Faksimile 0439 | Seite 431
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Fenster
Fénster, n., –s; uv.; –chen, –lein; -:
1) eig.: die Offnung, wodurch Licht in ein Zimmer etc. fällt u. der durchsichtige Körper sammt seiner Einfassung, wodurch diese Offnung verschlossen wird: Sich ins F. legen; aus dem F. hinaussehn; durchs F. sehn; Die F. [Scheiben] sind gefroren, schwitzen; Die F. auf- und zumachen; Einem die F. einwerfen etc. Sprchw.: Geld zum F. hinauswerfen, es unnütz ausgeben; Aus hohen F–n sehen, stolz thun; Einem einen Brief schreiben, den er nicht ans F. [hintern Spiegel] stecken wird, den er weiler unangenehme Wahrheiten für ihn enthält eher zu verbergen geneigt sein wird (L. 13, 156) etc. Bibl. auch: Die F. eines Taubenschlags [Fluglöcher]. Jes. 60, 8; des Himmels [Schleusen, wodurch der Regen strömt]. 1. Mos. 7, 11; 8, 2 etc. (s. 2). 2) übertr.
a) = Auge. Pred. 12, 3; Schlug mich .. in die Augen, daß ich mich wohl vier Wochen lang mit einem blauen F. schleppen musste. Edelmann (s. DMus. 1, 2, 690); Gisander Felsenb. 2, 437; Schmeller, vgl.: Wenn man die F. die Augen eines Hauses nennen darf. Immermann M. 1, 101. „Es sind so viel kleine F. da.“ Kurz Weihn. 194, als sprchw. Hinweisung auf aufpassende, aufhorchende Kinder.
b) Die Trommelhöhle [des Ohrs] steht durch das ovale und das runde F. mit dem Labyrinthe in Verbindung. Pouillet 2, 91.
c) Glash.: die Offnungen im Ofen über der Bank, wovor inwendig die Häfen stehn.
d) Offnungen in den Zuhaltungen mancher Schlösser. Karmarsch 3, 120.
e) Offnungen in Maschinen, Uhren etc., wodurch man den innern Gang derselben sehn kann.
f) ein im Schreiben leer gelassner Platz, Lücke etc.
Anm. Lat. fenestra. Nbnf. der Mz.: Das einzige Gelaß, welches noch F–n hatte. Immermann M. 1, 185; Kosegarten Po. 2, 329 etc.
Zsstzg. nach dem Stoff, z. B.: Draht-, Papier-, Gaze-, nam. Glas-F., darunter z. B. Spiegel-F., aus Spiegelglas etc.; nach dem Ort, z. B.: Boden-, Dach-, Gewächshaus-, Giebel-, Hausthür-, Keller-, Kerker-, Kirchen-, Saal-, Stuben-F. etc., auch F., wie sie an den genannten Ortern zu sein pflegen, ferner z. B.: Āūfschiebe-: Schub-F. Lichtenberg 5, 86. A ūf zie h-: Schub- F.
Balkón-: das bis auf den Fußboden geht u. wodurch man auf den Balkon hinaustritt.
Bástard-: Halb-F.
Blēī-: dessen Scheiben in Blei gefasst sind. Gutzkow Bl. 1, 30.
Blénd-: der Kupferstecher etc., ein Rahm mit Papier, vor das Fenster zum Abhalten des überflüssigen Lichts zu setzen; Blind- F.
Blínd-: s. Blend-F. u. blind 4.
Blínzel-: das nur wenig Licht giebt. Keller gH. 4, 188.
Bōgen-: oben bogenförmig: Die B. des Remters. Lewald Wandl. 1, 304.
Dóppel-: wo zum Schutz gegen die Kälte die Offnung nach innen u. außen durch Scheiben geschlossen ist.
Eīnsatz-: zum Einsetzen, nam. bei den Theaterkoulissen. Düringer 405.
Flīēgen-: mit feinem, Luft, aber keine Fliegen durchlassenden Gitter.
Gelä́nder-: Balkon-F.
Gewínde-: mit mehrern in Gewinden gehnden Flügeln, Ggstz. Schub-F.
Gítter-: mit einem Gitter verwahrt.
Gúck-: kleines Fenster zum Ausgucken. G. 20, 237, vgl. Schößchen.
Hálb-: nicht höher als es breit ist.
Hínter-: Gutzkow R. 5, 141, im Ggstz. der auf die Straße sehnden Vorder-F.
Jalousīē-: Sealsfield Leg. 3, 1, Schränk-F.
Kámmer-: jedes Fenster in einer Kammer, nam. auch das in der Schlafkammer eines Mädchens, das der fensternde Geliebte aufsucht. Schmeller; W. 11, 215. Im Ggstz.: Das Kuh-F. treffen, den Zweck verfehlen. Schmeller.
Kápp-: Dach-F., Gaubloch.
Öberlicht-: über Thüren angebracht.
Schāū-: Guck-F. Gutzkow R. 4, 113, nam. aber auch: Fenster, worin Etwas den Vorübergehnden zur Schau ausgestellt oder aufgehängt wird, z. B.: Sch. eines Ladens, einer Kunsthandlung etc., übertr.: Die reiche Auswahl von Materien, die er an das Sch. [seines Journals] stellt. Palleske Sch. 1, 374.
Schīēbe-: Schub- F. G. 19, 40.
Schrä́nk-: Jalousie, s. Spate.
Schūb-: ganz oder theilweise in einer Nuth auf- und abzuschieben.
Vōr-: bei Doppelfenstern das vordre. Gotthelf 5, 106.
Vórder-: s. Hinter-F. u. ä. m.