Faksimile 0087 | Seite 85
Faksimile 0087 | Seite 85
Faksimile 0087 | Seite 85
Faksimile 0087 | Seite 85
lehnen
I. Lêhnen, intr. (haben, sein, s. 1d), tr. u. refl.:
in geneigter Lage sein oder in solche Lage bringen; nam.: geneigt gegen Etwas, das als Halt und Stütze dient, liegen, legen sich legen: 1) intr.:
a) Die Säule lehnt, steht nicht grade. Adelung.
b) gw. mit Präp. und Dat., z. B.: Immer lehnet mein Haupt an ihren Knieen. G. 1, 275; Als er .. an seiner Thür lehnte. 28, 111; Ich hatte meinen Arm um ihren Leib geschlungen und sie lehnte an mir. Hackländer Hdl. 1, 240; Die Büchse lehnte an seiner Schulter. Höfer V. 156; 105; Ruhlechzend lehnt an dir der Grübelns müde Geist. Kosegarten Po. 2, 288; Lewald Ferd. 1, 135; Reis. 2, 270; Agnes lehnte mit dem Haupt an der Brust des Geliebten. Möricke N. 463; 10; Müllner 1, 2, 39; Er blieb an der Thürpfoste l. Rank Arm 104; An seinem Knie | lehnt eine Keule. Rückert Rost. 77b; Waldau N. 2, 296; 3, 10 etc.; Er sieht .. sein Schwert in einem Winkel l. Alxinger D. 349; In dem Polsterstuhle lehnte | krank und grau der alte Fährmann. Heine Tr. 59; Lewald W. 1, 397; Ein Greis .. | lehnt in der Thür. Roquette Waldm. 67; Landenberg lehnte [saß halb aufgerichtet] im Bett. Willkomm Banko 1, 279 etc.; Lehnte hoch auf weißem Zelter. Heine Tr. 100 etc. (s. d).
c) mit Präp. und Accus., wo die Bed. sich dem Refl. nähert: Dein holdes Köpfchen wird | an meine Schulter l. Heine Rom. 156; Das .. Landhaus lehnte an eine Partie von hohen, dunkeln Linden. Kinkel E. 303; Unmittelbar an den schroff emporstarrenden Lehmwall des Hochlandes lehnte ein .. Städtchen. Sealsfield Leg. 2, 168; Ein kleiner Kahn, der ans Ufer lehnt. Werner Osts. 1, 208 etc.
d) im eig. Perf. mit „haben“, dagegen präsentisch (vgl. gelegen sein = liegen etc.): Gelehnt sein = l., sich l. (vgl. 2 und 3), z. B.: Wo du uns bald | auf deine Fraun gelehnt erschienest. G. 13, 127; Gelehnt an den Saal. Simrock N. 2265; Tritt Adam .. auf, gelehnt | am nächsten Apfelbaum. Thümmel 3, 42; Sie horcht eine Weile, | an den Tragkorb gelehnt. Zachariä Tag. 69. 2) tr., z. B.: [Die Götzen können nicht] sich aufrichten, so man sie lehnet. Baruch 6, 26; Streckt dem gelehneten Nacken | weich umwallenden Flaum .. zum Lager. V. Ov. 2, 183 etc., und zumeist mit Präp. und Acc. (s. an-l. 2): Er hieb entzwei die Stütze, | an die gelehnt sein neues Reich er fand. Freiligrath Garb. 105; Laß Haupt an Haupt uns l. [s. 1, 3 und lassen 8]. Platen 2, 51; Die Heermacht .. aufgestellt und an die Burg gelehnt. Rückert Rost. 85b; Er „lehnete“ den .. Spieß an ein Säulen. Schaidenreißer 2a; Denselben [den Felsen] „leinet“ er an das Thor anstatt eines Riegels. 37a; „Lainete“ ihn neben dem Thor an die Mauer. 77a; Weh Denen, die auf dich vertraun, an dich | die sichre Hütte ihres Glückes l. Sch. 383b etc.; Auf einer Bank sitzend, den Kopf wider dieMauer gelehnt (s. 1d). G. 29, 293 etc.; Den Kopf (oder sich, s. 3) aus dem Fenster, ins Fenster, über die Brüstung l. etc. Auch: Etwas von sich, es an die oder bei Seite (s. d.) l., ab-l. (s. d.), es bei Seite legen, stellen, als nicht passend, nicht zutreffend, nicht brauchbar etc., es abweisen: Uns ziemt jedoch, diese Betrachtung noch an die Seite zu l. und zu bemerken, was etc. G. 22, 48; Die Gabe wärmer fordern, die du jetzt | so kalt bei Seite lehnst und fast verschmähst. 13, 140; Alles [ihm Vorgeworfne] wusst’ er bei Seite zu l. und Alles zu stellen. 5, 167 etc. 3) refl. (s. 2 und 1d): Lehnet euch unter den [in Adelung’s Anführung fälschlich: dem] Baum. 1. Mos. 18, 4, legt euch ruhend; Saul lehnet’ sich auf seinen Spieß. 2. Sam. 1, 6; 2. Kön. 7, 2; [Sie] lehnet sich auf ihren Freund. Hohel. 8, 5; So wollen wir uns nicht allzufest hierauf l. [stützen]. G. 31, 290; Kirche, die sich liebedienerisch an den Staat lehnt. Gutzkow R. 3, 258; Wir l. und trösten uns recht an einander. 8, 465; Der schöne See, an den sich Konstanz lehnet. WHumboldt Son. 291; Du kannst dich | auf dieses unstät schwanke Rohr nicht l. Sch. 418a; Sich an diese wankende Krücke zu l. 1031b etc.; Bergb.: Ein Gang lehnt [örtert] sich mit dem andern, sie vereinigen, „schaaren“ sich. Ferner: Der Herr lehnte sich aus dem Wagenschlage [hinaus]. Gutzkow R. 8, 42; Sie lehnte | leise sich durch das Laubgegitter. Kosegarten Po. 1, 263; Über den Schild sich l–d. Simrock N. 1916 etc., vgl.: sich neigen, beugen etc.
Anm. Vgl. Lehne I. 4; 5 und Anm. Jsg. . de von ī) jB.: áb- ī2:
1) ab-, wegwenden: Wenn man seinen Vorwitz zu bändigen weiß und ihn wenigstens von Gegenständen ablehnt, die in so manchem Sinne gefährlich werden können. G. 30, 374; Er wußte dieses Beginnen auf eine geschickte Weise abzulehnen [zu beseitigen, zu verhindern, ungeschehn zu machen]. 15, 119 etc.
2) (s. 1) Etwas von einem Andern abwenden, es nicht an ihn herankommen lassen oder zurückweisend entfernen: Was konnt’ ich wünschen? Vorbereitet war’s. | Was durft’ ich fürchten? Abgelēhnt war Alles. 13, 327; Die Rechtfertigungen oder Entschuldigungen, womit seine Lebensbeschreiber solche [Vorwürfe] abzulehnen suchen. W. HB. 1, 12 etc.
3) (s. 2) Etwas (von sich) a., es bei Seite lehnen, von sich ab-, zurückweisen, vgl. weg-, zurück-l., z. B.: Etwas Einem Angetragnes, Angebotnes a., es nicht annehmen; Ein Amt, eine Einladung, ein Geschenk a. etc.; Etwas Einem Zugemuthetes, eine Zumuthung a., Nein dazu sagen, nicht darauf eingehn; Etwas höflich, fein, entschieden, rund, in dürren Worten a.; Ein geflissentliches Ausbeugen und A. Engel 12, 219; Lehne, so lange es noch Zeit ist, den guten Rath nicht ab, nicht die Hilfe, die ich uns biete. G. 15, 127; Eigenheiten, wodurch sie Alles, was im mindesten verfänglich schien, von sich abzulehnen wußte. 184; Der die Frage des Grafen, ob er nicht sonst noch einige Gedichte von früheren Zeiten besitze, mit Klugheit abzulehnen [mit kluger Wendung von sich wegzulenken] wußte. 16, 217; Es ist nicht billig, nachdem Ihr meine Fragen so einsilbig abgelehnt [durch einsilbige Antworten von Euch gewiesen] habt, euch mit solcher Lebhaftigkeit nach meinen Geheimnissen zu erkundigen. 19, 324; Um allen Verdacht des Muthwillens von uns abzulehnen. 20, 94; Wir fassen den Entschluß, die französische Sprache gänzlich abzulehnen und uns .. der Muttersprache zu widmen. 22, 40; 15; Daß er jede schöne Forderung von sich a. soll. 19; Religiöse Gespräche hatte ich bisher sachte abgelehnt. 215; Den seine Geburt, seine Fähigkeiten zu mancherlei Anspruch berechtigten und der Alles ablehnt. 39, 291; Sich über die Farbe zu erklären lehnt er ab. 134; Ich lehnte ab, sie zu sehen. 21, 132; Parierend, a–d sind Ihre Briefe. Indem ich aufstehe, Ihnen entgegenzutreten, so weisen Sie mich wieder auf den Sessel zurück. 19, 14; Alles Vornehme ist eigentlich a–d und a–d ward auch die französische Kritik, verneinend etc. 22, 44; Wer mich nach meinen Werken für liebenswürdig hielt, fand sich sehr getäuscht, wenn er an einen starren, a–den Menschen anstieß. 202; 25, 180; Zweimal wurde Lessing Friedrich dem Großen zum Bibliothekar vorgeschlagen und .. abgelehnt. Guhrauer Less. 1, 134; [Er] lehnte eine solche Besorgnis gänzlich ab [wies sie zurück]. Gutzkow R. 5, 299; 6, 399; Ich danke meinem Freunde für das mir zugestandene, von sich (s. d. †) abgelehnte Recht. Paalzow Th. 2, 371 etc. Vralt.: Ab- leinen, z. B. Luther; Ryff Sp. 122b; Stumpf 179a; Zinkgräf 1, 350; Zwingli 2, 1, 2 etc., und so noch bei W. 3, 170: Die Strafe von sich abzuleinen, im Reim auf „erscheinen“, doch trotzdem von einem Korrektor (?) in „abzuleiten“ geändert.
4) dazu: Gänzliche Ab- lehnung seines Lobs wäre Beleidigung. L. 12, 372; Eides- ablehnung etc.; Ableinung. Zwingli 3, 2 etc.; Ablehnbar, was abgelehnt werden kann, seltner: Ablehnlich (vgl. abwendlich). Lohenstein Arm. 1, 846. Án-:
1) intr. [1]: (selten) Julie lehnt an, entschlummert. FrMüller 3, 335; G. Schöll 233, und [1d und 3]: An sein irrendes Haus [die Hürde] angelehnet, durchzählt er die Herden. Zachariä Tag. 69 u. o.
2) tr. [2]: Nachdem sie ihre Fahnen .. an die Kirche angelehnt hatten. G. 26, 227; Der Kasten war schwer, er . . wollte ihn einen Augenblick absetzen oder vielmehr nur a. 19, 292; Dort an der Mauer des Hofes setzt’ er ihn angelehnt. V. Od. 18, 103 etc. Nam. auch:
a) Eine Thüre, Pforte, ein Thor etc. a., sie nur leise anlegen (s. d. 1a), ohne sie gehörig einzuklinken (und zu verschließen), s. beilegen 1: Angelehnet ließ ich meine Thüre. G. 2, 78; Angelehnet blieben beide Flügel | auf den leisen Angeln ruhig hangen. 79; 10, 204; Angelehnt war ihm [für ihn zum Offnen] die Gartenpforte. 692; Gutzkow R. 9, 477; Durch schweigende, leicht angelehnte Thüren. W. 11, 219 etc.
b) (Kriegsk.): Das Heer an einen Berg, Wald, Fluß a., lehnen, so daß das Genannte ihm den Rücken oder die Seite stützend deckt, s. 3.
c) übrtr.: Der Lehrer muß in seinem Vortrag das Neue an das schon Bekannte a. etc., s. 3.
3) refl.: (s. 2) eig. und übrtr.: Sich mit dem Rücken a., an die Wand; Das Heer lehnt sich an den Fluß (an), s. 2b; Die formelle Einschulung, um deren willen eine aufblühende Kunst sich an eine bereits vorhandene a. (s. 2c) muß. Danzel 141; Wir mögen uns an Geschwister und Freunde a. [als Stützen]. G. 22, 235; Stütze denn auf Güte dich, sonst lehnet | deine Liebe auf ein Rohr sich an. Gotter (Matthisson A. 8, 295); Sich an fremde Muster a.; Wenn ich mich fremden Mustern anlehnte [anschmiegte]. Immermann M. 4, IV. etc.
4) dazu: Anlehnung, z. B. [2b]: Dem Feinde die Anlehnung an den Main abzuschneiden. Gutzkow Kön. 108 etc.; Wie sie der Anlehnung an lebendige Naturen bedurfte. R. 5, 495; 7, 28 etc., auch: etwas zum A. Dienendes, Stütze etc.: Keine Idee war da, die ihr als Stütze und Anlehnung in dieser Verwirrung hätte dienen können. 3, 27; Meine einzige Anlehnung, die Osteggen’sche Familie, wurde bestimmt nach Odessa zu gehen. 382; 385; 2, 253; 4, 307; 5, 265; 7, 165; 8, 331 etc. Āūf-:
1) tr. und refl.: auf Etwas lehnen: Daß je einer sein Haupt dem andern auf die hintern Lenden zu einer Aufenthaltung auflehnet. Ryff Th. 22; Wir sahen den Schlagbaum .. und hinter demselben eine große Masse Menschen, die sich dort auflehnten und andrängten. G. 25, 250etc.
2) refl.:
a) (eig.) sich emporrichten: Jetzt lehnten sie bebend und kraftlos an einander sich auf. Geßner 1, 207, nam. oft = sich bäumen, von Pferden, von Wellen etc., daher:
b) gw.: Sich gegen, wider Etwas a., sich dagegen auflegen (s. d. 1e), stemmen, empören, 1. Mos. 49, 9; 3, 26, 37; 5, 28, 7; 33, 11 etc.; Wenn sich .. La Roche gegen Alles, was man Empfindung nennen könnte, auflehnt. G. 22, 137; 33, 249; Weh Dem, der wider das Weltgeschick mit Übermuth sich auflehnt. Platen 2, 36; Sch. 1003a; Daß Etwas in dir ist, das sich gegen diesen Gedanken auflehnt. W. 22, 349 etc., auch mit Dat.: Schwöre, .. | der Krone Englands nie dich aufzulehnen. Schlegel Sh. 7, 346; 8, 165 etc.; Die Auflehnung gegen seinen Willen. Zwei Schwestern 1, 131 etc. gw. hin- aus-l.: Wie oft hab ich .. mich aus dem Klosterfenster ausgelehnt. Tieck 2, 79. gw. an-l.: Auf der Bidassoabrücke | lehnen sie die Büchsen bei. Uhland 335 etc. Hín- etc.: Hingelehnt an den Stock, dreibeinig entrutscht’ ich dem Schneekulm. Baggesen 1, 265; Beid’ an der Quelle | hingelehnt .., sangen sie. V. Th. 6, 4 etc.; Den Kopf oder sich aus dem Fenster heraus-, ins Fenster hinein-, herüber-, hervor-l. etc. (s. beugen, neigen). s. zurückl. hinüber-l.: Den linken Arm in die Ecke des Sopha’s stützend und sich in die Rückenkissen ü–d. Gutzkow R. 4, 69. nach vorn über lehnen: Hatte sie sich weiter vorgelehnt, um mir so weit als möglich nachzusehen. G. 19, 254; [Er] stieß, v–d, die bewehrten Fersen | in seiner armen Mähr’ erhitzte Weichen. Schlegel Sh. 6, 192. gw. ab-l.: Der mit dieser Zuversicht und Bescheidenheit diesen Fehler von sich w. darf. Lavater 1, 40. nach hinten hin lehnen: Sich an die Lederbacken des alten Stuhls zurückzulehnen. Alexis H. 2, 1, 4; Wenn er .. zu ihren Füßen lag und, mit dem Kopf auf ihren Schoß zurückgelehnt, seine gierigen Blicke in ihren . . Augen weiden ließ. W. 7, 119; Auf ihrem Polstersitz mit Reiz zurückgelehnt. 20, 304 etc., auch: Wenn hoch die Röcke fliegen | und wollustathmend, rückgelehnt, die Leiberchen sich wiegen. Prutz Woch. 115 etc. Auch (vgl. ab-, weg-l.): zurückweisen: M., Louis’ Hand z–d, erwiderte. Gutzkow R. 7, 46.
Āūs-: Bēī-: Rǘck-: Úber-: Vōr-: Wég-: Zurück-: