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reisig Um-Reisig
II. Rēīsig, a.:
1) (veralt.) auf Reisen befindlich. Schm. 3, 126; Die, so sich hin und her | zu Schiffe r. machen. Opitz Ps. 107, 23 [fahren]. 2) (s. 1 und Reise 2) kriegsgerüstet, gewappnet etc., nam. von Pferden (s. d. 2h) und Berittenen, sehr häufig in der ältern Kriegsspr. (s. Schm. 3, 126) und danach noch (namentl. mehr oder minder übertr.) in der gehobnen Sprache: Kam mit fünfzehn r–en Rossen. Berlichingen 1, 328; 2, 126; 3, 23 etc.; Ein Geschwader r–er Pferden (s. d. 2h). Stumpf 428b etc.; Ritt er mit r–em Kriegesgeschwader. B. 66a etc.; Das r–e und Fußvolk. Schweinichen 2, 100 etc.; Der r–e Zeug = die Reiterei, Kavallerie. 1. Macc. 4, 7; 8, 6; 9, 11; Stumpf 144b; 672b; V. Il. 7, 343; Th. 24, 126; Zinkgräf 1, 297 etc.; Mit Wagen und „reusigem“ Zeuge. Mendelssohn Ps. 20, 8 und übertr.: Des neuen Testaments r–er Zeug soll nicht weltlich, sondern geistlich sein. Luther 1, 467a; 5, 533a etc., ferner = Gespann r–er Pferde etc. Hohel. 1, 8 etc.; Der r–e Knecht [berittner Kriegsknecht]. Möser Ph. 2, 94 etc., vgl.: Mit Fußknechten und „geraisigen.“ Schaidenreißer 74a etc.; Ein r–er Soldat. Ramler F. 3, 150; Einen „reißigen“ Kürisser. Luther 1, 366b; Ein r–er Einspänniger (s. d.). Zinkgräf 1, 248, vergl.: Etliche einspännige „Reißigen“. Berlichingen 55 (s. b); Die r–en Männer. W. Luc. 6, 181 etc.; So lange bin ich auch r. gewest [hab ich als Reiter gedient]. Berlichingen 9 (nebst Anm.), vergl.: Ich kann nicht r. [gerüstet] kommen auf dem blanken Dichterpferde etc. Logau 2758 (s. L. 5, 338); Bald richt’ ich mich rasselnd in Ferner (zuweilen auch refl.) sonst mit abhäng. Präpos., alphab. (b—p) zur Bez. der Richtung, z. B.: b) Er nöthigte mich durch seine reflektierende Kraft, vorwärts zu eilen und riß mich gleichsam an das Ziel, wohin ich strebte. G. 39, 459; Den Wirbel, | der an Körper Körper mächtig reißt, | .. den Zauber, | der zum Geist gewaltig zwingt den Geist. Sch. 2a etc., versch. zur Bez. des Wo: Einen an den Haaren etc. (aus dem Hause) r. c) Wollüst’gen Ungestüms reißt sie aufs Lager ihn; Daß sie die heilige Schrift nicht mögen auf ihren Tand r. [beziehn etc.]. Luther 1, 396a etc. d) Einem Etwas aus den Händen, dem Mund, Rachen etc. r.; Einen (oder sich) aus Jemandes Händen, Armen etc., aus der Noth, Verlegenheit r.; Wurzeln aus der Erde, sich die Haare aus dem Kopf r. etc., z. B.: Er wird dich r. aus dem weiten Rachen der Angst. Hiob 36, 16; Jer. 51, 44; 12, 14; Du hast meine Seele aus dem Tode gerissen. Ps. 116, 8; Wie ein Hirt dem Löwen .. ein Ohrläpplein aus dem Maul reißet, also sollen die Kinder Israel heraus gerissen werden. Am. 3, 12; Ein Brand, der aus dem Feuer gerissen wird. 4, 11; Man reißet Bäche aus den Felsen [macht sie hervorsprudeln]. Hiob 28, 10 etc.; Ratsch! riß er dem Hansjörg die Pfeife aus dem Munde. Auerbach D. 1, 47; Den Schleier aus einander zu r. (s. 2). Fallmerayer Mor. 1, X; Die Worte sind aus dem Zusammenhange gerissen (s. 2). Forster Br. 1, 323; Kleanth muß sich überfüllen, um sich aus seiner Unempfindlichkeit zu r. Gellert; Reißet euch gewaltsam aus einander (s. 2), | .. Feuerschlünde, | .. reißt euch auf! G. 35, 331; Lasst uns die Verwegene aus ihrer Dunkelheit r. 7, 318; Man ist .. dahinter her, man reißt sich die Stücke aus den Händen (s. 5c). Sch. 1, 131; R. Sie mich aus meiner Ungewißheit. L. Samps. 3, 5; Daß er [Kato] aus der Welt sich reißet vor der Zeit. Opitz (Wackern. 2, 322²); Böhmen | aus Feindes Hand zu r. Sch. 322b; Es ist nicht recht . ., | daß ich mich jetzt aus deinen Armen reiße. 494b; Wie aus sich selbst gerissen. W. 10, 17 [wie außer sich, entzückt, vgl. i: G.]etc. e) Er reißt ihn (oder sich) durch die dichte Menge etc., veralt.: Den Wein lustig durch die Zähne gerissen. Luther SW. 60, 125, in schnellen Zügen getrunken und refl.: Die Etsch, die wellenschlagend aus den Felsen sich mitten durch die Stadt in Schlangenkrümmungen reißt. Heinse A. 1, 48; Satan . . | reißet ergrimmt durch die Pforte sich. Kl. M. 2, 275. f) Die Strömung riß das Schiff gen Norden etc.; Er riß mich hinter den Vorhang etc. g) Einen in das Gewühl, mit in die Flucht, in den Strudel, in den Abgrund, ins Verderben r.; Sich einen Splitter in die Hand r. etc.; Die Stadt in den Bach r. 2. Sam. 17, 13; Jetzt riß Ulyß .. |den Seher .. in des Heeres Mitte. Sch. 29b; Mich selbst | ergriff der Strom der glaubenvollen Menge | und riß mich in das Weichbild Roms. 409b; Da kommt ein Sturm . | und reißt mich wieder in den Kampf der Wellen. 504a etc. h) Der Strudel .. riß mich nach oben. 64a etc. i) Er riß den Verfolgten über die Barridre, über den Graben etc.; Wie aus der Vernichtung meiner selbst, aus der stumpfen Unentschlossenheit mich das herrliche Gefühl, die Begier nach seinem Blute herausreißt, mich über mich selbst reißt! G. 9, 298 (vgl. d: W.). k) Einen um die Ecke r. etc.
1) Einen unter die dichte Menge, Etwas unter die Decke r. etc. m) Den Zweig vom Baum, das Blatt vom Zweig, Einem den Kopf vom Rumpf, den Knopf vom Rock r. (s. 2), ab-r. etc.; Dariß[„reiß“] alles Volk seine Ringe von ihren Ohren. 2. Mos. 32, 3; Ich dachte, du würdest deine Töchter von mir r. 1, 31, 31; Der Herr hat das Königreich .. von dir gerissen und deinem Nächsten gegeben. 1. Sam. 15, 28; Er wird das Reich von deiner Hand r. (s. d). 28, 17; 25, 10; Der Herr hat meine Feinde vor mir von einander gerissen (s. 2), wie das Wasser reißet (s. 7a). 2, 5, 20; 1. Kön. 11, 11 ff.; Sie r. das Kind von den Brüsten. Hiob 24, 9; Sie riß dem Einen sogleich von der Seite den Säbel. G. 5, 57; Asien riß sie [die Brandung] von Europen. Sch. 59a; Das schneidende Schwert von der Hüfte mir r–d, | haut’ ich ab die Seile. V. Od. 10, 126 etc. und refl.: Er riß sich von Saul. 1. Sam. 19, 10; Knechte, die sich von ihrem Herrn r. 25, 10; Luk. 22, 41 etc.; Vom Mädchen reißt sich stolz der Knabe. Sch. 77b; Sich von der Kette r.; Das .. Gewirre riß sich von einander. Klinger Giaf. 587 etc. n) Er riß sie (aus ihrem Versteck) vor das Haus, vor die Thüre etc. o) Einen, Etwas zu Boden (G. 20, 243; L. 11, 515 etc.) zur Erde r.; Er wird zum Grabe gerissen. Hiob 21, 32; Es reißt | mein Innerstes gewaltig mich zum Bruder. G. 13, 49; [Die Tugend], die .. den Geist | von großen Thaten ab (s. m) zu kleinen Skrupeln reißt. L. 3, 347; Bis vom verschmähtem niedrem Staube (s. m) | sich dein entbundner Geist | zum Himmel, deinem Ursprung, reißt. Uz etc. p) mit Adv. zur Best. der Richtung (s. Zsstzg.), z. B.: Aufwärts oder empor, niederwärts oder nieder, vorwärts oder weiter, rückwärts oder zurück, her, hin, herab, herauf, herein, heraus r.; Ihr Kraftgesang soll himmelan | mit Ungestüm sich r. Claudius (Ausw. d. Lied. 9); Stets riß ihn seine Forschbegierde weiter. Sch. 70b; Deß vermeßnen Arm ich rückwärts riß. Schlegel Sh. 8, 80; Wohin reißt dich die Adlersschwinge | der hohen trunknen Schwärmerei? W. 20, 7 etc. 6) zuw. ohne Angabe der Richtung = nach einer best. Seite hin oder: hin und her r. (s. auch 1), z. B.: Der unsaubere Geist riß ihn [„da riß ihn der unreine Geist noch hin und her“ Eß]. Mark. 1, 26; 9, 18 ff.; Als er den Gaul harsch mit der Kette riß. Alexis H. 2, 1, 127; Einen am Rock (Ärmel) r. etc.; Mus.: Ihre [der Harfe] Saiten werden von den Fingern beider Hände geschnellt oder gerissen. Lobe Mus. 120 und dazu (s. 2c) in der Bed.: durch R. hervorbringen: Daß seine zarten Finger schöne Weisen | auf allerhande Saitenspielen rissen. Schlegel Gd. 1, 129 etc.; Bühnenspr.: Koulissen r., mit Stimme und Gestikulation in roher Weise sich gewaltig gebaren, so daß man dadurch die Koulissen gleichsam um- oder mitfortreißt etc. Ungw. aber: Das Kränzel r. die Buben ihr [vom Haupt]. G. 11, 156 etc. r) zuw. auch unpers., z.B. (vgl. 0): Bald führt mich eine leise Hand, | bald reißt es [s. d. 7] mich mit Sturmeswehen. Schwab (Echtermeyer 595), oder (s. o): Zwar widerstreb ich noch, doch reißt es mich zu ihm etc., so auch fort-, hin-r. etc. S. ferner 6d.
2) (s. 1m) Etwas als Theil zu einem Ganzen Gehöriges von Diesem r. etc. und verallgemeint: die Kohäsion eines festen Körpers überwindend ihn mit plötzlichem Rucke der Länge nach aus einander gehn machen, eig. und zunächst mit den Händen, vgl. schneiden (mit scharfen, glatt theilenden Werkzeugen), spalten etc. und nam. brechen 1 und s. 7b:
a) gw. mit Zusatz: Etwas von (s. 1m) oder aus (s. 1d) einander, entzwei (G. 13, 189; Hölderlin H. 2, 87 etc.), in Stücke r., z. B.: Er riß den Mantel in zwölf Stücke. 1. Kön. 11, 30 etc., vgl. Zsstzg., nam.: zer-r., selten ohne Zusatz (außer in techn. Anwend., s. d—o), z. B.: Er riß [„spaltete“ Zunz] die Felsen in der Wüste [aus ein- ander] und tränkte sie [die Jsraeliten]. Ps. 78, 15; Jes. 78, 21; Wer .. | so der Zunge lässt den Zügel, | reißet auch der Ehre Zaum. | Längst hatt’ er ihn schon zerrissen etc. H. Cid 22; Die unschuldsvollen Bande .., die du mit höllischer Geschäftigkeit | zu [zer-]r. dich bemühst. Sch. 289b; Viktoria, Brüder! | Schrecken reißt die feigen Glieder [aus einander, oder s. 1g in die Flucht] | und seine Fahne sinkt. 7b etc.
b) Einen, sich r., ritzend verwunden, z. B.: Sich an einer Nadel, einem Nagel, Dorn etc. r.; Einen mit den Fingernägeln r., vgl. (s. 1m): Ihm mit den Nägeln die Haut vom Gesicht r. etc., s. c.
c) (vgl. 1q) mit dem durch das R. Entstehndem als Obj.: Warum hast du einen solchen Riß gerissen? 1. Mos. 38, 29; Ihr sollt kein Mal um eines Todten willen an eurem Leibe r. (s. 3) noch Buchstaben pfetzen. 3, 19, 28; Sich an einem Dorn eine Schmarre, Wunde r. n(s. b); Sich ein Loch ins Zeug r.; Spalten riß ich in die Felsen. G. 4, 151; Die durch seine Maßnahmen so weit gerissene Kluft. Gutzkow R. 8, 184; Lücken reißt die streifende Kartätsche. Sch. 7a; Angesicht, in welches Gram und Verzweiflung tiefe Furchen gerissen hatten. 715b etc.; Und in die beste Welt, trotz Vater Wilhelm’s Plane, | riß Fleischlichkeit und Simonie [der Pfaffen] | und Lässigkeit und Empirie [der Ärzte] | so gut ein Loch als Raubsucht und Schikane [der Juristen]. JBMichaelis 137 etc. Ferner in techn. Anwend.:
d) Ackerb.: Den Dreesch (s. d.), ein Feld, einen Acker r., auf-, um-r., zum ersten Mal pflügen, aufbrechen, brachen.
e) Federn r. oder schleißen, den weichen, flaumartigen Theil vom Kiel r.: (Un)gerissene Federn.
f) Fischbein r., die durch Kochen mit Wasser erweichten und zersägten Walfisch-Barten zu Stangen spalten, s. Karmarsch 1, 800.
g) Die (Harz-)Bäume r., an-r., meton.: Harz r., s. lachen II 2: Mit dem Harz-R. Döbel 3, 65b; Damit die Harzreißer keine Bäume r. (lachen), welche noch in ihrem Wachsthume stehen. Krünitz 22, 59 etc.
h) Holz, Stabholz, Latten, Dachschindeln oder Späne r., schleißen, spalten.
i) kaufm.: Leinwand, Laken etc. r., eine abgemeßne, oben durch einen Einschnitt mit der Schere bez. Quantität durch einen Riß nach dem Faden trennen. k) Kochk.: Einen Fisch, Hecht, Karpfen etc. r., auf-r., Behufs des Ausnehmens kunstgerecht aufschlitzen; Wer keinen Fisch kann r., | Der kann kein Koch nicht sein. Rachel 8, 418 etc.
1) Kupferhütt.: Das Kupfer in Scheiben r., beim Garen der Darrlinge, wenn das Kupfer den richtigen Grad der Gare erlangt hat, das geschmolzne durch Besprengen der Oberfläche mit Wasser zum Erstarren bringen und die so gebildete dünne Scheibe (Rosette) abheben etc. Karmarsch 2, 522, s. Rosettenkupfer. m) Landwirthsch., Thierarzn.: Thiere r., kastrieren, nam. insofern die Hoden bloßgelegt, die Samenleiter durchschnitten, der Rest des Samenstrangs zusammengedreht und abgerissen wird. Falke Th. 2, 232. n) Weber.: Das Aufschneiden der Pohle (s. d.) wird R. genannt und bei manchen Sorten des Manchesters unterlassen, die dann ungerissener Manchester heißen etc. Karmarsch 3, 593; In rothem gerissenen Sammet. ETAHofmann Ausgw. 7, 83. o) Weinb.: Den Wein r., im dritten Jahr Alles über der Erde befindliche Holz an den jungen Weinstöcken abschneiden etc. 3) zeichnen, eig., insofern es, wie das Schreiben, urspr. (s. 2, nam. 2c: 3. Mos. 19, 28) ein Einritzen mit dem Griffel (Stift etc.) war, jetzt zumeist von der Darstellung eines Ggstds nach seinen Hauptzügen, Kontouren, z. B.: Eine Blume r. Adelung; Hab ich ihn [den Bacchus] .. so mit Kohlen an ein Faß gerissen. FMüller (Wackern. 4, 776²), gw. aber in Zsstzg., s. d., z. B. wo noch die Urbed. hervortritt —: Daß man die Platte mit dem ganzen chemischen Grund überdeckte und mit einer Nadel die Lichter heraus- riß. G. 26, 80 etc. Auch ohne Obj. (s. 9e), z. B.: Auch ist bei euch in Gunstꝛ| .. die Malerkunst .. [Ihr] könnt selber artlich r. Opitz 1, 96 etc. Hierzu.: Reiß-Blei, -Brett, -Feder, -Kohle, -Schiene, -Zeug, -Zirkel etc.; Riß 3 und Zsstzg. 4) An 3 schließt sich: Possen (s. d. 2) r. und danach in einigen analogen Fügungen, z. B.: Daß man, wegen der nahen Verwandtschaft, ebensogut: „Suiten [s. d.] r.“ sagt als: Possen r. G. 21, 87 etc.; Witze zu r., wie im Norden die derbe Komik der Kneipe genannt wird. Kolatschek StdZ. (1860) 194; Alexis H. 1, 1, 185; Über unsern Studentenkomment dumme Witze zu r. Klencke Parn. 1, 8; Ein Hundsfott, der nicht scharrt, wenn vom Katheder herab auf ihn ein schlechter Witz gerissen wird. Voigts H. 19 etc.; Er riß betrübte Späße. Heine Lut. 1, 75 etc.; Dabei rissen sie ihre rohesten Zoten. Reis. 3, 61; Zoten-r–d. Fischart Garg. 89 etc. und veralt.: Unzüchtige Lieder singen, Brillen r., grobe Zoten und Lieder singen. Albertini Narrenhatz 12 etc., auch: Reime r., aus dem Stegreif reimen, z. B.: Reim-r–d und singend. Scherr Gr. 1, 332 etc. 5) refl.:
a) zu 1, s. nam. 1d; e; m; o und p.
b) s. 2b.
c) Sich um Etwas r. (wo „sich“ = einander): sich um das zu Erlangende eifrigst bemühn, indem Jeder es für sich haben und dem Andern entreißen will (vgl. 1d: G.): Was haben die Herren vom Regiment | sich um das niedliche Lärvchen gerissen! Sch. 321b; Ein so gefälliger, bewährter Freund! Auch reißt man sich in allen Häusern um ihn. 639b etc. Oberd. mit nach (s. Schm.) oder mit Genit. statt um, z. B.: Wann der verlorne Sohn ein armer Tropf Anfangs wäre gewest, so bin ich versichert, daß die schlimme und leichtfertige Vettel sich seiner nicht viel gerissen hätten. SClara EfA. 1, 290 etc. Dazu: Es ist das Geriß um Etwas oder Jemand; Es, er hat das Geriß = man reißt sich darum. Schm. 3, 134; vHorn rhD. 2, 214; Presber Wolk. 36 etc. 6) intr. (haben) oder ohne Obj.:
a) s. 3.
b) sonst ohne abhäng. Präpos., nur vereinzelt außer mit adjekt. Partic. (s. 8) und substant. Infin. (s. 9), z. B.: Sein Grimm reißet. [,Jm Zorn zerreißt und befeindet er mich“. Zunzl. Hiob 16, 9; Sie r. und hören nicht auf [,zer-r. (mich) und ruhen nicht“. Zunz]. Ps. 35, 15; Gleichwie ich über sie gewachet habe, auszureuten, zu r. [,,ein-zu-r.“ Zunz], abzubrechen etc. Jer. 31, 28. Dagegen mit abhäng. Präp., mit persönl. Subj. (c; d) und mit unpersönl. (e), so:
c) An Etwas r., r–d ziehn etc.; Jch .. willr., | will mächtig r. an dem Vaterherzen, | bis etc. Sch. 255a; Er riß an den Banden, ohne sie zer-r. zu können. Steffens Malk. 1, 403; An der Glockenschnur r. etc.
d) In Etwasr., r–d greifen; In die Saiten der Harfe r.; Als man ihn verbunden, | muß doch das Pflaster fort, er reißet in die Wunden. Opitz (Wackern. 2, 322³⁵) etc., auch: Eine Wassersuppe reißet dort mehr [ein größres Loch, s. 2c] in [den] Beutel, als ein erwachsener Bach in ein Gestätten [Gestade, Ufer]. SClara EfA. 1, 462 etc.
e) unpersönl., von einem dem R. ähnlichen Gefühl im Körper, das Einem mit heftigem Ziehn keine Ruhe lässt: Mir reißt’s in allen Gliedern! | Nicht das mindeste Vergnügen | macht es mir, Sie hler zu sehn. G. 8, 302, vergl.: Die Hitze schafft alles Flußartige weg und treibt, was Schärfe im Körper ist, nach der Haut und es ist besser, daß ein Übel jückt, als daß es reißt und zieht. 24, 58 etc. So nam. von rheumatischen Schmerzen: Es reißt mir in allen Gliedern, im Gesicht, in den Zähnen etc. und von Grimmen, Kolik: Es reißt (oder schneidet) mir in den Gedärmen, Eingeweiden, im Magen etc., auch: Es reißt mich in den Gedärmen; Fiel so hart, daß [es] ihn in allen seinen Gliedern riß [„reis“]. 2. Macc. 9, 7. Bes. oft im Partic. (s. 8) u. Infin. (s. 9). 7) intr. (sein):
a) (s. 1) mit raffender Schnelligkeit sich bewegen, selten außer im Partic. (s. 8) ohne abhäng. Präpos., z. B.: Der Herr hat meine Feinde vor mir von einander gerissen [1m], wie die Wasserr. 2. Sam. 5, 20 (oder zu 6a): Ich will einen Wirbelwind r. [,hereinbrechen“ Zunz] lassen in meinem Grimm und einen Platzregen in meinem Zorn etc. Hes. 13, 13 etc., häufiger mit Präpos., doch heute gw. nur zur Bez. einer Trennung (s. b), z. B.: Ein freier Geist, | der aus des Wahns Gefängnis reißt. Haller 129 etc. (s. aus-r.); Wenn ein solcher Geist durch dieses Spinnengewebe reißt [s. b und 6d]. Klinger F. 50 etc.; Da rissen [,,brachen“ Zunz] die drei Helden ins Lager der Philister. 2. Sam. 23, 16 etc.; Da riß auch die Plage unter sie. Ps. 106, 29 [,,Es brach ein Sterben unter sie ein“ Zunz]; Ach, daß ich möchte mit den Hecken und Dornen kriegen! so wollte ich unter sie r. und sie auf einen Haufen anstecken. Jes. 27, 4 etc.; Der Lappe reißet doch wieder vom Kleide. Matth. 9, 16; Daß er vor Wuth von der Kette reißt und auf mich dar und ich, wie alle Donnerwetter, reiß aus und davon. Sch. 107b etc.
b) (s. a und
2) bersten; brechen; auseinander, entzweigehn etc.: Der Altar wird r. [„bersten“ Zunzl . .. und der Altar riß (,,reis“). 1. Kön. 13, 3 ff.; Daß die Thäler r. werden. Mich. 1, 4; Der Faden (s. d. 4e), der Faden der Geduld (W. 11, 253) reißt; Es reißt ihm die Geduld. Heine Rom. 279; Das Zeug, der Strick reißt; Wenn alle Stränge (s. d.) r.; Die Saite ist gerissen etc.; Doppelt reißt nicht. Holtei Lammf. 1, 112 etc.; Da viele rissen, einer Hoffnung doch gewährt. WHumboldt 3, 50; Da die Wolken | rissen. Kl. M. 13, 688; Mit dem Gürtel, mit dem Schleier | reißt der schöne Wahn entzwei. Sch. 78a; Reiß dann, was mag! 333a; Ich faß es nicht! | und meine Nerven fangen an zu r. 251b; Denk’ ich nur dran, mein Herz möcht da vor Bosheit r.! G. 7, 31; 9, 274 etc. 8) im adjekt. Partic. Präs.:
a) (s. 6a und 9c) R–de Thiere (1. Mos. 37, 33; Jes. 35, 9), Wölfe (Hes. 22, 27; Matth. 7, 15), Löwen (Ps. 22, 14) etc., von Raubthieren, die ihre Beute mit den Zähnen zer-r. (s. Reißzahn); Wölfin von Frankreich, r–der als Wölfe! Schlegel Sh. 8, 217 etc.
b) (s. 6d) R–de Schmerzen, Gicht etc.
c) (s. 7a) in Eile mit ungestümer, unwiderstehlicher Gewalt vorwärts dringend, fortschreitend, rapid etc.: R–de Ströme, Fluthen, Fortschritte, Schnelligkeit etc.; Etwas geht r–d (Guhrauer Less. 1, 164) oder r–der-weise ab, hat r–den Abgang (Fichte 8, 240), findet r–den Absatz etc.; Die r–den Siegesfeldzüge. Ense Biogr. 3, 71; Brücke, worunter der Tiberstrom r–d in rauschenden wilden Fluthen wegschießt. Heinse A. 2, 233; Ich mache den zuw. etwas schleppenden Stil r–der. JvMüller 6, 233; Daß der Feind | so allgewaltig r–d vorwärts drang. Sch. 450b; Diese r–den Fortschritte. 948a; Wo dieser Strom .. mit r–der Schnelligkeit fluthet. 946a etc. 9) der substant. Infin.:
a) entsprechend dem Transit., z.B. (s. 2d—o) mit Genit.: Das R. des Fischbeins etc. oder häufiger verschmelzend mit dem Obj.: Das Dreesch-, Feder-, Fischbein-, Harz-, Holz-, Stab-, Latten-, Span-R. etc. und so auch (s. 4): Das Possen-, Witz(e)-, Spaß-, Zoten-, Reim(e)-R.
b) (s. 6d) Kam ihn ein solches R. im Leib an und so ein großes Krimmen in den Därmen. 2. Macc. 9, 5; Die sich durch die Erkältung R. in den Gliedern zugezogen. Forster R. 1, 139; Habe ich so ein R. in die Schenkel bekommen. Schweinichen 3, 63 etc. und verschmelzend: Zwischen dem Zahn-R. nur leiseres Mucken. V. Br. 1, 140; Gesicht-, Glieder-, Ohren-R. etc.; Darm-R. etc.
c) (s. 6a und 8a) veralt. = Raub etc.: Daß des Brennens und R–s ein Ende werde. Ps. 80, 17; Daß sie ein Raub und R. werden aller ihrer Feinde. 2. Kön. 21, 14 etc.
d) (s. 7b) Das R. des Fadens, der Saite etc.
e) (s. 3) Das R. oder Zeichnen. 10) Dazu: Reißer, s. u.; dagegen ugw.: Reißung, außer den transit. Zsstzgn.
Anm. Ahd. rizan, mhd. rîzen, alts. writan, vgl. für Bed. 3 goth. vrits, Punkt, Strich, Buchstabe; goth., ags. vrîtan, engl. write, schreiben etc. Vralt. Impf. noch bei Luther (s. o.) reiß. Dazu: Riß, ahd., mhd. riz; Ritze, mhd. ritze, ritzen, rizzan, mhd. ritzen, ferner reizen, ahd. reizjan, mhd. reizen (vgl. hin-r., anstacheln, lat. irritare) etc., s. Graff 2, 557 ff.; Schm. 3, 131 etc. u. ausreizen.
Zsstzg. vgl. die der svwdtn. Wörter, z. B. zu [1] ziehn, zu [2] brechen, kratzen, schneiden etc., zu [3] zeichnen, zu [7] brechen etc., z. B.: Áb-:
1) [1m und 2] tr.: Zweige, Blätter etc. (vom Baum) a.; Riß er einen zarten Senker | von der Mutterrebe ab. Kinkel 438; Den angeklebten Zettel (von der Wand) a. Thümmel 3, 52 etc.; Einem den Knopf (vom Rock), den Kopf (vom Rumpf), das Hemd (vom Leibe), die Larve (vom Gesicht) r.; Einen Ohrring hatte ich ihm bei der Balgerei abgerissen. Immermann M. 4, 55; Den christlichen Namen will ich .. euch a. Luther 3, 118b; Die Larve | erhabner .. Gesinnung | reiß ich ihr ab. Sch. 267a; Der dir, dem Gezwungenen, trotzvoll | irgend ein Gut abreiße. V. Od. 1, 404 etc.; Wer will uns von der Liebe Gottes scheiden und a.? Mathesius Chr. 26b; Bange vor zu großen Hindernissen, | hatt’ ich von diesem Gegenstand | mein lüsternes Verlangen abgerissen. Nicolai 1, 296 etc.; Ein Gebäude, eine Brücke etc. a. [vgl. abbrechen]; Das Gerüste wird abgerissen, sobald der Bau vollendet ist. L. 10, 58 etc.; Ein Ende, Stück vom Faden, den Faden (vom Gewebe) a. (s. 4); Wo Bojardo seinen Faden abgerissen, | knüpft er [Ariost] den seinen an. Nicolai 6, 7 etc.
2) Ein Kleid, Gewand etc. a. (versch. 1), abnützen, abtragen, so daß es zerreißt, z. B.: Ihr könnt leichtlich reißen ab | so einen weiten Weg eure Gewand. Ayrer 360 etc., nam. oft im Partic.: Abgerißne Kleider, Stiefel; Im abgerißnen Purpur. Cham. 4, 27 etc. und meton.: Jemand ist ganz abgerissen, seine Kleidung verallgemeint: er überh. befindet sich in desolaten Umständen: Das unselige Kriegsnachspiel mit Lazarethen, abgerissenen Soldaten. G. 25, 119 etc., vgl. 3b.
3) refl.:
a) (s. 1) sich los-r.: Das Pferd hat sich von der Krippe abgerissen; Er kann sich von der Arbeit nicht a. etc.
b) Jemand reißt sich ab, setzt sich angreifenden Anstrengungen aus. 4) [7b] intr.: Ihr Schwanz reißt ziemlich leicht ab, wächst aber allmählich wieder. Lenz Nat. 3, 18; Der Faden wird a., ist abgerissen etc. und so z. B.: So geht das Leben, bis es [vgl. der Lebensfaden] abreißt. Cham. 6, 143; Obgleich mit jedem hinscheidenden Papste die Kette abriß und mit jedem neuen Papste wieder frisch geknüpft wurde. Sch. 1039a etc. und allgm., sprchw.: Etwas reißt (gar) nicht ab, nimmt kein Ende, hört nicht auf, z.B.: Das Probieren riß nicht ab. Ramler F. 106; Seine nicht a–de Polemik. Guhrauer Less. 1, 292; Ohne A. Goltz 2, 345; 376; 3, 151 etc. 5) im adjekt. Partic. Pass.:
a) s. 2.
b) (s. 1 u.
4) aphoristisch (s. d.), ohne Verbindung des Einzelnen zu einem fortlaufenden Ganzen: Jedes allgemeine Räsonnement, das .. zusammenhängend oder abgerissen über Naturgegenstände vorgebracht wurd. G. 39, 274; Meine Freunde, bei denen ich sonst nur abgerissene Besuche machen konnte, wollten sich meines anhaltenden Umgangs erfreuen. 17, 163; Wir pflogen | abgerißnes Gespräch. 1, 275; Abgerissene | Koncepte. Sch. 285a; Ahgerißne | Gedanken aus dem Tacitus. 288b; FSchlegel Luc. 193 etc. 6) Fortbild. zu 5:
a) Die Abgerissenheit der Kleidung etc.
b) Ohne Zeichen ihrer verstümmelten Abgerissenheit in einander geschoben. Arndt Ber. 65; Den Mangel des Zusammenhangs, die Abgerissenheit. Ense Tag. 1, 330; Eine seltsame Abgerissenheit der Gedanken. Meißner Sans. 2, 77 etc. 7) [3] Daß ich sie bisher nicht recht .. gemalet habe, sondern allein auf ein Papier [Acc., s. u.: Sch.] schlecht dc abgerissen. Luther 5, 161b; 8, 116a; Mendelssohn 4, 1, 37; IP. 2, 89; 16, 5; Die Fratze mit einer groben Feder auf dem Papier [Dat.: s. o. Luther] ab-zu-r. Sch. 1210a etc. 8) Die Abreißung zu 1 und 7. 9) Abreißer:
a) mit nachfolg. Genit.: Einer, der Etwas abreißt (1; 7), z. B.: Der Abreißer des Plakats etc. Ferner sachl., z. B.:
b) (Müller.) die von den Mühlsteinen erst im Groben zerrissenen (noch nicht zu Mehl gewordnen) Körner.
c) (s. 7) ein Werkzeug zum A. (7), Linienziehn, z. B. bei Böttchern, Tischlern etc. ein Pfriemen; bei Gärtnern ein eisenbeschlagner Stab zum Abstecken der Beete etc.
An-:
1) Etwas zu reißen anfangen: Ein Stück Leinwand a. [2i]; Einen Acker a. [2d] etc.
2) (s. 1) durch Ab-R. eines Theils Etwas unganz machen (vgl. anbrechen 1): Einen Holzhaufen a. Adelung; Wenn der Wolf ein Schaf anriß, das sie ihm noch zur rechten Zeit abjagten. Kohl Südr. 2, 208.
3) an der Oberfläche ritzen, z.B.: Harzbäume a. [2g]etc., auch: Bäume a., sie durch Ritzen in der Rinde bezeichnen (vergl. 4 und malen 1).
4) s. 3 und [7]:
a) (Bauk.) das Maß eines Gebäudes etc. abstecken.
b) (Holzarb.) Die Zapfen a., sie mit dem Abreißer bezeichnen.
c) (Gießer.) die Umrisse der Patrone auf dem Gießsand bezeichnen mittels des sog. „Anreißers“. 5) [1a] an sich reißen: Der Magnetberg, mit den Nägeln angerißner . . . Schiffe überdeckt. IP. 40, 65. 6) refl.: Sich a., sich etwas betrinken, und nam. im Partic.: Angerissen, betrunken. Vollmann. 7) Anreißung. 8) Anreißer, s. 4c.
Āūf-:
1) tr.:
a) reißend öffnen: Etwas Geschloßnes, Zugemachtes, Zugebundnes, Zugenähtes etc., die Thüre (Hagedorn 1, 37), die Pforten (G. 11, 31), den Schlag am Wagen (Göckingk 3, 65), das Fenster, den Sack, den Verband, die Wunden (IP. 8, 103), die Naht, das Gewand (Wackern. 2, 1645²⁶), den Vorhang (Klinger 11, 229) a.; Auf durch die Hallen reißt ein Stoß | die Riegelpforten. Boie (Matthison A. 8, 125) etc.; Dem Wasser den Damm a. Spr. 17, 14 etc.; Den kümmerlichsten Bodenraum mit Pflugschar a. [2d]. G. 30, 459; Säete die Zähne in die aufgerissene Erde. Klinger 2, 194; Das A. des Erdreichs (vrsch. 3), Aussaat etc. Sch. 1010b etc.; Einen Fisch a. [2k]; Einen Baum mit dem Messer a. [ritzen]. Tabernämontanus 1371; Auf-zu-r. die Haut mit den eigenen Klauen des Löwen. V. Th. 25, 177; Hat mich so gebissen | und mir das Maul mit aufgerissen [verwundend, s. u.]. Lichtwer 124; Keiner reißt dem mächtigen . . Verbrecher die Brust auf. Klinger Th. 2, 112; Goß .. Wundwasser in die weit aufgerissene Seele der Mutter. JP. 10, 101 etc.; Die Augen (Sch. 118b) ein Paar große Augen (W. 1, 125) a., weit öffnen, verwundert, staunend etc., ebenso: Mund und Nasen a. Sch. 188a etc., aber auch: Dies würde unsern Mißgünstigen nur Gelegenheit geben, die Mäuler auf-zu-r. [zu lautem Geschrei] etc. und mit (persönl.) Dat., z. B. eig.: Herkules, der dem Löwen den Rachen aufreißt. G. 28, 89 etc. und übertr.: Einem das Maul a. (versch. oben), ihn bewegen, das Schweigen zu brechen und sich laut hören zu lassen, z. B.: Das Unbild [die Unbilde] oder die Wahrheit reißt mir das Maul auf. Aventin. Chr. 21b etc.; Einem die Augen a. (oder öffnen, s. d. 1g), z. B.: Meine gegenwärtige Schrift wird Denen, die nicht Schälke sind, die Augen a. Fichte Leb. 1, 402 etc.
b) [1] empor-, in die Höhe reißen: Dich reißet neu Verlangen | auf zu höherer Begattung. G. 4, 16; Mit welcher Größe, welchem Ernste riß | er aus dem weichlichen Gefühl mich auf! 35, 222; Eine Hand riß seinen innern Menschen aus der Wiege auf. JP. 21, 110; Mit dem in der gesunden Rechten schnell aufgerißnen Säbel. FPflug (Volksz. 10, 91) etc.
c) (Tuchmach.) = aufkarden, aufkratzen.
d) [7] aufzeichnen, z. B.: Der Dichter [einer Oper] soll seine Umrisse auf ein weitläuftig gewobenes Zeug a. etc. G. Zelt. 2, 19, nam. (Bauk. etc.): einen Aufriß (s. d.) machen. Fischart Garg. 186b etc. und (Wappenk.): Ein Wappen a., entwerfen und zeichnen etc.
2) refl.:
a) (s. 1a) Als die Thür mit Heftigkeit sich aufriß. G. 17, 180; O reißet euch gewaltsam aus einander, | .. Feuerschlünde, .. | reißt euch auf! 35, 331; So reißt ein schwarzes Felsenthor sich auf. Sch. 552a (vgl.: Es öffnet sich schwarz ein schauriges Thor. 50a) etc.
b) (s. 1b) Wie er sich hinwarf .. und laut aufweinte .., aber sich stets wieder aufriß als Mann. Engel (Wackern. 4, 873 ³⁵); Da riß .. Here | schnell vom 91* h Sitze sich auf. G. 5, 105; Die Sonne | riß leichter sich aus ihrem Silberbette | nicht auf. 7, 307; P. riß sich, wie von einer Natter gebissen, auf. Gutzkow R. 5, 502; Da riß sich L. aus ihrer dumpfen Erstarrung auf. Kl. 12, 286; So sich auf-zu-r. von dem zurückziehenden Erdenfußblock und sich.. in den Äther zu werfen. IP. 21, 85; Jch reiße mich aus meinem dumpfen Kerker | auf in die Arme der Natur. Seume Gd. 201 etc.
3) [7b] intr. (s. 1a; 2a): Berstend reißt | der Boden unter meinen Füßen auf. G. 7, 226; Man setze die Fische, welche ganz gekocht werden, mit kaltem Wasser auf; sie reißen dann nicht so auf etc. Scheibler Kochb. 271; Da riß der Vorhang auf, | der vor der Zukunft hängt. Schubart 2, 9 etc.; Das A. (vrsch. 1a) des Erdreichs. Āūs-:
1) tr. einen in Etwas befindlichen, darin festsitzenden Ggstd. durch Reißen daraus entfernen, vgl.: Ein Blatt am Baum ab-r., im (oder aus dem) Buch a.; Pflanzen, Wurzeln, Steine etc. a. (aus der Erde); Hat ausgerissen meine Hoffnung, wie einen Baum. Hiob 19, 10 etc.; Einem die Augen, die Haare, den Bart, Zähne etc., sich die Haare etc., einem Vogel Federn, einem Bock die Hörner a.; Den Pfeil a. (aus dem Herzen). B. 11a; In seine Kinder .. ein Nichts zu impfen, das er aus sich schon ausgerissen hat und das er später selber wieder auszureuten gedenkt. IP. 36, 65 etc. Vereinzelt: Daß er ihm den römischen Adler ausriß [ent-. riß]. Lohenstein (Wackern. 3, 886²) etc.
2) refl. (s. 1): Sagt zu diesem Maulbeerbaum: Reiß dich aus. Luk. 17, 9 und von Pers.: Ich will mich a. [frei, davon machen]. Richt. 16, 20; Fischart Garg. 255b etc., heute gew. intr. (s. 3c).
3) intr.:
a) [7b] Eine Naht, ein Knopfloch, der Damm, Deich, reißt aus etc. (s. c).
b) (s. a u.
c) Die Geduld reißt mir (LPHahn Ad. 30 etc.) oder: meine Geduld (L. 2, 482 etc.) reißt aus. c) [7a] fliehn, eilig sich davon machen (vergl. auskratzen 2; desertieren und Ausriß etc.): A., wie Schafleder (s. a); Dann bin ich ausgerissen. Arnim 260; Der Hengst riß wiehernd aus. Freilig- rath SW. 1, 162; Läuflinge, die von Heer zu Heer um schnöden Handgelds willen ausrissen. Jahn M. 92; Vom Käficht ausgerissen. Opitz 1, 88; Ich wie alle Donnerwetter, reiß aus und davon. Sch. 107b und Jmperat.: 120a; Er schleppte sie ins Dickicht, dort mit ihr aufs Pferd und reißaus! Ense Denkw. 6, 554 etc. und danach substant.: Den (SClara EfA. 1, 146; Sturz 2, 376) oder gewaltigen (Platen 4, 86) oder das (L. 13, 602) Reißaus, zumeist bloß: Reißaus (G. 20, 70; Platen 7, 181)nehmen, s. Zsstzg. von aus u. 4a.
4) Ausreißer:
a) (s. 3c) Jemand, der ausreißt, nam. von Soldaten, doch auch sonst: Ein vagabundierender Ausreißer aus der gelangweilten Ödigkeit der vornehmen Welt. Auerbach Leb. 2, 52; Ausreißer bekommen die Spießruthen. Benedir 10, 149; Ausreißer aus dem Treffen. Kürnberger N, 2, 102; Lohenstein (Wackern. 3, 890²⁰); Schlegel Somm. 3, 2 etc. Dazu: Ausreißerei. Goltz 2, 370.
b) (Bergb.) ein von dem Hauptgang sich zu Tage wendender Erztrumm.
c) ein Bohrloch, aus dem der Schuß „auspfeift“ (s. d. 5) oder ausreißt. Dahín- [1p]: Ein ehrnes Schicksal waltet über mir | und unaufhaltsam reißt es mich dahin. Cham. 4, 192; Alle, | von einem Strom vermischt dahingerissen. G. 13, 245; 304; Kl. M. 16, 450; Sch. 375a; Wie .. Sturm .. den Kiel in den Wallungen schaukelnd dahinreißt. Schlegel (Wackern. 2, 1308¹*) etc. Davón- [1p u. 7a]: s. aus-r. 3c. I. Dúrch-: 1) tr.: mit Rissen mitten hindurch reißen, aus einander reißen (vgl. II): Das durchgerißne Blatt; Das Durchgerissene mit bemeldtem Aquafort aufgeätzet [vom Kupferstecher]. Garzoni 366b; Womit du .. des Nächsten Ehrenkleid .. durchgerissen. Günther 484; Grotten und Waldung und durchgerissene Felsen. Heinse A. 1, 43 etc. 2) refl.: sich hindurch reißen (vgl. 3): Umhüllten sie solange, bis sie sich durchgerissen oder durchgeschnitten. G. 20, 243; Ehe noch seine Thränen durch den harten Schmerz sich durchgerissen hatten. IP. 10, 57; 23, 20; Wer aber tüchtige Anlagen hat, von Dem fordern wir, daß er sich durchreiße. Vischer Ästh. 2, 200 etc. 3) intr.:
a) [7a] reißend hindurchdringen, vgl. 2 und aus-r. 3c, z. B.: Das d–de Wasser. G. 23, 146; Wie am Himmel durch lichte Fugen das Blaue durchriß. IP. 7, 239; Denkt ihr wohl gar mit den Waffen noch durch-zu-r.? Sch. 123b etc.
b) [7b] vergl. 1: Wie ’ne Bogenschnur, die durchriß. Freiligrath H. 280. II. Durch-: tr.: entzweireißen, zer-r., c vgl. I1, z. B.: Durchriß das Gefühl sein Herz. Klinger 4, 265; Den Traum durchriß ein .. Jüngling. IP. 26, 140; Bis .. | ein schweres Ach der Zunge Band durchreißet. Sch. 31b; Jch will seine Kabalen durchbohren, d. will ich alle diese eisernen Ketten. 193a; 295b; Eure künstlichen Gewebe | mit einem graden Schritte zu d. 359b; 423a etc., auch: Die blitzdurchrissenen Gewitterwolken. Bettine 1, 126 [vom Blitz] etc.
Eīn-:
1) tr.:
a) einen Riß in Etwas, nach innen machen (s. 2a): Ein Stück Zeug, Leinwand etc., einen Fingernagel etc.
b) reißend eindringen machen, einbohren: Der die scharfen Krallen | ins Herz mir eingerissen. Cham. 4, 122 etc.
c) durch Reißen eine Offnung (Lücke, Loch etc.) in Etwas entstehn machen: Löcher in den Strumpf, Wunden ins Fleisch e.; Die Fluth reißt Lücken (Spalten etc.) in den Damm ein.
d) s. c und [3] Der mit dem Griffel eingedrückte Umriß, wie ihn die alten Maler ein-zu-r. pflegten. Niebuhr 2, 134.
e) reißend einstürzen machen (nieder-, um-r.): Gebäude, meinen Hoffnungsbau (Weichmann 1, 242), Häuser (1. Kön. 9, 8 etc.), Kirchen (3. Mos. 26, 31), Mauern (2. Chr. 25, 23; 1. Macc. 6, 62), Altäre (4, 45; 5, 68), die Öfen (Luther SW. 61, 377) e.; Sie baute sein Bette | und riß . . es oft wieder ein. Langbein 2, 15 etc.
f) ugw. faktitiv zu 2b: reißend eindringen machen, verbreiten: Wie die Saducäer .. solch Gift unter Gottes Wort gesäet und bereit weit eingerissen hatten. Luther 6, 226a.
2) intr.:
a) (s. 1a) einen Riß nach innen bekommen: Der Nagel am Finger reißt ein, ist eingerissen etc.
b) reißend eindringen, z. B.: Wehren, daß nicht die Wölfe e. Luther 2, 375b etc. und nam. [7a] von Etwas, dessen Eindringen, Verbreiten u. Fortschreiten man hemmen, dämmen, zurückdrängen etc. möchte (vergl. mundartl.: Der baumwollene Verdienst ist gewöhnlich, wo er neu einreißt, sehr gut. Pestalozzi 3, 28 etc.) —: Wie ein Hagelsturm, wie ein schädlich Wetter, wie ein Wassersturm, die mächtiglich e. Jes. 28, 2; 8, 8; Dem e–den Strom der Un- ordnung und Ruchlosigkeit Einhalt zu thun. W. 14, 191 etc.; Die Unordnung, Ruchlosigkeit, eine Ansicht ( Gutzkow Bl. 1, 391), eine Freigeisterei (Lichtenberg 1, 217), ein Irrthum (Luther 6, 386b), die Abgötterei (Mathesius Sar. 44b), ein Aberglaube (120), ein Übel (Mendelssohn Morg. 1, IX), eine Raserei (Ph. 1, 97), Schand’ und Üppigkeit (Opitz 1, 94), die Pest (Sch. 1081b), die Weichlichkeit (Wackern. 4, 1212 4⁰), eine Sitte, Unsitte etc. reißt irgendwo ein, ist dort eingexissen; Auf daß es nicht weiter einreiße unter das Volk. Ap. 4, 17; Danach wird’s weiter e., daß etc. Luther 3, 45 etc.; Etwas, ein Übel, eine Neuerung, Spaltung etc. e., weiter e., die Trennung größer e (L. 10, 271) lassen etc., s. auch 1e.
3) refl.: vralt. statt 2b, z. B.: Lanz Staatsp. 467; Paracelsus 2, 286a etc. Empōr-: auf-r. 1b u. 2b, z. B.: Vom Verwünschen wurde man zu schnell ins Beweinen emporgerissen. IP. 26, 7. Ent-:
1) tr., refl.: reißend entziehn:
a) Etwas e., z. B.: Stemmend gegen die Leiche den Fuß, entriß er den ehrnen | Speer nur noch. B. 228b.
b) Einen e., z. B.: Den spat entrißnen Ahnen trug die Klage | .. zum Grab. G. 6, 204.
c) mit Präpos. zur Angabe des Woher: Daß Gott meine Haus- ehre durch den Tod von meiner Seite entrissen. Butschky Kanzl. 911; Entreißt der Hirt sich schon aus seiner Liebsten Küssen. Haller 31; Mich aus diesem Ungewitter zu e. [erretten]. Olearius Ros. 66b.
d) mit Präpos. zur Angabe des Wohin: Wie tief das Auge mit der Schattenwimper| in süße Einsamkeit das Herz entreißt. Lenau Fast 103; Mich entreißt der trunkne Wohllaut .. | in Geklüft empor und Waldhöhn. V. 3, 53. c) Einem Etwas e., z. B. ein Spielwerk (Börne 2, 489); den Dolch (Sch. 433b); die Keule (62b) etc.; unsre Gunst (G. 9, 60), alle Freude (11, 18) e.; Was sie gewann, wer will es ihr e.? 13, 326; „Dein Wort, du gabst es mir“. .. Entrissen hast du’s mir. Gotter 2, 241; Lässt er geschickt den Namen sich e. Sch. 30a; Einem oder seiner Brust, seinem Herzen ein Geheimnis e. etc. f) Jemand (L. 2, 323 etc.) oder sich Einem e.; Dieses Thieres Schnelligkeit entriß | mich Bannier’s verfolgenden Dragonern. Sch. 369b etc.; Entreiße dich dir selbst! G. 13, 212; Durch eine stärkre Macht mir selbst entrissen, | erfahr auch ich nun das gemeine Los. Sch. 614b etc. g) (s. f) Einen oder sich etwas Sachlichem oft mehr oder minder personif. e., z. B.: Jemandes Armen, Umarmungen, Liebkosungen (L. Samps. 2, 3), der Verfolgung, Gefahr e. etc.; Sie entrissen sich kaum den wüthenden Tritten und Schlägen. G. 5, 37; Ich fühle, daß ich noch der Welt gehöre! | entfliehn konnt’ ich, ihr mich nicht e. 8, 111; Da entriß ich mich dem Tod. Sch. 30a; Edle Seele, entreiß dich dem Wahn. 88b; Entreiß dich diesem unglücksel’gen Anblick. 512a; Ich kann dich einem harten Joch e. 614a; Ihn einem so beglückenden Irrthum zu e. W. 5, 135 etc., auch mit sachl. Subj.: Laß sich dir nicht e. | dieser Jahre kurze Frist. Fleming 491; Ein tiefes Ächzen entriß sich der Brust. Klinger 7, 250 etc. h) (s. g) vereinzelt mit Genit. statt Dat.: Daß Einer dort und hier des Fleisches sich entrissen. Hoffmannswaldau Held. 32; Doch leuchtet mir die . . Nothwendigkeit, mich meines Müßiggangs .. zu e., .. ein. Platen 6, 118 etc.
2) [7a], vergl. 1 f und g, aus-r. 3c: intr. (sein) eiligst entfliehn: Ein Tanzbär war der Kett’ entrissen. L. 1, 102; Entrissene Bestien. Wiedemann Febr. 17 etc., (im Allgm. veraltend). Entgêgen- [1; 7a]: Als er vom fernen Süden | den. Riesen aus der Mitternacht | sein Heer entgegenriß. Ramler. Fórt- [1]: Ich bin wieder in dem Zauberstrudel fortgerissen. G. 7, 335; Sie hielt an und ließ sich wieder von ihm f. 15, 22; Die Lesung eines Buchs, das ihn unwiderstehlich fortriß. 23, 230; Die den Steinabbruch nicht mehr hindern können, auch die jungen Bäume mit fortzureißen. Kohl A. 3, 284; Jene .. Wetterbäche .. reißen die Dämme | donnernd mit fort. Sch. 491b; 641b; Unvermerkt fortgerissen, sich an fremder Freiheit zu vergreifen. 771b; Welcher herab vom Geklipp fortreißt die ergossene Herbstfluth. V. Il. 13, 138; Der Gedankenflug meines stoīschen Weltweisen riß mich gleichsam über mich selbst fort. Zschokke 1, 89 etc., auch [1q]: Wenn ich am Krankenbette betete, so riß es mich mächtig fort. Frese Bede 1, 106; Der Knabe ging zu jagen | und es treibt und reißt ihn fort. 50b etc., vgl.: Unsres Herren Losungswort | war die verlorne Schlacht. | Das riß uns wie die Windsbraut fort. 12a. Selten o. Obj. oder [7a] intr.: Weil der Strom des Demokratismus unaufhaltbar fortriß. FSchlegel GR. 275. Hêr-, Hín- etc.:
1) [1] Ich riß es zu mir her, er zu sich hin, ich herab, er hinauf etc., ferner nam.: Hin-r., mit unwiderstehlicher Gewalt fort-r., dahin-r., z. B.: Es riß den .. Sinn ein Vorwurf [ein Objekt], der sie übertraf, durch seinen Schimmer auf sich hin. Brockes 9, 363; Sie mit in den Abgrund hin-r. Cham. 4, 272; Hingerissen vom Strome [der Menschen]. G. 5, 9; Wer kennt Sie und ist nicht gleich lebhaft für Sie hingerissen? 10, 7; Mich zum jähen Abgrund hin-zu-r. 13, 261; Gewaltsam schmerzlich reißt Zerstörung oft | durch Höllenqualen in die Ruhe hin. 291; Von Lucianens Vorzügen hingerissen. 15, 195; 18, 220; Sich vom Ahnenstolze hin-r. lassen. 33, 249; So kann ein solcher Irrthum die Menschen ..hin-r. 39, 234; Es riß nicht hin, o nein! aber es nahm hin, fest und unwiderstehlich. Höfer Hausbl. (56) 1, 113; Klinger Th. 2, 259; Von Begeisterung hingerissen. Sch. 28a; Wozu Unwissenheit, Mißtrauen, Furcht und unbesonnene Hitze den Prinzen sonst hin-r. können. 770b; Daß sich der Dichter von diesem unbedeutenden Gewinn habe hin-r. lassen. ebd.; Der ruhige umsichtige Verstand zog mich an, während die geistreiche Tiefe Mathildens mich hinriß. Steffens Malk. 1, 295; Ein vom Feuer seines Temperaments zu allen Ausschweifungen hingerissener Prinz. W. 5, 190; 20, 182; Luc. 1, 325 etc., so oft im adjekt. Partic. Präs.: Das Herz ihres Lesers durch hin-r–den Vortrag bestechen. Sch. 706a etc. und dem passiv. Partic. entsprechend: Keine Spur von dem Hingerissensein in den Taumel der Sinne und des Bluts. Stahr Par. 2, 156 etc. und: Ohne Gefühl, ohne Hingerissenheit. Klinger F. 235 etc., seltner: An solchen Eingebungen, | prophet’schem Drange, dunkeln Hinreißungen | erkennt man .. der Liebe göttliche Natur. Nicolai 7, 192; ferner: Ich riß Ranke nach Ranken herab. G. 1, 261. Da reißet die Brücke der Strudel hinab. Sch. 62b; Kl. M. 4, 330. Er riß aus Trug und Wahn . .. das . . . Volk herauf. Tiedge Ur. 5. Als der Jüngling mich schon über das glühende Gerölle hinaufriß. G. 23, 238. Wenn ich einen starken Barben an der Angel habe, reiß ich ihn nicht gleich heraus [aus dem Wasser]. Auerbach Leb. 2, 57; Er riß . .. den Speer heraus. B. 165b; Das Mittel, wodurch ich mich aus so vielen Verwirrungen herausgerissen. G. 22, 223; Herausgerissen aus dem Zusammenhang der Dinge. Sch. 1003a etc.; Solche Herausreißungen einzelner Verse. H. R. 9, 224. Das Pferd riß ihn oder sich durch den Strudel hindurch etc. [Der] uns ganz unerwartet in medias res hineinreißt. G. 38, 17; In welches Wagnis reißt ihr mich hinein? Sch. 423a etc., vrsch. (vgl. ein-r. 1c): Ein Loch in Etwas hinein-r. etc., s. [2c]. Zweige hernieder- (oder herunter-)r. Ihn über die Brücke hinüber-r. Daß im Wirbel der Floß sich herumriß. V. Od. 5, 314. Man wird dich von deiner Macht herunter-r. Am. 3, 11; Auerbach Gv. 286; Heruntergerissen | in diese .. Tiefen! G. 7, 307 etc., auch übrtr. (vgl.: heruntermachen): scheltend und tadelnd herabwürdigen: Meine letzte Erzählung schonungslos her- untergerissen und mit Hohn und Spott begeifert. Benedir 10, 55; L. 12, 289 etc., ferner: Ein Tonstück auf der Geige herunter-r., rapide aufspielen. Hackländer Erl. 1, 286 etc. Aus geheimnisvollen | verborgnem Zustand .. ans Licht auf einmal | hervorgerissen. G. 13, 242 etc. Wenn Jemand käme und dich hinwegrisse. Luther 5, 533a; Hinweggerissen hatte sie der Strom | des Volkes. Sch. 450a; Schweinichen 3, 271 etc.
2) [7a] intr. (sein), vgl. 1, z. B.: Er [der Ur] bricht endlich hervor, reißt hin durch jegliches Stellnetz. Schlegel (Wackern. 2, 1301 ); Da wurde das Licht! Du, Gabriel, sahest, | wie es hervorriß. Kl. M. 6, 504 etc.
3) [3] Eine Kohle zu ergreifen und den Umriß eines menschlichen Schattens an die Wand hin- zu-r. W. 21, 298 etc., vergl.: Mit einer Nadel [auf dem Grunde] die Lichter heraus-r. G. 26, 80 etc. Lōs- [1]:
1) tr.: Das Eisen l. LPHahn Hohn. 48 etc.: Du rissest mich von der Verzweiflung los. G. 11, 28 etc. und im Partic. (vgl. 3): Losgerissen stürzt | anwachsend die Lauwin’. Cham. 3, 52; Die Armee, | .. vom Staat, von ihrem Kaiser losgerissen. Sch. 334b etc.
2) refl.: Sich l. G. 9, 46; 53; 13, 167 etc., von Etwas. Freiligrath Ven. 21; G. 6, 334; 11, 35; Sch. 642 etc.; aus Jemandes Armen etc.; auch: Reiß der Bande dich los. Knebel 1, 23 etc.
3) intr. [7a] = sich l.: Riß von unbekannten Höhen eine Schneelawe los. JvMüller 24, 253 etc., vergl. 1.
4) Losreißung. Schelling 2, 2, 509 etc. Mít-: nam. = mit fort-r., z. B.: Der vorübergehend ihn in seine edlen Bestrebungen mitriß. Gervinus Lit. 5, 404; 393; Der Geist, der im ganzen Korps thut leben, | reißt gewaltig wie Windesweben | auch den untersten Reiter mit. Sch. 322b etc. Nāch-: z. B.:
1) [1a] nach sich reißen: Wenn wir verderben, reißen wir sie nach [ins Verderben]. Sch. 423a.
2) durch Reißen gemachte Offnungen etc. erweitern, nam. (Bergb.): Die Firste n.; auch: Die Strossen (s. d.) n., stückweis nach einander brechen.
3) intr. (sein), vgl. 2 und [7b]: weiter reißen, sich reißend erweitern, von Rissen etc. 3) [3] nachzeichnen: Sie reißen nach im weichen Sand, | was sie erschaut, mit flinker Hand. Reinick (DMuseum 1, 1, 171); Die Bilder nachgerissen. Tieck N. 5, -10 etc.
4) [4] Ein stehender Witz, der hier von Hunderten nachgerissen wird. Heine Reis. 1, 211 etc. Nīēder-: zu Boden reißen (vgl. ein-r. 1e): Das Haus (G. 6, 319), die Burg bis auf den Grund (Wackern. 2, 1265), die Strebepfeiler (L. 10, 10) n.; Ihre Batterien rissen ganze Reihen unsrer Leute nieder. Hackländer SoldKr. 154; Der Felsen thürmt und niederreißt. Sch. 4b; Reißt .. die Mauern ein! .. Reißt nieder! 547b etc.; Wolf, Niebuhr, Strauß, furchtbare Niederreißer. Ense Tag. 1, 106. Über-:
1) tr.: hinüber-r. 2) [7a] intr. (sein) von Wassern etc.: reißend übertreten übers Ufer: Die Fluthen reißen über. G. 1, 145 etc. I.
Um-: 1) reißend umstürzen, umfallen machen, (s. 2 und ein-r. 3e, nieder-r. etc.):
Wasser reißt wohl Eichen um. L. 1, ...; Was sich auf einmal um-r. lässt, braucht man Das erst zu erschüttern? 5, 391; Du hast ein Gebäude umgerissen, .. das Mausoleum deines Oheims. Sch. 157b; Wenn ich ans U. denke. 164a etc. In ungew. Betonung: Den Baum des Lebens dürft ihr frech um-r. (⏑–⏑). Baggesen 5, 244.
2) reißend das Untre nach oben bringen (s. 1), nam. [2d]: Den Acker (mit dem Pfluge). Döbel 3, 72b; G. 18, 15 etc. II. Um-: 1) s. I1. 2) [3] Etwas in seinen Umrissen zeichnen: Wann hab ich dich umrissen, | du keckes Bild? Freiligrath Garb. 111; Nur umrissene Figuren. G. 15, 160; 18, 279; 19, 389; 23, 272; 337; Wieland’s Charakter, Dessen Denk- und Dichtweise wird von ihr umrissen [in den Umrissen geschildert, mit Worten]. 6, 217; 22, 185 etc.; König Kl. 1, 368; Kosegarten Rh. 1, 5; Die Städte .. lagen vor uns .. so scharf umrissen, als könnte sie ein Bogenschuß erreichen. Stahr It. 2, 297; Vischer Ästh. 2, 208 etc. Ver-:
1) obrd. = zer-r., z. B.: Auerbach D. 1, 451; 506; Gotthelf Obramtm. 47; Hebel 3, 85 etc.
2) (s. 1) Diese Waare wird förmlich verrissen, findet reißenden Abgang.
3) Etwas von der Stelle, wo es sein sollte, weg-r.: Sie haben mir bei der Haussuchung alle meine Papiere verrissen; Als er das Tuch, das die Körper .. bedecken sollte, ganz verrissen fand. AG Meiß- ner. Vōr-: z. B.:
1) [1] durch Reißen nach vorn oder Etwas hin bringen: Bis Dieser die Vorhänge vorriß. Ip. Tit. 37.
2) [3] vorzeichnen, z.B.:
a) als Muster: Ihr Blümlein . ., | wer hat euch vorgerissen? | Wo nahmet ihr das Muster her, | davon ihr euch kopeiet? Spee (Wackern. 2, 283 ¹) etc., auch: Er hat in dem Gewissen | die Pflichten der Natur den Menschen vorgerissen. Haller 151 etc.
b) als Das, was dem später zu Zeichnenden vorangehn muß: Der Stichel grub Noten auf Noten auf die vorgerissenen Notensysteme [der Kupferplatte]. Brachvogel FB. 2, 62 etc.
3) [4] Der buntschillernde Hofnarr des Vaterlands ist er, reißt ihm Witze vor. Scherr Pr. 168, so daß und damit es sie hört, aber auch: zur Nachahmung, s. nach-r. 4. Wég-: fort-, hinweg-r.: Ihr habt mich weggerissen aus der stillen Wohnung. G. 6, 352; 7, 307; 9, 54; Er muß alle Herzen w. 294; Wie hat er [den Zwist] .. von der Bahn | der Sitte, der Gesetze kluge Männer | im Taumel weggerissen? 13, 148; Wie hat der sonderbarste Zufall uns | auf einmal weggerissen nach dem Ziel! 249; 14, 112; 15, 33; 35, 223 etc.; Lichtenberg Hog. 1, 152; Sch. 387b; 919a; Wackern. 2, 1645 ³⁴ etc. Zer-: entzwei reißen, eig. und übrtr.:
1) tr.: Stricke, Seile, Ketten, Bande etc. z.; Ein Kleid z., entweder absichtlich, z. B. von Trauernden: Hiob zerriß l„zureis“] sein Kleid und rauft sein Haupt. Hiob 1, 20 etc. od. in Folge des Tragens, so auch: Stiefel, Schuhe, Sohlen z. und sprchw.: Die Kinderschuhe (s. d.) längst zerrissen („zurissen“. Schuppius Wackern. 3, 704 ³²) haben und: Etwas an den Schuhen längst zerrissen („zurissen“) haben. Luther 5, 141a; SW. 63, 139 etc., s. ablaufen 1b etc.; Wilde Thiere, Löwen, Wölfe, Bären etc. z. Schafe, Kinder, Jemand; Zerrissen hätte dich der Pöbel. Platen 4, 284 etc.; Jemandes Herz, Seele z.; Daß sie nicht, wie Löwen, meine Seele erhaschen und z. Ps. 7, 3; Die Verzweiflung zerreißt dir das Herz. G. 10, 303; Folterqualen, die mich [mein Innres] so z. Sch. 621b; Die Verwirrung .., | die seiner Tage Ruhe so zerreißt. Schlegel Haml. 3, 1; Die Mißtöne z. mein Ohr etc.; Etwas in Stücke z.; Das niedrige Land wurde in eine Menge Inseln zerrissen. Niebuhr Nachg. 120 etc. Als die .. Fluth | den Damm zerriß. G. 6, 83; Die gern, was Gott und Mensch verband, z. 160; Du würdest mich [mein Herz] nicht mit Gefälligkeit, Gleichgültigkeit und Verachtung so unbarmherzig hin und her zerrissen haben. 9, 61; Man zerreiße [verleumdend etc.] die ehrlichen Leute [ihren Ruf etc.]. 29, 243; Seine Fesseln zerbricht der Mensch. Der Beglückte! zerriss’ er | mit den Fesseln der Furcht nur nicht den Zügel der Scham. Sch. 76b; Daß sie entzweit die Welt in Haß z. 428a; 489a; Reißaus! zerrissen die Haufen! davon! 120a; Mit Eins zerreißt die Luft | der grause Donner. Schlegel Hamb. 2, 2; Der Schmerz| zerriß der traurigen Gedanken zarte Kette. W. 11, 240 etc.
a) im adjekt. Partic. Präs., verschmelzend mit dem c Obj.: Kein fleisch-z–der, gebeinzermalmender Schlag der ehernen Peitsche. Lavater (Wackern. 4, 540 ²³) etc.; Schwanensang, | der herz-z–d seinem Mund entquoll. Cham. 4, 99; Zum herz-z–dsten Tone. Immermann M. 4, 164 etc.; Ein ohr-z–des Gebrülle. G. 19, 393; Ohren-z–d .. winseln. Spielhagen Probl. 1, 261 etc.
b) im Partic. Pass.: Zerrissene Kleider, Stiefel etc.; Mit tiefzerrißnem Busen. G. 35, 312; Balsam fürs zerrißne Herz. Sch. 54a; Gequält, zerrissen | von Scham und Schmerz. 614b; Ein scheu zerrißnes Wesen. Hölderlin H. 2, 74 etc. und verschmelzend mit Bestw., einem von entsprechend: Nachhallend nur von frost zerrißnen Spalten. Cham. 4, 54 etc.; Gramzerrissenen Herzens. Lewald Ferd. 3, 87; Spiel- hagen Pr. 4, 80 etc.; Ein Bild der schmerzzerrißnen Welt. Gottschall Gött. 6; Aus schwertzerrißnen Adern. Kinkel 199; Ein sturmzerrissener Gewitterhimmel. Ense Denkw. 5, 300 etc., ferner: Herzzerrissen [im Herzen]. Hungari 1, 378; Schattenfabel, zerstückt! scenezerrissen. H. 15, 147, in einzelne (abgerissene) Scenen zer- ryl rissen etc.; Unzerrissen bleiben. Wackernagel 3, 754¹⁴.
c) an b schließt sich: Das deutsche Vaterland in seiner schmachvollen Zerrissenheit. Ense Tag. 4, 151; Weltschmerz oder Zerrissenheit entspringen aus dem Mißverhältnis des Wollen und Können. Gumprecht (Nat.–Zeit. 15, 35); Spielhagen Ver. 116; Wir wollen Heine trotz seiner vielbesprochenen Zerrissenheit eine gewisse Einheit und Konsequenz gar nicht absprechen. DViertelj. 1, 1, 173 etc., auch: Welche wilde Felszerrissenheit. KMayer 177 etc.
d) Die Zerreißung des Bandes, der Bande etc.; Spuren gewaltsamer Umstürzungen, Zerreißungen. Görres Ver. 34 etc.
2) refl., z. B.: Ich möchte mich z. und zerschlagen [vor Arger]. Grimm M. 227; Darüber muß man sich aber z.,| daß man Narren nicht darf Narren heißen. G. 3, 24 etc.; ferner von einer die Kräfte übersteigenden, Unmögliches fordernden Anstrengung: Ich kann mich doch nicht z., zugleich hier sein und dort sein; Das Pfäfflein zerriß und zerspliß sich mit Sinnen. B. 66b; G. 4, 43 etc.
3) [7b] intr. (sein): Der Vorhang des Tempels zerriß [, zureis“] mitten entzwei. Luk. 23, 45; [Da] zerriß [„zureis“] die Erde unter ihnen. 4. Mos. 16, 31; Die Felsen zerrissen [„ zurissen“] und die Gräber thaten sich auf. Matth. 27, 52; Bis endlich sein Schweigen zerreißet. G. 1, 142 [vgl.: das Band der Zunge etc.]; Dann zerriß der Geduldsfaden. 22, 216; Die Wolken zerrissen an dem Gebirge. Klinger Giaf. 246; Kl. M. 11, 49; Der neue Bund zerreißt. Lenau A. 213; Plötzlich zerreißt der Flor. Sch. 75a; Z. soll das Band der alten Liebe, | nicht sanft sich lösen. 387a; Des Staates Bande sahet ihr z., | doch mir zerriß im Innersten das Herz. 489b; Stahr Rep. 1, 293 etc. Zū-:
1) s. zer-r.
2) [1] reißend, mit Ungestüm zumachen oder schließen: Die Thür z.
3) [7a] in Eile nahen: Ein armes liebes Kind | kömmt auf ihn zugerissen. Opitz (Wackern. 2, 332³⁴) etc. Zurück- [1]: rückwärts, nach dem Ausgangspunkt hin reißen: Die Neigung zu Lilli .. reißt ihn, da er schon im Begriff steht nach Jtalien hinabzusteigen, gewaltsam in das heimische Mainthal zurück. Ense Denkw. 2, 328; Zieht sie, ach! reißt sie ihn ewig zurück. G. 10, 302 etc. Zusámmen-: reißend zusammenstürzen machen (s. ein-r., nieder-r.): Jetzt willst du deiner Frau das Haus überm Kopf z. 6, 320 etc.