Faksimile 0170 | Seite 162
Faksimile 0170 | Seite 162
Blende
Blénde, f.; –n:
etwas Blendendes, Blendung (s. d.), namentl.:
1) was das freie Sehen hindert:
a) ein krankhafter Zustand, Uberreizung des Auges: So Einer lang in dem Schneeglanz gewandelt hat ..., betrügt ihn noch lang die Schnee-B. Zwingli 2, 5 etc.
b) was das Auge auf einen bestimmten Kreis etc. beschränkt, wie eine Vorrichtung in den Perspektiven; über dem Visier der Flinte etc.: Stutzer mit ... einer langen röhren- artigen Messing-B. über dem Absehn. Tschudi Th. 380; ähnlich auch bei Lampen etc. ein die Strahlen durch den Refler verstärkendes, spiegelndes Blech etc.: ferner: das Scheuleder der Pferde, das sie nur auf den Weg sehen lässt, und übertr.: Verstecke deine gesunden Augen nicht hinter die B–n deiner Bücher. Thümmel; Augen-B. H. 1, 191 etc.
c) Etwas, wodurch, wohinter man nicht gesehn werden kann, z. B.: Bergm. = Blendlaterne; ferner eine spanische Wand, ein Verschlag und zumal im Festungsbau Alles, wodurch man dem Feind den Anblick einer Sache benimmt etc.: Als Deckmantel für die niederträchtigsten Begierden, als B., um hinter derselben die schändlichsten Streiche auszuführen. Gotthelf Sch. 30; Als der Wagenschlag zugedrückt war, riß sie die B–n vor den Fenstern nieder. Paalzow Th. 1, 391 etc.
2) was verblendet, was durch seinen Schein trügt.
a) weidm.: die von dem Hirsch mit dem Hinterfuß länger oder breiter gemachte Fährte des Vorderfußes, wodurch der Jäger ihn für größer und stärker anspricht als er ist.
b) bergm.: eine den Unkundigen über ihren Gehalt leicht täuschende Bergart, namentl.: Zink-B., natürliches Schwefelzink, von späthigem Gefüge u. Demantglanz; Plenden. Mühlpforth Hochz. 134; Horn-B. mit groben, Pech-B. mit dünnen Blättern; Kohlen-B., Anthracit, der Steinkohle ähnlich, doch ohne Flamme brennend.
c) Bauk.: blindes Fenster, blinde Thür etc., dann wobei der Begriff des Täuschens zurücktritt allgem. eine Mauervertiefung, Nische. Otte Kunst-Arch. 346; Nischen heißen auf deutsch B–n. L. 6, 105; G. 26, 200; W. 11, 235; 16, 102; Das Stadthaus ... mit seinen statuengeschmückten B–n. Stahr Par. 1, 52 u. v., auch ubertr.: In einer entzückend grünen, quellreichen, dreigetheilten B. dieser Laubpyramide, mitten unter Gebüsch ober dem Wasserspiegel hängt Tripoli. Fallmerayer Or. 1, 230 etc. Mit der Nbnf. Blinde: Blinde Luken oder Blinden [vor den Käjütenfenstern 1c]. Bobrick, ferner zu 2: Nymphen ..., deren Bilder in Blinden von Muschelwerk das Innerste der Höhle zierten. W. 5, 12. So auch: Bilder-B., worin sich Bilder, Statuen befinden. JP. 17, 33; 57, 106; Bilderblinde. 9, 188; 16, 35 etc.; Fel- sen-B., Vertiefung in einem Felsen. Fallmerayer Or. 1, 177; Schubart 2, 239 etc., auch z. B.: Eine ofsene vergitterte Blendung. Thümmel 4, 106.
3) B., Blente, „ein Stückchen Holz, die Lücken der Zimmerbäume auszufüllen“ und dazu: Einblenden, die Lücken so ausfüllen. Stalder 184, wie bei Campe: Einblinden zu 2: Eingeblindete Säulen [in eine Blende gestellt].
4) bergm.: Wetterthüre, die Kreisung der Luft zu erhalten.
5) Gelbe B., türkisches, schwarze B., Heide-Korn. G. 23, 38; 14.
Anm. Die Bed. 3—5 gehören vielleicht nicht ganz hierher (s. auch Blendling); dagegen mundartl.: Blenden, m.: der Glanz der von einem Spiegel zurückgeworfnen Sonnenstrahlen. Stalder 1, 184.