Faksimile 0527 | Seite 519
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für
Für, adv. und präp. (mit Acc.), urspr. = vor (s. d.) und erst spät vollständig davon geschieden, weßhalb sich auch noch bei L., G., Sch. u. A. mehr oder minder häufige Abweichungen von dem heute im Allgm. feststehenden Gebrauch finden, zuw. absichtlich, z. B. in Sch. Tell II, 2:
Wir stehn vor unser Land, | wir stehn vor unsre Weiber, unsre Kinder, was der Herausg. Sch. 530a mit dem das Schweizerische verwischenden „für“ vertauscht. S. auch: Herfür.
1) adv. = fort, nur noch üblich in dem zeitl.: F. und f., fort [s. d.] und fort, immerfort (s. hin-f.): Ps. 10, 6; 61, 7; 90, 1 etc.; Und wird dich schirmen jetzt und f. und f. Freiligrath Garb. 77; Den Braten dreht er f. und f. G. 1, 89; 7, 202; Das Mühlrad ... | umwälzt sich f. und f. Sch. 68a. Veralt. z. B.: Als nun die Mahlzeit f. [fort, vorbei] war. Schaidenraißer 2b etc.
2) präp. mit der Hauptbed., daß Etwas an der Stelle von dem Genannten und als dessen Ersatz gilt, womit zugleich oft verbunden ist, daß das Stellvertretende das Jnteresse des Vertretenen wahrnimmt, daß also Etwas zu Dessen Nutzen, in Dessen Interesse (Ggstz.: gegen, wider) oder auch nur in Beziehung und nach Maßgabe Desselben geschieht, Bedeutungen, gegen welche oft die eben gedachte Hauptbed. ganz in den Hintergrund tritt. Daher:
3) als sächl. Hw.: Das Für, das zu Gunsten von Etwas Sprechende: Jedenfalls legt die Thatsache ein gewichtiges F. ein zu Gunsten der Vermuthung. Linck Schl. 87 etc., am häufigsten in Verbindung mit dem Ggstz.: Als endlich ein Fall .. das F. und Wider für einige Stunden heftig hervorrief. G. 19, 20; Das F. und Wider verschiedener Parteien durch Hin- und Widerreden kräftig auszusprechen. 33, 4; Weil es .. all den Reiz der F. und Wider verwischt. Waldau N. 3, 64; Das F. und Gegen.
Anm. S. vor, fort, die Vors. ver etc. und vgl. über mundartl. Formen und Fortbildungen Schm. 1, 553 und Stalder 1, 404; die Form ohne Umlaut fur bei Luther z. B. 8, 43a u. o. Wir erwähnen hier noch die Zusammenziehungen: Fürs = für das, z. B.: Der Tod fürs Vaterland, zuw. auch: Für’s [für des] Vaterlandes Wohl; ver- alt. aber, da für nicht mehr mit Dativ verbunden wird, statt vor dem, z. B.: Auch fürm Tyrannen kann er ruhn. H. 8, 369; Fürm Graun der Nacht. Rel. 7, 27 etc.
Zsstzg.: Da- (veralt. darfür): s. da, Anm., z.B.: Ich verkaufe die Waaren für 12 Thaler, ich habe selbst 10 Thaler dafür [für die Waaren] gegeben; Die Einen stimmten dafür, die Andern dagegen; Ich bin, stimme dafür, daß du abreisest [für deine Abreise] etc.; Er ist dumm, ein Dummkopf; wenigstens halte ich ihn dafür [für dumm, für einen Dummkopf]; Nach meinem Dafür-Halten; Dafür so [s. d.] will ich die gelben euch holen. Rückert 2, 204; Seine Braut ist häßlich, aber dafür [für das Häßlichsein, als Ersatz] hat sie auch viel Geld; Freilich ist auch davor [nach heutigem Gebrauch: dafür = deßwegen] mehrere Tage Nichts gearbeitet worden. Sch. G. 1, 238; Und fuhr ihn (denn dafür war er ein reicher Mann) | .. gebietrisch an. Gellert 1, 162, sein Reichthum berechtigte ihn, wenigstens seiner Meinung nach, dazu, gleichsam als Ersatz für die Grobheit in sich tragende Eigenschaft; Wir können [s. d.] Nichts dafür, sind nicht Schuld daran; Was konnte seine Majestät dafür, wenn Chörilus kein Homer war? W. HBr. 2, 122, vgl.: Kann ich davor? G. 5, 165, wie sich umgekehrt auch dafür statt davor oder nur durch leise Nüance davon verschieden findet, Jenes mehr bei Ältern, z. B. Hiob 26, 9: Ich habe keine Ruhe dafur. Jes. 21, 4; Daß du dich dafur nicht darfst fürchten. 43, 14 u. 0., Dies z. B.: Mir ist aber dafür [in dieser Beziehung, nicht ganz = davor] gar nicht bange. G. 6, 327; Dafür hat Jedermann Respekt [s. d. und vgl. Achtung 3; Ehrfurcht etc.] | und ehret ihn. 12, 146, doch auch z. B.: Da sei Gott für! 9, 333 = Das möge Gott verhüten und so auch: „Ich sehe Euch wieder“. Mich wieder? Wir wollen dafür sein [Das verhüten]. Margarete, wenn er kommt, weis’ ihn ab. 9, 56; 34, 56. Ähnlich auch relativ: Wofür uns längst gegraut. 6, 426. Über relatives dafür und das getrennte da für s. da, Anm.
Her-: veralt. und alterthümlich oder im Volkston = hervor, z. B.: Ros’ge Mädchenwangen | lauschen draus h. Roquette Waldn. 68; Der Abt herfürzog einen alten Brief. Sch. 529b; Daß solch ein .. Ungewitter | gählings herfürbrach aus des Gotthards Schlünden. 540b; Da drückt sich durch die dichte Meng’ | ein feiner Knab’ h. Uhland 386 etc.
Anm. S. auch her, nam. über die mundartl. und ver- alt. Formen: Erfür. Luther 5, 2b; 536a u. o.; harfür. Zwingli 2, 4 etc. Hīēr- (⏑ –): s. hier und dafür, wovon es sich wie „Dies“ von „Jenes“ unterscheidet: H. [für Dies] verlang’ ich 20, dafür [für Jenes] 30 Thaler; H. kann ich nicht etc. Hin-: veralt. = hinfort, wofür bei Luther 5, 4a; 8a U. v. hinfürt, vgl. hinfürter. Eppendorf 9 etc., dafür im Kurialstil etc. auch: Hinfüro, z. B.: Bläst hinfüro doch mit Verstand. Eichendorf Phil. 71 etc. und umgekehrt: Fürohin. Möser Ph. 2. 143; 207 etc., s. Fürhin, vgl. auch: Hinfüran. Berlichingen 262 und s. fortan. Hinter- (mundartl.): verkehrt; eig. so, daß das Hinterste nach vorn kommt. Schm. 1, 553; Wenn der Bauer mit Rumoren | Recht verlangt geht’s h. stets. Scheffel Tr. 185. Wo-: als Relativ und Fragewort dem dafür (s. d. und vgl. da, Anm. und wo) entsprechend = für was, für welchen etc. (sachlich): W. wollen Sie mir die Waare lassen? Das ist der äußerste Preis, w. ich sie lassen kann; W. halten Sie mich?; W. wär’ ich denn ein reicher Mann, wenn mir Das nicht einmal freistände? [was nützte mir mein Reichthum]; Er straft mich für Sachen, w. ich Nichts kann etc. Vgl.: Für was muß ich diesen Vorbericht nehmen? etc.