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        <title>Artikel „Leiter“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
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            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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        <editor>
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            <surname>Wiegand</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Leiter“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <lbl>II.</lbl>
        <form type="lemma">
          <orth expand="Leiter" orig="Lēīter">Lēīter</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="noun">f.;</pos><gen norm="feminine"/> –n; –chen, lein; -:</gramGrp>
        </form>
        <sense>1) ein tranſportables Werkzeug, daran auf und nieder zu ſteigen, beſtehnd aus einer Anzahl gleichlanger Sproſſen, die in angemeßner Entfernung zwiſchen zwei parallelen Seitentheilen (Stangen, Bäumen) angebracht ſind, vgl. Fahrt <bibl><biblScope>2b,</biblScope> <title>Steige, Stiege, Treppe:</title></bibl> <sense n="a)">a) eig.: Eine L. an die Mauer legen, anlegen, beſteigen, hinaufſteigen; Den Wall mit L–n erſteigen; Ein L–chen für den Laubfroſch im Glaſe; Eine L. ſtund auf Erden, die rührt mit der Spitzen an den Himmel, und ſiehe, die Engel Gottes ſtiegen daran auf und nieder. <bibl><biblScope>1.</biblScope></bibl> <bibl><author>Moſ.</author> <biblScope>28, 12,</biblScope> <title>ſ. Himmels-L.; Welche L–n und Wagen trugen und den Sturm anfingen.</title></bibl> <bibl><biblScope>1.</biblScope></bibl> <bibl><author>Macc.</author> <biblScope>5, 20;</biblScope></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>240b;</biblScope> <title>Des Kloſtergartens Mauern waren leicht | auf hoher L. Sproſſen überſtiegen.</title></bibl> <bibl><biblScope>503a;</biblScope> <title>Jch war auch nur drei Schritt von der Sakerments-L. [des Galgens], auf der ich in den Schoß Abraham’s ſteigen ſollte.</title></bibl> <bibl><biblScope>120a;</biblScope> <title>Als nun der Nachrichter den Verurtheilten über die L–en abſtieß.</title></bibl> <bibl><author>Stumpf</author> <biblScope>708b ꝛc.,</biblScope> <title>auch (ſ. Strick-L.): Seidne L.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>11, 284 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="b)">b) oft bildl. und übertr., z. B.: Sich eine L. auf den Parnaß aus griechiſchen und römiſchen Wortformen zuſammenzimmern. <bibl><author>G.</author> <biblScope>21, 107;</biblScope> <title>Die regelmäßige Metamorphoſe .., welche durch Umwandlung einer Geſtalt in die andere, gleichſam auf einer geiſtigen L., zu jenem Gipfel der Natur .. hinaufſteigt.</title></bibl> <bibl><biblScope>36, 18;</biblScope> <title>Die Sproſſen auf der L. der Gedanken, die er langſam zu erklimmen verſuchte, brachen nicht.</title></bibl> <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>5, 25;</biblScope> <title>Eine Stufe höher oder tiefer auf der L. der Empfindungen.</title></bibl> <bibl><author>WHumboldt</author> <biblScope>3, 13;</biblScope> <title>Er ſteigt die ganze L. [der Leidenſchaft] von Sproſſe zu Sproſſe hinauf oder hinab, ohne irgendwo den geringſten Sprung zu thun.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>7, 121;</biblScope> <title>Wenn er nur nicht damit eine ganze Sproſſe aus der L. ausbräche, die ein gewiſſes Publikum mit beſteigen muß, wenn es weiter kommen ſoll.</title></bibl> <bibl><biblScope>12, 522;</biblScope> <title>Die Staffeln ſind alſo dieſe: Schrecken, Mitleid, Bewunderung. Die L. aber heißt: Mitleid, und Schrecken und Bewunderung ſind Nichts als die erſten Sproſſen, der Anfang und das Ende des Mitleids.</title></bibl> <bibl><biblScope>49;</biblScope> <title>Nichts iſt zu hoch, wonach der Starke nicht | Befugnis hat, die L. anzuſetzen.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>352a;</biblScope> <title>Nur, weil ſie allein ihm den Weg zu der höchſten Gewalt bahnen konnte, hatte die Freundſchaft des Fürſten einen Reiz für ihn gehabt und leichtſinnig ließ er die L. hinter ſich fallen, ſobald ſie ihm auf die erwünſchte Höhe geholfen hatte.</title></bibl> <bibl><biblScope>714a;</biblScope> <title>Unter ſeinen Füßen die L. der Natur weggezogen.</title></bibl> <bibl><biblScope>1152b;</biblScope> <title>Die Demuth iſt der jungen Ehrſucht L.; | wer ſie hinanklimmt, kehrt den Blick ihr zu ꝛc.</title></bibl> <bibl><author>Schlegel</author>  <title>Sh.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 38;</biblScope> <title>Die Schönheit der einzelnen Geſtalten iſt .. die unterſte Stufe auf der L. zum Ziele der Liebeskunſt.</title></bibl> <bibl><author>FSchlegel</author>  <title>GrR.</title></bibl> <bibl><biblScope>267 ꝛc.,</biblScope> <title>ſ. Stufen-, Grad-, auch Ton-L., wofür ſich zuw. L. findet, z. B.: Sing einmal deine L., eine Oktave oder zwei.</title></bibl> <bibl><author>Heinſe</author>  <title>Hild.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 14* 130 ꝛc.</biblScope></bibl> — 2) Etwas von der Form der L., auch wenn es nicht zum Steigen dient, ſ. Zſſtzg., z. B.: Rumpf-, Schrot-, Wagen-L., wofür oft bloß L., ferner:</sense><sense n="a)">a) früher ein Tortur-Werkzeug, den Inquiſiten darauf zu ſpannen. —</sense><sense n="b)">b) Schiff.: feſte Schlitten am Schiff, ſ. Reibholz <bibl><biblScope>3.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="c)">c) weidm.: viereckig oder ſpieglicht geſtricktes Garn, „Spiegel“, auch: „das Geleiter, Geländer“, was aber auch zugleich die Art der Maſchen und des Strickens bez.: An den Seiten [des Treibzeugs] zum Hühnerfang] wird ein Geleiter geſtrickt. . . Dieſe Geleiter werden an Spindeln eingebunden . ., daß das Geleiter fein ſtraff wie eine Wand ſtehe. <bibl><author>Döbel</author> <biblScope>2, 184a;</biblScope> <title>Die L–n müſſen auf der Erde feſt gemacht werden. .. Wenn die Forcheln nicht recht feſte ſtehen, ſtoßen die Hühner das Ge-</title></bibl> länder um. <bibl><biblScope>186b; 175a;</biblScope></bibl> <bibl><author>Winckell</author> <biblScope>2, 312 ꝛc.;</biblScope> <title>Lauf-, Steck-L.</title></bibl> —</sense><sense n="d)">d) das dem Baum des Webſtuhls entſprechende Querholz am Poſamentierſtuhl, worauf die kleinen Rollen mit der aufgewickelten Seide geſteckt werden.</sense></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Ahd. <bibl><biblScope>hleitar, leit(e)ra,</biblScope> <title>mhd.</title></bibl> <bibl><biblScope>leiter,</biblScope> <title>vgl. Latte und Geländer (ſ. 2c). Mundartl.: Die</title></bibl> Letter. <bibl><author>Weiſe</author>  <title>Abſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>283</biblScope> <title>und</title></bibl> <bibl><author>Spate.</author></bibl></p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. vielfach, z. B.: Bāūm-: Garten-L. Fal- merayer Or. 1, 126. — Blūmen- [1b]: [Führt, Künſtler, den Geiſt] der Dichtung B. ſtill hinauf! Sch. 25b, ſ. Dornen-L. — Bibliothēks-, Bücher-: Stütz-L., wie ſie in Bibliotheken benutzt wird, um Bücher in die obern Fächer zu ſtellen oder aus denſelben zu nehmen. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Dīēbs-:</comp> <sense n="1)">1) Leiter, deren Diebe ſich bedienen: Die D. halten, zu einem Diebſtahl mittels Einbruch behilflich ſein ꝛc. —</sense><sense n="2)">2) Galgen-L. —</sense><sense n="3)">3) Zur Überſteigung der hohen Mauern hatte man keine Leitern mitgebracht. Oberſt Laudon ließ ſeine Kroaten die ſogenannte D. herſtellen (Menſchenpyramiden) und die ausgezeichnete Truppe kam glücklich in den Garten. <bibl><author>Pz</author> <biblScope>3, 174 ꝛc.</biblScope></bibl> — Dórnen- <bibl><biblScope>[1b]:</biblScope> <title>Eine lange harte D. führt am Roſenſtocke endlich über weichere Stacheln zu einigen Roſen hinauf.</title></bibl> <bibl><author>IP.</author> <biblScope>42, 127.</biblScope></bibl> — Fárben- <bibl><biblScope>[1b]:</biblScope> <title>„Farbenſkala“</title></bibl> <bibl><author>(G.</author> <biblScope>39, 421),</biblScope> <title>Stufen-L. von Farben, vgl. Ton-L.</title></bibl> — <comp>Fēūer-:</comp> bei Feuersgefahr benutzt: Man holte die längſte F. herbei. <bibl><author>Hebel</author> <biblScope>3, 360,</biblScope> <title>auch Stürm-L.</title></bibl> — <comp>Gálgen-:</comp> ſ. <bibl><biblScope>[1a]</biblScope> <title>u.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>5, 170 ff.</biblScope></bibl> — <comp>Gárten-:</comp> Stütz-L. der Gärtner. — <comp>Gêgen-:</comp> Stütz-L. <bibl><author>Spate.</author></bibl> — Grād- <bibl><biblScope>[1b]:</biblScope> <title>Skala zur Gradmeſſung an phyſikal. Inſtrumenten.</title></bibl> — <comp>Hánd-:</comp> (vrſch. I.) leicht zu handhabende Leiter. — <comp>Hāūpt-:</comp> (vrſch. I.) ſ. Stamm-L. — Hêbe- <bibl><biblScope>[2]:</biblScope></bibl></sense><sense n="1)">1) Hebelade. —</sense><sense n="2)">2) Fuhrmannswinde. — <comp>Hímmels-:</comp> in den Himmel führend, hineinreichend (ſ. <bibl><biblScope>[b] 1.</biblScope></bibl> <bibl><author>Moſ.</author> <biblScope>28, 12).</biblScope></bibl> <bibl><author>H.</author>  <title>Ph.</title></bibl> <bibl><biblScope>10, 10,</biblScope> <title>vgl.</title></bibl> Jakobs-L. — <comp>Lāden-:</comp> Stütz-L. in Kaufläden. — Lāūf- <bibl><biblScope>[2c]:</biblScope> <title>Leiter am Treibzeug, Steck-L.</title></bibl> — <comp>Rúmpf-:</comp> in den Mahlmühlen das aus vier Hölzern beſtehnde Gerüſt, worin der Rumpf hängt. — Schrōt- <bibl><biblScope>[2]:</biblScope> <title>aus zwei an den Enden durch Querhölzer verbundenen ſtarken Bäumen beſtehend, Fäſſer in die Keller zu ſchroten.</title></bibl> — <comp>Spróſſen-:</comp> die nur Sproſſen hat (im Ggſtz. einer mehr treppenartigen Stütz-, Stufen-L.). <bibl><author>G.</author> <biblScope>31, 65.</biblScope></bibl> — <comp>Stámm-:</comp> (Muſ.) die Ton-L., woraus ſich die andern ableiten laſſen, alſo C-Dur und A-Moll, bei <bibl><author>Campe</author>  <title>auch: Haupt-L.</title></bibl> — <comp>Stánd-:</comp> Stütz-L. — <comp>Stéck-:</comp> Lauf-L. — <comp>Stēh-:</comp> Stütz-L. — <comp>Strêbe-:</comp> Stütz-L. — <comp>Stríck-:</comp> wobei die Bäume und oft auch die Sproſſen durch Stricke erſetzt ſind: Der trägt den Haken, der die Stricke-L. <bibl><author>Streckfuß</author>  <title>Rol.</title></bibl> <bibl><biblScope>6, 62,</biblScope> <title>vgl.: Ich warf ein</title></bibl> Stufenſeil, ans Eiſen feſt gebunden <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>zu ihm hinab, er ſtieg zu mir herauf.</title></bibl> <bibl><author>Nicolai</author> <biblScope>2, 20.</biblScope> <title>Bildlich: Sie war mir bei meinen heimlichen Anſchlägen der Kloben, an den eine St. befeſtigt iſt; gefährlich hoffend ſchwebt der Abenteurer in der Luft, das Eiſen bricht und er liegt zerſchmettert am Fuße ſeiner Wünſche.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>16, 95 ꝛc.</biblScope></bibl> — <comp>Stūfen-:</comp> ſelten eig., ſ. Sproſſen-L., gw. <bibl><biblScope>[1b]:</biblScope> <title>eine Reihe in gehöriger Stufenfolge, ohne Sprung: Die St. der Empfindungen von der höchſten Freude bis zum tiefſten Schmerz (vgl. Klimar).</title></bibl> — <comp>Stúrm-:</comp></sense><sense n="1)">1) deren ſich die Belagrer beim Sturm zum Erſteigen der Mauern und Wälle bedienen, ſ. Feuer-L. —</sense><sense n="2)">2) (Schiff.): Art Strick-L., daran aus dem Schiff ins Boot zu ſteigen und umgekehrt. — <comp>Stütz-:</comp> mit einer Stütze, wodurch die Leiter auch unangelehnt feſt ſteht, gw. mit Stufen ſt. der Sproſſen (vgl. Sproſſen-L.), Stand-, Strebe-L. — Tōn- <bibl><biblScope>[2]:</biblScope> <title>Stufen-L. von Tönen, Skala: Chromatiſche T., nach halben Tönen fortſchreitend; Diatoniſche T. oder bloß T., meiſt nach ganzen Tönen fortſchreitend; Harte oder</title></bibl> Dur-T., mit großer <bibl><biblScope>—,</biblScope> <title>weiche oder</title></bibl> Moll-T., mit kleiner Terz; Normal-T., Stammleiter (ſ. d.); C-Dur-, C-Moll-T. ꝛc.; übrtr.: Alles wurde von ihm in dieſer brummiſchen T. durchgeſpielt. <bibl><author>Falk</author>  <title>G.</title></bibl> <bibl><biblScope>86.</biblScope></bibl> — Wāgen- <bibl><biblScope>[2]:</biblScope> <title>die Seiten des obern Theils bei einem Leiterwagen bildend.</title></bibl> — <comp>Wúrf-:</comp> Strick-L. — u. ä. m.</sense></entry>
        </p>
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