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        <title>Artikel „knicken“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
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            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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        </editor>
        <editor>
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            <surname>Wiegand</surname>
            <forename>Frank</forename>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „knicken“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="knicken" orig="Knicken">Knicken</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="verb">intr.</pos><subc norm="intransitive"/> (haben und ſein) und <pos norm="verb">tr.:</pos><subc norm="transitive"/></gramGrp>
        </form>
        <sense>(ſ. knacken) den mit „knick“ bez. Laut von ſich geben oder hervorbringen; mit dieſem Tone zerbrechen <bibl><biblScope>intr.</biblScope> <title>(ſein) und</title></bibl> <bibl><biblScope>tr.;</biblScope> <title>nam. auch</title></bibl> — wobei die Beziehung auf den Ton oft ganz zurücktritt — ſo brechen, daß ein Knick (ſ. d. 2b) entſteht, z. B. auch von den Füßen des in die Kniee Sinkenden (ſ. knickeln 2), ſ. auch nicken, genicken ꝛc.: 1) Das Glas hat geknickt, ein Ton hören laſſen, wie er beim Zerſpringen gewöhnlich iſt, — iſt geknickt, hat einen Sprung; Eine Blume iſt geknickt, iſt eingebrochen, ſo daß des Stengels Theile einen Winkel machen; Eine Blume k., ſie ſo ein-, aber auch ab-k.: Der geknickte Halm iſt [jetzt] ganz abgebrochen. <bibl><author>Auerbach</author>  <title>Gv.</title></bibl> <bibl><biblScope>138;</biblScope></bibl> <bibl><author>Burmeiſter</author></bibl> <bibl><author>gB.</author> <biblScope>2, 203;</biblScope> <title>Der Dulder ſchritt einher, | ein ſchwaches Rohr, geknickt von Sturmgewalt.</title></bibl> <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>4, 26;</biblScope> <title>Die gelbe Rinde ſpellt’ er, | hob ſie mit vorſicht’gem Holzkeil, | ſchälte ungeknickt vom Stamm ſie.</title></bibl> <bibl><author>Freiligrath</author>  <title>Garb.</title></bibl> <bibl><biblScope>93;</biblScope> <title>Das überreife Korn knickte faſt unter der Bürde der Ähren.</title></bibl> <bibl><author>Immermann</author>  <title>M.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 116;</biblScope> <title>Hier ſchlug ſo mörderiſcher Eiſenregen | entgegen ihm, daß ſeine Reiterſchaar, | wie eine Saat, ſich k–d niederlegte.</title></bibl> <bibl><author>HKleiſt</author>  <title>Hint.</title></bibl> <bibl><biblScope>36;</biblScope> <title>Durch Windbruch geknickte Stämme.</title></bibl> <bibl><author>Kinkel</author>  <title>E.</title></bibl> <bibl><biblScope>8;</biblScope> <title>Henker, kannſt du keine Lilie k.?</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>5b;</biblScope> <title>Knickt’ es [das Reiſig] entzwei und umhäufte das Keſſelchen.</title></bibl> <bibl><author>V.</author> <biblScope>2, 171;</biblScope> <title>Il.</title></bibl> <bibl><biblScope>5, 216;</biblScope> <title>Ihr ſchönes Haupt hing gleich einer geknickten Roſe auf den Buſen.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>27, 8 ꝛc.</biblScope> <title>und übertr. (ſ. o.): Daß kein deutſches Policeiregiment ihr Selbſtgefühl geknickt und ihren Charakter gebrochen hätte.</title></bibl> <bibl><author>Stahr</author>  <title>Weim.</title></bibl> <bibl><biblScope>437;</biblScope> <title>Die Hoffnungen des Mannes ſcheinen grauſam geknickt zu ſein.</title></bibl> <bibl><author>Vogt</author>  <title>Oc.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 234 ꝛc.</biblScope> <title>Auch: Da woll’n wir Alles k. und</title></bibl> knacken <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>und in kleine Stücke zerhacken.</title></bibl> <bibl><author>Nicolai</author> <biblScope>1, 176</biblScope> <title>und: Er hat nur noch ein Ohr in die ſchon genugſam zerknitterte Karte geknickt.</title></bibl> <bibl><author>G.</author>  <title>Br.</title></bibl> <bibl><biblScope>439b ꝛc.,</biblScope></bibl> — 2) Etwas zerdrücken, ſo daß man den Ton „knick“ hört: Hanfkörner (zer-)k., zerknirſchen, zerquetſchen; namentl. von Ungeziefer: Und durften ſie [die Flöhe] nicht k. <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>und weg ſie jucken nicht. | Wir k. und erſticken | doch gleich, wenn einer ſticht.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>11, 92;</biblScope> <title>Und er knickte und er knackte | Pulices [Flöhe] und Kleriſei.</title></bibl> <bibl><author>Heine</author>  <title>Rom.</title></bibl> <bibl><biblScope>149 ꝛc.</biblScope></bibl> — 3) Mit den Füßen k., in die Kniee ſinkend, gw. aus Schwäche, vgl. dagegen: knickſen und knappen (6) u. ſ. knien, Anm. und nicken: Jemand, ein Pferd knickt im Gehn; ſeine Füße k. (ein), ſ. knickeln <bibl><biblScope>2</biblScope> <title>und Knick-Bein und -beinig: Ew. Excellenz ſtehen ſo derb auf den Füßen, anſtatt daß mein Alter immer mit geknickten Beinen herumſchlurft.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>6, 349.</biblScope></bibl> — 4) übrtr.: aus Kargheit Etwas abzuzwacken ſuchen, vgl. abknappen, abkneipen, gew. knickern (ſ. d. u. Zſſtzg.). — 5) Einen Haſen ꝛc. k.,ab-k., richtiger ab-genicken (ſ. d., z. B. <bibl><author>Döbel</author> <biblScope>1, 31b).</biblScope></bibl> — 6) dazu: Knickung, <bibl><biblScope>f.,</biblScope> <title>–en: das K. (nam.</title></bibl></sense>
        <sense n="1)">1) und das Geknickte, der Knick: Weil der Flachs beim Fortſchreiten durch die feiner geriffelten Cylinder mehr Knickungen empfängt. <bibl><author>Karmarſch</author> <biblScope>1, 807.</biblScope></bibl></sense>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. ſ. knickern, ferner z. B.: tr. u. intr. (ſein): Áb-: knickend abbrechen: Stuhlbeine wurden abgeknickt. Auerbach D. 1, 29; O, welch ein zart und ſüß | abgeknickt Reis. Freiligrath Pol. 1, 30; Wenn der letzte Zweig, an dem wir uns halten wollen, abknickt wie ein ſchwaches Rohr. OMüller Ack. 430; Soviel die Eine vom Gebackenen abknickte, ſoviel bröckelten die Andern ſich zu. IP. 1, 46; 124; Dieſer Strahl knickte auch an der Erde ab. 3, 91 (vgl. Strahlenbrechung); Die ſcharfe Spitze abzuknicken. W.20,70 ꝛc.; auch [5]. —</p>
          <entry type="sub"><comp>An-:</comp> ein wenig ein-k. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Āūf-:</comp> knickend öffnen: Hanfſamen a. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Eīn-:</comp> einen Knickoder Knicke in Etwas machen: Der Haſe wird in der Küche eingeknickt, damit er bei Tafel leicht zu zerlegen iſt, ſ. Haſenbrecher; Mit eingeknickten Beinen gehn; Der Hagel hat die Fenſter eingeknickt, ſie knickend zerſchlagen ꝛc.; intr.: Einige Scheiben knickten ein [vom Sturm]. Gutzkow Zaubr. 3,363; Die Füße knicken vor Müdigkeit ein ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Hín-:</comp> geknickt hinſinken und hinſinken machen. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Nīēder-:</comp> ſ. hin-k.: Die beſten Pflanzen knickten Stürme nieder. KlGroth 87; Sauſeten 2 bis 3 Brandkugeln herüber und knickten hinter der Schuſtergaſſe nieder. König Kl. 3, 289, ſchlugen mit knickendem Geräuſch nieder. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Úm-:</comp> knickend umſinken und umſinken machen: Daß ein Wirbelwind die Bäume umknickte. Kohl A. 2, 125 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Ver-:</comp> durch Knicken verderben oder zerſtören; auch (ſelten) refl.: Durch Grillen nicht gedrängt, | verknickt ſich keine Luſt. G. 1, 96. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Zer-:</comp> entzwei knicken: Sonſt lehnet | deine Liebe auf ein Rohr ſich an. | Ach, dies würde bald z. Göckingk (Matthiſon A. 8, 295); G. 8, 310; Zerknickt wie die Halmen .. nach einem Hagelſchlag. Hebel 3, 157; Jene Lilien | von Valois zerknickt ein ſpan’ſches Mädchen. Sch. 266a; Thümmel 2, 206; So ſinkt, im Sturm zerknickt, | der Lilie welkes Haupt. W. 20, 195; Dreſchen .. | ſo hageldicht, daß zwiſchen Schlag und Schlag | ſich unzerknickt kein Lichtſtrahl drängen mag. 61; Ein Siegel .., unzerknicket. 11, 7; Die auffallenden Zerknickungen. Burmeiſter Gſch. 231 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Zuſámmen-:</comp> knickend zuſammenbrechen und zuſammenbrechen machen: Im Fallen habe ich eine junge Eiche zuſammengeknickt. Auerbach Gv. 26; Als ſei er innerlich zuſammengeknickt. vHorn rhD. 2, 273.</entry>
        </p>
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