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heut Heute
Hēūt(eHēūt(e): 1) adv., an diesem gegenwärtigen Tage, Gegensatz gestern (s. d.), morgens (s. d.):
H–e Morgen oder früh, Mittag, Abend, Nacht; H. um acht Uhr; H. vor acht, vierzehn Tagen, vorm Jahr, vor vier Wochen; H. über acht, vierzehn Tage, übers Jahr, über (in) vier Wochen etc., zuweilen mit ausgelaßner Präpos., da die Beziehung auf Vergangenheit oder Zukunft aus dem Zeitw. erhellt: H. acht Tage war ich dort, werde ich dort sein; [Das] Schreiben habe h. acht Tage wohl erhalten. Leibnitz 2, 114 etc. Abhängig von Präpos. z. B.: Jch bin auf h–e bestellt; Für h–e ist es genug; Bis h–e; Von h–e ab, (an); Frisch und lebendig, wie von gestern, ja von h–e. G. 22, 217 etc.; ungewöhnl. statt eines Genit.: Man freut sich h. [des heutigen Tags] und früherer Jahre. Zelter 4, 110. H. und nie mehr (Sch. 108a), h. und nie wieder, h. und nimmer mehr etc., zum letzten Mal; Lieber h. als morgen, je eher, je lieber; H. oder morgen, in naher oder in wenigstens möglicherweise bald eintretender Zukunft; Komm’ ich nicht h–e, komm’ ich doch morgen, Bezeichnung einer trägen, langsamen Pers.; H–e mir, morgen dir; H–e roth (ein Kaiser Sir. 10, 12), morgen todt; H–e ’was, morgen ein Aas etc., sprchw. vom Unbestand menschlicher Verhältnisse; Morgen können wir’s nicht mehr, | darum lasst uns h–e leben. Sch. 54b etc. In der Verbindung: H. zu (veralt.: bei. Luther 1, 158a) Tage = in der jetzigen Zeit, heutigen Tages. 2) oft als sächl. Hw. = die Gegenwart, wie: das Gestern (s. d.) = die Vergangenheit; das Morgen (s. d.) = die Zukunft: Dein ist das Morgen, das Gestern, das H. Kinkel 430; In dem H–e wandelt schon das Morgen. Sch. 400a; Das Morgen wird dem schönen H–e gleichen. 495a; Mein sinnlicher ... Mensch, wie festlich wird er nicht sein H–e verleben. Thüm- mel 7, 3 u. v.
Anm. Aus dem in der Anm. zu ,,Her“ erwähnten hindeutenden Fw. entstand, wie lat. hodie, ahd. hiutū, zusammengezogen aus hiūtagü (an diesem Tag), vgl. hiurû, zsgzg. aus hiûjârû (in diesem Jahr) und hinaht, hinte (diese Nacht), welches letztre nam. mundartl. in versch. Formen und theils in der Bed. = h. fortlebt, s. Schm., Wein- hold etc.; Zigeunermutter: Giebt hint Nacht noch Regen. G. 9, 123; Hinte [heute Nacht]. Willkomm Sag. 1, 49; Weißt du nicht, daß ich noch hinte [Reim: „Flinte“] | dich nach der Hölle schicken kann. Lichtwer 122 etc.; Will also heint im Schiffe schlafen. Schaidenreißer 12b; Luther 6, 50b etc. So will ich mit euch pflegen | heunt der Schildwacht. Simrock N. 1768; 867 etc. Vgl.: Was ist denn da zu heut, heut, heuten? Beiderlei Formen, sowohl h. als h–e sind im Hochd. gleich richtig und gleich gebräuchlich. B. 356b. Doch dürfte die zweisilbige Form im Allgm. die üblichere sein, außer in einigen stehenden Verbind. (z. B. H. zu Tage). S. auch: Heutig.
Zsstzg.: An-: meist oberd. Verlängrung. Blumauer 1, 242; 285; 288; G. 6, 235; A–e. FMüller 1, 236.