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Filz
Filz, m., –es; –e; –chen, lein; -:
1) eig. durch- einander gewirrte u. dadurch unauflöslich festverbundne Haare (Wolle): Beim Weichselzopf bilden die Haare einen F. etc., nam. bei den Hutmachern der aus Haaren (oder Wolle) durch das sogen. Fachen (s. d.), Zusammenschlagen u. Walken gebildete Stoff, s. Karmarsch 1, 792; 2, 219; 280: Schuhe, Hüte aus F. etc. Daher auch F. = Filzhut etc. 2) übertr. auf andre, ähnliche Zeuge: Was der Papiermacher mit dem Namen F. [„Buscht-F.“] bezeichnet, ist keineswegs wirklicher F., wie etwa der Hut-F., sondern ein grober, lockergewebter, geköperter Wollenzeug, welcher nur schwach gewalkt und weder geraucht, noch geschoren wird. Karmarsch 2, 801; Zwischen die Leinwandbespannung beider Deckel [der Buchdruckerpresse] wird der sogen. Filz (das Drucktuch) gelegt, nämlich ein Stück feinen Wollenzeuges oder dicken Seidenstoffs. 1, 395 etc. 3) so auch von Pflanzen, z. B.: Wasser-F., Wasserfaden, Conferva etc., ferner = Moorgrund, s. Aue III6. Schmeler 1, 530 und „verfilzen“. 4) bergm.: der zarteste Schlamm oder Schlich. 5) Name des Magdeburger Biers. 6) Bez. eines schmutzigen Geizhalses, der mit großer Zähigkeit am Gelde festhält, daran klebt: Sir. 31, 29; Was auch der F. von dem Leibe sich schmorgt. G. 1, 117; Der schlimmste Geiz ist der, mit dem sich Kargheit paart, | ein F. hat keine Scham. Lichtwer 214; 125; Pfeffel Po. 3, 44; 81; Er ist der zäheste F. in ganz Athen. W. 21, 44; Sei kein karger F. Zinkgräf 1, 88 etc. 7) zuw. auch = Filzigkeit, Schmutz: Frei von Geldgeiz, einem schäbigen Laster .. das wir .. bei Rubini finden, von dessen F. eine spaßhafte Anekdote erzählt wird. Heine Lut. 2, 282. 8) ein roher Mensch, Grobian: Der grobe F., Rulz und Tölpel. Luther SW. 26, 31; Ein solcher grober Rülz, F. Schweinichen 3, 117; Schottel 684a; Uhland V. 648 etc. 9) F., Filzer, ein derber Verweis; So er ihm endlich auch ein F. hätt geben, der ohnedas kein Hut mit sich bracht (s. 1). SClara (Wackernagel 3, 1, 913 Z. 18); Schm.; s. filzen II2.
Anm. Ahd., mhd. vilz, dazu auch filtrieren etc. Ableitung unsicher. Die Bed. 4—7 beziehn sich wohl auf das Zähe, Klebrige. In Bed. 6 findet sich auch: Des F–en, und im Acc.: Den F–en. Sch. 107a.