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Lein
Lēīn, m. (n.), –(e)s; –e; -:
Flachs (s. d.), und zwar:
1) die Pflanze selbst, nam. sofern sie noch grün auf dem Felde steht (L. oder Flachs): Der L. hat schon zum Theil Knoten gewonnen, der andere Theil blüht. . . So schön blaugrün liegen die L.-Felder unten. G. 23, 313; Der L. ist schon reif. 351; Wie sich an dem in die Blüthe tretenden L. wahrnehmen ließ. 40, 251; Die eben das L. gätete. Möser Ph. 4, 303 etc. Von da aber, wo die Bearbeitung zur Gewinnung des Bastes eintritt, gilt, wie für den Bast selbst, gew. die Bezeichnung „Flachs“, vergl.: Der gemeine L. .. wird in Feldern angebaut und der Bast zu Flachs gemacht. Oken 3, 1174; Brich, du armer Flachs! dir droht | Müh und Noth, mehr denn je du träumtest, | als du grün im Sonnenschein, | junger L., | blaue Blumen keimtest. V. 3, 133 etc. So spricht man von Flachs [nicht L.]- Haar etc. Doch finden sich z. B. beide Bez.: Dgl. Märtyrer ist der L. oder Flachs auch. Wenn er reif ist, so räuft, röstet, dörret, bläuet, brecht, hechelt, spinnet, wirket man ihn und machet Leinwand draus. Luther SW. 60, 95 und dichterisch von dem bis zum Spinnen verarbeiteten Bast: Glänzend umwindet der goldene L. die tanzende Spindel. Sch. 76a, vergl. auch: Zu keltern hieß Liber die Früchte der Rebe, | den L. (1) schuf Pallas zum schönen Gewebe. Platen 3, 11 und: Kein Kleid, das mit Wolle und L. (s. 3) gemenget ist. 3. Mos. 19, 19 etc. und leinen, wie auch 3.
2) von dem Samen der Pflanze, wofür Flachs un- üblich ist, also zwar: L. oder Flachs säen (wie es heißt: Die Äpfel, Birnen etc. blühn, s. Baum II. 2), dagegen: Ich habe viel L. [nicht: Flachs] zur Saat gekauft und hoffe künftiges Jahr viel Flachs verkaufen zu können; Der Handel ins Große mit L.-Saat. .. Dieser Handel, welcher das L. unmittelbar aus der Quelle holte . . .Des L.-Samens halber. Möser Ph. 1, 58; Öl aus demL. pressen; L. [nicht: Flachs]-Öl, -Kuchen.
3) das Gewebe aus dem Flachsgespinnst (s. 1), die Leinwand, das Leinen (s. d. II.), Linnen etc.: Zu den Säcken soll weder gekrimptes, noch gekochtes gewelktes L. verstattet werden. Erbvgl. Beil. 64; Wer die Geliebte sieht in ihren Kissen, | nackt, weißer schimmernd als des Lagers L. Freiligrath Ven. 29; Die Funken fahren in den L. [das Bett-Tuch]. Reithard 392; Sammelt im reinlich geglätteten Schrein | die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein. Sch. 78a etc. Ugw. fem.: Von dem grünen Zaune wehet | weiß und bunte L. [Leinwand]. LLeist (Hungari 1, 429). Auch in Zsstzg. z. B.: Braut-L. und Brautgemach war fertig. Kinkel 460; In Halb-L. Gotthelf Sch. 103; G. 2 etc.
Anm. Gr. ίνον, lat. linum, goth. lein, ahd., mhd. lin, viell. urspr. die Bast-Pflanze (s. Linde V, Anm.), sämmtlich neutr., wie noch niederd., s. o. Erbvgl. und Möser, der freilich auch schreibt: Daß guter aufrichtiger L. [2] verkauft wird. Die Mz. nur für die versch. Arten, z. B. Oken 3, 1173. Als Bstw. auch zuw. Leine-Wand. Guhrauer L. 1, 28, und -Weber. Hebel 3, 427 etc. S. auch Leinen I und II.
Zsstzg., die man um den Gedanken an die Endsilbe „lein“ fern zu halten am füglichsten durch Divis trennt, vgl.: Dotter-Lein = Leindotter (s. d.) und Dotterlein = Dotterchen, kleiner Dotter; Berg- Lein oder-Flachs und Berglein = kleiner Berg etc., s. [3] und Leinen II, ferner die von Flachs und z. B.: Indessen unterscheidet man 2 Varietäten: den Schließ-L. oder Dresch-L. [plattd. Dösch-, Dorsch-L.], dessen Samenkapseln geschlossen bleiben, daher zur Gewinnung des Samens ausgedroschen werden müssen und den Spring- L., Klang- L., dessen Kapseln zur Zeit der Reife mit einem kleinen Geräusche sich öffnen. Karmarsch 1, 801; Knapp Techn. 2, 614 etc.; Das Kron-L. . . . Kein andrer Same, als welcher von dem Kommissär der Krone gestempelt. Möser Ph. 1, 61; In der Gegend von hiesiger Stadt ... geräth der rigaische Same, und um Borgloh das seeländische Sack-L. am besten. 63 etc., zur Bez. verschiedner Sorten.