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        <title>Artikel „neuen“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
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            <surname>Sanders</surname>
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            <surname>Göttel</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „neuen“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="neuen" orig="Nēūen">Nēūen</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="verb">tr.</pos><subc norm="transitive"/> ꝛc.:</gramGrp>
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        <sense>neu machen, gw. er-n. (ſ. d.), doch z. B.: Sie macht das weite Feld ſich n. [verjüngt es]. <bibl><author>Claudius</author> <biblScope>3, 3;</biblScope> <title>Der menſchliche Geiſt .., wenn er neuet [Neues ſchafft, Neuerungen macht].</title></bibl> <bibl><author>H.</author>  <title>Ph.</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 214 ꝛc.</biblScope> <title>und nam.: Die Bienen n., machen neue Waben. S. auch neuern und Zſſtzg.</title></bibl></sense>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg.: Er-: gw. ſt. des ſeltnern Grundw. (ſ. auch ver-n.), mit ineinanderſpielenden Nüancen: 1) tr.: a) etwas ſchon früher Gewesnes, das aber dann aufgehört oder doch abgenommen hatte, wieder vorhanden ſein machen, aufs Neue hervorrufen, erwecken: Wirſt in ihrem Arm du kalt und wüſt, | will ich zur Sünde dir die Kraft e. Cham. 4, 172; Nur iſt, wenn wir ſie [ihr, der Geſtorbnen, Andenken ꝛc.] e. (ſ. d.), | unſer Leben Etwas werth. G. 6, 87; Magſt nun gern verloſchnes Bild e. (ſ. d). 108; 13, 78; Das Kupferwerk . .. erneute das Studium jener ältern Epoche. 27, 349; Nicht zweimal hat der Mond die Lichtgeſtalt | erneut, ſeit ꝛc. Sch. 489a; Du ſollt’ſt die Jugend mir e. und häufſt | mir nur der Jahre Laſt. Tieck Cymb. 1, 2; Erneue wieder ceiſchen Klageton. V. H. 1, 101; Bei den opitziſchen Dichtern herrſcht der „mehre“, welches Klopſtock und Leſſing ... mit Recht wieder erneueten. Derſ. (Jen. Lit. 1804) 1, 190; Das vor’ge Leben wird an ihrer Statt erneuet. W. 12, 53; Die Schlacht, den Kampf e. ꝛc. Selten ohne Obj.: Auszuruhn vom Getöſe der Feldſchlacht . ., doch künftig e. wir [ſie]. V. Jl. 7, 377; 396 ꝛc. — b) (ſ. a) Etwas wiederholen, nam. ſo, daß es nicht aufhört, daß es fortbeſteht, — es beſtätigend, bekräftigend ꝛc.: Ein Gelübde, Verſprechen, einen Bund, Frieden, Waffenſtillſtand, Kontrakt, ein Privilegium e.; Laſſt uns das Königreich daſelbſt e. [,,die Königswahl erneuern.“ Zunz]. 1. Sam. 11, 14; Hiob 10, 17; Dreimal traf erneut der Ruf mein Ohr. Cham. 4, 24, wiederholt, aufs Neue; Wenn linder Hauch der Wellen Spiel erneut. Streckfuß Rol. 7, 14 ꝛc. — c) (ſ. d) an die Stelle des Frühern, Alten etwas Andres, Neues treten laſſen, z. B. zuw. im Partic.: Sich in erneutem [neuem] Kunſtgebrauch zu üben. G. 2, 229; Wodurch das Alte zerſtört und ganz Erneutes dagegen herangeführt wird. 30, 469; Sie gaukelt | immer erneute [andre] Geſtalt. V. Ov. 2, 215 ꝛc. — d) (ſ. c u. a) Etwas ſo machen, daß es von den ſchädlichen, verſchlechternden Einwirkungen der Zeit unberührt oder als ein Neues und Friſches erſcheint, vgl. in Stand ſetzen, renovieren, reſtaurieren, auffriſchen, verjüngen ꝛc.: Gemälde, Pflanzungen, Baumſchulen, Spargelbeete, Gebäude ꝛc. e.; (Theolog.) Einen e., ihn zum neuen, wiedergebornen Menſchen machen ꝛc.; Einer wollte mich e. .. und er hieß ein Patriot. G. 1, 114 [wohl: mich politiſch zu den Grundſätzen der Reſtauration — ſ. d. — bekehren]; Was wäre das Haus, was wäre die Stadt, wenn nicht immer | Jeder gedächte mit Luſt, zu erhalten und zu e. [ohne Obj.] | und zu verbeſſern. 5, 25; So ſind wir erneute Geſchöpfe, | umgebildet und frei. 91; Ein äußerlich Zerſtreuen, | das in ſich ſelbſt zerſchellt, | fordert innerlich E. 6, 53; Die erneuete Menſchheit. V. 3, 42; Uns zu e., kehrſt du vom Himmel. 71 ꝛc. Dazu Zſſtzg. des Partic., z. B.: Entflammten matte Blicke, | halb ſcham-, halb muth-erneut [von Scham ꝛc. erneut, angefriſcht]. Tieck Cymb. 5, 3 ꝛc. — 2) refl., ganz dem tr. entſprechend: a) (ſ. 1a) Hat der Tag ſich kaum erneuet. G. 6, 36; Da mag der blutige Kampf ſich e. Sch. 491a ꝛc. — b) (ſ. a u. 1b) Wenn ſich im Windeshauch der Wellen Spiel erneut ꝛc. — c) (ſ. d u. 1c) Wie wenn Scharen der Bienen daherziehn, dichtes Gewimmels, | aus dem gehöhleten Fels in beſtändigem Schwarm ſich e–d. V. Jl. 2, 88, immer neue; Cyknus erneut ſich zum Schwan. Ov. 1, 96, wird ein neuer, bis dahin unbekannter Vogel ꝛc. — d) (ſ. 1d) Meine Herrlichkeit erneuete ſich immer an mir. Hiob 29, 20; Daß ſich die Seele .. friſch erneue, | geht ſie nach Hauſe in des Schlummers Stunden. WHumboldt Son. 210; Uns verlieh ſie das Mark und die Fülle, | die ſich immer e–d erſchafft. Sch. 491b; Da es [das alte Märchen, die Erinnrung daran] jetzt in ihm gar lebhaft ſich erneuet. W. 20, 150 ꝛc. — 3) dazu: a) Lebensodem zur Erneuung | weht gewiß auch über mich. B. 11b; In des Frühlings junger Erneuung. V. Od. 19, 519 ꝛc. — b) Dir, des Heils allſegnendem Erneuer. Matthiſſon; Der Jüngling wird dem Greis der Jugendkraft Erneuer. Rückert Roſt. 46a. — c) Dazu ward meinem Leib die Jugendkraft erneut, | doch unerneubar nun brach ſie mit dir mir heut. 112b ꝛc. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Ver-:</comp> <sense n="1)">1) <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>dem heute üblichern er-n., ſ. d., worauf ſich die Hinweiſe in ( ) beziehn, z. B.: Du verneueſt (1d) die Geſtalt der Erden.</title></bibl> <bibl><author>Pſ.</author> <biblScope>104, 30</biblScope> <title>[,verjüngſt“</title></bibl> <bibl><author>Mendelsſohn];</author>  <title>Die verwüſteten Städte v. (1d).</title></bibl> <bibl><author>Jeſ.</author> <biblScope>61, 4;</biblScope> <title>Verneue (1d) unſere Tage wie vor Alters.</title></bibl> <bibl><author>Klag.</author> <biblScope>5, 21;</biblScope></bibl> <bibl><author>Weish.</author> <biblScope>7, 27;</biblScope> <title>Den Bund v. (1b).</title></bibl> <bibl><biblScope>1.</biblScope></bibl> <bibl><author>Macc.</author> <biblScope>12, 1; 3;</biblScope> <title>Die Bruderſchaft und Freundſchaft zwiſchen uns zu v. (1b) und zu beſtätigen.</title></bibl> <bibl><biblScope>10;</biblScope> <title>Wie mancher Schauplatz wird dein Trauerſpiel e.</title></bibl> <bibl><biblScope>(1b,</biblScope> <title>wiederholen).</title></bibl> <bibl><author>Günther</author> <biblScope>1042;</biblScope> <title>Die Narren .., | die Zunft, die ſich immer verneut</title></bibl> <bibl><biblScope>(2d,</biblScope> <title>nie ausſtirbt).</title></bibl> <bibl><author>Hagedorn</author> <biblScope>2, 247;</biblScope> <title>Da bei euch . . | ſich die lebhafte Spur, ſo oft ihr wünſcht, erneut (2d).</title></bibl> <bibl><author>Haller</author> <biblScope>147;</biblScope> <title>Die Todten erſtehn | unverweslich und wir ſind verneut (1d).</title></bibl> <bibl><author>H.</author> <biblScope>16, 274;</biblScope> <title>Gram wird | durch die Klage verneut</title></bibl> <bibl><biblScope>(1a</biblScope> <title>u. d).</title></bibl> <bibl><author>Kl.</author>  <title>Od.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 214;</biblScope> <title>Mache die Erde bald neu, die du zu v. (1d) beſchloſſeſt. M.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 58;</biblScope> <title>Und wenn er</title></bibl> <bibl><biblScope>100000mal</biblScope> <title>durch neuen Vorſatz und Buße .. ſeine Mönchtaufe verneuete (1b).</title></bibl> <bibl><author>Luther</author> <biblScope>6, 27a;</biblScope> <title>Gar verneuet (1d) zu ewiger Klarheit und Herrlichkeit.</title></bibl> <bibl><biblScope>267b;</biblScope> <title>Wird .. das Gelübde verneuet (1b). SW.</title></bibl> <bibl><biblScope>60, 302;</biblScope> <title>Mit verneuten (1d) und gereinigten Herzen.</title></bibl> <bibl><author>Matheſius</author>  <title>Prof.</title></bibl> <bibl><biblScope>159;</biblScope> <title>Seine Güt und Treu verneu ſich (2b) alle Morgen.</title></bibl> <bibl><author>Mühlpforth</author>  <title>Leich.</title></bibl> <bibl><biblScope>200; 2, 19;</biblScope> <title>Nicht mit mehrern Worten ſeine Wunder zu v.</title></bibl> <bibl><biblScope>[1a]</biblScope> <title>und Salz darein zu ſtreuen.</title></bibl> <bibl><author>Olearius</author>  <title>Roſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>14a;</biblScope> <title>Hilf, daß wir uns .. mit dir durch dich v. (2d).</title></bibl> <bibl><author>Opitz</author> <biblScope>1, 18;</biblScope> <title>Mit verneutem (1d) Blicke.</title></bibl> <bibl><author>Pfeffel</author>  <title>Po.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 4; 101;</biblScope> <title>Im großen Plan, | der uns v. (1d) ſoll.</title></bibl> <bibl><biblScope>156;</biblScope> <title>Die Rede .. | verneu</title></bibl> <bibl><biblScope>(1a, d)</biblScope> <title>in ihrer Bruſt die oft gezeigte Gluth.</title></bibl> <bibl><author>IESchlegel</author> <biblScope>1, 265; 280;</biblScope> <title>Qual und Klagen | um den Vater ſtets v. (1b).</title></bibl> <bibl><biblScope>459;</biblScope> <title>Der höret | mich oft von alter Zeit, | .. wer Dies und Das verneut (1d).</title></bibl> <bibl><author>V.</author> <biblScope>3, 189;</biblScope> <title>Wenn ſie gleich werden alt und ſchwach, | ſoll’n ſie ſich doch v. (2d).</title></bibl> <bibl><author>Waldis</author>  <title>Pſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>92, 6;</biblScope> <title>Kömmt unſres Königes verneutes (1a) Sonnenlicht?</title></bibl> <bibl><author>Weichmann</author> <biblScope>1, 31; 2, 128 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="2)">2) neuern (ſ. d.), moderniſieren und nam.: durch Moderniſierung verderben: Wenn Dieſer die Bibel .. <bibl><author>Sanders,</author>  <title>deutſches Wörterb.</title></bibl> <bibl><biblScope>II.</biblScope> <title>Wort vor Wort bis auf den heutigen Tag für geltend annahm .., ſo fühlte Jener den unruhigſten Kitzel, Alles zu v. und . . nach eignen einmal gefaßten Grillen umzumodeln.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>22, 208;</biblScope> <title>Jedes Liedchen, jede Zeile ſollte, ſo viel möglich, in ihrem Duft, in ihre Farbe ſein, Nichts verſchönert, verneut, verſchmäckelt.</title></bibl> <bibl><author>H.</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>7, 74;</biblScope> <title>In den durch die Über- arbeitung vielfach verneuten Liedern die alten urſprünglichen Lesarten wieder er-n. ꝛc.</title></bibl> —</sense><sense n="3)">3) dazu, nam. zu <bibl><biblScope>1:</biblScope></bibl> <sense n="a)">a) Du kommſt, ſüße Verneuerin, <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>ach Erinnerung der Zeit, die floh.</title></bibl> <bibl><author>Kl.</author>  <title>Od.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 224 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="b)">b) Der Sohn Gottes <bibl><biblScope>..</biblScope> <title>fähet [fängt] in uns an den neuen Gehorſam .. Solcher angefangener Gehorſam, verneuter Wille . . . Die angefangene Verneuung.</title></bibl> <bibl><author>Matheſius</author>  <title>Rechtf.</title></bibl> <bibl><biblScope>7 ꝛc.;</biblScope> <title>aber auch zu</title></bibl> <bibl><biblScope>2:</biblScope> <title>Nichts iſt ſchwerer bei dergleichen Verneuungen, als die rechte Grenze zu treffen, wo das Alte beizubehalten und wo es zu verändern ſei.</title></bibl> <bibl><author>Hagen</author>  <title>Nor.</title></bibl> <bibl><biblScope>V.</biblScope></bibl></sense></sense></entry>
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