Faksimile 0323 | Seite 315
Dreher Dreherin Dreherei
Drêher, m., –s; uv.:
1) Person, die dreht
(~in, f.; nen), s. Drechsler (1), doch z. B. auch:
D. des Tabacks (s. Spinner). Zink 1, 1093; Augen-D., Augenverdreher, Frömmler; Blöck-D., der die Schiffsblöcke verfertigt; Daumen-D., Schmeichler. Simplicissimus 1, 149; Hörner-D. [der Einen zum Hahnrei macht]. Müllner 5, 168; Lorden-, Lorren-, Lurren-D., der Lorden (s. d.) dreht, bei den Schiffern = Person, die Etwas veruntreut, unterschlägt, betrügt; Mantel- D. vHorn rhD. 2, 159 [den Mantel nach dem Winde drehend]; Pillen-D., verächtl. = Apotheker; Sieb- D. [Art Wahrsager, die aus der Drehung eines Siebs einen Dieb erkennen]. W. 18, 63; Silben-D. Börne 2, 373 (der die Silben dreht, drechselt, vgl. Silben- Klauber, -Stecher); Tüten-D., verächtl. = Materialhändler. Kohl Südr. 1, 196; Ver-D. etc., s. Verdrehen; Verse-D. Tieck Acc. 1, 127, Versifer, Verseschmied etc.; Würfel-D. Fischart Bienk. 43b (salscher Spieler, vgl. 47b und Schmeller 1, 408) u. v. ä. Dazu:
Dreherēī, f.; en:
das Treiben, Wirken eines Drehers, Kniff etc.: Die Intoleranz und Augen-D. der Pfaffen. Brachvogel FB. 3, 239. etc.
2) von Thieren, nam. ein drehendes Schaf, auch Drehling; auch Zsstzg., s. Drechsler 2; Rollen-D., Rollenwickler, ein After-Rüsselkäfer, Attelabus; Stein- D., eine Art Strandläufer, Tringa interpres. 3) ein Tanz (s. drehen 1c): Im rasenden D. geschwungen. Scherr Nem. 2, 45; nach Düringer: ein langsamer Walzer. 4) Name mehrerer sich drehender oder zum Drehen dienender Werkzeuge etc., z. B. von dem sich drehenden Zeiger der Uhr: So bringt das D–chen der Zeit seine gerechte Vergeltung herbei. Schlegel Sh. 2, 310 etc., nam.: Der D. oder Bohrschwengel (zum Umdrehn des Erdbohrers). Karmarsch 1, 69; eine Kurbel zum Umdrehn (Bobrick 242b); der Läufer, worum ein Thorweg sich dreht; das Kreuz des Webebaums; der Drehbaum oder das Drehkreuz, das einen für Fußgänger bestimmten Weg für Pferd und Wagen sperrt, Haspel; ein Triebrad im Mühlenbau (Karmarsch 2, 674) etc. Hier finden sich auch die Formen: Dreh- (Drie-, Drei-), Dril-ling. Vgl.: Ein Drehling oder Dreiling, ein runder ungespaltner Holzblock für die Salzwerke. Schmeller 1, 410. Ferner (Anat.): der zweite Halswirbel; die beiden Fortsätze vom obern Theil des Schenkelbeins.