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hösisch
Hȫsisch, a.:
vom Hof stammend, dem Hof gemäß etc., und zwar:
1) ohne Nebensinn: Du findest mehr Behagen | am h–en Geräusch [= G. des Hofes]. W. 12, 50.
2) im Allgm. veralt., im lobenden Sinn = fein, gesittet, vgl. das daraus entstandne „hübsch“ und 3, z. B.: Ihr [der Herzogin] Tänzer ist ein schlanker Fant, | gar h. und behendig. Heine Rom. 16; Simrock Nib. 1282; Sagten ihr die Märe die Boten h. und gut. 1393; Eine kleine aber gar herrliche Stadt, lustig und hat ein ganz h. Volk. Stumpf 648a etc.
3) in tadelndem Sinn, der Hofsitte gemäß, hofmännisch, vgl. höflich und z. B.: Das H–e, das dort das Hübsche, Schöne und Edle war, war jetzt eine verworfne Sitte der Heuchelei und Kriecherei geworden. Gervinus Lit. 3, 377 etc., so: Einen fein geschliffenen, etwas h–en und höfelnden Mann. Arndt E. 189; Eine Art von Heuchelei, die .. sich von der pfäffischen, h–en oder wie sie sonst heißen mögen, ganz eigen unterscheidet. G. 25, 35; Das zierlich h–e Geschlecht. 34, 329; Euer h–es Geträtsch. 28, 199; 18, 270; Den h–en Verheißungen zwar trauen, aber mit Furcht. Zinkgräf 1, 203 etc.
Anm. Mhd. in Bed. 2 hövesch, höfsch, hüb(e)sch, schwzr. jetzt dafür höfig, hofelig, wie mhd. hovelich, vgl. Bäurisch und Bäuerlich etc. Über das zugehörige Hw.: Affektierte Alterthümlichkeit und Höfischkeit. Gervinus Lit. 5, 667 s. Parteiisch, Anm.
Zsstzg. z. B.: Klēīn- [3]: der Sitte kleiner Höfe gemäß, vgl. kleinstädtisch: Dem steifen, k–en Ceremoniell. V. Br. 2, 113. Lánd- [1]: von Landhöfen stammend, ländlich: Ein Freund l–er Schalkheit. V. 2, 67. Ún- [2, 3]: Seinem u–en Rathgeber [Danischmend]. W. 9, 255, der ohne die Rücksicht eines Hofmanns sich äußert etc., auch [1]: Daß .. Deutschlands Genius altgriechischen Kraftgesang | zur u–en [nicht in den Hofkreisen weilenden etc.] Harf’ erhebt. V. 3, 7 u. ä. m.