Faksimile 0456 | Seite 448
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Fink Finke)
Fink(~e), m., –en, (–s); –en; –chen, lein; –en-:
1) eig. eine Gattung sperlingsartiger Singvögel, Fringilla, mit vielen Arten (s. Zsstzg.), am häufigsten = Buch-F.: Frei wie der F. | auf Sträuchern und Bäumen. Sch. 323b etc.
2) übertr. auf Menschen (s. Grün-, Weiß-F.), nam. als Schimpsw.: ein liederlicher Mensch (vgl. lockrer Zeisig, loser Vogel etc.; schles. fem. = Hure (s. d.). Weinhold, (vgl. F–n-Herr): Du leichtfertiger F–e! Gervinus Lit. 3, 324; vHorn rhD. 2, 75; Schmj. 24; Hüte dich vor diesen F–n! [vorher „Galgenvögel“ = Betrüger]. 72 etc.
3) (s. 2) burschik. = Dachs 3a, ein Student, der keiner Verbindung angehört, „weil diese Leute meist wie eingebauerte F–en in ihren Körben sind“. Vollmann; Ochsen und F–en. Klencke Parn. 1, 15; Die F–en und Schnippulanten. 40.
Anm.
1) nach der Stimme benannt, ahd. fincho, finco, mhd. vinke, vgl.: Es binken die F–en. Claj, s. Schottel 910, wie nach Lenz Nat. 2, 144 der Buch-F. finkt (auch rückt, lockt, zirpt, zizert; nach Lichtenberg 4, 370 piept und tschirpt er, nach Döbel 1, 62b schirkt er etc.). In Östreich bez. Goldschmiedbub den Finkengesang, s. Blumauer 2, 172; sein regenverkündender Ruf wird gedeutet: „Es gießt!“ Auerbach D. 4, 71 etc. Nach dem versch. Laut des Schlags unterscheidet man nach Nemnich z. B. den Dissdered, Doiteret, den Gutjahr, Kuhdieb, den Lachenden, Malvasier, Musketier, Mitsoviel, Pfinkelste, Reitherzu, Ritscher, den Groß- und Kleinrollenden, Sitzaufthül, Sparbarazier, den Übergebenden, Weih, Weitschuh, Wildsfeuer, den Ziehenden, den Zitzigall, vgl.: So klingt es bei einigen „Würzebier“, beim andern „Reit zu!“ (diese sind die durchdringendsten im Gesange), bei andern „Würzebier ist“; bei noch andern: „Reit mit fort, zitsch, zitsch, meine Braut brütet“ etc. Döbel 1, 64.
2) Nbnf.: Dieser Finken. Werner Kreuz 1, 38; Die F–e (s. 2). Weinhold 20b; Verkl.: Das Finkel. Glaßbrenner SprThiere. 7. In Helgoland bez. übrigens Fink Vogel überhaupt und daher in sehr vielen Zsstzg., s. Frommann 3, 32. Dazu stimmt: Finkeln, Finken, intr. (haben): Vögel fangen (Heinrich der Finkler oder Vogler); aber auch obscön = vögeln (s. fackeln, Anm.), vgl. Bullenfinke = Ochsenziemer, z. B. D Museum 1, 2, 6 und s. Brem. Wörterb. 1, 393.
3) Viell. versch. Stamms: Fink (veralt.), eine pommersche Scheidemünze; F–en, kleingeschnittne Stücken Speck. Brem. Wörterb., nam. auf den Grönlandsfahrern, von Wallfischspeck. Bobrick; Finken, m., (schwzr.), Socke; Halbstiefel. Stalder; Finkeljochen (s. Brem. Wörterb. 1, 374): Schnaps, Fusel, s. Funkelhans und Joachim.
Zsstzg. vielfach, z. B.: Bāūm-: Dompfaff. Döbel 1, 63. —, Bérg-: F. montifringilla.
Blūt-: Gimpel, s. Bollenbeißer.
Bránd-: F. flammea. Brōt-, Būch-: F. coelebs.
Búllen-:
1) Baum-F.
2) [Anm. 2]. Bútter-: F. butyracea. Forster R. 1, 22. Citrōnen-: F. citrinella. Dīstel-: F. carduelis, Stieglitz. Dréck-: Mist-F. 1 und 2. Dúck- [2]: schimpfende Bez. einer sich duckenden Person, Kriecher etc. Droysen A. 3, 54. Edel-: Die Schnee-F–n .. etwas größer als die E–n. Tschudi Th. 528. Erlen-: F. spinus, Zeisig. Fláchs-:
1) F. linaria und cannabina.
2) ver- ächtliche Bez. eines jungen Menschen, dem der Bart noch nicht ordentlich gewachsen. Gélb-: F. flavirostra, Gelbschnabel (s. d.). Góld-: Berg-F. Granāt-: F. granatina. Grāū-:
1) F. petronia.
2) s. Weiß-F. Grǖn-:
1) F. serinus u. chloris.
2) Bez. einer grüngekleideten Person, vgl. Grünrock, z. B. = Grenzjäger. Höfer Schwanw. 90; Den Wachtposten, einen rohen, dummen G–en. Hausbl. (58) 2, 415 etc. Karmīn-: Flachs- F. 1. Kírsch-: Kernbeißer. Klátsch- [2]: klatschende Person, Klatschmaul. Zelter 4, 310. Kūh-: Cassicus pecoris. Tschudi Th. 78. Lāūb-: Berg-F. Lēīn-: Flachs-F. Lōb-: Gold-F. Lóck-: als Lockvogel. Ramler F. 3, 42; fem., s. L. 5, 181. Mist-:
1) Berg-F.
2) [2] verächtl. Bez. schmutziger Menschen etc., Dreck-, Schmier-, Schmutz-F.: Die Helena ... muß sich verkriechen vor ihr, ein Trampel, ein M., ein Kothkübel etc. SClara (Wackernagel 3, 1, 915); Der M. [schmutzige Geizhals]! Für die Stute 26 Pistolen haben zu wollen! Immermann M. 1, 262. Nácht-:
1) F. noctis.
2) [2] z. B. eine nächtlich umherschwärmende liederliche Person etc. Quǟk-, Quétsch-: Berg-F. Rōth-: Berg-, Blut-F. Schíld-: Buch-F. Schmīēr-: Mist-F., z. B. (2) Hackländer SGsch. 3, 101. Schmútz-: Mist-F., z. B. (2) Arndt E. 190. Spótt-: Spottdrossel. Auerbach Ab. 203. Stránd-: F. maritima. Strōm-, Stúrm-: Procellaria pelagica, Sturmvogel. Tánnen-: Berg-F. Wáld-: Berg-F. Tschudi Th. 90; Buch-; Grau-F. Wēīß- [2]: z. B.: Alter W. [Weißkopf]! Höfer Schwanw. 93, s. Grau-F.