<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Artikel „Kunstler“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
            <forename>Daniel</forename>
          </persName>
        </author>
        <editor>
          <persName>
            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
          </persName>
        </editor>
        <editor>
          <persName>
            <surname>Wiegand</surname>
            <forename>Frank</forename>
          </persName>
        </editor>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
          <email>edition-sanders@bbaw.de</email>
          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="en">Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
          <address>
             <addrLine>Jägerstr. 22/23, 10117 Berlin</addrLine>
             <country>Germany</country>
          </address>
        </publisher>
        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">
            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
          </licence>
        </availability>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>Daniel Sanders: „Kunstler“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>

  <facsimile>
    <surface ulx="26" uly="3853" lrx="1023" lry="3995">
      <graphic url="DE-20__Sanders_Band-1__1064__1056__1"/>
    </surface>
    <surface ulx="9" uly="268" lrx="1024" lry="3999">
      <graphic url="DE-20__Sanders_Band-1__1064__1056__2"/>
    </surface>
    <surface ulx="59" uly="259" lrx="1056" lry="2621">
      <graphic url="DE-20__Sanders_Band-1__1065__1057__0"/>
    </surface>
  </facsimile>
  <text>
    <body>
      <entry type="main" xml:lang="de">
        <form type="lemma">
          <orth expand="Kunstler" orig="Kǘnſtler">Kǘnſtler</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="noun">m..</pos><gen norm="masculine"/> –s; uv.:</gramGrp>
        </form>
        <sense>(ſ. künſteln 1) der Schöpfer eines Kunſtwerks. So ſagt <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>25a</biblScope> <title>in ſeinem Gedicht „An die K.“: Dem großen K. [Gott] ahmt ihr nach ꝛc.; Wie kann .. der K. knien vor ſeiner Statüe?</title></bibl> <bibl><biblScope>17h;</biblScope> <title>[Shakeſpeare macht ſeine Böſewichter ꝛc.] durch das Bild, in welchem ſie ſich in theoretiſcher Anſchauung objektiv wie ein Kunſtwerk betrachten, ſelber zu freien K–n ihrer ſelbſt.</title></bibl> <bibl><author>Hegel</author>  <title>Aſth.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 362,</biblScope> <title>und gew.: Der, der eine Kunſt (ſ. d. 1e) im engern Sinn, im Ggſtz. des Handwerks, eine der ſchönen Künſte kunſtgemäß übt: Daher ſind diejenigen K. übler dran, die perſönlich um den Beifall des Moments buhlen: Rhapſoden, Schauſpieler, Muſici.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>31, 424;</biblScope> <title>Wo das Subjektive für ſich allein ſchon viel bedeutet, muß und kann ſich der Dilettant dem K. nähern, z. B. ſchöne Sprache, lyriſche Poeſie, Muſik, Tanz; wo es umgekehrt iſt, ſcheiden ſich der K. und der Dilettant ſtrenger, wie bei der Architektur, Zeichenkunſt, epiſchen und dramatiſchen Dichtkunſt.</title></bibl> <bibl><biblScope>426 ꝛc.,</biblScope> <title>und bei der nahen Berührung von Kunſt (ſ. d. 1e) und kunſtvollem Handwerk, z. B. auch von Schiffsbauern: Die ſtattliche Tanne, die hoch auf Bergen die K. | ab mit geſchliffenen Äxten gehauen zum Balken des Schiffes.</title></bibl> <bibl><author>V.</author>  <title>Il.</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 390;</biblScope> <title>Solche ſchnitzt’ und verband der hornarbeitende K.</title></bibl> <bibl><biblScope>4, 110;</biblScope> <title>vgl.: Wenn der mechaniſche K. ſeine Hand an die geſtaltloſe Maſſe legt, um ihr die Form ſeiner Zwecke zu geben, ſo trägt er kein Bedenken, ihr Gewalt anzuthun. ..Wennderſchöne K. ſeine Hand an die nämliche Maſſe legt, ſo trägt er ebenſowenig Bedenken, ihr Gewalt anzuthun, nur vermeidet er ſie zu zeigen. .. Ganz anders verhält es ſich mit dem pädagogiſchen und politiſchen K., der den Menſchen zugleich zu ſeinem Material und zu ſeiner Aufgabe macht.</title></bibl> <bibl><biblScope>Sch.1153b ꝛc.</biblScope> <title>Nam. früher auch (ſ.Zſſtzg.): Einer, der eine Wiſſenſchaft ausübt, z. B.: Waſſers iſt mehr, als des Landes, wie die [Meß-] K. ausgemeſſen.</title></bibl> <bibl><author>Logau</author></bibl> <bibl><author>(L.</author> <biblScope>5, 233).</biblScope></bibl></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">In der tadelnden Bed. von künſteln (ſ. d. 2) K. ugw., vgl.: Der Dichter ſei ſtets K., niemals Künſteler <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>er ſchaffe Kunſtwerke, nicht gekünſtelte, ſ. Künſtling, verkünſteln.</title></bibl> — K–in: ein weiblicher K., nicht die Frau eines K–s, <bibl><author>G.</author> <biblScope>18, 223;</biblScope> <title>z. B. Schauſpielerinnen, Virtuoſinnen, Dichterinnen, Malerinnen ſind K–innen. Veralt.:</title></bibl> Künſtner. <bibl><author>HSachs</author>  <title>G.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 69.</biblScope></bibl></p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <entry type="sub">Zſſtzg. vgl. die von Kunſt, doch bez. K., genau genommen, nicht den bloßen Ausüber einer Kunſt, ſondern hebt die vor den Kunſtgenoſſen ſich ganz beſonders auszeichnende Geſchicklichkeit und Meiſterſchaft in dem Producierten hervor. So bez. z. B. Sprachkunſt, Grammatik; dagegen ganz verſch.: Rückert hat ſich in der Übertragung von Hariri’s Makamen als Sprach-K. bewieſen, als Einen, der die Sprache kunſtvoll und meiſterhaft handhabt. Ebenſo: Verskunſt, Metrik; Vers-K., Meiſter im kunſtvollen Versbau; Wer die Tanzkunſt auch kunſtmäßig ausübt, iſt damit noch kein Tanz-K., auf welchen Namen ein Veſtris wohl Anſpruch machen durfte. So ſagt Ton-K. bedeutend mehr als Muſikus oder Muſikant (ſ. d.) und ſo bedienen ſich der Zſſtzg. nam. manche Gewerbtreibende nach dem Muſter des frz. artiste, um ihre die gewöhnliche, mehr handwerksmäßige Thätigkeit der Fachgenoſſen übertreffende Geſchicklichkeit zu bez., wie z. B. der Kleider-K. den Schneider überragt ꝛc., (ſ. Bart-, Haar-K.). Wir bemerken noch, daß da, wo die gedachte Unterſcheidung nicht hervortritt und deutſche Namen für die Ausübenden einer Kunſt gebräuchlich ſind, die Zſſtzg. mit K. natürlich unnöthig ſind, z. B. — neben Dicht-K. — Dichter, undſo Bildhauer, Schauſpieler (ſ.u.), Stempelſchneider, Orgelbauer, Schiffbauer ꝛc., dagegen z. B. Meß-K. für Geometer neben Meßkunſt ꝛc. Nach dieſen allgem. Bem. genügen wenige leicht zu mehrende Bſp.: Es giebt auch After-K. [im Ggſtz. der wahren]: Dilettanten und Spekulanten. Jene treiben die Kunſt um des Vergnügens, dieſe um des Nutzens willen. G. 3, 194; Als Bart-K. [vgl. Barbier]. 19, 55; Er habe die Baukunſt nicht geſchätzt, die Bau-K. nicht aufgemuntert. Börne 4, 137; Die bildende Kunſt ergreift die alten Fabeln .. und bald kann der Poet dem Ohr Nichts mehr überliefern, was der Bild-K. [bildende K.] nicht ſchon dem Auge gebracht hat. G. 30, 403; Dieſe Hörner bereitete zierlich der Bogen-K. Stolberg Il. 4, 110 [der Bogen fertigende K.]; Bühnen-K., Theater-K.; Ei- nungs-K. ſ. Chemiker; Der Eß-K. Ein artiſtiſcher Verſuch .. Die Anſchauung der Meiſterſchaft, welche der würdige K. entfaltete [das Eſſen als Kunſt betreibend und ſich als Virtuoſe darin zeigend]. Börne 2, 425 ff.; Die PariſerHaar-K. [vgl. Friſeur]. 4, 220; Heil-K. [vgl. Arzt]. 2, 366; Juwelen-K. [vgl. Juwelier]; Karten-K. [der Kartenkünſte macht, Taſchenſpieler]; Kleider-K., ſ. o.; Klein-K. .. Mit der größten Sorgfalt punktieren ſie einen kleinen Raum aus .. Inſofern ihre Arbeit lobenswürdig iſt, mag man ſie wohl Mignaturiſten nennen. G. 30, 305 ff.; Wort- und Letter-K. [vralt., Grammatiker]. Spate 2, 2; Meß-K., ſ. o.; Seine [des Schauſpielers] Mit-K. Devrient 2, 257, Kunſtgenoſſen; Die Muſen-K. W. 23, 340, welche die den Muſen geweihten Künſte treiben; Orgel-K. [Bauer künſtlicher Orgelwerke]. G. 27, 180; Ein großer Rechen-K. war der Fürſt [Wallenſtein] | von jeher, Alles wuſſt’ er zu berechnen. Sch. 392a; Rede-K. [vgl. Redner]. Chamiſſo 4, 302; Die Entſchloſſenheit des großen Reit-K–s [des General] Seidlitz. Jahn V. 245, ganz verſch. Kunſtreiter; llnſre Schauſpiel-K. höherer Gattung. Schütze Hamb. Th. 13, um ſie von den Schauſpielern, die keine K. ſind, zu unterſcheiden (ſ. o.); Scheide-K. (Chemiker, ſ. d.); Schönwiſſenſchaftler und Schön-K. H. 9, 328; G. 32, 40, (vgl.: ſchöne K., Belletriſt); Schreib-K. [Kalligraph]; Ein Schwarz-K. [Zaubrer, vgl. Schwarzkünſtig] iſt er oder der Gottſeibeiuns ſelbſt. G. 6, 338; 16, 219; Luther 8, 19a; Muſäus M. 1, 55; Thümmel 5, 141 ꝛc., veralt.: Ein Nigromant, | ein Schwarzkünſtner. HSachs G. 2, 70; Der Sieben-K. [Magiſter der fieben freien Künſte]. Rachel 6, 413; Sprach- K. (ſ. o.); Staats-K. [Politiker]. Sch. 1153b; Tanz-K. (ſ. o.); Ein Tauſend-K. G. 19, 35, Einer, der in tauſend, d. h. in ſehr vielen Künſten bewandert iſt; Als geſchickte Tauſend-K., was man in Schleſien einen Baſtler (ſ. d. und Boßler) nennt. Holtei J. 2, 356; Wo die Simplifikation nicht ſtatthat, ſondern der Handwerker ein Tauſend-K. ſein muß. Möſer Ph. 1, 188; Der Teufel iſt ein Tauſend-K. Luther 8, 318b; SW. 61, 78; und demgemäß (vgl. Schwarz-K.): Ein Tauſend-K., der die Todten auferweckt. Logau (L. 5, 227); Bei ſeinen taſchenſpieleriſchen Operationen .. unſer Tauſend-K. W. 24, 107; Das Spiel der Theater-K. [Schauſpieler]. G. 29, 293; Ton- K. [Komponiſt ꝛc.]. Engel 8, 245; Sänger und andere Ton-K. W. 23, 340; Ich will ewig verdammt ſein . ., wenn der große Ur-K. [Gott] nicht ſchönere Werke macht, als der Menſch. LSchefer Rom. 5, 157; Beſtellte bei einem Vaſen-K. ein Gefäß. Böttiger Sab. 341; Ver-K., ſ. verkünſteln; Dieſer ſcharfſinnige Vernunft-K. [Logiker, Denker]. W. 3, 248; Eines Wahn-K–s und Aſtrologen [der eine falſche oder Wahnkunſt treibt]. G. 39, 80; Wiß-K. [Mathematiker]. Leibnitz 1, 379; Zahn-K. [der künſtliche Zähne fertigt]; Zeichen-K. [Zeichenmeiſter]. G. 25, 178 u. ä. m.</entry>
        </p>
      </entry>
    </body>
  </text>
</TEI>
