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Huld
Húld, f.; –en:
das Hold-sein:
1) wohlwollende Geneigtheit des Höhern gegen den Niedern: Der Herr . . . neigte seine H. zu ihm [gewöhnl.: erwies ihm H.]. 1. Mos. 39, 21; Euch insgesammt bei Gottes H–en | will ich bitten, daß etc. Chamisso 6, 260; Mir aus Gottes H–en ward’s zu Theile. 250; Merkst du nicht, daß er beim Vater in H–en kommen muß, wenn derselbe Ja sagen soll? Gotthelf U. 1, 288; Als ein Liebeszeichen | fordr’ ich ihn von deiner H. Platen 4, 283; Was sind wir, | wenn kaiserliche H. sich von uns wendet? Sch. 338b; Bei allen meinen Herrscherthaten | begleitet mich des Himmels H. 57a; Mehl hat und Kleie, H. und Schmach Natur. Tieck Cymb. 4, 2 etc.
2) die Anerkennung des Oberherrn und die treue Erfüllung der Pflichten gegen ihn, s. Hold I. und II2: Ob ich einem Wolf hätte gehuldet und geschworen . . ., so müßte ich schreien . .: Mein Eid und H–e hab ich dir nicht gethan. Luther 8, 7a; Ob man Eid, H–e oder Pflicht halten solle. ebd.; Die H–e hat mit der Hörigkeit etwas Ähnliches, ist aber doch wesentlich von ihr unterschieden; denn es kann Einer hörig sein und nicht huldig und umgekehrt .. Das Lehn (feudum) erforderte zuerst weder Hörigkeit noch H–e, sondern bloß Treue; das Lehn (beneficium) hingegen erforderte Hörigkeit und H–e, unter welchen beiden mächtigen Ausdrücken mehr als Treue begriffen war (Treue sollte eigentlich nur ein freier Mann geloben) etc. Möser Ph. 3, 186 ff.; Das Band der H–e zwischen Haupt und Gliedern. 4, 330; Daß ein Bruder in einer Hode oder H–e seinen Bruder in einer andern nicht erben konnte. ebd. etc.
3) Holdseligkeit, Anmuth, Liebreiz (s. hold 2): Mit Anmuth und mit H. hat dich Natur geschmückt etc.
Anm. Ahd. huldî, mhd. hulde (wie noch in Bed. 2), veralt.: Die Hold(e), z. B. Lohenstein Ros. 4; Mühlpforth Leich. 196; Opitz 1, 228; 315 etc. Über die von Adelung und Campe geleugnete Mz. s. o., auch Simrock N. 1341 und vgl. Gunst.
Zsstzg. z. B.: Königs-H. etc., auch: Áb-: das Abholdsein. Moscherosch 2, 916.
Míß-: Ungnade etc.: Die allerhöchste M. trifft .. nicht die Person des Ministers etc. Heine Lut. 1, 14.
Un-: Nun birgt er seines Sinnes U. | hinter der Mienen Unschuld. Rückert Mak. 1, 74 etc.