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rein
Rēīn, a.:
frei von Ungehörigem, von fremder Beimischung und nam. von Flecken, Befleckendem, Beschmutzendem etc., sowohl körperl. als geistig:
1) mit Komplement:
a) gw. mit von (versch. d, vgl. frei 1), z. B.: Das Erz ist von Schlacken r.; R. von fremder Beimischung, von Schmutz etc.; Von aller Schuld r. sein, sich r. wissen, sich r. waschen oder brennen (s. 2d) etc.; Das Blut Jesu .. macht uns r. von aller Sünde. 1. Joh. 1, 7; R. von Sünden sein. Sir. 23, 11; Daß ich .. meine Seele r. behalte von aller bösen Lust. Tob. 3, 17; Daß ich r. bin von Aller Blut. Ap. 20, 26 etc.; Ich wasch ihn r. von aller Schuld. Cham. 3, 222; 321; Charlotte war nicht ganz ohne Schuld, nicht ganz r. von allem Umhersehen. G. 15, 89; Dieser Busen ist von Liebe r. gewesen. Platen 2, 56; R. von aller Umneblung. V. Ar. 177; Sie haben sich von den ausländischen Sitten und Lastern und von der Ansteckung, die sich aus Feridun’s Hause über ganzes Ländchen verbreitet, immer r. erhalten. W. 9, 265 etc.
b) (s. a) in gehobner Schreibw. auch mit Genit. statt von, z. B.: Was eingeht in dies Paradies, | ist aller Sünden r. geworden. Bodenstedt 2, 173; Alles Eignen r. [ohne allen Eigennutz]. Claudius 7, 77; Im Ablaß r. zu werden jeder Schuld. Lenau A. 106; Wenn ich erfinde wahr dein Wort und Truges r. Rückert Rost. 74a; Daß, in den lautersten Lichtumwallungen abgespült, | ich unschuldig und r. aller Befleckung sei. V. 3, 48; Solch heilsamer Zweck | stellt r. sie alles Tadels. Sh. 3, 214 etc.
c) An b schließen sich Zsstzg. (oder vielmehr Zusammenschiebungen, z. B.: flecken-, schlacken-, sünden-r. etc.
d) versch. von a, zuw. mit abhäng. Präpos. zur Bez. Desjenigen, in Betreff Dessen man unschuldig oder schuldlos ist, z. B.: Ihr habt bewiesen in allen Stücken, daß ihr r. seid an der That. 2. Kor. 7, 11; Ihr habet auf alle Weise in der Sache euch r. gezeigt. ebd.; Bei der Hoffnung auf mein himmlisch Heil | schwör ich mich r. [daß ich r. bin] von diesem Frevel Eduard’s. Schlegel Sh. 8, 285; Wie ihr .. zu den Püppchen [Kindern] hier | gekommen seid, da mögt ihr selber sehen! | Ich, wie ihr wisst, bin r. von ihnen und von euch. W. 12, 22; Indessen war der weise Sokrates . . nicht r–er von diesem seinen Liebling [Alcibiades] als ich von dem jungen Gabrias. 16, 70 etc.
2) ohne Komplement, mit verschiednen (in einander spielenden) Nüancen, nam.:
a) frei von fremder Beimischung: Einen Stoff chemisch r. darstellen; R–es Quecksilber (versch. i); Sauerstoff gewinnt man ganz r. aus chlorsaurem Kali, minder r. aus Quecksilberoxyd, aus g 411 Braunstein etc.; R–e Luft oder Lüfte (Sch. 513a), frei von Qualm, Dünsten, Ansteckungsstoffen (vergl. f) etc., versch. b; R–es Erz, Metall, Gold, Silber etc., ohne Schlacken oder ohne Legierung etc.; Eine r–e, unverfälschte Waare liefern; Räuchwerk aus r–er Specerei. 2. Mos. 37, 29; Den r–en alten Nordhäuser Korn (s. d. 3d); R–en Kaffe [ohne Cichorien etc.] trinken; „Nehmen Sie Etwas Wein zum Wasser.“ Nein, ich trinke am liebsten r–es Wasser (versch. b); Dieser Stoff ist r–e Wolle, Baumwolle, Seide, Leinwand (versch. c); Gebäude in r. (oder r–em) dorischem Stil etc.; In r. attischer Mundart; Daß r. und natürlich, ohne Einmischung fremder Worte .. geschrieben würde. G. 21, 53; Der geistreiche Mensch knetet seinen Wortstoff, ohne sich zu bekümmern, aus was für Elementen er bestehe; der geistlose hat gut r. sprechen etc. 32, 221 (s. puristisch etc.); Zu wünschen, daß wir den Scholiasten lauter und r. hätten. L. 11, 263; Die r–e Aussprache, genau richtig (den Regeln der Orthoepie gemäß) ohne Einmischung des Mundartlichen etc.; Der r–e Satz in der Musik, streng nach den Regeln der Setzkunst etc.; R–e Klänge, Töne, die genau so erklingen und ertönen, wie es sein muß, nam. (Mus.) in Bezug auf die Tonhöhe, so daß nicht durch ein Schwanken (Schweben) Etwas von dem benachbarten Tone sich einmischt: Das C ist nicht ganz r., es schwebt etwas nach Cis hin; R–e Intonation, Stimmung; Der Sänger intoniert, singt r.; Ein Instrument r. stimmen; Bei der temperierten Stimmung sind nur die Intervalle der Oktaven vollkommen r. etc.; R–e Reime etc.; R–e Instrumental- oder Vokalmusik (im Ggstz. der aus beiden gemischten); Die r–e Form der Sinnlichkeit, in der Nichts, was zur Empfindung gehört, angetroffen werden kann, wird auch selber r–e Anschauung genannt. Kant 2, 60; Kritik der r–en Vernunft etc. Ders.; Die r–e Mathematik, worin die Körper bloß nach ihrer Form, ohne Einmischung der Masse, behandelt werden; Die r–e Theorie, ohne Einmischung von Beziehungen auf praktische Anwendung etc.; R–e Logik. Baggesen 4, 257; Die r–e Lehre, ohne Abweichung vom Richtigen und Wahren, nam.: Die r–e Gotteslehre, frei von menschlichen Entstellungen etc.; R–e Abstammung, ohne Einmischung eines fremden Elements in den Voreltern, Ahnen etc.; R–er Adel (vgl. ahnen-r.); Daß Nichts r–er und Nichts edler | als sein Blut ist und sein Schild. H. Cid 3; R–es Blut (bei Pferden etc.). Falke Th. 2, 231b; Diese .. Kreuzung lässt keinen Rückschlag mehr befürchten, sondern ist nun „r.-gezogen.“ 414b; R–e Vollbluthengste, Merinoschafe etc.; weidm.: Eine Hündin r. belegen, mit einem Hund derselben Race; Einen Hund r. arbeiten, dressieren, ausschließlich auf eine Art von Wildbrett; ebenso: Ein r–es Jagen etc.; kaufm.: R. = netto (s. d.), so daß alles Abzurechnende abgerechnet ist: Ein r–er Gewinn, Verdienst, Verlust von 100 Thaler; R–e Bilance etc.; Naturgesch.: Eine r–e Zeichnung (versch. c), in einer Farbennüance ohne Beimischung einer andern etc.; Gutes thu r. [ausschließlich, ohne Beimischung andrer Motive] aus des Guten Liebe. G. 3, 40; So mache ich Ihnen gern damit ein r–es Geschenk. 29, 107, was eben Nichts als ein Geschenk sein soll, wofür ich Nichts verlange etc. S. ferner nam. g und i.
b) frei von Trübendem, klar, hell, durchsichtig etc.: Ein r–er Himmel; R–e Atmosphäre, Luft (versch. a) etc., s. u.; Ein r–er Teint, r–e Gesichtsfarbe, Haut etc.; Das trübe (Forster Br. 2, 596), un-r–e, schmutzige (vgl.
c) Wasser nicht ausschütten, bis man r–es hat (versch. a), übertr.: Luther, der sich .. auf einen r–en Wein (s. u.) verstand, ließ das Faß auslaufen und bot dem Volke für den verdorbnen Wein des Glaubens das r–e Wasser der Philosophie an. Börne Frzfr. 63; [Er hatte ihnen] die Unbefangenheit geraubt, man glaubte in keinem r–en Wasser mehr zu sein. Gutzkow R. 4, 93, fürchtete Horcher etc., vgl.: Die Luft (s. d. 1c) ist r. etc.; Einem r–en Wein einschenken, übertr. (z. B. Heinse A. 1, 235; Tieck A. 2, 66), ihm klar und offen sagen, wie die Sache steht, vgl. g: R–e Wahrheit; Von lautrem Golde gleich dem r–en Glase (versch. c). Off. 21, 18 etc.; Das Meer lag still und eben, | einem r–en Spiegel gleich. Sch. 59b; Der rechte Spiegel r. und pur. Rückert 1, 310 etc.; R–e Perlen, Edelsteine, z. B.: Vom r–esten Saphir. W. 12, 254 etc. und übertr.: Zu echter Tugend r–em Diamant | das Sterbliche zu läutern. Sch. 511b etc., auch: 90* Edelsteine, Diamanten vom r–sten Wasser (s. o.) und danach von dem seine Art vorzüglich Repräsentierenden: Ein Pietist (LBuchner Leb. 383), ein rousseau’scher Wilder (Stahr Par. 2, 269) vom r–sten Wasser etc. Auch: Eine r–e Freude, Wonne etc., die durch nichts sich Einmengendes (s. a) getrübt ist, vgl. in etwas nüancierter, doch nah angrenzender Bed. d, soauch: Dann empfind’ ich erst das r–ste Glück, | das Menschen fühlen können. G. 13, 134 etc. c) frei von anhaftendem, anklebendem Schmutz etc., vgl. sauber, unbefleckt etc., Ggstz. schmutzig: Glänzend, strahlend, schimmernd, blendend r.; R. [weiß] wie frischgefallner Schnee; R–er denn der Schnee. Klag. 4, 7; Ein schöner Jüngling . ., paradiesisch r–er, | als Hesperus, wenn er balsamisch haucht, | in Ätherfluth die Glieder eingetaucht. Sch. 14a etc.; Ein r–es Weiß; Die schmutzige Wäsche aus- und r–e anziehn; R–e Hemden, Strümpfe etc.; Joseph nahm den Leib und wickelte ihn in eine r–e Leinwand (versch. a). Matth. 27, 59 etc.; Ein r. überzognes (oder r–es) Bett; Ein r–es Tischtuch, r–e Servietten, Teller, Messer, Gabel, Löffel etc. zum Tischdecken etc.; R–es [unbeschmutztes und nam. auch: unbeschriebnes] Papier etc.; Sich die Hände, das Gesicht r. waschen; Sich r. baden; Die Schafe vor der Schur r. schwemmen; Die Haare, die Nägel, die Zähne, den Rock r. bürsten; Die Stiefel r. wichsen, putzen; Das Zeug, die Kleidungsstücke etc., die Stube r. machen; Die Stube, Straße r. fegen, kehren; Die den Platz r–e kehrte. G. 27, 273; Nicht jedes Mädchen hält so rein. 11, 115; Den Tisch r. (ab)wischen; Das Küchengeschirr, Teller, Schüssel etc. r. waschen; Die Kessel r. scheuern; Das Sielengeschirr blank und r. putzen; Das Gemüse, den Salat etc. r. lesen; Die Tücher r. lesen, noppen; Das Erz auf dem Waschherd r. waschen; Die gefärbten Hüte r. (und glatt) streichen; Silber r. brennen (s. d. B. 7b) etc.; Das Tischtuch ist noch r.; Durch die Seife wird die Wäsche r.; Den Stuhl mit einer Decke überziehn, damit er r. bleibt, um ihn r. zu erhalten (bewahren) etc.; R. und sauber zeichnen, schreiben; Eine r–e Zeichnung (versch. a); Einen r–en Grabstichel führen, als Kupferstecher sauber und fehlerfrei arbeiten; Den Aufsatz aus der Kladde (aus dem Un-r–en) r. oder häufiger c (s. 3) ins R–e schreiben etc.
d) Oft übertr. zu c, vgl. zunächst Ausdr. wie: Ein r–er und unbefleckter Gottesdienst. Jak. 1, 27; Wascht r. die Schmach in seinem Blut. Cham. 6, 235; Meine Genossen hatten mich verrathen und .. sich r. gewaschen [als unschuldig dargestellt]. Keler gH. 1, 383; H. 8, 375; W. 24, 47 etc.; Sie war mir auch das rechte Kraut! | nun brennt (s. d. C) sie gar sich r–e. B. 49a; Zschokke 1, 297 etc.; R–en Mund (s. d. 1a) halten, ihn nicht durch Verrath von Geheimnissen beflecken; R–e Hände haben, oft: sich nicht an fremdem Gut vergreifen, Nichts an den Fingern kleben (s. d. 1a) lassen, aber auch nam. bibl. allgm. = schuldlos, unschuldig: Der von r–en Händen wird stark bleiben. Hiob 17, 9 etc., vgl.: Der unschuldige Hände hat und r–es Herzens ist. Ps. 24, 4 etc. Danach oft r. = sittlich unbefleckt, frei von unlauterm (schlechtem, selbstischem) Treiben etc.; unschuldig, schuldlos und wo es sich um Liebesgenuß handelt keusch, z. B.: Entsündige mich mit Jsop, daß ich r. werde (s. e); wasche mich, daß ich schneeweiß werde. Ps. 51, 9; Jch bin r. ohne Missethat. Hiob 33, 9; So du r. und fromm bist. 8, 6; 4, 17; Einem wie dem Andern, den Guten und R–en, wie den Un-R–en. Pred. 9, 2; Tit. 1, 15 etc. (s. 3a); Ein r–es Herz (s. o.) hat dir Natur gegeben, | o bring es r. zurück. Sch. 101a etc.; Wohl Dem, der frei von Schuld und Fehle | bewahrt die kindlich r–e Seele. 58b; Wenn ihn sein Gewissen r. gesprochen. 105b; Dies Kind kein Engel ist so r. 69a; Du bist wie eine Blume, | so hold, so schön, so r. Heine Lied. 223; Ein r–es Gemüth; Ein r–er Sinn, Wandel; R–es Gewissen, Bewusstsein etc., Leben, Streben; R–e Triebe, Liebe; R–e [selbstlose] Absichten, Beweggründe, Motive etc.; R–e [edle] Gefühle, Empfindungen, Gedanken etc.; Schilt einer Schwester r–e Himmelsfreude nicht .. strafbare Lust. G. 13, 50; R–e Lust etc.; Die r–e Wollust edler Handlung. 4, 20; W. 7, 72; Weish. 8, 17 etc.; Einer r–en Jungfrau, | deren Innres nie geheimer Vorwitz | nach verbotner Lüsternheit bewegte. Platen 4, 324 u. v.; R. und keusch das Haus bewahrt. Sch. 53b etc.
e) (s. c und d) den rituellen Satzungen gemäß ohne etwa Befleckendes (Ver- unreinigendes), z. B. oft in der Bibel: R–e Thiere, die zu essen und zu opfern erlaubt ist, so auch: R–e Opfer, in engrem Sinne auch: unblutige, an denen keine Blutschuld klebt. Sch. 55b; R–e Priester etc., die nicht von gottesdienstl. Handlungen fern bleiben müssen; R–e Personen, deren Berührung und Gemeinschaft nicht als verunreinigend zu meiden ist (s. f); Alles, worauf ein solch todtes Aas fällt . ., soll man ins Wasser thun und ist un-r. bis auf den Abend; alsdann wird’s r. 3. Mos. 11, 32; Dem R–en (d und 3a) ist Alles r. Tit. 1, 15 etc.
f) frei von Ansteckung, z. B.: (von Pers.) frei vom Aussatz. 13, 6 ff.; von Krätze etc.; Die Frauenzimmer im Bordell untersuchen, ob sie r. sind, frei von venerischen Krankheiten etc.; ferner z. B. von Schafen = frei von Räude und Pocken (Falke Th. 2, 231b) etc.; auch: Die Luft (s. d. 1e) ist r., eig. und übertr. (vgl. a und b) etc.
g) (s. a und i) in seiner Wesenheit klar und deutlich hervortretend; bestimmt; entschieden etc., z. B. (weidm.): Des edlen Hirsches Fährte bleibet gemeiniglich im Sande, wenn es geregnet, r–e stehen; von einem Thier aber fällt es wieder zu. .. Die r–e Fährte. Döbel 1, 10b etc., ferner: Wie das r–e Gelb (vgl.
a) sehr leicht ins Rothgelbe hinübergeht. G. 37, 253; R. blau. 255; Von einem ganz r–en gesättigten Blauroth. 256 ff.; Ein r–er Reim (a) wird wohl begehrt, | doch den Gedanken r. zu haben, | Das ist mir alle Reime werth. 3, 107; Du schienst noch kurz vorher so r. zu fühlen, | wie Held und Dichter für ein- ander leben | .. soll. 13, 125; Wie r. haßte ich Ihr Geschlecht! 16, 304; In der Ferne zeigt sich Alles r–er, | was in der Gegenwart uns nur verwirrt. 13, 186; Der Platz, wo man die Gegend am r–sten überschaut. 26, 104; [Er] findet die Natur nicht etwa r. und nackt (s. a) um sich her, denn die göttliche Kraft seiner Vorfahren hat eine zweite Welt in die Welt erschaffen. 337 etc.; Einem die r–e Wahrheit sagen. W. 13, 75 u. v.; R. und entschieden mit der Sprache herausgehen; Ich verlange r–e Sprache [entschiedne Meinungsäußrung, wobei man nicht hinterm Berg hält]; Die Edomiter schlagen den Durchzug r. ab. G. 4, 276; Darum bin ich diesem Spruche hold, daß er so r. und dürre alle Werke ausschleußt. Luther 6, 177b; Darum heißt’s rund und r.: ganz und Alles geglaubt oder Nichts geglaubt! 8, 180a; Das heißt r. und fein aus den Christen Heiden und Türken gemacht. 6, 94a (vgl. G. 4, 107); Von Ihnen .. verspreche ich mir r. weg Ihr Urtheil. Mercks Br. 1, 311; Er sprach Das so r. heraus, so glatt weg und freimüthig. Steffens Malk. 1, 328 etc. h) zur Bez., daß Alles zunächst alles Ungehörige weggeschafft ist, Nichts übrig bleibt, z. B. als Ew.: Da ihr. so oft ihr bei | uns fouragiert, so r–e Arbeit, wie | die Mäuse macht. W. 34, 309 etc.; R–e Bahn (s. d. 1a) machen mit Etwas; R–en Tisch (s. d.) machen, so daß zu einem neuen Anfang Nichts mehr vom Alten im Wege steht; Wenn man wirklich r–e Wirthschaft machen und bezahlen will. G. Sch. 1, 260 etc., vgl.: Jch muß soviel auf einem Brett bekommen, daß ich hier ganz r. wegkommen kann [ohne Schulden]. Forster Br. 1, 620 etc. Ferner als Adv.: Etwas r. ab-wischen, -löschen, -schneiden etc.; auf-essen, -zehren etc. (verzehren); aus-trinken, -saufen, -tilgen, -löschen, -bezahlen etc.; weg-schaffen, -bringen etc. (s. i). i) zur (mehr oder minder pleonast.) Verstärkung = vollständig, ganz und gar etc., zunächst im Anschluß an h, dann auch verallgemeint (s. g; vgl. glatt 7; lauter 2 etc.): Ganz Juda ist r. (h) weggeführet. Jer. 13, 19; Seht dieses feurige Genie, wie es das Öl seines Lebens in sechs Jährchen so r. weggebrannt hat. Sch. 104b etc.; Jhnen . . Alles r. abzulocken. Forster R. 1, 245; Die Verbindung, den Umgang mit Jemand r. abbrechen, abschneiden; Einem alle Hoffnung r. abschneiden, alles Talent r. absprechen etc.; „Vorbei?“ R. aus! Müllner 5, 322; Gut! so ist’s aus, r. aus mit uns. Willkomm Sag. 1, 173 etc.; Wie steht es denn mit unserm Champagner? „R–e alle.“ Spielhagen Probl. 1, 182 etc.; Er bekommt r. [vgl. schwzr.: sauber] Nichts, r. gar Nichks; Um r. gar Nichts einen Prozeß anfangen; Das hat er sich r. aus der Luft gegriffen, r. aus dem Finger gesogen, r. ersonnen etc.; Das hat er r. aus (oder aus r–er) Verzweiflung gethan, aus Nichts weiter als; Ich habe den Preis r. vergessen. Sch. Lengf. 235; Stahr Par. 1, 266 etc.; Ich will dir Alles r. entdecken. W. 11, 258; R. glücklich ist er, daß er nicht verzaubert wird. Sanders Kutr. 13; Du bist r. (oder r–e Sturz 2, 252) toll, verrückt, wahnsinnig; Das ist r. zufällig, ein r–er Glückszufall; ein r–es Glück, ein r–es Gotteswunder etc., daß ich ihn traf; Das ist doch r–er Blödsinn (Unsinn etc.); Das ist, wenn man mit ihm zu thun hat, eine r–e Hetzjagd; Er ist so lebhaft, r–es Quecksilber; Er ist ein r–es Rindvieh; Das mitanzusehn ist eine r–e Komödie; Sie treiben ein r–es Puppenspiel mit ihm; Such Nichts dahinter, es ist eine r–e [Nichts weiter als] Nachlässigkeit (Versäumnis etc.), ein r–er Irrthum, ein r–es Versehn etc.; Die r–e, lautere Wahrheit. Sch. 129b; Da war es denn auf alle Weise sein r–es böses Schicksal, daß er etc. G. 28, 158 (s. g: entschieden, offenbar); Alle die historischen Zufälligkeiten, die wir malen, sind ja r–e Vergänglichkeiten (g) gegen die urewige Wahrheit. Lewald W. 2, 122; Ihre Frau Mutter ist r–e-weg nicht satt zu kriegen mit Liedchen. Prutz E. 3, 351, gar nicht, vgl. glatt-, rundweg etc.
3) (s. 2) substant.:
a) von Pers., s. 2d und z. B.: Glänzend werden wir den R–en | aus diesem schwarzen Argwohn treten sehn. Sch. 358betc.
b) sachl., z. B. (s. 2d): Dort im R–en und im Rechten. G. 4, 1; Weil sie nichts R–es unverdorben, nichts Heiliges unbetastet lassen. Hölderlin H. 2, 117 etc., nam. auch: Das R–e = die R.-Schrift, Ggstz.: Das Un-R–e = Koncept, Kladde etc. und so: Etwas ins R–e schreiben; Ein Märchen ins R–e arbeiten. W. Merck 2, 130; Alles aufs R–e schreiben. L. 12, 514 etc.; Der erste Akt ist ins R–e [sc. geschrieben, gebracht]. G. 24, 59 und verallgemeint, von etwas vollständig Geordnetem, zum Abschluß und in Richtigkeit Gebrachtem etc., z. B.: Hohe Zeit, daß wir unsere Sache aufs R–e bringen. Bahrdt 3, 119; Mit Österreich sind wir hinsichtlich der Militärsachen .. gar nicht auf dem R–en. Ense Tag. 1, 282; Es bedürfe manches Un-R–en, um ins R–e zu kommen. G. 18, 237; 12, 26; Wenn es [das Museum] nur erst im R–en den Frankfurter Patrioten vor Augen steht. 26, 200; So wären wir ja im R–en; aber wie hat es der Tausendsappermenter eig. angefangen, mit der Jenny ins R–e zu kommen. Gustav v. See Eg. 1, 38; Der Mensch ist bei ihnen recht durchgearbeitet und ins R–e gebracht. Heinse A. 2, 99; Ein Etablissement für Ihren Sohn, der es vollends schon auf das R–e bringen wird. L. 12, 381; Meine Umstände müssen sich sehr bald wieder ins R–e bringen lassen. 315; Endlich bin ich .. so ziemlich wieder aufs R–e [sc. gekommen]. 458; 69 etc.; Wenn man darüber auf dem R–en ist, unter welchen Umständen die Regierung eingreifen muß. Schleiermacher 3, 2, 328; Ich bin jetzt mit mir darüber ganz im R–en. Spielhagen Probl. 3, 5; Alles Dies setzt die Kalender mit den übrigen Erdebewohnern so ziemlich ins R–e. W. 9, 47; Wie und wann .. Das muß ich noch . | mit Klelien zuvor ins R–e bringen. 11, 215; Daß das schwankende Vh. .. aufs R–e dadurch gebracht werden könnte. 19, 184 etc.
Anm. Goth. hrainis, ahd. (h)reini, mhd. reine, am wahrscheinlichsten vrwdt. mit gr. πρίνα, lat. cerno, sichten, sondern, s. Wackern. Gl. 435 und 294; Schm. 3, 95 und 93. Dazu: reinen (reinigen), ahd. hreinón, hreinnan, mhd. reinen etc. Die Form reine findet sich noch zuw. s. o., u. vgl. Superl.: Mitreinestem Gewissen. W. 12, 14. Zsstzgn., bes. einen Vergleich bezeichnend was unbez. bleibt leicht zu mehren und zu verstehn nach den folg. Bsp.: Āhnen-: s. [1a] reiner Adel etc.: A–e Abkunft. JP. 4, 158. Ather-: vergl. [1b], z. B.: In diesem ä–en Wonnegefühl. Auerbach Ab. 49; Lüfte ohne Wolken, ä–e. Immermann M. 4, 71; Sie fühlt in ihrer Brust ein ä–es Leben. ESchulze 3, 302. Bêsen-: reingefegt. Blūmen-: (vergl. [1d]: Heine Lied. 223): Euch b. erhalten. Rückert 2, 496. Dúft-: z. B. [1c]: An dem d–en Horizont. Gutzkow R. 1, 14, vgl. Duft 1. Engel- [2d]: (vgl. himmelr.) G. 4, 300; Lohenstein Geistl. 50; Sch. 271b; 286b etc. Erde-: wohl [1c] rein von irdischer Befleckung etc.: Sahst e. dein Leben. H. 15, 153 etc. Flécken- [1c]. Glánz-: glänzend rein. Góld-: vgl. silber-r.: Die g–e Intonation. Gumpert (Nat.–Zeit. 15, 165); G–e Treue etc. Hérzens- [2d]: H–e Unschuld. Hímmels-: himmlisch-rein, vergl. äther-, engel-r.: Aus unsern milden, | h–en Luftgefilden. G. 2, 23; Mit einem sehr edlen, h–en und göttlichen Geiste. . . Die h–sten Sachen der Religion. H. (Wackern. 4, 456⁶); Den h–en Schleier. Sined (Kurz 2, 540b). Kátz-: (veralt.) sehr rein, in Bezug auf die sich gern putzenden Katzen (s. d. 1d): Darum scheint Derselbe gegen die Subtilen, K–en und Superfeinen fast grob zu sein. Paracelsus (Natur 4, 34a). Kínder- [2d]: Gaudy (Hungari 1, 512); Es ist nicht immer möglich | im Leben sich so k. zu halten. Sch. 357b. Mútter-: z. B. [2d]: Sie hätt’s gesprochen, m. Gleim 4, 121, als reine (fromme) Mutter. Pérlen-: z. B.: Ich bin ja nicht mehr p. [2d]. Plönnies Mar. 50; Jeder Ton p. [2a]. Heinse A. 2, 248. Schlácken- [1c]: Sch–es Metall; Wie man sich der Hauptstadt nähert, wird Alles sch–er. Merck’s Br. 2, 279. Schnēē-: vgl. schneeweiß, schwanen-r.: Meines Hauses | sch–e, stolze Ehre. Geibel Rod. 69. Schúld- [1c]: s. sünden-r. Schwānen-: vgl. schnee-r.: Die sch–e Treu. Mühlpforth 2, 47. Sēēlen- [2d]: Nur das s–ste Weib als Gattin | heimzuführen. Platen 4, 327. Sílber-: z. B. [2c]: Die s–en Glieder. Mühlpforth Hochz. 4, vgl. schnee-r. etc. und [2a] in Bezug auf den Ton: Molly trillert hundertmal | so hell und s. B. 13a, vgl. Silberklang. Sítten- [2d]: Die s–e Liebe. Gutzkow R. 6, 28. Sónnen- [2c]: Einem kreideweißen und s–en Papier. H. R. 9, 410. Sprāch- [2a]: in reiner unvermischter Sprache. Sünden- [1c]: Wer sich fühlet s., | werf’ auf sie den ersten Stein etc. Über-: mehr als rein: Durch solcher holden Lampe Schein | wird Alles klar und ü. G. 2, 192. Un-: als Ggstz. zu [2a—f] und [3], wozu kaum Belege nöthig erscheinen: Ich bin u–er Lippen. Jes. 6, 5; Den U–en ist Nichts rein, sondern un-r. ist beide, ihr Sinn und Gewissen. Tit. 1, 15; Womit opfern wir dir U–es? Mal. 1, 7 etc.; Nicht eine tugendsame, sondern eine u–e Liebe [2d]. G. 28, 67; Assonanzen, u–e Reime [2a]. 33, 152; Wenn die gelbe Farbe u–en und unedeln Oberflächen [2c] mitgetheilt wird. 37, 252; Die himmelreinsten Sachen der Religion mit einem so u–en Athem [2f] anhauchen. H. (Wackern. 4, 456¹⁰); U–e Triebfedern [2a]. Sch. 1131b; Den Aufsatz erst im U–en [3b] machen etc. Unschulds- [2d]: Eine u–e Frau. Ense Tag. 3, 156. Ūr-: v. ursprüngl., urewiger Reinheit: Der Sinn und Herzen zum Genuß | u–er Schöne weiht. V. 3, 149; U–er Wahrheit Schimmer. 4, 59 etc.