Faksimile 0572 | Seite 564
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Gehre
Gêhre, f.; –n:
1) (schwzr.) mehrzinkige Gabel zum Stechen größrer Fische: Aal-, Lachs-G. etc., bair.: der Gehr.
2) etwas schräg, keilförmig Zulaufendes, Keil etc.:
a) Diagonale, nam. die eines Quadrats bei Tischlern, Zimmerleuten etc.: Die Leisten eines Rahmens etc. werden nach der G. (Gehrung) geschnitten oder gegehrt und dann aneinandergefugt, vergehrt, vgl. Gehr- Hobel, -Maß..
b) Ackerb.: ein spitz zulaufendes Stück Land; kürzeres, wie ein Keil zwischen längern liegendes Ackerbeet: Die G. (der Gehren) giebt und nimmt. (Sprchw.): wenn die regelmäßigen gleichbreiten Grenz- äcker nicht die hergebrachte Breite haben, so wird angenommen, daß Dies von Grenzverrückung des Keils herrühre, der danach entsprechend zu vergrößern oder zu verringern ist.
c) Bauk.: Keil, Zwickel, Schräglinie: Die beiden Viktorien, welche in den G–n über der Nymphe am Thor zu Fontaineblau angebracht waren. G. 29, 185; Schwzr.: Querwand eines vorspringenden Dachs etc.
d) Nähter.: Keil, Zwickel, nam. in Weiberhemden; überhaupt keilförmiges Stück Zeug: Ohne Maß zu nehmen, schneidet sie aus dem Ganzen und weiß dabei alle Flecken und G–n dergestalt zu nützen. G. 19, 33; dann auch Falte, Schoß. Oft: der Gehren, z. B. Hesek. 16, 8; Hagg. 2, 13 etc.
e) Schiff. (s. d): die schräg oder bogenförmig geschnittnen Theile der Segel (Gilling). G–n (Gehrden) der Besahn, zwei starke Taue zum Brassen der Besahngaffel. Lassen sie sich zugleich zum Aus- u. Einsetzen eines Boots gebrauchen, so heißen sie: Pubsche-oder Stoß-Gehr(d)en. Schwzr.: der vordere Theil eines Schiffs.
Anm. Ahd. kêro, mhd. gêre, s. Adelung, Frisch etc., Benecke 1, 499a; Schm. 2, 62; Stalder 1, 436. Versch. G. mundartl. = Wabe (s. d.), womit Adelung lat. cera (Wachs) zusammenstellt.