Faksimile 0096 | Seite 94
Faksimile 0096 | Seite 94
leiblich
Lēīblich, a.:
1) im Ggstz. zu „geistig“ (s. d.), auf den Leib sich beziehend, dazu gehörig etc., vgl. körperlich, z. B.:
a) dem Genit. „des Leibes“ entsprechend: Mit l–en Augen sehen, betrachten; L–e Schönheit, Schwachheiten; Der l–e Tod; Der sein l–es Angesicht im Spiegel beschauet. Jak. 1, 23 etc. —
b) (s. a) auf das Zeitliche, Weltliche, Irdische bezüglich, Ggstz. geistlich, ewig etc., z. B.: So der Ochsen .. Blut heiliget die Unreinen zu der l–en Reinigkeit, wievielmehr wird das Blut Christi .. unser Gewissen reinigen? Hebr. 9, 13; So die Heiden sind ihrer geistlichen Güter theilhaftig geworden, ist es billig, daß sie ihnen auch in l–en Gütern Dienst beweisen. Röm. 15, 27; 1. Kor. 9, 11; Er giebt aber im neuen Testamente nicht l. der Heiden Erbe, sondern geistlich. Luther 5, 214a etc.; Sie berührt mehr kein L–keit, | sind ganz außer aller Statt und Zeit. HSachs G. 2, 21. —
c) leibhaft: Der heilige Geist fuhr hernieder in l–er Gestalt. Luk. 3, 22, dazu: Ein Kennzeichen jener ganz körperlosen Scheingebilde. . . Weil sie auf alle L–keit verzichten. Demokr. Stud. 163; Leis’ eröffnet er [Gott] die Hüfte [Adam’s] | und den innigsten Gedanken | nahm er draus um den in Schranken | schönster L–keit zu hüllen. Rückert Morg. 1, 4. So auch = wirklich, eigentlich (im Ggstz. zu dem bloß Bildlichen etc.), z. B.: Jesus sagte von seinem Tode, sie meineten aber, er redete vom l–en Schlaf. Joh. 11, 13; Daß uns da sein l–er Leib zu Abwaschung der Sünde gegeben werde. Zwingli 3, 9 etc. —
d) (s. c) mundartl.: Er ließ uns die l–e Ruhe nicht [durchaus keine Ruhe]. Wagner Kind. 16. —
e) Einen l–en Eid schwören, s. körperlich 2. —
f) (s. c) eigentlich, wirklich in Bezug auf Blutsverwandtschaft, im Ggstz. zur Adoption, zu der durch Heirath bewirkten Verwandtschaft etc. (vgl. Blut 8; Fleisch 1; Lende etc.): L–er Vater, Sohn, Bruder, Vetter; L–e Mutter, Tochter, Schwester, Geschwister, Geschwisterkinder, Verwandte etc., s. auch den Ggstz. „stief“; So wir haben unsere l–en Väter zu Züchtigern gehabt, sollten wir denn nicht vielmehr unterthan sein dem geistlichen Vater? Hebr. 12, 9 (s. b). — Dazu: Ehe-l. [ehelich und l.]: Meine ehe-l–en Kinder. — 2) in Zsstzg., denen von leiben entsprechend, z. B.: Einver-l.: was einverleibt werden kann (einverleibbar), und als Ggstz.: Diese Lehren, die .. dem ganzen Umfange damals anerkannter Wahrheiten so fremd, so uneinverleiblich waren. L. 10, 38 etc.