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lodern
Lōdern: 1) intr.:
eig. von der lohen Flamme, sich leicht und rasch hin und her bewegen, dann auch übertr. einerseits auf etwas sich flammenähnlich Bewegendes, anderseits, wie brennen (s. d.), auf etwas dem Glanz, der Gluth der Flamme etc. Ahnliches. Als Hilfszeitw. (s. Anm. zu flammen, flattern etc.) gilt haben, doch, wenn die Ortsverändrung bez. wird (wobei man auf die Rektion der abhäng. Präpos. achte) sein, s. Zsstzg.: Wie eine Flamme „loddert“ im Stroh. Joel 2, 5; Es loderte ihm in den Wangen. Arnim 371; Lodre, Lohe! Kessel brodle! B. 303b; Wie die Flammen l–d sich erheben. Cham. 4, 54; Eine matt-l–de Lampe. Eichendorf Lärm 47; Strömt’ ich der Dichtung innre Flamme | in l–den Gesängen aus. Freiligrath 1, 37; Er lodert ganz [in Liebesgluth]. SW. 3, 29; 5, 251; Die Flamme lodre durch den Rauch! G. 8, 369; Sie [das Mädchen] flammt auf und lodert in die Höhe. 12, 216; 4, 7; Steig auf, cyprische Welle! lodre, brodle, schäume! Gutzkow R. 6, 206; Wie zauberte die Sonne l–de Wunderblumen dahin, funkelnde Smaragde. Hackländer Tag 2, 206; Die kriegerischen Gelüste, die bei den Franzosen .. so stürmisch loderten und brodelten, sind nachgerade ziemlich erloschen. Heine Lut. 1, 203; Die Poesie, welche in der Symbolik des katholischen . . Kultus blüht und lodert. Verm. 1, 104; 153; Ihre Brust flog, ihr Antlitz loderte. HKleist Erz. 1, 300; Hinüber | leckt es [das Feuer] über den Kindergraben, | lodert in andres Gebüsch. Kl. Od. 2, 81; Es ist höchstens glühe Kohle gegen l–de Flammen. König Leb. 2, 86; Daß dieser feurige Geist nicht immer sprühet und loderte. L. 10, 2; [Der Bach, der im Mondschein] als l–de Kaskade | des Dorfes Mühle treibt. Matthisson 140 (vgl. um-l. IP. 22, 11); 71; Weil der Docht nicht ewig lodert, | den ein Gott dem Menschen gab. Platen Pol. 7; Dein Genius so l–d und so hell. 46; L. [wollen] Seelen in vereinter Gluth. Sch. 2b; Flieg’ ich dahin, wo’s hoher, heller lodert [unpers. wie: es brennt etc.] 32b: Der feurige Geist, der in dem Buben lodert. 104a; In seiner Liebe | rasch l–d, wie in seinem Zorn. 467b; In ihrem stillen Schoße loderte die gefährlichste Zwietracht. 799b; Mit seichten Spaßern und mit stroh’rnen Köpfen, | leicht l–d, leicht verbrannt. Schlegel Sh. 6, 111; L–d brannt’ auf dem Herde die Flamm’. V. Od. 5, 59; Spritzt das Blut empor und lodert’s. Werner Osts. 1, 77; Ein Mann (ihn nenne dir das L. deiner Wangen!). W. 11, 257 [die Schamröthe etc.]. 2) zuw. tr.: Kein Jüngling, welcher Feuer lodert. Seume Gd. 31; Flammen-l–de Gluth. Stahr Rep. 1, 63 und übertr.: Die Nachtigall sang-l–d. Grün Gd. 1 etc.
Anm. Dies erst nhd. auftauchende Wort bei Luther (Joel 2, 5) lodd ern, s. aufloddern neben: Lo d erasche. Weish. 2, 3. S. Lotter, Anm.
Zsstzg. vgl. die von flammen etc., z. B.: Āūf- intr. (sein, haben): in die Höhe, empor-l., auch: lodernd in Flammen aufgehn etc.: Blinder Eifer lodert auf zum Brande. Cham. 4, 16; Dort lodert’s auf! [unpers.: es brennt]. G. 6, 304; 25, 51; Das letzte A. der Flamme eines verlöschenden Lichts. 14, 120; Als er die Hefte ins Feuer warf, die gewaltsam aufloderten. 16, 90; Die man gewöhnlich kalte Leute zu nennen pflegt, weil sie bei Anlässen weder schnell noch sichtlich a. 66; 15, 13; Wenn die Flammen eines Streites vielleicht zu heftig a. Gutzkow R. 9, 235; Das Verlöschen plötzlich a–der Gestirne in der Kassiopea. Humboldt K. 1, 141; Die von Olbers beobachteten Aufloderungen. 147; Wenn ich einst deine Sinne berühre, wirst du noch heißer a. Klinger F. 69; Daß eine leidenschaftliche Eifersucht in ihr aufgelodert war. Lewald W. 3, 206; [Die Liebenden] lodern auf in süßen Flammen. Novalis 1, 44; Dörfer .. Oft sah man ihrer 100 in einer einzigen Nacht a. Sch. 993a; Seine ganze Seele loderte, wenn wir so sagen können, in einen einzigen Gedanken auf. W. 5, 163; Deren Leidenschaften ebenso schnell verbrausten als aufloderten. 16, 153; 7, 78 etc.
Āūs-: intr.: (haben; sein): zu Ende lodern, ver-l.: Ihre siedenden Schläfen kalt wie Eis! | ihre Schädel ausgelodert! Freiligrath Garb. 29; Sie facht’ ihm | .. ein un-a–des Feu’r an. B. 220a. Durch- tr.: lodernd durchdringen: Licht durchloderte Hügel und Thal. Baggesen 1, 63; Der meine Seele gären | und edeln Ehrgeiz sie d. ließ. Freiligrath SW. 4, 283; Der Seher .., | deß flammend Aug durchloderte die Nächte. 5, 85; Von der Gluth, die mich durchloderte, als ich dich wiedersah. Gutzkow 11, 240; R. 5, 134; Löwenkühnheit | durchlodert meiner Röhren Mark. Kosegarten Rh. 1, 152; Einen mark-d–den Kuß. Po. 1, 127; 355; Flammende Röthe durchloderte sein Antlitz. Kürnberger Am. 228; Neues allmächtiges Leben | durchloderte die Pulse der ganzen Natur. Matthisson A. 14, 169; Dankdurchlodert [von feurigem Dank durchdrungen]. Böttiger (Hungari 1, 458) etc. Empōr-, intr.: (sein, haben): in die Höhe, auf-l.: Unauslöschbar lodern sie [die Flammen des Hasses] empor. Beer Arr. 9; [Die Lobgesänge] lodern mit dem Feuer | des frommen Danks empor. B. 7b; Die e–den Dampfmassen. Burmeister Gsch. 77; 78; Als aus dem brennenden Schlunde die Flamme hell in die Luft emporloderte. Steffens Malk. 1, 299; Das Blut hoch hat es gesprungen .. | empor hat’s gelodert. Werner Osts. 1, 76; Feuer, welches in schlängelnden Blitzen emporloderte. W. 2, 179; 16, 102 etc. Ent-, intr. (sein): lodernd von Etwas ausgehn, entfahren, entspringen, entsprühen, entbrennen: Entlodert .. Liebeslohe deinem Herzen. B. 42a; Laß uns sterben! | mir entlodert schon der Geist. 38b; Wie Wetterschein | entlodert sein Sarras der Scheide. 81a; Dem Herd’ entlodre | knatternd die Flamme. Matthisson 120; Von gleichseitiger Gluth entloderten Beiden die Herzen. V. Ov. 1, 204. Entgêgen-, intr. (sein, haben): Wie freudig mir das Grün [des Regenbogens] entgegenlodert | als Hoffnung aus der blauen Ewigkeit! Oehlenschläger Corr. 181. Er- intr. (sein): in lodernde Flamme ausbrechen: Glimmender Funke zwar noch, doch e–d, sobald nur ein Hauch weht.— Fórt-, intr.:
1) (haben): fortfahren zu lodern: Der Kehl’ unbändige Flamme [der Hunger] | loderte fort. V. Ov. 2, 126.
2) (sein): (hin)weg-l. Hêr-, Hín- etc. intr. (sein, haben): Wie wenn Gluth durchs ganze Gefild hinloderte. V. Il. 2, 781; Unter dem Schutze der überall in die Nacht hinein- l–den Flammen. Stahr Rep. 1, 252; Gedanken, die immer wie Feuerflammen aus seiner Brust hervorloderten. Stilling 4, 78; Mißverständnisse, die in einer einzigen feurigen Um- armung hinweg-l. müßten. König Kl. 1, 287 etc. Nāch-, intr., z.B.: Ihre Flammen lodern golden nach in den tiefen Bäumen. IP. 21, 148. Nīēder-: hernieder-l.: Im Jünglinge loderte ein Leuchtregen nieder. 169. Über-, tr.: lodernd überflammen (s. d.). Um-, tr.: lodernd umgeben: Das Opfer ist von Weihrauchduft umlodert. Beck FahrPo. 4, 40; Den flammenumloderten Blitzen. Droysen Ar. 1, 419; Rother Sonnenschein | umlodert königlich die Klippe. Geibel Jun. 133; Als die Flamme knisternd ihn umlodert. Kotzebue NSch. 10, 23; Als .. ein rundes Häuschen durch aufschießende, vom Mondlicht zu Ehrenbogen entzündete Wasserstrahlen umlodert wurde. IP. 22, 11; V. Ar. 3 77 etc. Ver-, intr. (sein): lodernd vergehn, verbrennen, s. zer-l.: Wenn dieser Götterbrand an kleinlichen Dingen verlodert. Gotthelf G. 138; Wenn sie .. Baumstämme gegen die grimmige Kälte in ihren Öfen verl. lassen. Grube 3, XIII; Grün Gd. 265; Bei den Flammen der verloderten Städte. Gryphius Fr. 458; Ihrer Fackeln Brand verlodert nimmer. Kosegarten Po. 2, 172; 15; Noch [war] unverlodert seine Gluth. 1, 363; Laß nur erst das wilde Feuer der Jugend verl. Leisewitz Jul. 24; IP. Fat. 2, 32; Rückert W. 4, 270; V. Il. 6, 331. Wég-: hinweg-l. Zer- intr. (sein): lodernd zergehn, s. ver-l.: Wenn du dann in heißer Lust | ha, du bist ein Salamander, | wenn du nicht z. musst. B. 122a; Mag hier ein Tocht z. | und dort ein Stern zersprühn. Kosegarten Po. 1, 12; Ganz in Gluth für Jene zerloder’ ich. V. Th. 2, 40 etc., s. auch: lotter, Anm. Zusámmen-, intr. (sein, haben): in lodernde Flammen zusammenschlagen (Beim Alpenglühen): Berg an Berg und Brand an Brand | lodern hier zusammen. Herwegh 1, 72 etc.