Faksimile 0873 | Seite 865
Kanzel
Kánzel, f.; –n; –chen; -:
Predigtstuhl (s. d., z. B. Luther 6, 114b), der erhöhte Platz für den Prediger in der Kirche: Die K. besteigen, betreten; Etwas von der K. herab verkündigen; Das hatten sie von der K. ablesen lassen [sich abbieten lassen]. Kinkel E. 95; Um sich und ihren Hans zum dritten und letzten Male als Brautpaar von der K. werfen zu hören. Höfer Hausbl. (56) 1, 350; OLudwig Thür. 1, 521 etc., vgl. K.-Sprung etc.; Das Theater hat oft einen Streit mit der K. gehabt. G. 16, 73 [mit den Geistlichen] etc. Die Wochen-K. für mich zu besteigen [in der Woche für mich zu predigen]. 21, 285; Die Sonn’ ~auf der K. der Berge, | die Hohepriesterin, | wirft Strahlen ewigen Lichtes | in lauschende Thäler hin. Gottschall Gött. 52 etc.; K–chen. IP. 31, 30.
Anm. Ahd. chanzella, mhd. kanzel(le), aus lat. cancelli, das Gitter, der umgitkerte Raum [des Hochaltars und der Sitze für die Geistlichen], wie ähnl. die „Kanzelei“ nach den „Schranken“ benannt ist; vgl. auch: (Speis-) Känsterlein = Schrank. Fischart B. 7b u. Pictorius. Oberd. K. auch = Katheder, z. B.: Als der berühmte Mann nach seinem Känzelchen eilte. Keller gH. 4, 45. Weidm. auch ein erhöhtes offnes Geländer in einem Thiergarten, von dort aus das Wild zu übersehen und zu birschen.