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      <titleStmt>
        <title>Artikel „Haar“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
            <forename>Daniel</forename>
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        </author>
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          <persName>
            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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        </editor>
        <editor>
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            <surname>Wiegand</surname>
            <forename>Frank</forename>
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          <email>edition-sanders@bbaw.de</email>
          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="en">Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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             <addrLine>Jägerstr. 22/23, 10117 Berlin</addrLine>
             <country>Germany</country>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Haar“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <lbl>II.</lbl>
        <form type="lemma">
          <orth expand="Haar" orig="Hāār">Hāār</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="noun">n.,</pos><gen norm="neuter"/> –(e)s; –e; Härchen, lein; -:</gramGrp>
        </form>
        <sense>1) die auf der Haut der Säugethiere, ſo auch des Menſchen, wachſenden röhrchenförmigen Faſern, und zwar ſowohl eine ſolche einzelne Faſer, als auch die Geſammtheit derſelben als Bedeckung des Körpers oder eines Körpertheils, bei den Menſchen ohne Zuſatz nam. des Hauptes, das Haupt-H.: Der Fuchs hat rothes H.; Ein Kaninchen mit weißem H.; Dieſes Pferd hat braunes H. ꝛc.; Jemand hat blondes, braunes, ſchwarzes, helles, dunkles, rothes, graues, weißes, — weiches, ſtarres, ſtruppiges, krauſes, lockiges, langes, kurzes H.; Lobte . . mein dem Flachſe gleiches H. <bibl><author>G.</author> <biblScope>1, 162;</biblScope> <title>Das übervolle, ſtrotzend braune, krauſe H.</title></bibl> <bibl><biblScope>10, 295 ꝛc.;</biblScope> <title>Er bekommt ſchon (einzelne) graue H–e; So lang ich ihn kenne, hat er ſchon graues H.; Wenn Philipp’s</title></bibl> graueH–e weiß ſich färben. <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>255b;</biblScope> <title>Die H–e ſind (oder: das Haar iſt) ihr nach der Krankheit ausgegangen, ausgefallen, aber ſie wachſen (es wächſt) ihr ſchon wieder; Der Friſeur ſchneidet einem Herrn das H., ſchert es, kräuſelt, brennt es ꝛc., macht [ordnet ꝛc.] einer Dame das H., kämmt, ſtrählt es, theilt es ab, flicht es in Zöpfe, wickelt es auf, lockt es ꝛc.; Jemand trägt eignes, fremdes H., vgl. Perücke; Die H–e ſind ihr aufgegangen, fallen auf die Schulter; Bleich, mit aufgelöſtem H.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>53a ꝛc.;</biblScope> <title>Eine Jungfrau .., die noch in H–en und im Kranze gehet [ohne Haube, ſ. d.].</title></bibl> <bibl><author>Luther</author> <biblScope>8, 129b.</biblScope></bibl> — Oft ſprchw., in Verbindungen und Redensarten, z. B.: <sense n="a)">a) Rothes H., kein gutes H.; Krauſes H., krauſer Sinn; Lange H–e, [Frauen haben] kurze Gedanken. <bibl><author>Goltz</author> <biblScope>2, 135;</biblScope> <title>Kurze H–e ſind bald gebürſtet ꝛc.</title></bibl> —</sense><sense n="b)">b) H–e auf den Zähnen haben, mannhaft ſein; Du biſt ein entſchloſſener Kerl, — Soldatenherz — H. auf der Zunge. <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>113a;</biblScope> <title>Menſchen, von denen die Alten ſagten, ſie hätten H–e auf ihrem Herzen.</title></bibl> <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>Bl.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 11 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="c)">c) Das Haar richtet ſich Einem empor; ſteht, geht, ſteigt zu Berge, bolzgradeauf; grauſt, krauſt ſich ꝛc., vor Angſt, Schrecken; Etwas treibt Einem die H–e zu Berge, macht die H–e ſträuben ꝛc. —</sense><sense n="d)">d) Sich die H–e (aus)raufen, vor Verzweiflung ꝛc. — Sich (einander) in den H–en liegen, ſich ſtreitend balgen; Sich bei den H–en haben; Einem, ſich (einander) in die H–e wollen, fahren, fallen, gerathen ꝛc.; Nicht lang eins bleiben, ſondern mit einander H. und Brot eſſen. <bibl><author>Fiſchart</author>  <title>B.</title></bibl> <bibl><biblScope>7a ꝛc.</biblScope></bibl> — H–e laſſen <bibl><author>(Luther</author> <biblScope>8, 123a;</biblScope></bibl> <bibl><author>Lichtwer</author> <biblScope>106</biblScope> <title>u. o.), ſeltner: hergeben (36), Schaden, Verluſt leiden.</title></bibl> — Den Leuten die H–e zuſammenbinden <bibl><author>(Gotthelf</author>  <title>G.</title></bibl> <bibl><biblScope>26 ꝛc.),</biblScope> <title>zuſammenknüpfen (Sch.</title></bibl> <bibl><biblScope>400;</biblScope></bibl> <bibl><author>Stumpf</author> <biblScope>420b; 603a),</biblScope> <title>ſie an einander hetzen ꝛc.</title></bibl> —</sense><sense n="e)">e) Bei den H–en [mit Gewalt] Einen zurückhalten. <bibl><author>Engel</author> <biblScope>1, 60;</biblScope> <title>zu Etwas ziehen.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>11, 495;</biblScope> <title>oft: Etwas, z. B. einen Witz, Vergleich ꝛc. bei den H–en herbeiziehn, im Ggſtz. des Ungezwungnen, Natürlichen ꝛc.; Einen bei den H–en [zu packen] kriegen; Die Unruhe hat mich heute wieder an allen H–en.</title></bibl> <bibl><author>G.</author>  <title>Stein</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 171 ꝛc.;</biblScope> <title>bergm.: Erz bei den H–en kriegen, finden ꝛc.</title></bibl> —</sense><sense n="f)">f) Mehr Schulden als H–e auf dem Kopf haben, ſehr viele, vgl. <bibl><author>Pſ.</author> <biblScope>40, 13; 69, 5.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="g)">g) Sich kein graues H. um Etwas wachſen laſſen, ſich keine Sorge um Etwas machen; Daß ſie ſich nur darum graue H–e wachſen ließen! <bibl><author>G.</author> <biblScope>9, 27 =</biblScope> <title>Daß ſie nur darum ein graues H. anflöge.</title></bibl> <bibl><biblScope>35, 28.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="h)">h) Ein H. in Etwas finden. <bibl><author>Benedir</author> <biblScope>6, 38 ꝛc.,</biblScope> <title>auf Etwas ſtoßen, was es Einem verleidet.</title></bibl> —</sense><sense n="i)">i) Mit Haut (ſ. d.) und H., ganz und gar. — k) H. als Bez. des Kleinen, Geringen, Kleinlichen, Unbedeutenden, Unwichtigen ꝛc.: H–e ſpalten, klauben, Etwas mit kleinlicher Genauigkeit, minutiös treiben, vgl. haarklein. — Einem kein H. krümmen, nicht das Geringſte zu Leide thun; Mein Jupiter <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>beſchützt mir jedes H.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>15b ꝛc.</biblScope></bibl> — Sein Leben ꝛc. hängt an einem H. [an einem Faden, iſt in der größten Gefahr] ꝛc. — Das Gewicht eines H–s wird .. den Ausſchlag geben. <bibl><author>Schlegel</author>  <title>Sh.</title></bibl> <bibl><biblScope>6, 262 ꝛc.</biblScope></bibl> — Es iſt kein gutes H. an ihm; Jſt an dir abſcheulichem Menſchen nun wohl irgend ein echtes H.? <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>Lenz5; Kein gutes H. an Einem laſſen, ihn als grundverdorben ſchildern; Er hat nicht ein H. [vgl. Ader] von ſeinem Vater ꝛc.</title></bibl> — Konnten mit der Schleuder ein H. treffen. <bibl><author>Bibel</author>  <title>ꝛc.</title></bibl> — Nicht (um) ein H. breit, nicht ein H. weichen, fehlen ꝛc., ungw.: Das Werk iſt gerückt kein H. lang [ſt. breit]. <bibl><author>Rückert</author>  <title>Mak.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 47;</biblScope> <title>Aufs H., auf ein H., ganz genau; Aufs Härchen.</title></bibl> <bibl><author>B.</author> <biblScope>66b;</biblScope> <title>Aufs H. hin.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>183a;</biblScope> <title>Bis aufs H., Härchen; Bei einem H., um ein H., beinahe, es fehlte faſt Nichts daran. Bei Komparativen: (Um) ein H., um ſehr Wenig; (um) kein H., um Nichts, in Bezug auf den Abſtand und Unterſchied ꝛc.; Ein Mann, an dem nur ein H. gut iſt.</title></bibl> <bibl><author>Claudius</author> <biblScope>5, 81;</biblScope> <title>Man iſt kein H. gebeſſert.</title></bibl> <bibl><author>Forſter</author>  <title>B.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 165;</biblScope> <title>Bin kein H. | weiter als ich war.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>6, 170;</biblScope> <title>Ich bin nicht um ein H. breit höher.</title></bibl> <bibl><biblScope>11, 73;</biblScope> <title>Jeder Theil, der ſich ein H. vergäbe, hätte Unrecht.</title></bibl> <bibl><biblScope>14, 252;</biblScope> <title>Nicht ein H. anders.</title></bibl> <bibl><biblScope>23, 171;</biblScope> <title>Um ein H. war die Zeichnung verpudelt. Stein</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 53;</biblScope> <title>Es iſt kein H. an Keinem unter euch, das nicht in die Hölle fährt.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>123a;</biblScope> <title>Um eines H–es Breite zu weit gegangen.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>2, 84;</biblScope> <title>Die Möglichkeit, die kümmert ihn kein H.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>12, 26;</biblScope> <title>Wußte ſich aufs H. | ſo ſchnell zu wenden.</title></bibl> <bibl><biblScope>11, 92;</biblScope> <title>Sie glich in dieſem Stück Frau Klaren auf ein H.</title></bibl> <bibl><biblScope>184 ꝛc.</biblScope></bibl> — 2) mit Ew. zuw. als Bez. einer Perſon: Sobald ſie von der Alten <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>berichtet iſt, das gelbe H. [der gelbhaarige Hüon] ſei da.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>20, 104 ꝛc.;</biblScope> <title>Der Burſche war ein flottes H., | verloren bald ihr Kränzlein war.</title></bibl> <bibl><author>Waldau</author></bibl> <bibl><author>(Prutz</author>  <title>DM.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 1, 141),</biblScope> <title>vgl. Kopf u. deſſen Zſſtzg., z. B. Krauskopf, ein luſtiger Kopf ꝛc.</title></bibl> — 3) etwas Haar-Ahnliches, z. B.: Die Haken und H–e des gediegenen Silbers [im Ggſtz. zu den ſtärkern „Zacken“]. <bibl><author>G.</author> <biblScope>19, 317</biblScope> <title>(ſ. Haarſilber) ꝛc., nam. auch an Pflanzen die feinen Fäſerchen: Der gemeine Ehrenpreis hat am Stengel zwei gegenſtändige Reihen von H–en ꝛc., vgl. Braut in H–en,</title></bibl> <bibl><biblScope>Nigella sativa ꝛc.;</biblScope> <title>Goldnes H. ſ. Goldhaar ꝛc.; ferner von den Zweigen und Blättern der Bäume, von den die Hügel ꝛc. bekleidenden Pflanzen ꝛc.: Es ſträubt entſetzt das grüne H. des Hügels ſich.</title></bibl> <bibl><author>Dingelſtedt</author> <biblScope>250;</biblScope> <title>Durchs H. der Weide zitternd.</title></bibl> <bibl><author>Freiligrath</author> <biblScope>1, 284;</biblScope> <title>Schon grünt das Wieſenland | und das H. der Wälder.</title></bibl> <bibl><author>Fürnſtein</author>  <title>(ſ.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>32, 299);</biblScope> <title>Welch ein Morgenwölkchen webet | durch der Tannen ſchwankend H.!</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>12, 302;</biblScope> <title>Der Birke hangend H.</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 296;</biblScope></bibl> <bibl><author>EvKleiſt</author> <biblScope>1, 58;</biblScope> <title>So ein Baum ſchüttelt die H–e im Sturm.</title></bibl> <bibl><author>Hebel</author> <biblScope>3, 467;</biblScope> <title>Der Cedern dunkles H.</title></bibl> <bibl><author>Novalis</author> <biblScope>1, 51;</biblScope> <title>Gewinnen .. die Wälder ihr H.</title></bibl> <bibl><author>Ramler</author> <biblScope>206;</biblScope> <title>Vom H–e der Bäume | troff Feuer.</title></bibl> <bibl><author>Schubart</author> <biblScope>2, 63 ꝛc.</biblScope></bibl> Forſtw.: Ein Hügel ſteht in H–en, iſt ganz mit Bäumen bewachſen ꝛc. — 4) Gärb.: (ſ. 1) die Seite der Haut, wo das Haar geſeſſen, Ggſtz. Aas (ſ. d. 2e): H. und Aas, außen und innen. — 5) Seidenſpinn.: (ſ. 3) ein roher um ſich ſelbſt gedrehter Seidenfaden, Haarſeide. — 6) Weber., Tuchſcher.: (ſ. 3) die Zaſern der Wolle ꝛc., die rauhe Seite: H. [die linke] und Grund [die rechte Seite] des Tuchs; Das Tuch aus den H–en rauhen, aus den H–en ſcheren, zu halben H–en ſcheren ꝛc.; H. des Flauſches; H. des Sammtes (ſ. Pohl) ꝛc.</sense></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Bair.: Das H., wie hochd., neben: Der H. (vgl. 3) <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>Flachs, auch</title></bibl> Spinn-H., wie ahd. <bibl><biblScope>haru,</biblScope> <title>mhd.</title></bibl> <bibl><biblScope>har,</biblScope> <title>ſ.</title></bibl> <bibl><author>Schm.</author> <biblScope>2, 224;</biblScope></bibl> <bibl><author>Brem.</author></bibl> <bibl><author>Wörterb.</author> <biblScope>2, 599,</biblScope> <title>vgl. Harplüs</title></bibl> <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>Werg, ſ. Flauſch, Anm. Grundbed. wohl: Faſer (ſ. d.) und vgl. Haſe, Haſel.</title></bibl></p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. nam. zu 1, z. B. nach den verſch. Thieren, z. B.: Biber-, Fuchs-, Haſen-, Pferde-H. ꝛc., ferner nach den verſch. Körpertheilen, z. B.: Achſel-, Bart-, Haupt- oder Kopf-, und zwar Vorder-, Hinter-, Seiten-H., Scham- H–e, an den Schamtheilen; Schwanz-od. Schweif-, Stirn-, Feſſel- oder Köthen-, Kamm-H. [Mähne] eines Pferds ꝛc.; ferner nach der Farbe, der Weichheit und ähnlichen Eigenſchaften, z. B.: Flachs-H., hellblondes, weiches; Fuchs-H., rothes; Gold-H., glänzend blondes; Das lichte Kaſtanien-H. Heinſe A. 2, 198; Raben-H., ſchwarzes. B. 13b; Silber-H., weißes ꝛc.; Sein bräunliches Schmacht- auge, ſein ſeidenweiches Eichhörnchen-H. Voigts H. 60; Mit rothen Wangen und blondem Kraus-H. Freitag Soll 1, 112; Locken-H.; Die Höflinge mit langem Ringel-H. W. 11, 203 ꝛc.; Die Schlangen-H–e ſchüttelnd . . die finſtern Höllengeiſter. Sch. 426b, vgl. 58bꝛc.; ferner z. B.: Blä́tter- [3]: Die Weiden in langen B. KGroth 67. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Blǖthen-:</comp> Noch im B–e [in der Jugend]. Herrig 14, 99; Obwohl ſich der Scheitel mit des Alters | B–e mir deckt. Kl. Od. 2, 122 (vgl. 104 und blüthenweiß). —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Bórſten-:</comp> Die das Grund-H. überragenden B–e des Haſenbalgs ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Bréch-:</comp> bei den Perückenmachern ſchlechtes Haar, das zwiſchen das gute dreſſiert und nachher abgebrochen wird. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Déck-:</comp> die kurzen Haare, welche den Körper bedecken, z. B. beim Pferde im Ggſtz. der langen Kamm-, Schwanz- und Stirnhaare. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Fêder-:</comp> Milch-H. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Frāūen-:</comp> ſ. o., auch [3] Name mehrerer Pflanzen, z. B.: Adiantum Capillus Veneris, Venus-H. ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Fǖhl-:</comp> Taſthaare, bei Einigen Bez. der langen Haare an Augen und Maul. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Gāūch-:</comp> Milch-H., ſ. Gauchbart: Bis die Gauchshaar herauswollen. Philander 2, 77. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Glánz-:</comp> glänzendes Haar: Das lichtbraune G. Gutzkow Zaub. 1, 58. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Góld-:</comp> ſ. o., auch Name mehrerer Pflanzen, ſ. Frauen-H., Chrysocoma. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Grúnd-:</comp> ſ. Borſten-H.; Das feinwollige G. des Schaf-Fließes ꝛc. Gärb.: die in der Haut verborgnen Wurzeln der Haare. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Hēīden-:</comp> Haar neugeborner [alſo noch nicht getaufter] Kinder, ſ. Heidendreck, — übertr.: die erſten Federn der jungen Tau- r ben ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Húnds-:</comp> ſ. o.; ſprchw.: H–e auflegen [was gegen den Biß toller Hunde angerathen wird, ſ. Rolenhagen Fr. 229], das Heilmittel in Dem ſuchen, was das Ubel verurſacht hat, z. B. gegen den Katzenjammer Wein trinken ꝛc., ſ. L. 11, 656. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Júngfer-:</comp> ſ. o., auch Name mehrerer Pflanzen, z. B. Polytrichum; Hordeum marinum ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Kamēl-:</comp> ſ. o. und vgl. Kamelgarn. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Króll-:</comp> das gekräuſelte Pferdehaar, wie es zu Polſtern ꝛc. dient: Polſterſitze von Dunen und K–en. Willkomm Banko 2, 90. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Láng-:</comp> langes, herabhängendes Haar. G. 30, 474. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Mílch-:</comp> zarte, weiche Haare, nam. die erſten Barthaare, vgl. Milchbart: Hatte M–e im Bart und Flachshaare um die Schläfe. G. 9, 45. Auch Feder-, Gauch-, Staub-H. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Pfêrde-:</comp> ſ. o., nach Adelung im engern ⏑inn die längern Schwanzhaare im Ggſtz. der Roßhaare, als der kürzern am übrigen Leibe (?). — Schêr- [6]: die erſten Abſchnittlinge des geſchornen Tuchs. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Sómmer-:</comp> des Sommerbalgs, Ggſtz. Winter-H. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Spīēß-:</comp> ſpitzes, ſteifes Haar, Borſten-H. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Stāūb-:</comp> Milch-H. — Stēīn- [3]: St–e⏑ von einem ſo feinen Gewebe, wie die Daunen einer Schwanfeder. Kohl I. 2, 402. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Vēnus-:</comp> Frauen-H. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Wínd-:</comp> weidm., feine Windleine an den Schleifen der Dohnen. Döbel 2, 223. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Wínter-:</comp> ſ. Sommer-H.</entry>
        </p>
      </entry>
    </body>
  </text>
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