Karren
I. Kárren, m., –s; uv.; Kärrchen, lein; -:
1) ein leicht bewegliches, von einer Person zu schiebendes einrädriges Fuhrwerk, eine Rad-Bahre oder -Berge, zumeist ein Kasten oder Behälter mit einem Rade, sehr häufig auch (z. B. in Mecklenburg ausschließlich): die Karre: Die einrädrigen Fördergeräthe [im Bergbau] nennt man Karre (Laufkarre), die andern Wagen und Hunde. 1, 174 etc., s. Zsstzg. — Ferner: Einen Verbrecher in die Karre oder in den K. schmieden, zur Karre oder zum K. verurtheilen, zum Festungsbau, so z. B.: Mit der Karre bestraft. Beil. 65; Ich fürchte nur, daß wir im Karren eine böse Figur machen können. 10, 194 und übertr., sprchw.: Bis dahin ich nun noch in meinem K. ziehen muß. 467a, vgl. die Bsp. in (2), da zumal bei Übertragungen die Bed. 1oder 2 nicht bestimmt zu trennen sind. — 2) (s. 1) ein von Zugthieren gezognes zweirädriges Fuhrwerk und zuw. auch verächtliche Bezeichnung eines Fuhrwerks überh. (s. Karrete), auch hier wie bei 1, doch seltner mit der Nebenform: „Die Karre“: Da kommt ’was gefahren | auf einem Wagen oder K. 6, 378; Nun kamen sie mit allen ihren K. . .. Ein Wagen berührte den andern. 29, 79; 5, 127; Den andern Tag erschien der Karrn [der unsre Sachen brachte]. 28, 312; Ein zweirädriger K. fuhr vorüber mit grauem Verdeck. 3, 200; Armes Volk, wie Pferd und Farren | bleibt es angeschirrt am K. Rom. 53; M. 1, 386; Zu unserem K. zu gelangen .. Unsere Karre rollte .. durch die Straßen. Irl. 2, 177 — 180; 93; 1, 261; Borgte einen leichten K. .. Mit seiner Kutsche. A. 9, 99; 1, 277; Arbeitete ... sich ... mit dem Ochsen und seiner Karre aus dem Wege. 2, 42; Die karge Ausbeute eines steinichten Ackers auf einem K. nach Hause zu führen. 18, 80 etc. — Vielfach übertr. und sprchw. (s. 1), z. B.: Zieht der griesgrämige Pietismus gleichfalls an einem K. mit der Kanzleiweisheit. SchV. 138, vgl.: Gleichen Strang ziehn; So beschämt da stehn, wie ein Gaul, der seinen K. umgeworfen. B. 1a; Wohlgeschmiert und übel gefahren, | so liegen wir alsdann unterm K. 261a; Dem Teufel vom K. gefallen etc. U. 2, 44; Sch. 66; 212 etc., von einem schlechten Menschen; Die zerbrochne Karre in Gang gebracht. Lammf. 1, 318; Wer den K. in Dreck geschoben, mag ihn auch wieder herausziehn. F. 94 [seine Schuld büßen]; Den K. noch tiefer in den Dreck schieben; Der K. hat sich festgefahren. Mus. 1, 30; Ich bin es auch müde, ich lasse den K. stehen. 197a, kümmre mich nicht weiter drum; Hat seinen Haß — wie man zu sagen pflegt — auf einen andern K. geladen. Kl. 3, 142, wartet auf eine andre Gelegenheit; So sehne ich mich .. aus diesem schändlichen Autor-K., an dem ich nolens volens ziehen muß, ausgespannt zu sein. Merck 2, 95; Es ist ein angelegter K. wohl verderbt aus: eine angelegte Karte. — 3) Buchdr.: Die ganze aus dem Laufbrette, dem Fundamente und Kranze, der Form, dem Deckel und Rähmchen bestehende Vorrichtung heißt der K., weil sie in der Presse hin und her geschoben wird, um unter dem eigentlichen Preßapparat hinein- und nach geschehenem Abdrucke wieder herausgebracht zu werden. 1, 397. — 4) Goldschläg.: eine Vorrichtung, die geschlagnen Goldblättchen genau zu Quadraten zu zerschneiden, vgl. Quarré.
Anm. Ahd. charro (masc.) und charrâ (fem.), mhd. karre, karn, vgl. Kar (s. nam. Meisen-K.), lat. carrus, mit vielen Ableit., s. Kar(r)ete, Kariole, Karosse, ferner: karikieren, wie „chargieren“, zunächst = beladen, Kargo etc., Nbnf. Karn (s. o.), verkl. Kärnlein. Das Postkärn- chen. Fam. 1, 29; Karch (s. d.); Die Kahr war verfahren, als man mich in die Zügel greifen ließ. 3, 228; Den Kahren . .. in den Dreck kehren. 161; Ziehet der Grobheit Kahren. 107 = ist im Joche derselben etc., s. o. die Reime bei und Zween Kärn mit Wein beladen. RH. 378. Wortspiel mit der seltnen Verkl.: „Gott grüß dich, Kärlein“ [Kerlchen] ... Dank euch, Junker Wägelein. 2, 70, vgl.: Wo will man jetzo wohl so einen Karrels [Kerl] finden? 7, 546 etc.
Zsstzg. vgl. die von Wagen, namentl. nach dafür [1 und 2] bestimmter Ladung, z. B.: Dung-, Fisch-, Futter- (Lenau A. 110), Holz-, Kohl(en)-, Koth-, Mist-, Pulver-, Sand-, Schutt-, Torf-K. (oder -Karre), ferner z. B.: Bāde- [1]: nam. in Seebädern, die Badegäste ins Wasser, an die Badestelle zu karren. Monatbl. 2, 230b. — Bāūer- [1 und 2]: Für den Erfinder der Tragödie | wird Thespis angesehn. der seine Stücke | auf B. durch die Dörfer führte. W. HBr. 2, 225. — Drúck(er)- [3]. — Fléchten- [2]: mit ruthengeflochtnem Korb oder Kasten (Benne). — Fūhr(manns)- [2]: s. Last-K. und Kärrner. —
Kēūer-: Schub-K. beim Deichbau, s. keuern. — Kíppe- [1]: der durch Umkippen des Geladnen zu entledigen ist, Stürz-, auch Kumm-K., nach dem Kasten oder dem Kumm. —
Krān-: womit Gegenstände zum Kran geschafft werden. — Lást- [1 u. 2]: Karren, langsam wie mit einem L. fahren. V. 1, 189. —
Lāūf-: Bergb., Hüttenw.: Schub-K. —
Mēīsen-: Meisenkasten, s. Kar: Aha, der Vogel sitzt im M. vHorn rhD. 2, 255. — Mǖhl(en)-, Müller(s)- [2]: Getreide nach, Mehlvon der Mühle zu fahren. —
Pférch-: auf einem Karrn fahrbare Hütte des Schäfers zum Ubernachten im Pferch. — Póst- [2]. —
Schǟfer-: Pferch-K. — Schīēb(e)- [1], veralt.: Schaub-K. Rollenhagen Fr. 131. —
Schīēß-: worauf die Karrenbüchse (s. d.) zum Schießen von wilden Gänsen, Kranichen, Trappen etc. befestigt ist. — Schínder- [2]: worauf der Schinder verrecktes Vieh zum Schindanger fährt. —
Schūb-: Schieb-K. Musäus M. 5. 35 etc. — Stóllen- [1]: Lauf-K. in den Stollen. —
Stürz-: Kipp-K. —
Théspis-: s. Bauer-K., oft Bezeichnung der Bühne im ersten Stadium ihrer Entwicklung von wandernden Schauspieltruppen etc.
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