Faksimile 0775 | Seite 767
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Hitze
I. Hitze, f.; –n:
ein hoher, sehr empfindlicher Grad der Wärme (s. d. und vgl. Heiß, Heiße): 1) eigentl., in Bezug auf das körperliche Gefühl und die physikalischen Wirkungen hoher Wärmegrade:
a) ailgen.: Die H. des Feuers, des Ofens, der Stube, der Luft im Sommer, des Sommers, der Sonne, des siedenden Wassers, schmelzender Metalle, des Fieberkranken, des Fiebers, brütender Vögel etc.; Eine brütende, stickende, sengende H.; Tannenholz giebt eine rasche (rasch verfliegende), Torf eine nachhaltige H.; Sein Gesicht zeigte eine aufsteigende, eine fliegende H.; Dieser Wein, dies Gewürz hat viel H. (vgl. Feuer), setzt das Blut in Wallung etc.; Der Herr wird dich schlagen mit Schwulst, Fieber, H., Brunst, Dürre. 5. Mos. 28, 22; Titan, keuchend in des Mittags H–n, | saß heiß herab auf sie. Freiligrath Ven. 17; Indeß der Junker . . bei Frost und schnellen H–n | am ganzen Leib zu schaudern und zu schwitzen | begann. W. 11, 187 etc. Ferner besonders in technischer Beziehung, namentl.:
b) Bäcker.: Die H. des (Back-)Ofens, Back(ofen)-H., zum Backen des Brots etc., dann auch (vgl. 4): die Zeitdauer, in der der einmal geheizte Ofen zum Backen zu benutzen ist, und: das auf einmal darin Gebackne = Gebacke, Schuß.
c) Töpf., Ziegelbr. etc., s. b: Indeß er . . . in des Ofens H–n | die ungebrannten Ziegel schiebt. Freiligrath 1, 276.
d) Metallarb., s. Schweiß-, Glüh-H. etc. 2) übertr.:
a) ein hoher Grad lebhafter, den Menschen rasch ergreifender und antreibender Begierden und Leidenschaften, Eifer, Brunst, Heftigkeit, Zornaufwallung, leidenschaftliche Erregung etc., z. B.: Die H. der Jugend; Etwas mit großer H. beginnen; Die erste H. hat schon nachgelassen; In der H. des Gefechts, des Streits; Einen in die H. bringen; Etwas in der H. sagen; Wenn Jemand sich selbst in H. spricht. Engel 4, 150; Du kommst recht in die H., du schmählst auf mich. Gellert 3, 21; Hat dich im Anfall seiner H. einen dummen Buben geheißen. G. 7, 213; Der Mäßige wird öfters kalt genannt | von Menschen, die sich warm vor andern glauben, | weil sie die H. fliegend überfällt. 13, 140; Eine innerliche H. und Heftigkeit, die alle Kräfte seiner Natur durcheinander arbeitete. 14, 150; Ich muß meine erste H. zu nutzen suchen, wenn ich Etwas zu Stande bringen will. L. 12, 115; 1, 593; Was kühlst du deine H. | am schwachen Volk, das dir nicht bieten darf die Spitze? Rückert Rost. 91a; In der H. des Verfolgens verliert man bald den Anfang aus den Augen. Sch. 345a; Sein Hochmuth und seine H. vertrugen sich mit keinen so gelinden Maßnehmungen. W. 7, 198 u. ä. m.
b) zuw. = heftige Anstrengung, Mühe etc.: Es wird H. kosten.
c) (veralt.) In Trübnis und in Jammers Hitz [in heftig erregendem, quälendem Jammer]. 3) (s. 2a) der aus den Geburtsgliedern rossender Stuten fließende Saft, als Zeichen ihrer H. oder Brunst. 4) (s. 2a und vgl. 1b) die Dauer, in der eine Arbeit mit Heftigkeit und hintereinander fort gemacht wird, namentl. beim Rammen: Zwanzig Schläge in einer⏑ H. thun etc.
Zsstzg. s. die von Heiß und Gluth, vielfach: einen hohen Grad von H., eine starke H. bezeichnend, z. B.: Báck-, Báckofen- [1b]. Brénn- [1c]. Brūt- [1a]. Fēūer- [1a]: z. B. im Ggstz. von Sonnen-H. Fīēber- [1a]: F. | bewegt mein Blut. G. 13, 112; Daß du dich in eine völlige F. hineindeklamierst. W. 32, 138. Glǖh-, Glūth- [1d]: der Grad von Hitze, wobei Metall, namentl. Eisen, glüht, oft „Wärme“ genannt, im Ggstz. der „fließenden oder Schweiß-H.“, die auch nur schlechthin „Hitze“ heißt. Man unterscheidet namentl.: Roth-, Weiß-G., s. rothglühend und z. B.: Kirschrothhitze. Karmarsch 2, 358 etc.
Höllen-: ungemein starke Hitze, wie in der Hölle. Jūgend- [2a]. Kóch- [1a]. Míttags- [1a]: W. 16, 96; Während der Nachmittags-H. ein paar Stunden ruhen. 2, 15 etc. Öfen- [1a]. Poēten- [2]. Sch. 160b.
Rōth-: Roth-Glühhitze. Schmélz- [1d]. Schmōr- [1a]: wobei Etwas, namentl. Fleisch schmort.
Schwēīß-: s. Glüh- H.; wobei Eisen geschweißt wird. Sīēde- [1a]: wobei Etwas, namentl. Wasser, siedet. Sómmer- [1a]: vgl. Mittags-H. Sónnen- [1a]; Wenn ihn selbst die S. stach. Sch. 1010b. Stíck- [1a]: Hitze zum Sticken, stickende Hitze. Stūben- [la]: vgl. Stalder. Trēībhaus- [1a].
Wēīn-: die vom Wein herrührt.
Wēīß-: Weiß-Glühhitze. Zórnes- [2a] u. ä. m.