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runden ründen Schwerpunkt Stirn Scheib'
Rúnden, ründen: 1) tr.:
rund (s. d.) machen korrekter mit als o. Uml. (s. Radlof Tr. 44):
a) (s. rund 1c) z. B. mit Uml.: Schmiedete, ründete | Kronen dem Haupt. G. 10, 275; Welch ein Ring von Wölkchen ründet | um den Mond so reichen Kreis? 12, 157; Wie die Oberlippe der Stolz .. krümme, die Feinheit spitze, die Gutmüthigkeit ründe. H. 11, 308; Im Körbchen, nur aus zartem Bast geründet. ESchulze Ro 121; Sich ründend den Magen. V. 2, 140; Leucipp macht sie [die Atome] gezackt . | und Dem von Agrigent gefällt es, sie zu ründen. W. 25, 55 etc. und o. Uml.: Was spitz und schroff, sie helfen es runden [s. rund 3a]. Beck Arm. 8; Schon wird der Platz gerundet. G. 13, 296; Runden, was sonst eckig war. W. HB. 1, 30 etc.
b) (s. rund 3a) Liederchen ründen. 103 G. 32, 32; Den Reim, wir ründen, reihn ihn. Platen 2, 32; Eine Periode zu ründen. W. 16, 30 etc.
c) (s. rund 3b) Daß der kleine Mund griechische Worte rundete. Musäus M. 3, 104.
d) (s. rund 3c) Die Summe seines Schatzes zu runden. Klinger F. 269; Bleib ein Krämer und runde dir deine 1000 Talente. H. 11, 41 = Ründe dir 1000 Talent’. V. H. 2, 238, vgl.: Ruhe nicht, | bis du dir eine Million zusammen- | geründet hast. W. HB. 1, 111 etc. 2) (s. 1) refl.:
a) (s. rund 1c): Wenn über mir der Himmel rein sich ründet [wölbt]. G. 4, 112; Der Tropfe ründet sich. H. 13, 330; Wenn der Mond sich zur Scheibe ründet. Jacobs Phil. 39 etc.; Die rauhen Stäbe runden | zierlich sich in ihrer Hand. Sch. 56b; Musäus M. 4, 135.
b) (s. rund 2): Daß die Körper [auf dem Bilde] sichrunden. G. 31, 191etc.—
c) (s. rund3a): EinKreis ründet [schließt] fich; Schon hat sich still der Jahre Kreis geründet. G. 2, 297; Dort ist der ewige Kreis, der in sich selbst sich ründet. Rückert W. 3, 30 etc.; Jene Grundkraft, durch die allein der Mensch, in sich selbst ger undet [s. 3b] sicher auf dem eigenen
Schwerpunkt ruht und auch nach außen die gesellschaftlichen Verbindungen in gleicher Gediegenheit und gewogener Fülle sich runden und gestalten. Görres Ver. 68 etc.; Es soll sich sein Gedicht zum Ganzen ründen. G. 13, 103; 27, 267; Mir wie Perlen runden lieblich Verse sich. Platen 2, 22 etc. d) (s. rund 3b):
Jeder höret gern den Schall an, | der zum Ton sich rundet. G. 4, 13. e) (s. rund 3c): Das Kapital ründet sich durch die Zinsvermehrung allmählich zu der best. Summe etc. 3) im Partic. zu 1 = rund:
a) (s. 1a) Die schöngerundeten Schild’. B. 226b; Schneegans .., | mit ’ner Brust glatt und ger undet. Freiligrath H. 235; Hinten gerundet das Haar. G. 1, 227; Gerundete Gewölbe. Steffens (Wackern. 4, 1304³); Am gerundeten Hals. V. Ov. 2, 172 etc.; [Die Blattstiele] ründen sich [s. 2a] nach und nach, bis sie endlich ganz geründet als Blumenstiel hervortreten. G. 36, 197; Reich an Leib, stattlich geründet. Lenau A. 97; Gewölbt zur geründeten Spitze. V. Ov. 1, 151; Den großen geründeten Kreis. Th. 1, 58 etc.
b) (s. rund 3a) Ein von allen Seiten wohlger undetes Ganzes. Falke G. 187; Ein vollkommen gerundetes, sich selbst genügendes unbedürftiges Ganze. Görres Ver. 146 etc.; Den ger ündeten Ausdruck. V. H. 2, 378 etc. 4) intr. (haben): die Runde machen, kreisen: Braune Krüglein rundeten im Familienkreise. G. 26, 214 etc., s. Schm. 3, 108 (auch rundieren). 5) zu 1: Rundung, Ründung:
a) das Ründen: Dies ist dasBild. Mich dünkt aber, daß zur Ründung desselben noch etwas fehle. H. R. 7, 305; Ein wenig lichten Dunst hatte der Mond gleichsam zur Ründung seiner eingefallenen Gestalt über sich gezogen. IP. Fat. 1, 255.
b) das Rundsein, die runde Form: Der Kopf, dessen zierliche Rundung . . ., durch die feststehende steise Rundung .. des Modehutes verschwunden. Auerbach Ab. 60; Eine gewisse schwellende Rundung ihrer Formen. Gutzkow R. 4, 14; An einem Hügel in hohler Rundung [konkav] Sitze angelegt. Heinse A. 1, 47; Die Perlen sind an .. Rundung eine wie die andere. W. 23, 335; 11, 255; Die
Stirn erhebt sich .. mit der gw. Rundung und Großheit. Winckelmann M. 1, 192aetc.; Diesen Gefäßen die gefälligste Rūndung zu geben. Böttiger Sab. 341; Daß das Gesicht von den schwarzen Haaren eine kindliche Ründung empfing. Heine Reis. 2, 274; 3, 371; Das Auge sieht an ihm [dem Gestirn] keine volle Ründung. JvMüller 6, 144; Luna’s Scheib’ in klarer Ründung. V. 4, 100; Den Korb von länglicher Ründung. Od. 4, 131; Il. 5, 726 etc. c) (s. b und rund 2):
Ründung ist die Seele des Lebens deiner Kunst [des Porträtierens]. Kretschmann 5, 369; So mangelt dem Bilde die Rundung, das Körperliche. L. 7, 97 etc. d) die runde (s. d. 3a) Form von Schriftwerken etc.: Das Buch hat eine Einheit, Kürze, Rundung, wie etc. H. R. 9, 111; Eine epische . . Ründung. Immermann 12, 281; Rundung und Glätte des Stils. W. 34, 217 etc. e) (s. b) ein Rund, etwas von runder Form: Rings herum waren 7 Rundungen angebracht. G. 28, 13; Fenster .. mit Rundungen. Gutzkow R. 3, 77; Diese Rundungen (b), die von der freien Schläfe und der klaren Stirn | herab sich über die Wangen zum Kinn ziehen, wie weich! 5, 375; Wie die Rundung [das Gewölbe] mit Liebesarmen empfängt! Heinse A. 2, 92 etc.; Die Jagd- (Zink Ök. 1, 1415) od. Jagens- Rundung, der hinten im Jagen (s. d.II2b) gestellte Bogen des Zeuges etc. f) (selten) st. Runde 1a: Kein Knochen mehr zu nagen in der ganzen Rundung. Sch. 107a; Der schlechteste Kerl in der Rundung. 163b.
Zsstzg. z. B. Áb-:
1) tr.:
a) rund machen, durch Entfernung (Abschleifen etc.) der Ecken; Abgerundete Geschiebe. .. Wie durch die Brandung .. die Theile .. abgerundet worden. G. 26, 116; 4, 229; Kohl A. 3, 392; Felsen abzuründen. Thümmel 3, 190 etc.; Die Felsen un- abgestumpft und unabgerundet. G. 40, 294. Auch übrtr., z. B.: Wie er zur Schonung mancher Leser das derbe Charakteristische meistens verschwächt und abrundet. G. 29, 187; Durch seine Schriften sind die scholastischen Spitz- fündigkeiten .. sehr abgeründet. H. R. 9, 293 etc.
b) in Bezug auf die runden (s. d. 1c), vollen, graciösen Körperformen, nam. im Partic. = rund: Der freilich die Schulterknochen nicht so abgeründet sind als einer andern, da sie einen Kessel von 2 Eimern rasch aufs Feuerbringt. Möser Ph. 2, 78; Wiewohl der Kontour ihrer Wangen nicht ganz so sanft abgeründet ist. W. 27, 406 etc.
c) zu einem runden (s. d. 3a), in sich geschlossenen Ganzen machen: Ludwig XIV. rundete auf deutsche Unkosten sein Frankreich vollends ab [arrondierte es]. Dahlmann Frz. Rev. 5; Von einem abgeschlossenen, abgerundeten Wesen. G. 25, 171; Ein vollendetes, abgeschlossenes, abgerundetes Ganzes. Platen 5, 9 etc. und bes. in Bezug auf die vollkommene Form von Geistesprodukten: Folgende Strophe auszubilden und abzurunden. G. 18, 250; Jedes Blatt [Bild] zu einem Ganzen abrunden. 3, 268; Mit Kunstsinn sein Täfelchen abgerundet und abgeschlossen. Zelt. 6, 233 etc.
2) refl. nam. zu 1a: Es rundet sich zu ovalen Geröllen ab. Burmeister gB. 1, 35; Langsam verwittert der Stein und rundet sich an den Ecken ab. G. 14, 177; Hatten sich unsere Absätze durch den langen Marsch abgerundet und geglättet. 196 etc.
3) Die einfache Wahrheit ohne Zuthat und ohne weitere Abrundung (1c). Auerbach Tag. IV; Mit Versöhnung abschließen. . . Diese aussöhnende Abrundung. G. 33, 13; Eine gedeihliche Abrundung [Abschluß] dieser Geschäfte. 40, 95;46 etc.; Die sanfte Abrundung [1b] der Wangen. W. Luc. 3, 286 etc. Āūs-:
1) rund aushöhlen, austiefen: Die Stufen ausgerundet vom Gebet [der Knieenden]. Matthisson 167.
2) ausbauchen: Diese [stratusartigen Wolken] fingen an, ihren obern Umriß aufzublähen, in verschiedene Erhöhungen zu gestalten. .. Eine solche Schar von unten .. verflächten, oben ausgerundeten geballten Luftkörpern. G. 40, 318.
3) s. ab-r. 1c: Niedergeschrieben, aber erst in Berlin ausgerundet und voll- endet. Guhrauer Less. 1, 121; Ein Werk so vollständig in sich auszurunden und abzuschließen. Schwegler (1846) 263; Daß der Mensch in diesem abgegrenzten Kreise seine Persönlichkeit ausgerundet hat. Vischer Ästh. 2, 291; Um seinen Perioden auszuründen. W. Luc. 4, 253 etc.
4) refl. zu 3: Ebenda rundet sich ihr System aus. Klinger 11, 204; So’ ründet sich alles Eckige in der Welt aus. 158 (durch Abschleifen der Ecken).
5) nam. zu 3: Die Vergrößerungen, Ausrundungen [arrondissements]. JvMüller 14, 433; Die Ausrundung zu einem ganzen Menschen. Vischer Ästh. 2, 199; Zu gehöriger Ausründung des’ Gedankens und der Periode. W. Luc. 5, 214; Merck. 1, 444. Eīn-: einbuchten: Von rechts her rundet sich eine Bucht zw. Vorder- und Hintergrund ein. TUlrich (Nat.-Zeit. 14, 125). Entgêgen-: Wenn dann im Mutterschoß jeglicher Blüthe die Frucht reift und die Eichel sich dem Taglicht entgegenrundet. Kinkel E. 18. Hêr- etc.: Wenn sie [die Gesichter] sich so herausründen [2b], daß sie wie abgelöst vom Tuche [der Leinwand des Porträtmalers] zu sein scheinen. Kretschmann 5, 369; Wie die zarte Linie am Horizont sich so weich herumründet. Heinse A. 1, 144 etc. Um-: ründend umschließen: [Eine Allegorie müsste] schmal umründet werden, ein Edelstein im Ringe. H. 11, 256 etc. Ver-: ab-r. 1a: Wird die ganze Masse der Trümmer durch die Bewegung, die Reibung, die Stöße verrundet, zermalmt. Volger EE. 193. Zū-: zweckgemäß ab-r.: Das äußere Ende des Schiebers bildet einen breiten zugerundeten Kopf. Karmarsch 2, 85; Eine einzige, völlig zugerundete Handlung. L. 8, 436; Hinterränder, die sich gegen die Mitte zurunden. Linck Schl. 15 etc.; Die Zuründung [Arrondissement] ihres Freistaats. Forster Br. 2, 263 etc. Zusámmen- [1d] etc.