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      <titleStmt>
        <title>Artikel „leugnen“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
            <forename>Daniel</forename>
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        </author>
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            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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        </editor>
        <editor>
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            <surname>Wiegand</surname>
            <forename>Frank</forename>
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          <email>edition-sanders@bbaw.de</email>
          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="en">Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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             <addrLine>Jägerstr. 22/23, 10117 Berlin</addrLine>
             <country>Germany</country>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „leugnen“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="leugnen" orig="Lēūgnen">Lēūgnen</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="verb">tr.:</pos><subc norm="transitive"/></gramGrp>
        </form>
        <sense>ſagen, daß etwas von Einem Behauptetes oder etwa zu Behauptendes nicht Statt habe, nicht wahr ſei, es in Abrede ſtellen, vgl. verneinen: Etwas Begangenes l.; Das Daſein Gottes oder Gott l.; Das iſt nicht zu l.; läßt ſich nicht l.; Es iſt nicht zu l., daß ꝛc., zuw. mit nachfolgendem pleonaſt. ,,nicht“, z. B.: Es iſt nicht zu l., daß dies nicht ſehr oft der Fall iſt. <bibl><author>Lavater</author></bibl> <bibl><author>(Sturz</author> <biblScope>2, 299);</biblScope> <title>Indeſſen begehre ich ebenſowenig zu l., daß unſere Ruhe .. nicht vielleicht eine bloße Täuſchung ſei.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>22, 350 ꝛc.;</biblScope> <title>Da leugnete Sara und ſprach: Ich habe nicht gelacht.</title></bibl> <bibl><biblScope>1.</biblScope></bibl> <bibl><author>Moſ.</author> <biblScope>18, 15;</biblScope> <title>Der da leugnet, daß Jeſus der Chriſt ſei, Das iſt der Widerchriſt, der den Vater und den Sohn leugnet.</title></bibl> <bibl><biblScope>1.</biblScope></bibl> <bibl><author>Joh.</author> <biblScope>2, 20 ff. ꝛc.;</biblScope> <title>„Jch verlange aber, daß ꝛc.“. Verzeihen Sie, wenn ich in Ihre eigene Seele leugne und behaupte: Sie verlangen Das keinesweges.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>30, 393;</biblScope> <title>Das Übergroße .. l., bis es hiſtoriſch wird.</title></bibl> <bibl><biblScope>39, 84;</biblScope> <title>Ob ich die Urtheilskraft in Thieren | bejahen oder l. ſoll.</title></bibl> <bibl><author>Hagedorn</author> <biblScope>2, 27;</biblScope> <title>Da Niemand darum, weil er Etwas ſich nicht zu behaupten wagt, beſchuldigt werden darf, er wolle es gar l.</title></bibl> <bibl><author>Kant</author>  <title>Kr. d. r. Vern.</title></bibl> <bibl><biblScope>661;</biblScope> <title>Sie l., Das geſagt zu haben ꝛc. Auch</title></bibl> <bibl><biblScope>refl.</biblScope> <title>ſ. heraus-l.</title></bibl> — Veralt. auch mit Genit. ſtatt Obj., ſ. <bibl><author>Schm.,</author>  <title>ferner ſtatt ver-l. (ſ. d.), z. B.: Er [Gott] kann ſich ſelbſt nicht l.</title></bibl> <bibl><biblScope>2.</biblScope></bibl> <bibl><author>Tim.</author> <biblScope>2, 13.</biblScope></bibl> — Dazu: <sense n="a)">a) Leugner(in), l–de Perſ., nam. Zſſtzg.: Gottesleugner, Atheiſt. <bibl><author>L.</author> <biblScope>10, 11 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="b)">b) Leugnung, das L., gew. nur von Zſſtzg. (ſ. d.) und Gottesleugnung, Atheismus.</sense></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Goth. <bibl><biblScope>laugnjan,</biblScope> <title>ahd.</title></bibl> <bibl><biblScope>loukanjan, lougnan,</biblScope> <title>mhd.</title></bibl> <bibl><biblScope>lougen;</biblScope> <title>vralt. und mundartl.</title></bibl> laug(n)en, ſ. <bibl><author>Schm.</author>  <title>und z. B.: Das Wort Gotts man ſie</title></bibl> „leucken“ hieß. <bibl><author>Luther</author> <biblScope>8, 370b;</biblScope> <title>Der.. ſich ſelber verleugt.</title></bibl> <bibl><author>Schottel</author> <biblScope>904 ꝛc.</biblScope> <title>Der Form ohne Uml. entſpricht die nicht ſeltne Schreibw.</title></bibl> läugnen und der ohne „n“: unleugbar.</p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. z. B.: Áb-: etwas von Einem Behauptetes oder doch in Bezug zu ihm Stehendes leugnen und ſomit abweiſen, es fort-, weg-, hinweg-l.: Etwas Einem zur Laſt Gelegtes a.; Auch ließ ſich die Kunde davon nicht gut a. Fichte 8, 45; Zweifelſucht, Unglaube und ſtarres, hochmüthiges A. G. 39, 114; So n Volk! | im Finſtern leiden ſie’s [die Mädchen das Koſen] und, wenn es Tag wird, | ſo leugnen ſie’s vor ihrem Richter ab. HvKleiſt Kr. 91; Er leugnet es gradezu ab, daß ich ihm das Geld geliehn habe, — leugnet es ab, Geld von mir erhalten zu haben, — leugnet die Schuld ab ꝛc.; mit (perſ.) Dat., z. B.: Sah ich es denn nicht (o ja, du kannſt es meinem ſcharfen Auge [gegenüber] nicht a., daß ꝛc. Tieck A. 1, 56, und nam.: Einem Etwas leugnend abſprechen oder abſtreiten: Sie leugnen den Neuern die Erfindung des Syſtems ab. Engel 1, 105; Dem Verfaſſer [möchte man] eine Annäherung an das Rechte nicht a. G. 39, 171; Wie er ihnen ihre Talente nicht ableugnete. Riemer G. 1, 340; Das hieße, Göttern die Vernunft a. Sch. 229a; Alles Gute wird ihm abgeleugnet. Zimmermann Einſ. 33 ꝛc. — Zuw. ſich dem ver-l. (ſ. d.) nähernd, z. B.: Einem Gelehrten von Profeſſion traue ich zu, daß er ſeine 5 Sinne [das damit Wahrgenommene] ableugnet. G. Merck 1, 445; Der Vater, der mich ganz ableugnete, | als hätt’ er niemals mich gekannt. Rückert Morg. 2, 36; Mein Geiſt kann ſich nicht ſelbſt a. Zſchokke 1, 95. — Dazu: Dem Ableugner der Lehrlingſchaft. V. Ant. 2, 30, der es ableugnet, Lehrling geweſen zu ſein; Die Ableugnung der Schuld, des Verbrechens ꝛc. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Fórt-:</comp> weg-l. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Herāūs-:</comp> refl.: ſich durch Leugnen her- aushelfen: Gaudieb, der ſich nun aus der Halsſchlinge h. wollte. Muſäus M. 2, 36; ähnl.: Sich hindurch-l. — Hinwég-, weg-l.: Des Fürſten eiſernes Walten war nicht hinwegzuleugnen. Gutzkow R. 9, 156; Platen 4, 108; Was ihren Sinnen zu fein iſt, trocken h. V. Georg. XIII. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Über-:</comp> veralt. ſt. überlügen (ſ. d.), mit Lügen überbieten oder übertreffen: Da immer Einer den Andern überleugnet und überheuchelt, bis er ihn herunter und ſich emporbringet. Luther SW. 64, 109. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Ver-:</comp> <sense n="1)">1) durch Wort oder That wiſſentlich das Seinde als nicht ſeind, das Beſtehnde als nicht beſtehend erſcheinen laſſen: Zum Leugnen und Ab-l. gehört immer ausdrückliches Ausſprechen, daß Etwas nicht iſt; ver-l. kann man auch durch Schweigen, durch eine Handlung ꝛc.: auch der Wahrheitsliebende wird Manches leugnen, d. h. ſagen, daß es nicht iſt, weil er nämlich davon überzeugt iſt; wer aber Etwas verleugnet, Der weiß, daß es iſt und ſpricht oder handelt doch ſo, als ob es nicht wäre, z.B.: Tycho de Brahe leugnete, daß die Sonne der Mittelpunkt des Planetenſyſtems ſei; Galileī muste das kopernikaniſche Syſtem ver-l.; Atheismus iſt Gottesleugnung, ihn mit <bibl><author>Kant</author>  <title>(phR. 28)</title></bibl> Gottesverleugnung nennen, hieße jeden Atheiſten zu einem Menſchen ſtempeln, der gegen beßre Überzeugung das Daſein Gottes leugnet ꝛc.; Farbe verl. im Kartenſpiel, nicht bedienen (ſ. d. 1d), obgleich man es könnte, mit dem mundartl. Ggſtz.: zu-l. [Farbe zugeben, bedienen]. <bibl><author>Schm.;</author>  <title>Ein Diener verleugnet die Anweſenheit des Herrn oder den Herrn, ſagt, obgleich er es anders weiß, daß der Herr nicht anweſend ſei; Der Herr läſſt ſich verl.; Petrus verleugnete Chriſtum, that, als ober ihn nicht kennte; Einen verl., ihn, den man kennt, nicht kennen, Nichts von ihm wiſſen wollen; veralt. auch mit Genit.: Ein Sohn wollte ſeinen Vater nicht mehr als vor einen Vater erkennen noch halten, verlaugnete ſeiner ganz und gar.</title></bibl> <bibl><author>Hammer</author>  <title>RH.</title></bibl> <bibl><biblScope>291;</biblScope> <title>Gott verl., entw. in Worten,</title></bibl> — oder: in Handlungen, die gegen den wohlbekannten Willen Gottes verſtoßen, ſich als Nichtbekenner Gottes zeigen: Sie ſagen, ſie erkennen Gott; aber mit den Werken verl. ſie es. <bibl><author>Tit.</author> <biblScope>1, 16;</biblScope> <title>Die da haben den Schein eines gottſeligen Weſens, aber ſeine Kraft verl. ſie.</title></bibl> <bibl><biblScope>2.</biblScope></bibl> <bibl><author>Tim.</author> <biblScope>3, 5;</biblScope> <title>Den Glauben verl.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 5, 8;</biblScope> <title>Die Wahrheit verl.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>11, 24;</biblScope></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>286b ꝛc.;</biblScope> <title>Dann verleugneſt du die Liebe, wie Petrus den Herrn, der erſten Baſenfrage.</title></bibl> <bibl><author>Immermann</author>  <title>M.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 56;</biblScope> <title>Nicht das Vaterland und nicht der Väter | Glauben möcht’ ich und Geſetz verl.</title></bibl> <bibl><author>Platen</author> <biblScope>4, 283 ꝛc.,</biblScope> <title>veralt. (ſ. o.) mit Genit.: Ehe ſie, wider Chriſtum, beider Geſtalt [des Abendmals] verl. [ſtatt ſich dazu zu bekennen].</title></bibl> <bibl><author>Luther</author> <biblScope>6, 7a ꝛc.;</biblScope> <title>Etwas Anvertrautes</title></bibl> <bibl><biblScope>(3.</biblScope></bibl> <bibl><author>Moſ.</author> <biblScope>5, 21),</biblScope> <title>etwas Genommenes</title></bibl> <bibl><author>(Joh.</author> <biblScope>7, 21)</biblScope> <title>verl., ſagen, daß man Jenes nicht empfangen, Dies nicht genommen habe ꝛc. Auch (ſ. o.): Das ungöttliche Weſen verl.</title></bibl> <bibl><author>Tit</author> <biblScope>2, 12,</biblScope> <title>ſich davon frei, los machen, durch die That zeigen, daß man nicht zu deſſen Bekennern oder den davon Beherrſchten gehört; Sich ſelbſt verl.</title></bibl> <bibl><author>Matth.</author> <biblScope>16, 24,</biblScope> <title>ſich dem in Einem herrſchenden Triebe und Weſen entziehn und davon frei machen, ſo auch: Den Egoismus verl., ſelbſtlos handeln; Ein Geiziger verleugnet den Geiz oder ſich, wenn er den Geiz bezwingt, und</title></bibl> <bibl><biblScope>refl.:</biblScope> <title>Sein Geiz verleugnete ſich in dieſem Falle ganz, war durchaus nicht wahrzunehmen, war überwunden; auch: Die Natur verleugnet ſich nicht; Er kann ſeine Natur doch nicht ganz verl.; Sein Muth verleugnete ſich in der Gefahr nicht ꝛc.; Er kann ſeinen Vater nicht verl., iſt ihm ſehr ähnlich ꝛc.</title></bibl> — Dazu: Der Richter fuhr den hartnäckigen Verleugner heftig an. <bibl><author>Immermann</author>  <title>M.</title></bibl> <bibl><biblScope>4, 234;</biblScope> <title>Der Verleugner ſeines Glaubens, ſeiner ſelbſt ꝛc.; ferner: Die</title></bibl> Verleugnung des Glaubens, der Religion, des Geizes, des eignen Selbſt ꝛc.; Je härter die Verſagungen und Selbſtverleugnungen, je grauſamer die Büßungen ſind. <bibl><author>Fichte</author> <biblScope>6, 251;</biblScope> <title>Edle Selbſtverleugnung.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>29, 376; 39, 71;</biblScope> <title>Die Selbſtverleugnung ſinne | du höhern Weſen an, dem Menſchen nicht.</title></bibl> <bibl><author>Raupach</author>  <title>Iſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>46 ꝛc.;</biblScope></bibl> Gottesverleugnung (ſ. o.).</sense></entry>
        </p>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Veralt. iſt das adjekt. Part. mit akt. Sinn: Die verleugneſten abtrünnigſten Chriſten. <bibl><author>Luther</author> <biblScope>6, 25a; 6, 108a ꝛc.,</biblScope> <title>die den Glauben verleugnet haben.</title></bibl> Wég-: als nicht vorhanden leugnen; ab-, fort-l.: Läſſt ſich auch nicht w., daß ꝛc. <bibl><author>Cham.</author> <biblScope>5, 288;</biblScope> <title>Als ob Alles möglich ſein müßte, was man ſonſt rund wegleugnet und für unmöglich hält.</title></bibl> <bibl><author>Forſter</author>  <title>Br.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 311;</biblScope> <title>Die Wunder aus der chriſtlichen Religion w.</title></bibl> <bibl><author>Gervinus</author>  <title>Lit.</title></bibl> <bibl><biblScope>5, 161;</biblScope> <title>Sie vermochte es nicht wegzuleugnen, daß ꝛc.</title></bibl> <bibl><author>Lewald</author>  <title>W.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 108;</biblScope> <title>Die Hypotheſe ſelbſt iſt es, was wir ihm geradezu w.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>29, 176; 31, 397; 20, 86 ꝛc.</biblScope></bibl> — <comp>Zū-:</comp> ſ. ver-l.</p>
        </note>
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