Faksimile 0150 | Seite 148
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Lob
Lōb, m., –es; 0:
Löbchen, lein;-:
1) dasv. Jemand ausgesprochne Urtheil über die an Einem oder Etwas zu rühmenden oder zu tadelnden Eigenschaften:
a) allgem.: Jemand oder Etwas hat ein gutes, ein schlechtes L. bei Einem; Einem ein schlechtes L. geben, ertheilt; Damit verdienst du dir ein schlechtes L. bei ihm etc., und verkl.: Ich will’s Ihr schon gedenke, Frau Tine! wo ich hinkomme, will ich Ihr Löbchen preisen [laut sagen, wie wenig sie taugt, wie schlimm sie ist]. Gotter Sch. 248; Langbein 2, 103 etc.
b) gew. aber, das von Jemand ausgesprochne anerkennende Urtheil guter Eigenschaften, im Ggstz. zum Tadel: Einem L., großes, verdientes L. ertheilen, spenden, zollen; Mit großem L–e von Einem (oder Etwas) sprechen; Jemandes L. verkünden, sagen, singen; ihm L. singen (oder lobsingen, vgl.: ihn lobpreisen); Jemands L. verbreiten; Seines L–es voll sein; Von seinem L–e überfließen; Jemand hat das L. der Schönheit, der Tugend etc.; Großes L. erhalten, davon tragen; (Viel) L–es von Einem (oder Etwas) hören; Einem Etwas zum L–e nachsagen; Sein L. verlieren, einbüßen etc.; Gott (s. d. 2h) sei L. (und Dank)! etc., oft in die Rede eingeschoben und formelhaft als ein Wort oder Interj.: Gottlob!, z. B. mit betonter Endsilbe. W. 11, 16; Cham. 3, 216 etc., dagegen mit dem Ton auf der ersten. 194 etc. Eigen(-)L. stinkt, fremdes L. klingt. Sprchw.; L. und Ehre (s. d. 3), Preis (s. d.) und Gewalt. Off. 7, 12; Gieb dem Herrn die Ehre und gieb ihm das L. Jos. 7, 19; Den Namen deiner Herrlichkeit, der erhöhet ist mit allem Segen und L. Neh. 9, 5; L. opfern. Ps. 27, 6; Sein L. gehet, so weit Himmel und Erde ist. 148, 13; Zur Ehre und L–e Gottes. Phil. 1, 11; Dasselbige bringet ewiges L. Weish. 4, 1; Wird einem Jeglichen von Gott L. widerfahren [zu Theil werden]. 1. Kor. 4, 5 etc.; Da wirst du ’mal L–es hören. Alexis H. 1, 1, 205; Ihm und euch wird hohes L. gesprochen. Cham. 4, 128; Dichter . . | wollen sich der Menge zeigen, | L. und Tadel muß ja sein. G. 1, 9; Nicht nach L. [Einzelner] verlangt der Dichter, doch nach Ruhm [allgemeinem] verlanget er. Platen 2, 13; Wo Jeder sich im L. der Damen .. ergoß. Tieck Cymb. 1, 5 etc., auch einigermaßen person.: Wann machte sich das L. der Tugend eigen? | wann war es nicht des Glückes Folgemagd? Hagedorn 1, 16. Verkl.: Das Löbchen seiner Waare weggelassen. Reiske (L. 13, 444); Ein Löbchen, das mit schalkhaftem Tadel gewürzt ist. V. Br. 1, 226 etc.
c) (s. b) zuw.: etwas zu Lobendes, Rühmliches, Gutes: Ist etwa ein L., dem denket nach. Phil. 4, 8; Ich will euch zu L. und Ehren [gelobt und geehrt] machen. Zeph. 3, 20; Wir rühmen dein Lob [dich, den zu Lobenden]. Ps. 106, 47 oder (s. b) wir verkünden rühmend dein L.
d) (s. b) zuw.: der Lobende, L.-Verkünder, z. B.: Er wird dein L., um sich der Welt selbst einzuloben. Gellert 2, 22 etc.
2) (schwzr.) mit Mz. Löber: „Feudalabgabe von einem Landgut im Fall einer Handänderung, mit Ausnahme der Erbschaft in grader Linie.“ Stalder, s. Laudemium.
Anm. Ahd., mhd. lop, „urspr. wohl soviel als approbatio, votum, woraus sich auch die doppelte Bed. von loben (preisen und versprechen) erklärt.“ Benecke, s. auch: glauben, Anm. Die Mz. in Bed. 1) unüblich, vgl.: Alle Lobsprüche und alle Tadel. L. 11, 751 etc., doch mhd. vorkommend, vgl. auch: Sie strömt über in Lobe. H. R. 7, 209, ugw., man mag L–e nun als Acc. der Mz. oder als Dat. der Ez. fassen; s. über das Dativ -e bei fehlendem Ärtikel: Gott 2h und Sanders Krit. 1, 8.
Zsstzg. vielfäch, z. B.: Bieder-L., welches man als ein Biedermann von einem Biedermanne erhält; Eigen-L., Selbst-L.; Feindes-L., das Einem ein Feind zollt; Freundes-L., Gegen-L. (vgl. Gegenkompliment), L. als Erwidrung ertheilten Lobes; Hel- den-L., Einem als Helden ertheilt; Kriegs-L., durch Kriegsthaten erworben; Ein unbestimmtes Leichen-L. [wie es in Leichenpredigten herrscht]. H. Ph. 10, 278; Schalks-L., ironisches; Schelmen-L., von Schelmen ertheilt etc.; Selbst-L., das man sich selbst ertheilt; Siegs-L., L. über einen Sieg oder Siegesthaten; Tugend-L., Einem wegen seiner Tugend gezollt; Dgl. Posaunentön haben ein böses Echo, Über-L. [übertriebenes L.] ist schlimmer als Übertadel. Scherenberg (Goldammer Litth. III); Un-L., schwächer als Schande, Tadel etc. Tschudi Schwzr. Chr. 2, 386; Nimm dein Lob mit dir zum Himmel, | dein Un-L. möge ruhn mit dir im Grab. V. Sh. 3, 695; Sich dem Machthaber L–es und Un-L–es zu empfehlen [der Macht hatte zu loben oder zu tadeln]. Ant. 2, 31; Nimm Heinrich ein mit ihrem Wunder-L. [L. ihrer wunderbaren Eigenschaften]. Schlegel Sh. 7, 337 etc.