch auf mein liebes Bärbelchen. vHorn rhD. 2, 159 [als Werbender]; Merck’s Br. 1, 227; Er spannt [lauert] nur auf den Augenblick etc. Nicolai 1, 15 etc., auch: Die Käufer s. sehr ernsthaft [passen auf], ob sie auch genug erhalten sollen. G. 24, 18 etc.; Wenn er Fischer’s Netz auswirft . ., | spannt er still und hoffnungsvoll, | viel Beute zu erlangen. G. 8, 207 etc. — 6) Spannung, f.; –en: das S. und: das Gespanntsein (a—d), z. B.:
a) (s. 1a—c; 2b—c u. Ggstz.: Nachlaß 1): Die Spannung des Bogens etc.; Den erschlafften Kräften durch Ergötzlichkeiten Spannung und Ton zurückgeben. Engel 3, 40; Diese schnell vorüberfliehenden S–en einzelner Muskeln. Forster Jt. 2, 44; Fiberspannung 93 und 178; Genuß, du erschlaffst; Spannung giebt nur das Leid. Kinkel 145; Mendelssohn Ph. 1, 79; Die harte Spannung zu sanfter Harmonie herabstimmen. Sch. 702b; In fieberhafter Spannung. Stahr Rep. 1, 194 etc. —
b) (s. a) = Intensität (s. d.), z. B.: des elektrischen Stroms. Karmarsch 1, 684 etc., nam. auch (s. 1e): Dampf von zwei, drei etc. . . Atmosphären Spannung. . . Die Dampf spannung. 447 etc. —
c) (s. 1c) Die Betriebsamkeit, Geld zu gewinnen, die Spannungen aller Gemüther auf den Handel. Tieck 16, 160 etc. —
d) (s. 2d) Von der jetzigen Spannung zwischen den Urkantonen und den .. Bernern. Kohl A. 1, 91 etc. — c) (s. 1n) = Gespann (s. Spann 3): Möser Ph. 1, 328; 3, 268; 311; 4, 324 etc. — 7) Spanner etc.: s. u.
Anm. Ahd. spannan, mhd. spannen, mit starker Abwandlung, noch z. B. Impf.: Sein Zelten spien er uff den Plan. Wackern. 1, 1050²⁵; Er spyen sein Armbrust uff. 3, 73²¹ etc.; Partic.: Gespannen. Büchsenmeister 27; Eppendorf 46; Mathesius Lthr. 154a; Ryff Th. 29; Waldis Es. 1, 22 etc., vgl.: spinnen, goth. adh. spinnan, mhd. spinnen (dazu: Spinne, ahd. spinna, mhd. spinni; Spindel, ahd. spinnala, mhd. spin(e)le, spille etc.), vgl. auch Anm. zu Span; Spange und gr. οπν, ziehn, 0φννν, zusammenziehn, -binden etc. und mundartl.: Spanjen: die Risse in der Eiskruste bei starker Anspannung des Eises. Gartenl. 9, 667a etc., s. auch Diez 326.
Zsstzg. z. B.: Áb-: Ggstz. an-s.:
1) die Spannung aufhören oder nachlassen machen, z. B.:
a) Die Sehne des Bogens, den Bogen (G. 14, 134) a.; Die Armbrust .. unabgespannt. Uhland 199 etc. —
b) Jedes Muthes Feder [ist] abgespannt. Sch. 424; Abgespannt und schläfrig. Thümmel 3, 28; Eine süße Ermattung spannte allmählich meine Nerven ab. W. 18, 276; 27, 14; Zu jedem rühmlichen Bestreben abgespannt | und nervenlos. 12, 330; Der junge Mann ist so überspannt. .. Kannst du ihn a., so thue es. Zelter 3, 307 etc. —
2) [1n] Die Pferde (Ense D. 6, 537; V. Od. 4, 28), meton.: Den Wagen (L. 6, 11) a.; Sobald die Sonne zum Stier-A. sich neigte. V. Od. 9, 58 etc.; übrtr. (oder zu 1): Hatt’ abgespannt all Sorgen. Wackern. 2, 277⁵ etc. —
3) [1o]. —
4) abwendig (abspenstig) machen, s. Span II, Anm., angelehnt an 2, vgl. an-s. 2b: Das Gewinnen und A. der Stimmen. G. 33, 333; Was die Vernunft von ihren Grundsätzen abspannt. Kant 10, 92; Dem Andern die Kunden a. Krünitz 6, 94; L. 8, 324; Luther 4, 406b; 407b; Mitwerber, der ihm seine meisten Schüler abspannte. Pfeffel Pr. 3, 155; Wackern. 2, 75² etc. —
5) Abspannung, zu 1—4, nam. (s. 6) zu 1b: In einer steten Spannung, die nur selten .. mit Abspannung wechselte. Burmeister gB. 2, 93; Überreizt durch die An- und Abspannungen. Gervinus Sh. 2, 40; 1, 310; Dort fanden wir das Organ in der höchsten Abspannung .., hier in der äußersten Überspannung. G. 37, 13; 29, 137; Sch. 1074b etc.; Mattigkeit und Nervenabspannung. Schwab WhMüller 1, LI etc. —
6) zu 1b (vgl. 5): Erschöpfung und Abgespanntheit. Herrig 17, 109; Höfer Leb. 236; Klencke Parn. 2, 33; Gsp. 1, 99; Mundt Rob. 1, 144 etc. — An-: Ggstz. ab-s.:
1) spannend anziehn:
a) Die Schnur, Saite, Sehne, den Bogen straff’a.; vgl. ugw. (bloß st. spannen): Den Bogen a. Wiedasch Od. 21, 286 etc. —
b) (vgl. anstrengen etc.) Die a–de Aufregung. Auerbach Ab. 98; Unsre angespannten Sinnen. G. 14, 188; Das weinerlich Angespannte, was man sonst ’für pathetisch hielt. 26, 26; 22, 110; Spannt, o Sterbliche, der Seele Sehnen an! Haller 57; L. 1, 241; Mit a–dem Fleiße. Sch. 1133b; 1210b etc. —
2) [1n]:
a) Die Pferde etc., — meton.: den Wagen etc. a., und ohne Obj.: A. lassen (G. 18, 163 etc.); Als müsse man zwei Monden a., um zur Sonne zu gelangen. Arnim 22; Das schon oder noch angespannte Kabriolett. Ich ließ den Kutscher, aus-s. .. Daß ich meine Pferde wieder ein-s. lassen würde. Bahrdt 3, 405 etc. —
b) übertr., s. a) hergenommen von den Spanndiensten (s. d. und Anspänner): für sich in Anspruch nehmend, benutzen: Ihre Kräfte und Leidenschaften zur Ausführung seiner Plane an-zu–s. G. 14, 77; Ein großes Projekt. . . Wir werden Sie auch mit a. L. 12, 130; Die Originale, die dazu ver- arbeitet, die Dichter, welche dazu angespannt wurden. Prutz GschTh. 260; Mich zu einem Bubenstück a. Sch. 210a; Langsam von seinem Herrn bezahlet, aber mit der Arbeit wohl angespannet. Zinkgräf 2, 64 etc. —
3) [1d] Der mit Wasser hoch angespannte Rennplatz. Lohenstein A. 1, 1224 etc. —
4) nam. zu 1b: Zwischen erhabener Anspannung seiner Kräfte und muthwilliger Abspannung (s. d.). Gervinus Sh. 1, 310; G. 16, 337; 33, 268; Halten höchste Anspannung nicht für Überspannung (s. d.). IP. 1, 80 etc.; Die Überanspannung der Seelenkräfte. Gutzkow Z. 4, 107 etc. Ahnl., doch seltner: Die Angespanntheit. — Āūf-:
1) eig.: hoch spannen; spannend ausdehnen, auseinanderfalten, öffnen, auf Etwas befestigen etc., oft ineinandergreifend, s. aufziehn, z. B.: [Die Faust] spannt sich auf, sie krallt sich zu. B. 71b etc.; Ein Fischgarn (Hes. 26, 5 etc.); Seil (Arnim 313); die Leinwand (zum Malen. G. 23, 183); Zeltdächer (Gutzkow R. 4, 237); alle Segel (Wackern. 4, 1300); Saiten (2, 2857; Kretschmann 2, 50 etc.); den Hahn (des Gewehrs IP. Fat. 2, 249), das (Feuer-) Rohr (Lichtwer 122) a. etc., s. [1d]. —
2) [1b; c] übertr.: hoch spannen etc. (vgl. 1; an-s. 1b; über-s. II 3): Die Triebfeder, die ihn dahin a. Forster It. 2, 92; Zu einer aufgespannten Fröhlichkeit gestimmt. G. 14, 165; 65; 17, 85; 19, 210; Die Aufmerksamkeit .. a. 259; Spannte er sein verzagtes Herz mit der .. Empfindung auf etc. König Kl. 2, 262; 101; Das Aufgespannte der Helden ihrer tragédie classique. Scherr Bl. 1, 297; Tieck DBl. 2, 327 etc. —
3) nam. zu 2: Aufspannung. Ense T. 4, 139; G. 16, 290; 33, 74; Tieck A. 1, 78 etc., seltner so: Aufgespanntheit. — Aūs-:
1) auseinander spannen, spannend ausdehnen, ausbreiten etc., eig. u. übertr. (s. auf-s. 1): Die Arme, Finger, Flügel etc.; Seile, Tücher, Segel, Netze, Hängematten, Zelte a.; Hand, | die jene Himmel ausgespannt. Uz 2, 212; G. 12, 306; 13, 179 etc.; refl.: Der Himmel spannt sich blau über die .. Menschheit aus. Hackländer Erl. 1, 216; Das ausgespannte Thal. Cham. 4, 32; 51; 65; Die allzusehr ausgespannte Seele (versch. 2). G. 14, 203; 21, 126; 36, 46; Die schön ausgespannte [breite etc.] Treppe. Mundt Rob. 16; Ein sich [die Flügel] a–der Schmetterling. IP. 2, 139 etc. —
2) [1k—n] Etwas Eingespanntes a., z. B. aus dem Rahmen, Schraubstock etc., nam. [1n]: Die Pferde etc., meton.: den Wagen, Pflug etc. a. u. o. Obj. (s. an-s. 2a). G. 16, 185 etc.; auch übertr.: Komm, o Christe, komm uns aus-zu-s. HAlbert (Wackern. 2, 374 ¹³); Es hat mir sehr wohlgethan, meine Seele auch nur auf einige Tage ausgespannt zu haben (versch. 1). G. Stein 2, 46; Günther 706; Kam der Tod, hieß ihn a. Hammer RH. 309; Bald ausgespannt, bald frei zu sein. W. 10, 148; Sehne ich mich .. aus diesem schändlichen Autorkarren, an dem ich .. ziehen muß, ausgespannt zu sein. Merck 2, 95; HB. 1, 22 etc. —
3) Ausspannung, das A. (1; 2), vgl. Expansion etc., nam. auch (s. 2) = Ausspann, Wirthshaus für a–de Fuhrleute und der Verkehr dort. Brachvogel FB. 1, 346; Gasthäuser und Ausspannungen. Gutzkow R. 1, 56; Die Ausspannung im Pelikan ist nicht mehr der Rede werth. 4, 244; 8, 39; 9, 353; Die Fuhrmanns ausspannung. Z. 1, 10 etc. — Be-:
1) mit An- oder Aufgespanntem versehn, z. B.:
a) Den Bogen b. (mit einer Senne, Schnur etc.); Seine Lyra mit neuen Saiten b. Hartmann BB. 169; Die Laute b. [besaiten]. Platen 2, 247; Kaum noch halb bespannt. W. 20, 228 etc. —
b) (s. a) Sein Arm, voll Kraft, bespannt mit straffen Sehnen. 12, 166; IP. 7, 164 etc.; Die [Jugend-] Zeit ist hin, die Harf’ und Herz bespannte. Lenau A. 149 etc. — 3) [1n] Wagen mit vier Pferden bespannt. G. 19, 57; 18, 257; Wagen, von [statt mit] Hirschen bespannt. Tieck A. 2, 60 etc.; Schlecht- (W. 29, 198) etc.; zwei- (H. 11, 477), vier- (G. 12, 38; 33, 22) etc.; rosse- (Pyrker 99; V. Il. 4, 366) bespannte Wagen etc.; Die Narte, rennbespannt. Cham. 4, 58, der kamschatkische Schlitten mit einem Rennthiergespann etc. —
2) ugw. [1o]: er-s.: Wie wir den Mond nicht b. können. Hippel Leb. 2, 134. — Dār-: (veralt.) darbringen (gleichsam wie ein frohnender Anspänner). Franck Par. 53; Stumpf 739b etc. — Durch-: mit Spannendem durchziehen: Inwendig mit häufigen Riemen | wölbt er [der Helm] sich straff durchspannt. V. Il. 10, 263 (selten). — Eīn-:
1) [1k—n] s. aus-s. 2: Tuch e., in den Rahmen etc.; Jemand e., in die Fesseln. Arnim 375 (vgl. einspinnen); In (enge) Schranken e. Logau 3, 147; Lohenstein A. 2, 1294 etc.; s. auch [1d]; nam. aber [1n]: Pferde etc. e. G. 17, 282; Sch. 98b; Tieck NKr. 2, 35 etc.; Ich werde eingespannt wie der Ackerstier in das Joch der alltäglichen Gewöhnlichkeit. A. 1, 191; IP. 1, 170 etc.; zuw. meton.: Wagen, Equipagen etc. (Hackländer Tag. 2, 215; Nam. 1, 176 etc.) e.; oft o. Obj.: 143; G. 18, 112; 31, 10 etc.; bildl.: Der Soldat zäumt ab, der Bauer spannt ein. Sch. 329a, Dieser tritt an die Stelle Jenes, der das Feld räumt. —
2) selten als Ggstz. zu aus-s. 1: Die Nasen eingespannt! Sch. 12, eingezogen; nicht so hochnäsig! — Ent-: ab-, los-s.:
1) Den Bogen (H. 11, 465; V. Ov. 1, 98), die Kraft des Bogens (Cham. 5, 63) e.; Die Muskeln sind entspannt. Wackern. 2, 576 ³⁰; Wo .. alle Federkraft erschlafft, alle Sehne entspannt wird. Kosegarten Rh. 1, 12 etc.; Die Entspannung — deiner Kräfte. Po. 2, 250; des Bogens. H. 11, 440 etc. —
2) Noch nicht den Geschirren entspannt die stampfenden Rosse. V. Il. 23, 7; B. 241b etc. — Entgêgen-: z. B.: [1k] W. 15, 4 etc. — Er-:
1) (veralt.) Den Bogen e. Schaidenreißer 88a = spannen. —
2) [1o] spannend erreichen. IP. 2, 44 etc. — Hín- etc.: Jemandes Erwartung auf einen Punkt h. Zschokke 1, 34; Seine Forderungen herab-s. Kohl Südr. 1, 298 etc. — Lōs-: etwas Festgespanntes losmachen, z. B.: Einen Bogen (L. 8, 231), die Pferde l. etc.; Der Schlummer spannt die müden Glieder los. Sch. 31b; Sich von dem Harme l. 28b etc. — Nāch-: z. B.: etwas loser Gewordnes nachträglich spannen etc.; auch [1n] an einem Schiebkarren hinten an-s. (zum Schieben). JP. 7, 170 etc. — Nêben-: z. B.: [1n] Nebengespannt. V. Jl. 16, 153, s. zusammen-s. — Nīēder-: spannend niederdrücken etc.: Die letzte Saite in meinem niedergespannten Herzen. Meißner Sans. 2, 209. — I. Über- [1k etc.]: spannend über Etwas befestigen (vergl. II 1): Ein Wägelchen. Unter der übergespannten Leinwand. G. 25, 20; Übergespanntes Wachstuch (20, 13), Tuch (24, 212) etc.; s. auch II 2b. — II. Über-: 1) mit etwas Übergespanntem (s. I) bedecken; ausspannend überdecken: Mit Teppichen überspannt. 168; Sich mit Decken ü. lassen. Arnim 90; Die Eisdecke hielt die See überspannt. Höfer VrgT. 70; Mit einem Kreuzgewölbe überspannt. 20; Karmarsch 2, 213; 3, 215; 478; Bis ganz ihr [der Wolke] Flügel überspannt | das .. Land. Plönnies Mar. 202; Die ganze Erde mit ihrem .. Netze ü–d. Sealsfield Leg. 1, 194 etc. — 2) [1o] Daß Schiller die Kraftgeisterei von allen Seiten ihrer Wirkung nach außen hin umspannte und überpannte. Gervinus Lit. 5, 136. —
3) allzusehr an- oder auf-s., zu hoch spannen: Den Bogen (L. 10, 314); eine Seelenkraft (Wackern. 2, 968 ²⁴); sich (IP. 12, 9); sich mit Etwas (H. R. 9, 385) ü.; G. 24, 102; Von seinen Ansprüchen lieber Etwas nachzulassen als solche zu ü. Mendels- sohn 5, 617; L. 12, 287; 326 etc. —
a) adjekt. Partic. Präs.: Die überladende und ü–de Manier. Strauß Jes. 1, 710 etc. —
b) adjekt. Partic. pass. (vgl. übertrieben, extravagant, excentrisch etc.): Die heftigsten, überspanntesten Ausdrücke. Engel 12, 39; Überspannte Fordrungen. Ense B. 4, 55; Mit überspannten Jdeen gegen Maßregeln kämpfen, welche die Überspannung (s. d) noch höher treiben. Gentz Rev. 127; G. 22, 67; 391; Sch. 1074b; W. 4, 234; 5, 199; 34, 123; 237; 35, 95; 143 etc.; selten: Ich bin sehr aufgespannt, fast zu sagen über. G. Lav. 14. —
c) zu b: Ausschweifungen und Überspanntheiten. Höfer Leb. 242; Raumer Päd. 3, 2, 129; Spielhagen Pr. 7, 98 etc. —
d) (vgl. c) Keine Überspannung kann lange dauern, — die Abspannung muß ihr bald folgen. Börne Frzfr. 31; G. 14, 128; Sch. 1210b u. o. — I.
Um-: 1) das Obj. um Etwas herum-s. (vgl. II 1). — 2) anders spannen, z. B.:
die Saiten (G. 32, 56) etc.; nam.: die Pferde (Gerstäcker Äq. 3, 10, sie wechselnd) oder: die Chaise (Kreischmann 5, 408); Das U. Bahrdt 3, 314 etc. — 3) ugw. statt II 2: Er hat ihr [der Sterne] Maß bestimmt, den Körper umgespannt. Haller 83. — II.
Um-: 1) mit etwas Umgespanntem (s. I 1) umgeben etc.:
Einen Walddistrikt mit Jagdtüchern und Netzen um-s. Gartenl. 9., 236a; Wenn zu straff sie Netz’ um-s. Göckingk 3, 102; Was die Seele | mit Lock- und Gaukelwerk umspannt. G. 11, 65; Platen 6, 36 etc. — 2) [1o] spannend umfassen, eig. und übertr.: Drei Männer umspannten den Schmerbauch ihm nicht. B. 66a; Ihr hättet sie mit vier Fingern umspannt. G. 29, 315; Die Taill’ ist zum U. Gotter 1, 63; V. Od. 9, 325; Wackern. 2, 1339 ¹ etc.; [Winkelried] umspannt’ | viel mörderische Spieß’. 835⁷; Das Brett, das er [der Schiffbrüchige] umspannt. ESchulze 3, 302 etc.; Indessen | die Blicke den Gesichtskreis rings umspannten. Cham. 4, 153; 6, 242; Welch eine .. Masse von Jdeen muß er um-s.! Engel 4, 11; Forster It. 2, 160; Wie das Firmament die Welt umspannt. Sch. 469a; 201a; Thümmel 5, 185 etc. — 3) Umspannung zu 1; 2; ugw.: In den wunderlichen Umspannungen und Angehängseln des schönen Körpers. Keller gH. 3, 261, Umhüllungen (Kleider etc.). — Ver-: durch ungehöriges Spannen verderben etc., eig. und übertr.: Ich bin nicht recht aufgeräumt zu schreiben, weil mein Körper ein wenig verspannt ist. Abbt (Mendelssohn 5, 320); Wie weit mag diese Schöpfungsfolter sie auch verspannt und verschraubt haben! H. — Vōr- [1k—n]: Ein vorgespanntes — Seil (G. 24, 235), Tuch (Nicolai 2, 8) etc., nam. [1n]: Ein feuriges Füllen einem Leichenwagen vorgespannt. Börne 5, 236; 2, 78; Grimm M. 52 etc., bes. in engrem Sinn: Zugthiere noch vor die (oder zu den) schon am Wagen befindlichen (s. vorsetzen 1e), — eig. und übertr.: „Die Zeit läuft gar zu geschwind für meine altek Beine.“ Wir spannen vor. G. 6, 322; Man brächte sie nicht an einander [zum Duell] und wenn man Ochsen vorspannte. Schlegel Sh. 2, 244. — Zurück-: die Spannung in den frühern Zustand zurückversetzen, nam. sie mindernd: Die Saiten (Devrient 3, 34), den Bogen (JP. Tit. 16), die Nerven (2, 13) z. etc. — Zusámmen- [1m]: Zugthiere z., z. B. Eppendorf 40 etc.; übertr. (vgl. Span 3b): Der in dem Sohne des Staubs das rohe Thier mit dem Halbgott zusammenspannte. Klinger F. 36; W. Luc. 4, 33 etc., auch intr. sich zu etwas gemeinsam zu Thundem vereinigen. Schm. und [5g].