Faksimile 0786 | Seite 778
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hold
I. Hóld, a.:
–est:
1) meist mit Dat.: Einem (od. einer Sache) wohlwollend geneigt, freundlich oder (z. B. von Lehensmannen. Simrock N. 1487; 1943 etc., s. Huld 2) treu zugethan, anhänglich, ergeben: Sir. 3, 20; 45, 1; Weder dem Könige noch der Landschaft treu oder h. 3. Macc. 3, 7; Bleibe guter Geist euch h.! G. 6, 38; O daß ich dich noch einmal freundlich h. | vor meinen Augen sähe! .. Der Sonne Glanz, die alles Leben regt, | des klaren Monds erquicklich leiser Schein | begegneten mir h–er [s. 2] nicht als du. 13, 327; Dieses Ufer ward dir h. und freundlich, | das jedem Fremden sonst voll Grausens ward. 7; Der .. uns dem Laster h., uns selber feind gemacht. Haller 153; Muß in Rath und That dem Herren | h. und treu sein und gewärtig. H. Cid 13; Schwermuth, die dem Tode h. Lenau A. 40; Sei dem Leben h. der Feige! Platen 6, 15; Nie waren vielleicht die Grazien einem Weibe h–er gewesen als ihr. W. 16, 141 etc. Auch (vgl. 2): H. gegen Einen sein. sich zeigen etc. Vgl. Zsstzg., wie: Fremdlings-h. V. Th. 16, 39, liebevoll gegen Fremde, gastfreundlich; Der Seidelbast und die Alpenrose gelten für kalk-stet, die Gentiane wenigstens für kalk-h. [jene nur —, diese zumeist, mit Vorliebe aufKalkboden vorkommend]. Tschudi Th. 42 etc., s. Zsstzg. zu II. Zuw. auch (vgl.
2) ohne Dat.: Es geht die Sonne mir der schönsten Gunst | auf einmal unter, seinen holden Blick | entziehet mir der Fürst. G. 13, 180. 2) (s. 1) meist ohne Dat., einen freundlich wohlthuenden Eindruck erregend, anmuthig, lieb (vgl. das verstärkte holdselig): Dein h–er Sang, | dein heiliges Erempel. G. 4, 8; Terrassen .., überall freien Ausgang nach der h–en Umgegend erlaubend. 22, 300; So würde auch dein Lenz so h. erscheinen. Lenau A. 13; H–er Friede, | süße Eintracht. Sch. 79b; H–e Schönheit, fürchte Nichts. 499b; Mein h–er Trauter. Simrock N. 2309; Von alter Bäume Schatten h. umgraut. Streckfuß Rol. 2, 34; Wie .. zum h–en Gestüt der Beschäler [wandert]. V. H. 2, 190 etc. Dazu Zsstzg., z. B.: Die engel-h–e Schläferin. B. 26b; Jung-h–este Schaar. G. 12, 190 etc.; Wunder-h. (s. II.). Ferner substant.: Der und häufiger: Die H–e, z. B.: Die H–e, die ich meine etc. B. 37b; Komm herab, du schöne H–e, | und verlaß dein stolzes Schloß. Sch. 642a, auch verkl., vgl. Liebchen: Fand mein H–chen | nicht daheim. G. 1, 65; Mein weißes H–chen! Werner Osts. 1, 72 etc., vgl. II 3.
Anm. Goth. hulths, ahd. hold, mhd. holt, geneigt etc., s. Halde. Dazu die folg. Wörter und: Huld, Huldigen etc. Nbnf.: Mir und dir ist Niemand huld. Luther 6, 315a.
Zsstzg. mit Bestimmungsw. s. 1 und 2, ferner mit Vors.: Ab- [1]: Einem, einer Sache a., Abneigung dagegen hegend und sich deßhalb davon abwendend: Die Freiheit er mag sie lieben oder ihr a. sein. Börne Frz. 101; Der dämisch schmollt und roth wird, doch nicht warm | und a. ist dem süßen Zeitvertreib. Freiligrath Ven. 9; Wobei das Glück sich ihm nicht a. gezeigt. G. 39, 438; Der allen politischen Fortschritten a–e Adel. Mügge Bild. 223; Benda’s männlichem Tone geneigt, a. dem Geschnirkel. V. 1, 141; Bist du mir hold, sei Alles a. mir! Sh. 2, 476 etc. Seltner ohne Dat.: Nur seine A–en [die ihm A–en] fanden ihn schneidermäßig aussehend. König Jer. 2, 33 etc.
Un-:
1) [2] einen widerwärtigen, widrigen Eindruck erregend, häßlich etc.: Daß sie u–en Klanges an einander rauschten. Chamisso 4, 215; Ein un-h. Weib tritt aus der Kluft. Rückert Erb. 1, 18; Entflohn bin ich endlich dem Wust u–er Erscheinung. V. 3, 26; 18; Nicht von Gestalt auch bin ich so un-h., wie sie mich ausschrein. Th. 6, 34 etc.
2) (s. 1) nam. auch: unfreundlich, unwirsch: U–ester, was sprachst du für ein Wort! B. 156b; Du bist gar un-h., Bruder, ich ginge gern und wartete eine gute Stunde ab. G. 9, 384; In u–en Augenblicken. 377; An Dir Gesellen, unh. barsch und toll. 11, 142; 14, 72; Philinen konnte er nicht widrig, nicht un-h. begegnen. 17, 47; Nicht meine gütige Elisabeth,| den Lord vernehm’ ich, meinen Feind, in diesen | u–en Worten. Sch. 434b; Dieses u–e Wetter. G. 1, 64 etc.
3) [1] widrig gesinnt, übel- oder mißwollend, feindlich: Endlich ward das Glück ihm un-h. H. 8, 160; O Schicksal, warst du immer, immer schon | un-h. auf Deutschland? Ders.; Thatet, da wir euch gepflegt an uns, wie die u–e Brut, des Kuckucks Junges, | dem Sperling thut. Schlegel Sh. 6, 155 etc.
4) Auch substant.: Diese zutrauliche herzinnige Weise der Menschen, die sie bisher für Feinde und U–e gehalten. Auerbach D. 4, 300; Ein U–er gehört nur mit U–en zusammen. H. 9, 107 etc., s.: Der Unhold.