Faksimile 0108 | Seite 106
Faksimile 0108 | Seite 106
Faksimile 0108 | Seite 106
Faksimile 0108 | Seite 106
s
s Obj.:
zunächst insofern es entw. personific. ist od. sich auf Pers. bezieht etc. u. metonymisch u. dann auch zuw. rein sachl., z. B. (s. führen 3a): Die Tänzer, den Tanz, Reigen; die Soldaten, das Heer, die Schaar, den Zug etc.; die Verschwornen, die Verschwörung, die Intrige, eine Unternehmung l., angeben u. bestimmen, welchen Gang dieselbe zu nehmen hat; Die Pferde des Wagens, den Wagen l. (G. 5, 65) u. ähnlich: Der Lotse leitet das Schiff durch die Klippen; Kanaris .. leitete den Brander gut. Cham. 3, 355; Jemand, seinen Fuß, seinen Verstand, seinen Sinn, sein Herz l.; Wie ein Engel .. leitet sie mein Herz zur Ruhe u. Glückseligk. G. 9, 43; Daß man dem Zufall im Roman gar wohl sein Spiel erlauben könne, daß er aber immer durch die Gesinnungen der Personen gelenkt u. geleitet werden müsse. 17, 33; Zu der Tugend steilen Hügel | leitet sie des Dulders Bahn. Sch. 19a; Den Sohn .., der könnte .. in einer stolzen Linie v. Fürsten | mein schnell verlöschtes Dasein weiter l. [fort-l., -führen]. 339a etc. Ferner: Den Faden auf die Spule l. etc., und namentl.: Wasser, eine Flüssigk., etwas Ausströmendes l., ihm einen best. Weg anweisen, in dem es sich zu bewegen hat: Die Wasserröhren, damit er Wasser in die Stadt geleitet hat. 2. Kön. 20, 20; Wird das Wasser durch Eindämmungen u. Kanäle in die Weinberge geleitet. Forster R. 1, 18; Gräben ziehn, um das Wasser zu l., auch: Da bau ich, leite Gräben. Matthisson 162 etc.; Das Gas wird durch Röhren in die Häuser geleitet; Durch die Adern wird das Blut nach den entferntesten Theilen des Körpers geleitet; Mäßiger leitet sie [d. Natur] nun den Saft [in der Pflanze], verengt die Gefäße. G. 2, 292; Der Schließungsdraht leitet den elektrischen Strom v. dem einen Pol der Batterie zum andern; Körper, welche die Elektricität, die Wärme gut l. etc. 3) dazu: Leiter (s. d.) u. Leitung (s. d.).
Anm. Ahd. leitan, mhd. leiten, faktitiv zu goth. leithan, ahd. lîdan (gehn), also zunächst: gehn machen, s. Anm. zu Leiden lI., Glied und Gleit und vgl. mundartl.: verlëden = vergangen, verwichen und danach: Nach mehr als 60 verlidenen Jahren. Arndt E. 6. Einige ziehn dazu auch doch wohl mit Unrecht ledig (s. d.), indem sie als Grundbed. annehmen: freien, ungehemmten Gangs. Vralt. auch st. ge-l. (s. d.), womit es im Partic. auch der Form nach zusammenfällt. Zsstz., vgl. die von führen, z. B.: Áb-:
1) fort-, weg-l., z. B.: Wasser, einen Fluß, Teich, See a.; Rinnen zum A. der Bergwasser. G. 21, 218; Um die Strömung abzuleiten gruben sie ein frisches Bette. .. | Abgelenkt zum zweiten Male, ward der Fluß herbeigezogen. Platen 1, 202; Sch. 348a; W. 7, 12 etc., übrtr.: Sie ist zugleich die Quelle aller menschlichen Laster. Leitet die Quelle ab und es ist kein Laster mehr da. Fichte 6, 340; Dem großen Ocean aller Gnaden, Ehrenstellen und Reichthümer nahe genug . ., um reichliche Ausflüsse davon auf seine Freunde a. zu können. W. HB. 1, 72 etc.; Einen Blitz a., übrtr.: Zu vermitteln, zu vertuschen, den Wetterstrahl abzuleiten. G. 21, 86; Das Ungewitter von sich auf einen andern a. [hin-l.]; Ich leitete manchmal das Pfeifen von der Schauspielerin ab und auf mich herunter. 29, 272; Froh sieht Jeder die Gefahr, | die Alle gleich bedroht, auf Einen abgeleitet. Sch. 30a etc., ferner: Einen von seinem Wege, Vorhaben, Plan a.; Ein edles Herz vom Wege der Natur | durch enges Schicksal abgeleitet. G. 2, 32; Durch a–de Scherze .. suchten [wir] Mittel gegen dieses Unheil. 22, 211; A–de Nebenwege. 26, 207; Er lässt sich aber doch .. bald da-, bald dorthin a. 39, 51; Einen Pfad, der Sie weit ableitete von den Begriffen Ihres früheren Lebens. Lewald Ferd. 2, 137 etc.
2) von Etwas als dem Ursprung her-l. oder es darauf zurückführen: Ein Wort aus dem Griechischen a., her-l.; Zufällig ist es jedoch nicht, daß Einer aus dieser oder jener Nation, Stamm oder Familie sein Herkommen ableite. G. 3, 343; Aus dem pythagoreischen Lehrsatz lassen sich eine Menge andre a. oder her-l. etc. Oft im Partic. im Ggstz. des Ursprünglichen: Das Abgeleitete für das Ursprüngliche, das Untergeordnete für das Herrschende. G. 39, 235; 168; Daß er aus einer abgeleiteten Quelle (vgl.
1) schöpfte. EHFMeyer Bot. 1, 91etc. Auch refl. = herstammen, sich herschreiben: Aus diesem nothwendigen inneren Gegensatze leitet sich die Verschiedenheit der Organe ab. Burmeister Gsch. 329; Daher denn die Lebhaftigkeit und Wirksamkeit meiner Produktionen sich a. mag. G. 39, 440 etc. Án-:
1) Einen a., leitend anweisen zu Etwas. Ap. 8, 31; A–de und urtheilende Kritik. G. 21, 124; Ich bin früh angeleitet und gelehrt worden, daß etc. Gutzkow R. 8, 253; Anleit-er, -ung.
2) Rankengewächse, nam. Hopfen a., an die Stangen, woran sie sich emporranken sollen, binden. 3) (Rechtsspr.) s. Ab- und Anleit, dazu: Anleiter. Āūf-: auf Etwas leiten, hinauf-l.: Die Walzen durch aufgeleitetes Wasser stets kühl gehalten. Karmarsch 1, 599, auch = empor-l. Āūs-: leitend ausführen, hin- aus-l.: Sie ward ausgeleitet zum Blindekuhspiel. Claudius 1, 6, s. ausgeleiten. Be-: (vralt.) ge-l. (vgl. begleiten), z. B. Luther 1, 124b; Matthesius Lthr. 177a; 198a; Schaidenreißer 55a; Uhland V. 138a; 375a etc. Dúrch-: hindurch-l. Eīn-:
1) Etwas e., beginnen und in Gang bringen, so daß es nun seinen Fortgang haben kann; Er leitete seine Erzählung mit diesen Worten ein; Die Predigt mit einem Gebet e.; Nach einer von Jugend auf eingeleiteten [angefangnen und eingeführten] Gewohnheit. G. 21, 92; Hier sei Alles .. auf das Praktische gerichtet und nach dem Sinne der Franzosen eingeleitet [eingerichtet]. 178; Jch will den Spaß schon eingeleitet haben. 280; Durch Klopstock’s Oden war denn auch in die deutsche Dichtkunst .. die nordische Mythologie ..eingeleitet. 22, 108; So ist denn dieser . . Reichstag . . glücklich eingeleitet. Sch. 661a; Der Alles wieder in die natürliche Ordnung der Dinge einleitete [brachte]. W. 17, 13 etc.
a) auch refl.: Jetzt da sich eine Weltliteratur einleitet [beginnt und in Gang kommt]. G. 3, 235; Das Gespräch wollte sich Anfangs nicht e. 15, 141; So wird .. eine frohe wirksame Verbindung sich e. 33, 171 etc.
2) Einen e., einführen, z. B. ohne Zusatz: in eine Stadt, Gesellschaft etc. 2. Macc. 4, 22; Er speiste, durch seinen Bruder eingeleitet, mit uns an einem Tische. G. 21, 138 etc., ferner: Einen in oder zu Etwas e., einleitend einführen; Er leitete uns dadurch zur Geschichte der Kunst ein. 120; Hilarie, seit ihren frühsten Jahren von dem Oheim. eingeleitet [in die Kunst des Eislaufens]. 18, 257; Seine Nachfolger gern auf denselben [Weg] e. und einweisen [Drckf. „einweihen“]. 4, 306 etc. Vralt.: Nicht uns einleit [führe] in Versuchen! Luther 2, 23a etc. Empōr-: in die Höhe leiten: Ein schlängelnder Pfad leitet mich steigend empor. Sch. 75a. Ent-: leitend entziehn: Einen dem Wege e. Entgêgen-: Der Reife e. Klinger 9, 168. Fêhl-: falsch leiten, irr-l.: Umstände, die auch die Anwendung ihres Geschmacks . . bestimmt oder fehlgeleitet haben. H. 9, III. Fórt-:
1) weg-l.
2) weiter leiten. Ge-: Einem das Geleit (s. d.) geben, auf seinem Wege um und bei ihm sein, nam. ihn beschützend und beschirmend oder als Ehrenerweisung: Gott geleite dich; Abraham ging mit ihnen, daß er sie geleitete. 1. Mos. 18, 16; Gott geleitete Lot aus den Städten, die er umkehrete. 19, 29; 12, 20 etc.; Der Weislingen ist droben auf dem Schloß, .. den haben sie geleit. G. 9, 7; Raublustig und schreckenverbreitend und arm | geleitet Abdalla den Araberschwarm | gen Afrika zu. Platen 1, 211; Beide Söhne mögen ihm den dritten, | Arm in Arm, an seine Brust g. 4, 279; Gott geleite die armen, traurigen Kranken heim! Gott geleite die müden, irren Gedanken heim! Rückert etc. So früher auch leiten und gleiten (s. d. und Zsstzg.). Auch Zsstzg. z. B.: Einen aus-, fort-, hinaus-, hinein-g. etc.; Die Anderen geleiteten Regina ihm nach. Lewald W. 4, 287, und vralt.: Einen verg(e)leiten. Caro- lina § 76; Berlichingen 75; Lief sie den Pfalzgrafen an um Gleit und gab man ihnen Reuter zu und „verglaidt“ sie mit Gewalt hinweg. 91 etc. Hêr-, Hín-: Das Wasser von dort nach der Stadt her-, hin-l.; Ein Wort aus dem Griechischen her-l., s. ab-l.; Die Bilder . . | sie wurden auf der Griechen Heldenkampf | verherrlichend vom Liede hin- geleitet. Cham. 4, 19; Ein in sich höchst mannigfaltiges und doch immer auf einen Zweck hingeleitetes Natur- und Kunstwesen. G. 39, 126; Auf Lippert’s Bemühungen ward unsre Aufmerksamkeit kräftigst hingeleitet. 21, 121 etc.; Jener Lichtstrahl, den der vortrefflichste Denker durch düstere Wolken auf uns herableitete. 124 etc.; An ihnen ist das Licht allmählich in das Thal hinabgeleitet. Börne 3, 269; Wir blicken so gern in die Zukunft, weil wir das Ungefähre, was sich in ihr hin und her bewegt, durch stille Wünsche so gern zu unsern Gunsten heran-l. möchten. G. 15, 180; Felsenweg, der über .. Steinblöcke gefährlich hinanleitete. Immermann M. 3, 170; [Es wird] aus allem Nationalen .. etwas der Menschheit überhaupt Zuständiges heraus geleitet. G. 3, 338; Weiß der Verfasser den anmuthigsten lyrischen Abschluß herbei-zu-l. 32, 241; Rinnen, in welchen das Alaunwasser heruntergeleitet wird. 21, 254; Ich leitete das Pfeifen von der Schauspielerin ab und auf mich herunter. 29, 272; Wie die geistlichen Spiele . . . zu etwas Opern- artigem herüber-l. mochten. Prutz GschTh. 132; Jenen polyhistorischen Genies .., welche das 17. Jahrhundert in das 18. hinüber-l. 226 u. ä. m. Irr(e)-: irre gehn machen, irrführen: Mein freies Urtheil habt ihr irrgeleitet | mein redlich Herz verführt. Sch. 538a; Den irregeleiteten Geschmack in dieser Kunst zu berichtigen. 1235a; Ein von Langem her übel regiertes, irregeleitetes und getäuschtes Volk. W. 32, 44 etc. Míss- (⏑–): falsch u. schlecht leiten, vgl. fehl-, irr-, ver-l.: Schwang das Licht, ihn zu m. (⏑–⏑). Freiligrath H. 118; O der seltsamen Anforderungen der bürgerlichen Gesellschaft, die uns erst verwirrt und mißleitet und dann etc. G. 17, 272; Kein Talent zu m. 18, 314; Freunde .. durchkreuzen unsre Wünsche und m. unser Schicksal. 19, 142; M–de beschränkte Theorien. 27, 4; [Die] den Weg nicht | wissen zum Dorf, auch wohl m. vor Bosheit. V. 2, 22; So mißleitet’ ich | mich selbst, den Diener und .. euch. Sh. 2, 342 etc.
Anm. Im Partic. findet sich: Wenn seine Absicht gut ist, so wird sie miss geleitet. G. 9, 217; Mißgeleitete .Talente. 31, 292; 32, 333; Von ihrer Leidenschaft mißgeleitet. 33, 96; Ich bin mißgeleitet worden und habe mich allzu sehr m. lassen. L. 8, 107; Sch. 1119a; Schlegel Joh. 3, 1; Ward mißgeleitet ich auf falsche Bahn. Werner Lthr. 352 etc., ferner: Dieser einst so missleitete junge Mann. Gutzkow 11, 233; Seine mißleitete Phantasie. Heinse A. 1, 61; Kohl E. 1, 87; Lewald W. 1, 381; EHFMeyer Bot. 1, 84; JvMüller 24, 388; Paalzow Th. 2, 344; CRudolphi NGd. 36; Schlegel Sh. 6, 146; 157; 208; 8, 152; 277; Rich. II. 1, 1; 3, 2; Seydelmann 268; Stahr Par. 2, 151; Deren Unkunde den Herrn Heyne zu Verunglimpfungen des sorgfältigsten Dichters mißleitet hatte. V. Ant. 2, 217; Ov. 2, 146 etc., und endlich: Liebhabereien des rohen gemissleiteten Pöbels. Heinse Hild. 1, 240, s. Miß. Nāch-: leitend nachführen. Nīēder-: hernieder-l. Rǘck-: s. zurück-l. I. Über-: einen Übergang bilden, hinüber-l.: Auf die jene Pegnitzer so leicht ü. Gervinus Lit. 3, 258 etc. (Sprachl.): Ü–de [transitive] Zeitwörter, Ggstz.: un-ü–d. II. Über-: ungw. st. I.: Von der Bodenkunde überleitete Eugen wieder auf das Sittliche. Auerbach Leb. 2, 102, vgl. Sanders Progr. 72. Um-: z. B. einen Umweg leiten etc. Unter-: hinunter-l. Ver-: auf einen falschen Weg hin-l., vgl. verführen 3 und fehl-, irr-, miß-l., z. B. eig.: So pflegt bei dunkler Nacht ein falsches Licht von weiten | den müden Wandersmann in Sümpfe zu v. Lichtwer 246 etc., und oft übrtr.: Einen durch erregte Vorstellungen zu Etwas bewegen, was er nicht beabsichtigte oder was nicht recht ist: Man verleitet Einen zum Irrthum und verführt ihn zur Sünde; [So] verleiteten sie mich zu einer Ausgabe nach der andern. G. 19, 62; Für alle Vögel giebt es Lockspeisen und jeder Mensch wird auf seine eigene Art geleitet und verleitet. 20, 196; Kleidung, deren Farbe zum Gesichte vortheilhaft absticht, ist Illusion; Schminke aber Betrug. Durch die erstere wird man verleitet, durch die zweite geäfft. Kant Anthr. 40; „Ihr .. ließt euch darüber | vernehmen vor Gericht.“ Ja, ich habe mich durch Hatton’s arge List v. lassen. Sch. 412a; Die Gelegenheit war so verlockend, daß ich mich dadurch v. ließ, mit ihm zu reisen, was ich nun durchaus nicht bereue etc. Zuw. ohne Obj.: Die Billigkeit verleitet zum Kauf; Gelegenheit verleitet zum Diebstahl etc. S. auch verleiden (s. d. 1). Vōr-: nach vorn hin-l. Wég-: s. ab-l. 1, fort-l. 1. Wēīter-: fort-l. 2, Etwas leitend seinen weitern Fortgang haben lassen. Zū-: zu Etwas hin-l.: Ihn dem Ziele z.; Dem Strom Bäche z. etc. Zurück-: wieder zu dem Ausgangspunkt hin-l.: Zwei [Telegraphen-] Stationen durch zwei parallele Drähte zu verbinden, deren einer den Strom hin-, der andere ihn zurückleitet. Karmarsch 1, 708 etc., übrtr.: auf Das, woraus Etwas hervorgeht, auf den Ursprung hin-l.: Newton leitet die Bewegung der Himmelskörper auf die Anziehungskraft zurück etc.; Die Natur, zu welcher Lessing in der Kunst zurückgeleitet hatte. Prutz GschTh. 318. Jn den untrennbaren Formen auch zuw. rück-l., z. B.: Der rück-l–de Telegraphendraht wird durch die Erde ersetzt. Zusámmen-:
1) gemeinschaftlich leiten. 2) leitend zusammenbringen: Zwei Ströme des Lebens hat also die Natur zusammengeleitet. H. Ph. 4, 109; 3, 271 etc.