Faksimile 0782 | Seite 774
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Hoffnung
Hóffnung, f.; –en; –s-:
das Hoffen (s. d. 3), und zwar sowohl der Zustand des Hoffens, als der Ggstd. desselben, die Sache oder die Pers., von der man Etwas hoffend erwartet, auf die man baut, das Gehoffte etc., vgl. den Ggstz. Furcht: Schlägt dir die [eine] H. fehl, nie fehle dir das Hoffen [überhaupt]. Rückert W. 6, 98 etc.: Herr, du bist die H. Israel. Jer. 17, 13; Ihre H. [das von ihnen Gehoffte] wird ihrer Seele fehlen. Hiob 11, 20; Des Frommen H. wird nicht außen bleiben. Sir. 16, 13 etc.; Sie sind die H. eines Landes. Leisewitz Jul. 11; O Troja’s H., ... | o du, nach dem das Herz geschmachtet hat. Sch. 1, 133; Des Staates Blum’ und H. Schlegel Haml. 3, 1 etc., oft personif.: H. bleibt mit dem Leben vermählt, die schmeichelnde Göttin etc. G. 5, 104; Amor, das Kind, hält sich noch hartnäckig fest am Kleide der H., eben als sie schon starken Schrittes sich zu entfernen den Anlauf nimmt. 22, 347; Doch überredete die H. mich, | die Gleißnerin. 13, 159; Die H. führt ihn ins Leben ein, | sie umflattert den fröhlichen Knaben etc. Sch. 81a, so nam. auch die Zusammenstellung: Glaube, Liebe, H. Abhängig von H. sind Sätze mit „daß“, oder Infin. mit „,zu“, ferner Hw. im Genit. oder mit „auf, von, an“ („,zu“) etc.: Die H., daß er kommt, ihn hier zu sehn, auf seine Ankunft etc.; H. zu Gott haben. 1. Petr. 1, 21; 1. Joh. 3, 3 etc.; Die H. des Mannes (subjekt. Genit.) auf das Mädchen; Das Mädchen ..., mit deren [objekt. Genit.] | er gern mir zu bezahlen schien. L. Nath. 4, 4. Die gewöhnlichsten Verbind., in denen H. vorkommt: als Subj. und Prädik.: Es ist H., viel H., keine, nur schwache, geringe H. da, vorhanden; Das sind leere, eitle, thörichte, ungegründete, grundlose H–en; Das ist meine letzte H.; Da ist an einem Narren mehr H., denn an ihm; Die H. ist dahin, verloren, gescheitert, verschwunden, erloschen, fehlgeschlagen, in den Brunnen gefallen, zu Wasser geworden (ausgefahren. Ap. 16, 19) etc.; Die H. steht fest, ist unerschütterlich etc.; H. lässt nicht zu Schanden werden; Daß vielen Millionen | die H. beßrer Tage lacht. Pfeffel Po. 3, 157; Mir leuchtet, strahlt, glänzet, taucht eine H. auf; Hat falsche H. mich gewiegt? W. 12, 291; Dieses Mal lügt ihm die H. nicht. 11, 223; Seine H–en haben ihn getäuscht, betrogen, sind nicht in Erfüllung gegangen etc. Als Obj.: H., gute, viele, feste, sichre, gewisse H. haben, hegen; Keine H. von Einem, auf Einen, zu Einem haben; Seine H. auf Einen oder Etwas setzen, stellen, gründen, bauen; Die H. festhalten; Die H. aufgeben, fahren lassen, verlieren; Einem, sich H–en machen; Wieder H. von Etwas schöpfen; H. von Einem fassen; Einem alle H. nehmen, benehmen, rauben, abschneiden; Die H. mit der Wurzel ausreißen, wie einen Baum ausreißen (Hiob 19, 10); Die erloschene H. wieder anfachen, neu beleben, neue H–en wecken, erregen, wieder H. bekommen; Er hat die H–en nicht erfüllt, die wir von ihm hegten; Die kühnsten H–en übertreffen etc. Im Genit., und zwar abhängig vom Hw.: Ein Schein, ein schwacher Schimmer der (oder von) H.; Den erlöschenden Funken der H. wieder anfachen; Ein fester Anker der H.; Angethan mit dem Helm der H. zur Seligkeit. 1. Thess. 5, 8 etc.; Die Farbe der H. [Grün], z. B.: Einen langen Beutel .., der in der Farbe der H. künstlich gestrickt war. Thümmel 7, 163, vgl.: Es brach | der H. grüner Stiel. Rückert Rost. 98a; Die Mumie der Zeit, | vom Balsamgeist der H. in den kalten | Behausungen des Grabes hingehalten. Sch. 21a; Das Vorgebirge, Kap der guten H. (in Afrika) etc.; ferner bei Zeitw.: Der H. berauben; Sich der H. entschlagen etc. und nam.: Des Glaubens und der H. sein, der festen, sichern, freudigen, frohen, schönen, guten H. sein, leben, daß etc., vgl.: In der H. sein etc., z. B.: Da wir denn der schönsten H. leben, es werde sich eine vereinte Thätigkeit entwickeln. G. 19, 125; Wir leben jedoch in der H., sie dereinst wieder zu finden. 157 etc., so auch als verhüllender Ausdruck: Guter H. [schwanger] sein, sich befinden, werden etc., z. B. 64; 16, 131; 17, 161; 18, 18; 20, 158; Da sie mich guter H. finden etc. 15, 146, seltner so: In der H. sein. Boas SchJ. 1, 263; Gutzkow Zaubr. 1, 37; 3, 47 etc. Im Dat., z. B.: Sich einer H. hingeben etc. Abhängig von Präp. z. B.: An der H. festhalten etc.;Auf H. [H. hegend] säen, pflügen; Er hat geglaubet auf H., da Nichts zu hoffen war; Die ihr auf H. gefangen liegt etc.; In der H. (s. o. den Genit.), daß Sie meine Bitte erfüllen werden, wende ich mich an Sie; Wer in H. lebt, tanzt ohne Musik. L. 11, 386; Ich habe mich in meinen H–en betrogen, getäuscht; Sich gern in warmen H–en wiegen mögen. L. 13, 187 etc.; Ich will mich nicht wiegen mit H–en, die gar zu leicht fehlschlagen können. Forster Br. 1, 228; Sich mit thörichter H. betrügen, schmeicheln; Indem sie ihn mit schwacher H. speiset. W. 12, 319; Einen mit leeren H–en abspeisen etc.; Ohne H. [hoffnungs-, rettungslos] daniederliegen etc.; Wider alle H. [Erwartung]; Zu den schönsten H–en berechtigen etc.; Zwischen Furcht und H. schweben; In einem ewigen Schwanken zwischen H. und Schmerz. G. 15, 140 u. ä. m., s. nam. WKoner 624 ff.
Anm. Mhd. hoffenunge, mit eingeschobnem „n“ statt Hoffung, vgl. Bildner, Redner etc.
Zsstzg. z.B.: Jetzt muß ich allen Jagd-H–en entsagen. Heine Verm. 1, 252; [Was] ihm Lebens-H. ließ selbst in des Feindes Macht. Sch. 29a etc., seltner mit Vors., wie: Ent- H., die Beraubung der H. Weckherlin bei Campe; Miß-H., Verzweiflung, s. Benecke.