Faksimile 0919 | Seite 911
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Kiste
Kiste, f.; –n; Kistchen, lein, el; –n-:
1) ein aus Brettern zusammengeschlagner Kasten (s. d. 1), oben mit einem Deckel zu verschließen und ein selbständiges Behältnis bildend: Ein Kasten in einem Tisch etc., Schiebkasten, ein Kästchen aus Pappe etc. sind keine K. K–n und Kasten (s. d. 1) voll haben etc., in Bezug nam. auf das Behältnis für Geld; Bei einer offnen K. sündigt auch wohl ein Gescheiter, Gelegenheit macht Diebe; Ich eiferte für Kist’ und Schrein. G. 12, 44; Weil die K–n durch zu großen Hof | und freies Spenden etwas leicht geworden. Schlegel Rich. II. 2, 1; Der nur noch als Gespenst um seine K–n klirrt. W. 11, 179 etc. Ferner; Bücher, Wäsche, Waaren in eine K. packen und so versenden. Daher oft auf Adressen: Anbei eine K. etc.
2) Für manche Waaren haben die K–n eine best. Größe und gelten zugleich als Maß, z. B.: Eine K. Cigarren hält 100, 500, 1000 Stück etc.; Eine K. Fensterglas hält 20 Bund von je 6 Tafeln; Eine halbe K. etc.
3) Deichb.: ein durch Pfahlwerk abgetheiltes Fach zur stückweisen Füllung eines Erddamms, s. Korb-K.
4) Glash., Hüttenw.: eine Holzkrücke zum Umrühren des Glassatzes; des Erzes aufden Waschherden etc., Aus-, Auszieh-; Schlamm-, Wasch-K.
Anm. S. Kasten. Ugw. Küste. L. 12, 171, wie nach Adelung in Bed. 4. Mundartl. ist die Bedeut.: Gefängnis. Brem. Wörterb., so Narren-, Toll-K., hochd. -Häuschen. Nbnf. Kost in der bergm. Zsstzg.: Steinkost, f., –en: Kiste für den aus der Pochmühle kommenden, zerpochten Stein.
Zsstzg. unerschöpflich zu 1, nam. nach dem Inhalt, vgl. die von Kasten, z. B. wonach sie leicht zu mehren: Aūs- [4]: den Schlich im Pochwerk damit in den Graben zu krücken. Āūszieh- [4]: ein Brett, das gepochte Erz auf dem Planherd aus einander zu streichen, mit längerem Stiel als die Wasch-K.
Bánk-: von der Länge und Höhe, daß sie grade unter eine Bank zu schieben ist: Eine blau angestrichene lange sog. B. Auerbach D. 1, 148.
Bēūtel-: Beutelkasten in der Mühle. Möser Ph. 4, 151. Bǖcher-.
Cigárren-: Der Cederbaum .. Als Material der C–n kennt das Holz . . Jedermann. Burmeister gB. 2, 216.
Eīsen-: mit Eisen beschlagen, z. B. Geld-K. Platen 4, 24.
Fēūer-: Spring-K. Géld-.
Hāfer-: Sprchw.: Den Bock (s. d. 4) auf die H. setzen.
Kardūs-: mit gefüllten Kardusen auf Schiffen. Klēīder-. Kórb- [3]: das beim letzten Zuschlag einer Bracke oder eines Deichbruchs mit Schanzkörben zugeworfne Fach.
Mátt-: bei den Müllern für das gemetzte Mehl. Erbvergl. Beil. 62, s. Matte. Mêhl-.
Métz-: Matt-K. Rúst-, Rūß-: s. Todten-K. Schlámm- [4].
Spríng-: (Schiff.) mit Schrot, Granaten und Pulver gefüllte, den Feind, wenn er geentert hat, damit in die Luft zu sprengen, Feuer-K.
Stēīn-: Nach der St., d. i. die Mole [s. d.]. Höser Leb. 7.
Tōdten-: hoher kastenförmiger Sarg, in plattd. Gegenden auch (vgl.: Die Sonne geht zur Rüste, und z. B.: Biswylen shall man ok van schwaren Arbeit rüsten [ruhn, rasten]. Laurenberg 86): Rüst-, Rust-K. u. mit Verderbung des unverstandnen Worts: Einen hohen Sarg, eine sog. Ruß-K. Guhrauer L. (Beil. 2, 41), vgl. Schütze Holst. 2, 210. Wásch- [4].
Wétz-: in der die Mähder ihren Wetzstein etc. zum Schärfen der Sense bei sich zu führen pflegen, s. Schlotterfaß und Kumme, Anm.
Zēūg-: zur Aufbewahrung von Zeug, z. B. von Wäsche, aber auch z. B. (Buchdr.), s. Zeugkasten u. ä. m.