Faksimile 0118 | Seite 116
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Letze
Létze, f.; –n:
1) vralt., mundartl.: „Anstalt zum Abhalten des Feinds, Schutzwehr [nam. die der Grenze, die äußerste]“. Schm.; Man nannte diesen Gang über der Porte [der Burg] Wehr, L. Körner Sch. 4, 254a; Hier steht die alte L., sie schirmt ein freies Thal. Reithard 279; L. und Verhau. 280; Die Königischen .. ließen durch ein Sturm das ganze Landvolk besammlen zu ihnen gen Frastenz hinter ihre L. . ., legten 300 Büchsenschützen auf den Berg Lanzegast neben der L. . . Der gewaltig Hauf von Eidgenossen rucket darzwischen an die Landwehre. . . Die L. ward .. erobert. Stumpf 647a; Ein alte Mauer und L. .. zur Landwehre. 659a; 734b etc., s. Frisch U. Stalder.
2) (ver- altend) der Abschied und etwas zum Abschied Gereichtes, der Abschieds- oder Letz-Trunk, die Abschiedsgabe freundliche oder (iron.) schlimme etc.: Zur Letz. Fischart (Wackernagel 3, 475 Z. 14); Nach letzter bittrer L. | senkten sie ins ernste Dunkel [des Grabs] sie hinab. Kosegarten Po. 2, 341 etc., am häufigsten nach „zu“, z. B.: Das lass’ ich dir zu L. Luther SW. 56, 310; Die letzten zwei Wehe .. greifen zugleich die Christenheit zur L. an. 68, 163; Christus, da er zur L. kein ander Gebot gab denn die Liebe. 114; Mein Liebster, ich muß euch zu guter Letz umfassen. Mühlpforth 2, 28; Laß uns zur Letz trinken und opfern. Schaidenreißer 79a [18, 419]; Gen Himmel fuhr [Christus] durch göttlich Kraft, | sein Wort ließ uns zur L. Waldis Ps. 122, 4; Der gottlos Hauf in seinem Saus | müssen die Grundsupp saufen aus, | das schenkt er ihnlen] zur L. 75, 7; Wie sie zu guter L. [Reim: Geschwätze] | den Becher mir bot. W. 11, 38; 236; Wenn .. | ihr glattes Pfötchen um Brust und Hals | euch noch zur L. freundlich krabbelt. 10, 172 etc., auch: Nimm, o Teufel, doch | auch diese Dirn zur L. noch. Reithard 349 [um ein Ende zu machen] etc. und: Ich müste mir noch auf meine L. (wenigen Tage) ein Gewissen machen. Gotthelf G. 87 etc., vgl.: Zur Ausletz mir mein Will’n erfüll. Eyering 3, 188. Heute gw. mit leichter Umdeutung: Zu guter Letzt (s. d. II.). Blumauer 2, 6; Forster Br. 1, 370; G. 23, 145; Stein 3, 78; Guhrauer Less. 1, 313 (Claudius); Gutzkow R. 5, 65; Heinse A. 1, 134; H. 4, 71; Immermann M. 4, 21; L. 13, 53; Oehlenschläger Corr. 181; Tieck N. 7, 15; Der mit dem auswandernden Nachbar noch einmal zu guter Letzt Lager und Kost theilen will. V. Ländl. 1, 43 etc., seltner: Zu guter Letzte. Arndt E. 342 etc.; Auf die Letzt [auf die Neige, zum Schluß]. Alexis H. 1, 1, 324; 327; 1, 2, 66; 2, 1, 79; Canitz 190; Heinse A. 1, 88; 175; 199; 2, 101; Klinger LeidW. 56; L. 13, 269; Schlegel Sh. 2, 68; 8, 90 etc., wie es denn z. B. schon Matthesius Lthr. 167a heißt: Da er sich nun also mit Türken, Juden und Schwärmern .. geletzt .., will er sich auch mit .. seinen Hauptwidersachern letzen und dem römischen Papst ein Buch und allerlei Bilder „zu letzte“ machen.
3) (s. 2) Letz-Trunk, Labetrunk etc., allgm.: Labe, etwas Ergötzendes, z.B.: Öffne mir die Schätze | deines Herzens, Seelen-L.,| geisterquickenden Genuß. Kosegarten Po. 1, 326.
4) (ver- alt.) die Verletzung, Schaden, Nachtheil. Wursisen Basl. Chr. 462; Stalder.
5) s. Litze 3.
Anm. Zu laß (s. d. I.) gehört goth. latjan, laß, d. i. zurückbleibend machen, aufhalten, verzögern, ahd. lezzan, mhd. letzen, auch mit der sich daraus entwickelnden Bed.: endigen, begrenzen, vgl. den Superl.: der letzte, eig. der am weitesten zurückbleibende. Daran schließt sich zunächst (1): Grenzfestung etc. zum Abhalten, Hemmen des Feinds; dann mhd. letze, Ende, Abschied (s. 2), Abschiedsgabe (Trinkgeld, Ergötzlichkeit), Letztrunk, woran sich dann sofort mhd. sich letzen, sich ergötzen und die Bed. 3 schließt (s. u.). Auch 4 wird, wie verletzen, gewöhnl. zu „laß“ gezogen, doch erscheint dies fraglich, vergl. lat. laedere, verletzen, wie zu 3 laetari (sich freuen), indem mir wenigstens wahrscheinlicher ist, daß aus der allgm. Bed. von letzen (s. d. 1) sich die besondere (2) entwickelt hat als umgekehrt. Vgl. Schm. 2, 528 ff.; Frisch 1, 610 fs. etc. Andre mundartl. Bedd. von L., s. Lektion und Latz, Anm.