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Bildung
Bildung, f.; –en; –s; -:
sowohl abstrakt das Bilden, als auch konkret das durch das Bilden Erzeugte, in den versch. Bed. des Zeitw. bilden, worauf sich die Bem. in [ ] beziehen.
1) [3a] Gestalt, Form, äußre Erscheinung und Geschöpf von bestimmter Gestalt etc., vgl.: Bild: Sonsten stimmen ... | mit der Äpfel Form und B. | Birnen ziemlich überein. Brockes 9, 161; Die hohe zarte B. [Gestalt, Mädchen] kniete. Chamisso 4, 263; Betrachten wir aber alle Gestalten, besonders die organischen, so finden wir, daß nirgend ein Bestehendes, nirgend ein Ruhendes, ein Abgeschlossenes vorkommt, sondern daß vielmehr alles in einer steten Bewegung schwanke. Daher unsere Sprache das Wort Bildung sowohl von dem Hervorgebrachten, als von dem Hervorgebrachtwerdenden gehörig genug zu brauchen pflegt. G. 36, 6; Fehlet B. und Farbe doch auch der Blüthe des Weinstocks. 1, 229; Lasst auf der B. mich ruhn ... Diese Formen wie groß! 234; Überall regt sich B. und Streben, | alles will sich mit Farben beleben. 11, 40; Schwerlich ist an B. [Gestalt] ihr Eine vergleichbar. 5, 47; So bewegte vor Hermann die liebliche B. des Mädchens | sanft sich vorbei. 66; Erstaunten über die B. der Braut, des Bräutigams B. vergleichbar, | ja, es schien die Thüre zu klein die hohen Gestalten | einzulassen. 82; Die mit der Gesammtheit der B–en verkettete Naturform. Humboldt K. 1, 23; Eine Reihe von B–en, die sich gruppenweise ersetzt haben. 63; Meiner B. auf diese Art [durch Schminken] zur Hilfe zu kommen. L. 1, 378; Erscheint’s in meines edlen Vaters B. Schlegel Haml. 1, 2; Die starre B. mit dem bloßen Schwert | ist Der mein Gatte? Tieck 1, 67, wo das männl. „Der“ durch eine Fügung χcτd oóνcc-ν zu erklären ist etc.
2) [3b] von den Gebilden der Kunst, den Erzeugnissen der Bildner: Daß eine B. voller Saft | aus meinen Fingern quölle. G. 2, 178; Eine B., die Mitleid einflößte, weil sie Schönheit und Schmerz zugleich zeigte [Laokoon]. L. 6, 383; Fasset der muntre Feston reizende B–en ein. Sch. 83a; Daß rastlos erneuet, die B–en [des Tanzes] schwanken. 86a etc.
3) [3d] den Bed. von 1 und 2 entsprechend, aber auch allgemeiner das Erzeugen von Gebilden und allgem. von Allem, was gebildet werden kann, z. B.: Die Lehre von der B. unsrer Erd- oberfläche. Burmeister gB. 1, 3; Die Malerei und die B. der Figuren. Winckelmann 16a; Da aber die ersten B–en mit Figuren der Gottheiten angefangen zu haben scheinen. ebd.; Bei diesem ersten Entwurf ... einer Figur können wir der anwachsenden B. derselben ... nachforschen. 18a U. V. Sich mit der B. des Ministeriums ... geeilt. Heine Lut. 1, 11; B. von Oxyden, Salzen etc., von Wörtern, des Plurals etc., und demgemäß Zsstzg.
4) [5] die Fort- und Ausbildung der in einem Gegenstand, zumal in Personen liegenden Anlagen; die geistige Kultur, als die Stufe und die Art der Ausbildung, auf welcher ein Einzelner oder eine Gesammtheit steht, z. B.: Alle B. strebt an die Hervorbringung eines festen, bestimmten und beharrlichen Seins ... Strebte sie nicht an ein solches Sein, so wäre sie nicht B., sondern ein zweckloses Spiel. Fichte 7, 281; Wehe jeder Art von B., welche die wirksamsten Mittel wahrer B. zerstört. G. 17, 272; B. ist nur gesteigerte Empfänglichkeit. Gutzkow R. 7, 351 etc. Antike, moderne, gelehrte, wissenschaftliche, künstlerische, gesellige, sittliche, feine, vielseitige, umfassende, innere, wahre, äußere, oberflächliche, seichte, hohe B. etc. Seine B. anfangen (G. 17, 267), fortsetzen, abschließen etc. Bei der B. des Knaben zum Seemann; Seine B. zu mir u. zu meinen Arbeiten [das Sich-anschließen etc.]. G. Reinh. 245. Dazu: B–s-gang, -epoche, -kraft, -lust etc.; -los (-losigkeit), -reich (-reichthum) etc.
Zsstzg. unerschöpflich und mehrdeutig, wie z. B. Marmor-B. sowohl die Entstehung des Marmors [1], als auch das Bilden des Marmors zu Gestalten durch den Bildhauer und dann auch die so gebildeten Gestalten bezeichnen kann etc., s. namentl. 3 und 4 und ferner dieZsstzg. von bilden, wo Beisp. angeführt sind. Leicht zu mehren nach den folgenden: Áfter- [4]: falsche B., Ver-B. Brentano Fr. 1, 166. Áschen- [3]: z. B. bei Vulkanen. Burmeister G. 85. Bāūern- [4]: In dem neuernden Geiste halber B–en, der Alles versucht und gleich wieder aufgiebt. Kinkel E. 236. Blátt- [1]. Burmeister gB. 2, 190; 200 etc. Charákter- [4]. Gervinus Sh. 1, 44. Fírn- [1]. Tschudi Th. 477. Flámmen- [1]: auch: Soll ich dir F. weichen? G. 11, 23 = Flammengebilde, feurige Erscheinung. Gebírgs- [1]: Die am meisten durch die Gebirgs- und Thal-B–en geschützten Gletscher. Tschudi Th. 479. Gēīstes- [4]. Danzel 213 etc. Gesíchts- [1]: Physiognomie. G. 10, 27. Gípfel- [1]. Tschudi Th. 451; auch [4] hohe Bildung. Grēūel- [3]: greuelerregende Erscheinung.
Hálb-: H. und Schein- B. sind schlimmer als Un-B. Hémmungs- [3]: gehemmte Bildung u. Geschöpfe mit solcher in der Entwicklung gestörten Bildung. Burmeiser gB. 1, 197. Hérzens- [4]: Unsere Erziehung pflegt oft die Geistes-B. auf Kosten derH. Jūgend- [4]. Börne 2, 170.
Kérn-:
1) [1]. Tschudi Th.488. 2)[4]kernhafte, echte Bildung. Kúnst-:
1) [2], s. Natur-B.
2) [4]. Danzel L. 118. Ménschheits- [4]: Stahr Rep. 1, 313. Natūr- [1]: durch die Natur erzeugte, Ggstz.: Kunst- B.: Die phantastischen N–en. Tschudi Th. 449. Nēū-:
1) Um-B.
2) Weil das Bedürfnis zur N. nicht existiert. Burmeister gB. 1, 122 = zur Entstehung neuer Geschöpfe.
3) (Geolog.) die nach den Schichtenfolgen des Molassengebirges gebildeten Bodenschichten. Volger EE. 123, das sog. Quaternärgebirge. Oxyd- [3]. Parthēī- [3]: Gutkow R. 3, 35. Pláttfuß- [1]: Die hinter den Zehen beginnende P. Burmeister gB. 2, 108. Plūral- [3]. Refleriōns- []: im Ggstz. der Ursprünglichkeit. Lewald W. 2, 462. Rīēsen- [3]: riesige Bildungen, Ggstz. Zwerg-B–en. Tschudi Th. 453. Schēīn-: s. Halb-B. Sinter- [1]. Burmeister gB. 1, 19. Stóck-: z. B. [1]: Während 18 die östliche Gebirgskette eine letzte St. von über 7700“ erzeugt. Tschudi Th. 452, s. Gebirgsstock. Un- [4]: Ggstz. der Bildung: Gesellschaftliche U. Kinkel E. 321; Kampf der Bildung gegen die U. Stahr Rep. 1, 6 etc. Universitǟts- [4]. ūr-: ursprüngl. Bildung: Große Abänderlichkeit, das Schwanken der U. gegeni dieses und jenes Gestalten. G. 40, 241; namentl. aber auch: Man hat die Entstehungsweise neuer, fremder Organismen in andere ohne Keim und Eier U. generatio originaria s. aequivoca genannt. Burmeister Gesch. 323. Wéllen- [1]. Burmeiser gB. 2, 226. Wélt-:
1) [4] Bildung in der Welt und für die Welt.
2) [1]: Daß diese Erdbrände zu der spätesten Epoche der W. gehören. G. 40, 236. Wórt- [3]: Um über neue W–en [neugebildete Wörter] zu urtheilen, muß man die Grundsatze der W. [des Wortbildens] in der Sprache genau kennen. Zēitungs- [4]: aus Zeitungen geschöpfte. Gutzkow R. 5, 512. Zérr-: Karikatur. Zúcker- [3]: Die Z. aus dem in der Würze enthalten Gummi. Zwérg-: zwerghafte Bildungen oder Gebild u. ä. m.