<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://relaxng.org/ns/structure/1.0"?>
<?xml-model href="http://www.tei-c.org/release/xml/tei/custom/schema/relaxng/tei_all.rng" type="application/xml" schematypens="http://purl.oclc.org/dsdl/schematron"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0">  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title>Artikel „heiß“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
            <forename>Daniel</forename>
          </persName>
        </author>
        <editor>
          <persName>
            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
          </persName>
        </editor>
        <editor>
          <persName>
            <surname>Wiegand</surname>
            <forename>Frank</forename>
          </persName>
        </editor>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
          <email>edition-sanders@bbaw.de</email>
          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="en">Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
          <address>
             <addrLine>Jägerstr. 22/23, 10117 Berlin</addrLine>
             <country>Germany</country>
          </address>
        </publisher>
        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/">
            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
          </licence>
        </availability>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <bibl>Daniel Sanders: „heiß“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
  </teiHeader>

  <facsimile>
    <surface ulx="16" uly="1973" lrx="1019" lry="4046">
      <graphic url="DE-20__Sanders_Band-1__0739__0731__2"/>
    </surface>
    <surface ulx="111" uly="167" lrx="1109" lry="3125">
      <graphic url="DE-20__Sanders_Band-1__0740__0732__0"/>
    </surface>
  </facsimile>
  <text>
    <body>
      <entry type="main" xml:lang="de">
        <lbl>I.</lbl>
        <form type="lemma">
          <orth expand="heiß" orig="Hēīß">Hēīß</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="adjective">a.,</pos> –eſt:</gramGrp>
        </form>
        <sense>in hohem Grade warm (ſ. d.) und Wärme in hohem Grade erregend, eigentl. und übertr., vgl. feurig, brennend, glühend, kochend, ſiedend ꝛc., die verſtärkend und den Grad der Hitze beſtimmend oft hinzutreten (ſ. Zſſtzg.). Eigentl.: Sich am h–en Ofen, an der h–en Suppe verbrennen; Wie die Katze um den h–en Brei herumgehn; Das Eiſen ſchmieden, weil es h. iſt; Die Sonne ſcheint h.; Die Tage ſind h. und die Nächte kühl; Die h–e Zone; Ein h–er Sommer; H–es Wetter; Es iſt heute ſehr h., drückend h.; H–e Stuben; Sie haben [gw.: Es iſt] hier wirklich ſehr h. <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 58;</biblScope> <title>Den Schmelzofen in der Glashütte h. ſchüren (ſ. d.); Der Ofen geht h., im Hüttenwerk bei verſtärktem Feuer; H. thun, den Ofen h. gehn machen; Die Felle h. machen, bei der Sämiſchgärberei, ſie im warmen Raum über einander ſchichten und gären laſſen ꝛc.; H–e [geſchmolzne] Butter; H–es Blei, Pech ꝛc. Sprchw.: Einem die Hölle (ſ. d.) h. machen; Das iſt wie ein Tropfen auf einen heißen Stein.</title></bibl> <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>9, 331 ꝛc.,</biblScope> <title>von einer Gabe, die gleich, ohne rückbleibende Spur einer Wirkung aufgezehrt und verſchwunden iſt; Es iſt hier ein h–es (theures) Pflaſter, von einem Ort, wo Einem das Geld gleichſam unter den Händen zerrinnt oder zerſchmilzt ꝛc.; Etwas h. (vgl. brühwarm) erfahren, gleich nachdem es geſchehn, hergenommen von den gekochten Speiſen, z. B.: Eine Poſſe, die wir h. durch die Kammerjungfer erfuhren.</title></bibl> <bibl><author>Heinſe</author>  <title>A.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 225;</biblScope> <title>Einem Etwas (brüh-)h. zutragen ꝛc.; Etwas h. machen, z. B.</title></bibl> <bibl><author>Luther</author> <biblScope>1, 487b,</biblScope> <title>es als dringend, von beſondrer Wichtigkeit darſtellen, es übertreiben ꝛc.</title></bibl> — Ferner mehr in Bezug auf innre Erregung, auf das Gefühl der Hitze in uns ſelbſt: Beim Fieber ſind Einem die Hände, die Lippen h.; Den h–en Durſt des Lechzenden zu ſtillen. <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>4, 189;</biblScope> <title>H–er Hunger [ſ. Heißhunger] nach der ſüßen Frucht | der Minne.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>11, 145;</biblScope> <title>Zu h. die Wunde brennt.</title></bibl> <bibl><biblScope>127;</biblScope> <title>Es iſt, wird Einem h.; Man oder Einem iſt von der Arbeit h.; Von der Stirne h. | rinnen muß der Schweiß.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>77a;</biblScope> <title>Wenn ein wackrer Mann | mit h–er Stirn von ſaurer Arbeit kommt.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>13, 174;</biblScope> <title>Es wird Einem h. vor Angſt ꝛc., es überläuft, übergießt Einen h.; Unſerm Häschen wird ſo h., | daß es nicht zu bleiben weiß.</title></bibl> <bibl><author>Lichtwer</author> <biblScope>132</biblScope> <title>(vgl. Auf Kohlen ſitzen ꝛc.); Es überläuft mich glühend h. bei dem Gedanken.</title></bibl> <bibl><author>Benedir</author> <biblScope>10, 120;</biblScope> <title>Überlief’s mich ſiedend h.</title></bibl> <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>5, 425;</biblScope> <title>Was ich nicht weiß, macht mich nicht</title></bibl> <bibl><biblScope>92* 7⏑</biblScope> <title>h., erregt mich nicht, macht mir keine Sorge, auch mit Dat.: Dies Wort macht den Umſtehenden, | durchglühten Muſcheln ähnlich, h.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>4, 206,</biblScope> <title>durchdringt ſie als gerechter Vorwurf im Dünkel ihres Selbſtgefühls mit einem ſiedend h–en Gefühl, ſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>207;</biblScope> <title>H. iſt er gegen Kleinigkeiten | und gegen große Dinge kalt.</title></bibl> <bibl><author>Lichtwer</author> <biblScope>36 ꝛc.;</biblScope> <title>Einem den Kopf h. machen, ihn in Erregung verſetzen, ihm Sorge und Unruhe machen; Da geht es h. her; H–e Schlacht.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>33a;</biblScope> <title>Der Tag war h., wir haben ihn erjagt.</title></bibl> <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>4, 128;</biblScope> <title>Ein h–er Tag.</title></bibl> <bibl><author>Uhland</author> <biblScope>422;</biblScope> <title>Ein h–er Kampf, ein heftiger, der Einem Viel zu thun, zu ſchaffen macht ꝛc.; H. [heftig, mit leidenſchaftlicher Erregung] Etwas begehren, verlangen, erſehnen, wünſchen, fühlen, empfinden; H–e Begierden, Wünſche, Gefühle, Leidenſchaften; Der H.-Geliebte; H–er Schmerz; H–e [vgl. Bittre] Thränen, h. weinen, heftig erregt, in tiefem Schmerz ꝛc.; Nur | zu nah liegt eine freche Kälte neben | der h–eſlen Empfindung unſrer Bruſt.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>8, 91;</biblScope> <title>Ob dieſer h–e Kopf | den Streit zuerſt begonnen [der leicht in Eifer, Zorn geräth, ſ. Hitzkopf].</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 149;</biblScope> <title>H–e Köpfe für die Sache der Freiheit und Gleichheit.</title></bibl> <bibl><biblScope>30, 215;</biblScope> <title>H. mit Haß und Grimm begoſſen.</title></bibl> <bibl><author>Luther</author> <biblScope>6, 6b;</biblScope> <title>Ihn beugt nicht unſer h–es Dringen.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>35b;</biblScope> <title>Die h–e Rach’ im Herzen | ballt ſich plötzlich ihm zu Eis.</title></bibl> <bibl><author>Schwab</author> <biblScope>190;</biblScope> <title>Daß Männer von Natur bloß h. oder kalt ſind; zur Wärme müſſen ſie erſt gebildet werden.</title></bibl> <bibl><author>FSchlegel</author>  <title>Luc.</title></bibl> <bibl><biblScope>64;</biblScope> <title>Daß ſolch gelehrter, weiſer Mann .. | fehltrat ſo gröblich durch zu h–es Blut [leidenſchaftliche Erregung].</title></bibl> <bibl><author>V.</author>  <title>Sh.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 267;</biblScope> <title>Wenn ein h–er [brünſtiger] Hirſch mit ſeinen Kühen zieht.</title></bibl> <bibl><author>LHNicolai</author> <biblScope>3, 55</biblScope> <title>u. ä. m.</title></bibl> — Auch als ſächl. Hw.: Bis H. und Kalt ſich dann zum Bade milchwarm miſchen. <bibl><author>Rückert</author>  <title>BE.</title></bibl> <bibl><biblScope>303;</biblScope> <title>Auf hohem Roſſe trabend, bei H. und Kühl [bei Hitze und Kälte]. Morg.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 134.</biblScope></bibl></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Ahd., mhd. <bibl><biblScope>heiz,</biblScope> <title>wohl mit dem Grundbegriff der Erregung, ſ. Heißen, vgl. gr.</title></bibl> καίεeν, brennen. Dazu: Heizen, Hitze ꝛc.</p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. vgl. die von Warm und Hitze, namentl. den Grad der Hitze oder den Grund derſelben bezeichnend, z. B.: Bād(e)-: wie in einem warmen Bade. — Bránd-, Brénn(end)-: ſehr heiß. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Brǖh-:</comp> Bis mir dieſe Nacht b. [übergießend ꝛc.] einfällt, ob ꝛc. König Kl. 3, 201. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Brūt-:</comp> wie brütende Vögel. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Eīfer-:</comp> Mein e–es Beten. Opitz, heiß und eifrig. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Fēūer-:</comp> O ihr Tropfen, badet f. | ihre Stirne dereinſt im Todesſchweiß. Göckingk Lieb. 122. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Fīēber-:</comp> Applaudiert mit f–en Händen. Prutz W. 115. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Höllen-:</comp> Ein h–er Eid. Hagedorn 1, 52. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Húnger-:</comp> heißhungrig (ſ. d.). HvKleiſt Hinterl. 281, —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Jūgend-:</comp> Glanzfarben einer j–en Phantaſie. Boas SchJ. 1, 96. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Līēbe-:</comp> So l. mit den Schwänen gebuhlt. Heine Sal. 1, 242; Echtermeyer 294 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Móſchus-:</comp> ſ. Moſchus. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Sīēd-:</comp> ſiedend heiß (ſ. o.): War mir’s, als ob man mich mit ſ–em Waſſer begoſſen hätte. G. 17, 149 ꝛc., auch: Wie mirs ſiedig-h. über den Buckel lief. Sch. 131a ꝛc.; Die ſieden-h–e Empfindung, die dem Hamlet an der Seele brennt. HVoß JP. 44; Ich bitte um ein Exemplar brühſieden-h. [gleich wie es erſchienen]. L. 13, 499 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Sónnen-:</comp> Zwiſchen den ſ–en Steinen der Seitenwände. Tſchudi (Körner Sch. 3, 306); Löſche meinen ſ–en Durſt. Gleim 6, 42 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Uber-:</comp> übermäßig heiß. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Wólluſt-:</comp> Den w–en Mund. Nicolai 1, 290; Sch. 3a u. ä. m.</entry>
        </p>
      </entry>
    </body>
  </text>
</TEI>
