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Boden
Bōden, m., –s; uv.; Böden; Bödchen, lein; -:
ein Festes, sichern Halt Gewährendes, etwas Tragendes, zur Aufbewahrung Dienendes:
1) der feste Grund unter unsern Füßen:
a) der Platz, worauf wir stehn: B. fassen. Chamisso 4, 32; erfassen. Hebel 3, 361; Festen B. unter den Füßen haben. Kurz Sonn. 146; Der B. brennt Einem unter den Füßen. Tieck A. 2, 90, man hat keine Ruhe etc.
b) im Ggstz. des beweglichen Wassers: das erstarrte (Eis). G. 1, 314, 22, 253; 284; das feste Land. 15, 139; 13, 63 etc.
c) die Erde: In den B. hineinschlüpfen; unter dem B. sein [begraben]. Sch. 130; Gottes B. betreten. G. 9, 214; Auf Gottes B. Merck’s Br. 1, 300; 2, 113; Auf Gottes Erd-B. G. 14, 99; Auf dem ganzen Erd-B. GotthelfU. 2, 91, aufder Welt.
d) ein bestimmtes Land: Des Vaterlandes vielgeliebter B. G. 13, 315; Sch. 53a; 672a; Willkommen auf span’schem B. 248a; Jener Unglücks-B. Chamisso 4 261; Vaterlands-B. Hölderlin H. 1, 7; Fremdlings-B. V. Hor. 1, 29; Reichs-B., reichsunmittelbarer Boden etc. . c) ein Theil der Erde nach seiner natürlichen Beschaffenheit, zumal landwirthschaftlich: .’S andre Jahr trägt der B. wieder. G. 22, 244; Leinwand auf dem Gras-B. [mit Gras bewachsen]. Mörike N. 397; Ebener, gebirgiger, hügliger, steiler etc.; felsiger, kalkiger, lehmiger, lettiger, sandiger, steiniger etc.; dürrer, fetter, feuchter, fruchtbarer, geiler, guter, hitziger, kalter, leichter, magrer, milder, nasser, saurer, schwerer, tragbarer, trockner, unfruchtbarer, üppiger, wuchernder, wüster B. etc. und Zsstzg. wie: Brūch-, Erd-, Fels-, Geest-, Humus-, Kalk-, Lehm-, Letten-, Loh- (s. d.), Marsch-, Mergel-, Moor-, Morast-, Sand-, Stein-, Steppen-, Thon-, Torf-, Weich-B., oder nach dem bes. drauf Wachsenden, wozu er sich besonders eignet: Acker-, Gärten-, Heide-, Roggen-, Wald-, Wiesen-, Weizen-B. etc.; Der sogenannte wilde B., der unter der Schicht der Ackerkrume liegt. Auerbach Leb. 2, 11; Den Ur-B. umpflügen. 133; Der eigentliche Erd-B., der aus sehr verschiedenen Theilen bestehen kann, aber alle begünstigen den Wuchs der Pflanzen; Weich-B., vom Wasser durchzogen; naß und weich; Die besten Bodenarten, die Lehm-B.; Äcker mit grandigem und ausbrennendem Un- ter-B.; Schaukel-B. eines Torfmoors. Waldau N. 2, 89 etc. f) Besitzung an Land, Grundstück: gw.: Grund und B. (s. 4 und Anm.): Wenn ihr mich enterbet, Vater, | ohne Land u. ohne B. | muß ich in die Fremde flüchten. H. Cid 21.
2) bei Räumen, die Etwas in sich fassen, enthalten, heißt die untre Fläche, worauf das Enthaltne ruht, B.; wo oben und unten vertauscht werden können, wie bei einem Faß, giebt es zwei B., sonst entspricht dem B. unten oft oben ein Deckel, Decke etc.: B. des Meeres, Meeres-B. B. des Zimmers. Sch. 406b; Zimmer- (Rank Arm. 55), Stuben- (Kerner Br. 154), Fuß-B., Estrich-Fußboden. Stahr Par. 1, 26; Marmor-B. (G. 13, 244); Döbel-B., Fußboden zwischen zwei Stockwerken, wo den Zwischenraum zwischen zwei Hauptbalken schwächre aneinander geschichtete und mit Döbeln verbundne Balken ausfüllen; Wendel-, Windel-B., eines obern Raums (s. 5), wo den Zwischenraum zwischen den Brettern mit Stroh und Lehm umwundenes Stabholz ausfüllt; Bödlein des Vogelbauers. Fleming J. 348a; B. des Altars. 2. Mos. 29, 12; B. von Fässern, Kasten, Schachteln, Schüsseln, Gläsern, Flaschen, Schiffen (Kupfer-B., mit Kupfer beschlagen. Bobrick 124) etc.; Verschlossen ... zwischen einem Doppel-B. G. 10, 211 [doppelter B., wo man nur einen vermuthet]; Blinder (s. d. 4a) od. Blind-, Seih- (zum Durchseihen. Karmarsch 1, 212), Ober- und Unter-B. hohler Blechknöpfe (2, 447) etc., ferner auch die hintere Fläche: B. (Sonanz- [Sch. 182a], Resonanz-, Klang-, Schall-B., insofern er den Ton zurückwerfend verstärkt) einer Geige; B. von getriebenen- Gold- und Silberarbeiten; einer Hose etc.; ferner bei gemusterten Kattunen etc. der einfarbige Grund etc. Dazu a) ein B. Wachs, Talg etc., das, in ein Gefäß gegossen u. erstarrt, die Form von dessen Boden angenommen. b) sprchw.: Das Maß vollgemacht oder dem Faß den B. ausgeschlagen. Hackländer Handel 1, 192; Daß der Most . . . dem Faß den B. ausgestoßen. Luther 1, 372a; 6, 7a; Prutz E. 3, 414 etc. (sprchw. = ein rasches Ende machen, wie dadurch der Inhalt ausläuft); Dem Schimpf den B. ausstoßen. Luther 1, 394b u. v. = dem Spaß ein Ende machen.
3) übertr. (s. 1 und 2) = Standpunkt; Grundlage; Das, worauf Etwas ruht, woraus es hervorgeht; Feld, Gebiet etc.: Handwerk hat einen goldnen B. [trägt Gold]; Das Handwerk ist der B. der Kunst. Danzel 139; Für die deutsche dramatische Poesie jener jungfräuliche B. gefunden. 307; Sich auf einen alten bewährten Urfels-B. [unerschütterlichen Standpunkt] flüchten. G. 40, 222; Auf dem Erfahrungs-B. [Feld, Gebiet der Erfahrung]. 39, 292; Einen heitern Tag, einen freien B. zu gewinnen. 18, 250; Worte, die nicht auf deutschem B. wachsen. Lessing 5, 39; Das Volk der nährende Mutter-B. aller Bildung. Stahr Weim. 22; Die Lehre fiel auf einen fruchtbaren B.; Auf dem B. des Rechts, auf dem Rechts-B. stehn etc.
4) Zu B. (= unter, nieder, zu Grunde) drücken. Sch. 112b; 620a; legen. IP. 21, 108; plaudern. L. 11, 298; reißen. Hes. 26, 11; ringen. Rückert 1, 363; schlagen. Sch. 747b; stellen. Gotthelf G. 81; stoßen. Ps. 10, 10; stürzen. Hes. 28, 17; treten. Ps. 7, 6; werfen. 89, 45; wiegen. W. 13, 3 etc., und mit Intr.: fallen. Jer. 46, 15; sein = niedergeworfen. Sch. 380b; niedergebrannt. Gotthelf G. 135; zu Ende [etwa auf dem Boden des Beutels]. Sch. 159; kommen. 190. Statt: Zu B. gehn (Jer. 48, 36; Sir. 11, 6; Gottbelf G. 28) jetzt gw.: Zu Grund und B. gehn. Forster R. 1, 28 [vom Schiff]; In Grund und B. gehn. Zschokke 8, 36. Veralt. und mundartl.: Zu B. machen. Gotthelf G. 43, 291; U. 2, 185 etc.; richten. Olearius pers. Baumg. 7, 3 = zu Grund richten etc. Weil er ... so wenig Grund und B. in dieser Wissenschaft fand. Stilling 4, 52; In Grund und B. [ganz und gar] verdorben. Alexis H. 2, 3, 161; Fichte 7, 35; In Grunds-B. ’nein verfluchen. Auerbach D. 1, 14; Zerschlagen, in Grund und B. geschlagen. Sch. 131a etc. So auch als Bestw. in Zsstzg.: Jst mir’s bodenwohl. Auerbach Leb. 2, 263; Spindler St. 1, 24; Bodenbös. Gott- helf G. 407; Zu B. schlechte Leute. Sch. 65 etc.
5) (s. Diele 3 und Estrich 2). Da die Decke eines Zimmers für den drüberliegenden Raum zugleich B. ist, heißen solche Räume wie veralt. mundartl. B. von dem untern Theil des Schiffs auf das ganze übertr. ward (Schmeller 1, 155; Brem. Wörterb. 1, 116; s. Bodmerei) insofern sie nicht selbst Zimmer sind, d. h. zur Wohnung dienen, Böden; bei Scheunen etc. auch = Stockwerk, Geschoß (vgl. Bühne 2): Die Arche soll drei B. haben, einen unten, den andern in der Mitte etc. 1. Mos. 6, 16; Fing die Bühne an zu knacken . . ., stürzt der morsche B. zusammen. Hebel 3, 460; Kurz Sonn. 261; Fecht-, Getreide-, Häcksel-, Holz-, Korn-, Lumpen-, Malz-, Tanz-, Torf-, Trocken-, Vorraths-, Weizen-, Zeug-B. etc.; Der finstere Ober-B. des Hauses. Immermann Schr. 12, 175; Als Schütt-B. für Frucht benützt. Waldau N. 2, 33; Den Grundriß einer Fairnbairnschen Mühle, eine Treppe hoch oder in der Ebne des sogenannten Stein-B–s. Karmarsch 2, 697. S. auch Fach 3.
Anm. Im Allgem. untersch. sich Grund (s. d.) von B. dadurch, daß der Begriff der Tiefe, des Hinabgehns darin der wesentliche ist, also gilt es nicht für 5, aber z. B. auch nur: Ein Faß hat einen B. oben und unten, aber: es bis auf den B. oder Grund leeren: Meeres-B. oder -Grund, aber nur: Ankergrund; daher gw. auch: Die Stadt liegt im Grunde, aber schwzr. dafür auch Boden. Kohl A. 1, 4; Gott- helf Sch. 111; Stumpf 605b; Stalder 1, 196 und so auch Bödler, Thalbewohner, Ggstz. Berger. ebd. Die Form Bodem nicht bloß z. B. Luther 5, 7a; 21a; 8, 321a etc., sondern auch Rückert W. 2, 37; BrE. 178; Nal. 15 etc. Die Mz. in Bed. 1 meist ohne, in Bed. 2 und 5 oft mit Uml., doch z. B.: Unsre Böden heuren ... Boden in den Seestädten heuren. Möser Ph. 1, 311; Erhöhte und bedeckte B. G. 24, 215 etc.; Die Fuß-B. getäfelt. 25, 137 etc. Verkl. Bödchen. König Leb. 1, 22 etc., auch wohl: Bodenchen.
Anm. 2. Boden, oberpfälz. Büdne, wohl eins mit Bühne (s. d., plattd. bön entspr. der Bed. 5, wie bodden den andern), mit lat. fundus Boden, slaw. pod (unten) wohl urverwdt. Dänisch Bund und daher z. B. bei Baggesen 3, 14: Auszurotten ... in Bund und Grund. Zstzg. s. o., manche in mehrfacher Bed.. z. B.: Stein- [1e; 5]; Weizen- [1e; 5]; Ober- [2; 5]; Unter- [1e; 2; 5] etc. Füll-B. s. Füllen III 1a.