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        <title>Artikel „Muster“</title>
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            <surname>Sanders</surname>
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            <surname>Göttel</surname>
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            <surname>Wiegand</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Muster“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="Muster" orig="Múſter">Múſter</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="noun">n.,</pos><gen norm="neuter"/> –s; uv.; –chen, lein, Müſterchen, lein; -:</gramGrp>
        </form>
        <sense>1) (vralt.) die Art und Weiſe, wie Etwas ſich zeigt oder ausſieht, das äußre Anſehn: Es wird All’s auf die Eil bereit, <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>daß es allein ein M. hab.</title></bibl> <bibl><author>Brant</author>  <title>Narr.</title></bibl> <bibl><biblScope>48, 29,</biblScope> <title>ſ. muſterlich.</title></bibl> — 2) bei Webereien, Stickereien, Zeugſtoffen, Teppichen, Tapeten ꝛc. die in regelmäßiger Reihenfolge wiederkehrenden, von dem Grunde ſich abhebenden Figuren, ſeien ſie nun eingewebt, geſtickt ꝛc. oder aufgedruckt (vgl. Deſſin und muſtern 1), z. B.: Princip der Damaſtweberei, wo das nach Vorſchrift abwechſelnde M. darzuſtellen, die Fäden auf eine eigene Weiſe übers Kreuz gerichtet ſind. <bibl><author>G.</author> <biblScope>37, 359;</biblScope> <title>Ließ ich durch eine geſchickte Nähterin, erſt ein</title></bibl> Damenbrett-M. <bibl><biblScope>..</biblScope> <title>mit den zarteſten Fäden ſticken.</title></bibl> <bibl><biblScope>360;</biblScope> <title>Die Vorzeichnung zu einem in der Weberei auszuführenden M. wird auf Papier entworfen.</title></bibl> <bibl><author>Karmarſch</author> <biblScope>3, 591,</biblScope> <title>ſo beim Kattundruck, ſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 354 ff.;</biblScope> <title>beim Bedrucken der Papiertapeten,</title></bibl> <bibl><biblScope>827;</biblScope> <title>Man hat dieſelben M. in ſeidenen, wollnen und baumwollenen Stoffen; Groß-, kleingeblümte, reiche M. ꝛc.;</title></bibl> Palmen-M. (palmenähnliches) ꝛc.; Kattun-, Shawl-, Weſten-M. (vrſch. 4) ꝛc. — 3) die Zeichnung, wovon das M. (2) das Abbild iſt, — ſo die Vorzeichnung, wonach man ſich beim Weben, Sticken, Stricken ꝛc. von M–n (2) richtet (Webe-, Stick-, Strick-, Klöppel-, Kanten-, Spitzen-M. ꝛc.), ferner bei abzudruckenden M–n (2) die in die Walze, Platte ꝛc. eingravierte, eingeſchnittne Zeichnung, z. B.: Drei hölzerne Druckmodel .. mit erhaben geſchnittenen oder gegoſſenen Metall-M–n. <bibl><author>Karmarſch</author> <biblScope>2, 357 ꝛc.</biblScope></bibl> — 4) (ſ. <bibl><biblScope>3</biblScope> <title>und 6) nam. bei Kleidungsſtücken, Etwas, wonach ſie in beſt. Form (Facon) und Größe geſchnitten werden: Das aus Papier geſchnittne M.</title></bibl> (Papier- M.) wird glatt auf das Zeug gelegt und dies danach genau geſchnitten; M. zu — einer Haube, einem Hemde, einer Jacke, einem Kittel, einer Weſte ꝛc.; Hauben-, Hemden-, Jacken-, Kittel-, Weſten-M. (vrſch. 2). — 5) (ſ. <bibl><biblScope>3</biblScope> <title>und 6) übrh.: Das, wonach man ſich bei etwas zu Fertigendem richtet, z. B.: Künſtler, | bei dem er, nach dem M. ſeines Ringes, | zwei andere beſtellt. .. Da er ihm die Ringe bringt, | kann ſelbſt der Vater ſeinen M.-Ring | nicht unterſcheiden.</title></bibl> <bibl><author>L.</author>  <title>Nath.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 7 ꝛc.,</biblScope> <title>ſo (vralt.) auch für Modell, z. B. von Gebäuden, ſ.</title></bibl> <bibl><author>Heſ.</author> <biblScope>43, 10 ff.;</biblScope> <title>Er hieß ſeinem fürgenommenen Bau ein M. und Viſierung machen.</title></bibl> <bibl><author>Stumpf</author> <biblScope>379a ꝛc.</biblScope></bibl> — 6) (ſ. 3) verallgemeinert u. übrtr.: etwas in ſeiner Art Vollkommenes, wonach man ſich zu richten hat oder dem man nachſtrebt ꝛc., vgl. Beiſpiel, Vorbild, Ideal und muſterhaft ꝛc.: Sich ein M. an Etwas oder an Einem nehmen; Ein unerreichbares, ein unnachahmliches M.; Er ſtudierte die Engländer fleißig, Pope war, wo nicht ſein M., doch ſein Augenmerk. <bibl><author>G.</author> <biblScope>21, 63;</biblScope> <title>Italien auch hierin M. und Vorgängerin.</title></bibl> <bibl><biblScope>31, 309;</biblScope> <title>Er hinterließ der Folgezeit | zwar M., aber nicht Geſetze.</title></bibl> <bibl><author>Hagedorn</author> <biblScope>1, 209;</biblScope> <title>Die Leiterin der Affenſchar, | die, an Erfindung unfruchtbar, | auf jedes M. fällt.</title></bibl> <bibl><author>Nicolai</author> <biblScope>1, 170;</biblScope> <title>Drum leuchten ſie [die Griechen] als M. voran, als göttliche Regel der Schönheit.</title></bibl> <bibl><author>Platen</author> <biblScope>4, 247;</biblScope> <title>Nicht M. zwar darf uns der Franke werden, | aus ſeiner Kunſt ſpricht kein lebend’ger Geiſt.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>100a;</biblScope> <title>„Meine Mütter waren M. der Genueſerinnen.“ .. Deine Tochter iſt ein M. im Lande.</title></bibl> <bibl><biblScope>151a;</biblScope> <title>(Buttler): „Nicht ohne Folgen ſoll | das</title></bibl> Beiſpiel bleiben, denk’ ich, das ich gebe.“ <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>Wem iſt nicht bekannt, daß Oberſt Buttler | dem ganzen Heer voran als M. leuchtet.</title></bibl> <bibl><biblScope>352a;</biblScope></bibl> <bibl><author>V.</author>  <title>H.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 373;</biblScope> <title>Auf</title></bibl> Beiſpiele, die keine M. ſein dürfen, ſich ſteifend. <bibl><author>W.</author> <biblScope>33, 362 ꝛc.;</biblScope> <title>Sie iſt das M. einer guten Hausfrau oder ein M. von einer guten Hausfrau, U. iron. z. B.: Ein M. von einem alten, häßlichen, keifiſchen Weibe.</title></bibl> <bibl><author>Seume</author>  <title>Sp.</title></bibl> <bibl><biblScope>21 ꝛc.</biblScope> <title>Zſſtzg. z. B.: Er beginnt, wie Leſſing, mit Zertrümmerung der franzöſiſchen</title></bibl> After-M. <bibl><author>Dingelſtedt</author> <biblScope>211,</biblScope> <title>die fälſchlich als M. gelten ꝛc.</title></bibl> — 7) ein kleines Stück von Etwas (eig. und zunächſt von Waaren), inſofern es als Probe fürs Ganze in Bezug nam. auf das Ausſehn dient (ſ. <bibl><biblScope>1; 2</biblScope> <title>und vgl. M.-Karte, -Reiter, Müſterler ꝛc.), vgl. Probe, allgemeiner in Bezug auf die Qualität (Güte), z. B.: Getreide, Mehl, Wein, Zucker, Kaffe, Leder, Eiſen ꝛc. kauft man wohl nach einer Probe, aber nicht nach einem M., wie Kleiderſtoffe, Tücher, Tuche, Tapeten ꝛc.; Eine Dame bittet ſich von einem Kaufmann</title></bibl> Zeug-M. aus, um ſich z. B. das für ſie Kleidſamſte danach auszuſuchen, dagegen Zeugproben, an denen ſie z. B. ſehen will, wie ſich die Zeuge in der Wäſche halten; Der mir überſandte Kattun entſpricht freilich dem M., aber nicht der Feinheit der Probe, wonach ich ihn bei Ihrem Reiſenden beſtellt; Schnitt von verſchiednen Zeugen kleine M–chen ab. <bibl><author>Hackländer</author>  <title>Hdl.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 29 ꝛc.</biblScope> <title>Doch berührt ſich M. oft ſehr nahe mit Probe und ſteht</title></bibl> — nam. ſüdd. — oft übrtr. dafür, beſ. vrkl.: Das iſt aus demſelben nur ein unſchuldig Müſterchen. <bibl><author>Gotthelf</author>  <title>Sch.</title></bibl> <bibl><biblScope>109;</biblScope> <title>Der geneigte Leſer wird an dieſem Müſterlein genug haben.</title></bibl> <bibl><author>Hebel</author> <biblScope>3, 324;</biblScope> <title>Der Kloſterſtand, wovon Pythagoras | den blinden Heiden ſchon ein Müſterlein gegeben.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>10, 141;</biblScope> <title>Um ihnen von ſeiner Macht | ein kleines M. zu weiſen.</title></bibl> <bibl><author>Derſ.</author>  <title>ꝛc.</title></bibl> — Zſſtzg. z. B.: Faden-M. (oder richtiger -Probe), Probe von dem Faden eines Gewebes; Von der Wiegkammer erhält der Färber die Stoffe zugleich mit den Farben-M–n [vgl. <bibl><biblScope>5,</biblScope> <title>gefärbte Seide, wie er ſie abzuliefern hat].</title></bibl> <bibl><author>Hackländer</author>  <title>Hdl.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 127,</biblScope></bibl> — auch in den Blaufarbenwerken, Proben von Kobalt auf blaue Farbe zur Beurtheilung der Qualität ꝛc.; Sich durch Mittheilung vieler ſchön getrockneter Pflanzen-M. kein geringes Verdienſt um die Wiſſenſchaft erworben. <bibl><author>G.</author> <biblScope>26, 303;</biblScope></bibl> Probe-M. (auch 5) u. ä. m. — 7) (ſ. 2) Gärtn.: Figuren, die durch Stellung von Bäumen oder Blumen gebildet werden.</sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Aus lat. <bibl><biblScope>monstrare</biblScope> <title>(zeigen), it.</title></bibl> <bibl><biblScope>mostra, f.;</biblScope> <title>und ſo auch mundartl.: „Die M.</title></bibl> <bibl><biblScope>=</biblScope></bibl> <sense n="1)">1) das M. —</sense><sense n="2)">2) Muſterung (Heerſchau). <bibl><author>Schm.“,</author>  <title>andrerſeits nam. niederd. mit „n“:</title></bibl> Munſter; <bibl><author>Brem.</author></bibl> <bibl><author>Wörterb.</author>  <title>und</title></bibl> <bibl><author>V.</author>  <title>Sh.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 184</biblScope> <title>mit Anm.</title></bibl> <bibl><biblScope>520,</biblScope> <title>vgl.</title></bibl> munſtern, <bibl><author>Weidner</author> <biblScope>239;</biblScope> <title>Bei einer Muſterung. . . In letztvergangner</title></bibl> Munſterung. <bibl><author>Zinkgräf</author> <biblScope>2, 61;</biblScope></bibl> <bibl><author>Leibnitz</author></bibl> <bibl><author>(Wackernagel</author> <biblScope>3, 1, 1014</biblScope> <title>Z. 5);</title></bibl> Munſterſchreiber. <bibl><author>Jverſen</author> <biblScope>141b ꝛc.</biblScope> <title>Theilweiſe wenigſtens ſich berührend mit munter, ſ. das Ew. unmuſtern und das Zeitw. aufmuſtern</title></bibl> <bibl><biblScope>2.</biblScope> <title>Als Bſtw. in unzähligen Zſſtzg., vgl.</title></bibl> <bibl><biblScope>5:</biblScope> <title>M.-Ring ꝛc., viele mehrdeutig, z. B. M.-Buch, ein Buch, worin M. gezeichnet ſind</title></bibl> — oder: das als M. dienen kann; Allgemeine M.-Zeitung: M. für weibl. Handarbeiten enthaltend, aber auch: eine Zeitung, die für andere als M. gelten kann; M.-Zeichner, -Zeichnung ꝛc. — Schwzr. auch: Dirne von zweideutigem Lebenswandel; Müſterli, auch als Koſewort.</sense></p>
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