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      <titleStmt>
        <title>Artikel „Gunst“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
            <forename>Daniel</forename>
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        </author>
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            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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        </editor>
        <editor>
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            <surname>Wiegand</surname>
            <forename>Frank</forename>
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          <email>edition-sanders@bbaw.de</email>
          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="en">Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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             <country>Germany</country>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Gunst“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="Gunst" orig="Gúnſt">Gúnſt</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="noun">f.;</pos><gen norm="feminine"/> –en (Anm.); -:</gramGrp>
        </form>
        <sense n="1)">1) (veralt.) das Gönnen (ſ. d.): Wenn Wünſchen und Gonſt (Anm.) hälfe, wollte ich ihm gern ein ander Herz wünſchen und gönnen. <bibl><author>Luther</author> <biblScope>6, 8b ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense>
        <sense n="2)">2) die Erlaubnis, Geſtattung, ſo in der Formel: Mit G.; Mit G–en, mit Erlaubnis (für die Bemerkung), ich bitte ꝛc.: Mit G–en, Herr Kaiſer, Das laſſt nur hübſch bleiben. <bibl><author>B.</author> <biblScope>67b;</biblScope> <title>Ja, mit G., Das iſt die Art der Alten.</title></bibl> <bibl><author>Reithard</author> <biblScope>37 ꝛc.;</biblScope> <title>auch als Entſchuldigung derber Ausdrücke: Der ſo den Scheißkübel (mit G.) lobete.</title></bibl> <bibl><author>Garzoni</author> <biblScope>337a ꝛc.</biblScope></bibl> — Ferner Kanzleiſpr.: Konſens, die zu Etwas ertheilte ſchriftliche Einwilligung, ſ. Gunſtbrief, mit Mz. Günſte, z.B. Amtsgünſte, vom Amt ertheilte Einwilligung ꝛc. (ſ. Zſſtzg.). —</sense>
        <sense n="3)">3) die wohlwollend geneigte Geſinnung gegen Einen, wonach man ihm alles Gute gönnt und ſein Wohl, ſeine Abſicht fördert ꝛc.: Beim Volk, bei einem vornehmen Herrn, bei einer Dame in G. ſtehn; Sich Jemandes G. erfreuen; Sich bei ihm in G. ſetzen; Aus ſeiner G. fallen; Hatte ſolche G. unter ſeinen Bürgern, daß ihn Jedermann Vater hieß. <bibl><biblScope>2.</biblScope></bibl> <bibl><author>Macc.</author> <biblScope>14, 37;</biblScope> <title>Danke, daß die G. der Muſen | Unvergängliches verheißt.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>1, 98;</biblScope> <title>Es geht die Sonne mir der ſchönſten G. | auf einmal unter; ſeinen holden Blick| entziehet mir der Fürſt.</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 180;</biblScope> <title>Wenn ſie noch ſo ſehr mir ihre G., mir ihre Zärtlichkeit | mit ſüßen Worten zeigte.</title></bibl> <bibl><biblScope>190;</biblScope> <title>Gewöhnlich erwarb ich ihre G., aber nicht ihren Beifall.</title></bibl> <bibl><biblScope>20, 238;</biblScope> <title>Aus G. und Nachſicht.</title></bibl> <bibl><biblScope>39, 233;</biblScope> <title>Du haſt der Götter G. erfahren.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>57a;</biblScope> <title>Dadurch | giebt Neigung ſich ja kund, daß ſie bewilligt | aus freier G., was ſie auch nicht gebilligt.</title></bibl> <bibl><biblScope>425a; 338b;</biblScope> <title>Frauen, durch deren G. und Huld allein ſie Jenen mitgetheilt werden kann.</title></bibl> <bibl><author>FSchlegel</author>  <title>Luc.</title></bibl> <bibl><biblScope>62 ꝛc.</biblScope></bibl> — So in der gehobnen Rede auch in Bezug auf Perſonifikationen: Wenn ihr die G. des Schickſals blüht. <bibl><author>WHumboldt</author> <biblScope>3, 242;</biblScope> <title>Die dringende Noth verſtattete nicht mehr die G. der Sterne [vorher: „die günſtigen Konſtellationen“] zu erwarten.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>977b;</biblScope> <title>Die G. des Augenblicks .. Der mächtigſte von allen | Herrſchern iſt der Augenblick.</title></bibl> <bibl><biblScope>49b;</biblScope> <title>Die G. des Glücks ꝛc.</title></bibl> — Während es aber auch in Bezug auf willenlos Gedachtes, das unſern Zwecken entſpricht, ſie fördert, ganz gewöhnlich heißt: Wir hatten auf unſrer Fahrt günſtiges Wetter; Wir waren vom Wetter begünſtigt ꝛc., ſo würde doch der Ausdruck: Die G. des Wetters ꝛc. eine der gewöhnlichen Proſa widerſtrebende Perſonifikation in ſich ſchließen, vgl. dagegen: Sich über die Un-G. des Wetters zu beklagen haben ꝛc., während Ab-G. und Miß-G. gewöhnl. wiederum nur vor Perſ. ſtehen. —</sense>
        <sense n="4)">4) (ſ. 3) auch oft von parteiiſcher Vorliebe: Es geht Alles nach G., nicht nach Verdienſt; Nach G. urtheilen; G. geht vor Kunſt; Eins wie das Andre wechſelsweiſe mit G. oder Un-G. behandelt. <bibl><author>G.</author> <biblScope>39, 310;</biblScope> <title>Von der Parteien G. und Haß verwirrt.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>319a;</biblScope> <title>Wenn wahr, ſo ergehe Recht vor G.</title></bibl> <bibl><author>V.</author>  <title>Myth.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, VI ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense>
        <sense n="5)">5) etwas aus G. (3) Gewährtes, Gunſtbezeugung: Einem eine G. erweiſen, gewähren; Mancher hatte ſchon vorher <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>der geilen Feie G. genoſſen.</title></bibl> <bibl><author>Nicolai</author> <biblScope>2, 94;</biblScope> <title>Eine Mühe, | ein Amt bloß war’s, nicht eine G., | für die ichs vorſchnell nahm.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>339a;</biblScope> <title>Selbſt ihr Widerſtand iſt eine G.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>11, 220;</biblScope> <title>Keiner, der ſich nur | der kleinſten G. von ihr zu rühmen hätte.</title></bibl> <bibl><biblScope>12, 13;</biblScope> <title>Die letzte [äußerſte] G. entzückt den Faun nicht ſo.</title></bibl> <bibl><biblScope>257 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense>
        <sense n="6)">6) der Einem aus Etwas erwachſende Vortheil, das für ihn Sprechende, ihm zum Beſten, zum Nutzen, zur Fördrung Gereichende: Zu Jemandes G–en auf Etwas verzichten, ſich äußern; Die ſchmeichelhafteſten Sachen zu ſagen, die ſie zu ihren ſchönſten G–en auslegen kann. <bibl><author>G.</author> <biblScope>10, 192; 39, 247;</biblScope> <title>Hätte ſich, zu meiner G., | in kurzer Zeit dein Wille ſo verändert?</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 351; 314;</biblScope> <title>Seine beiden Säume ſind ſchon dergeſtalt genähert zu G–en des Geſpenſtes [Spektrums] und zu Un-G–en [zum Nachtheil] des Beſchauers.</title></bibl> <bibl><biblScope>39, 338;</biblScope> <title>So kommt ihnen die G. der Neuheit zu Gute.</title></bibl> <bibl><biblScope>22, 140;</biblScope> <title>Hoffentlich wird man mir die Abſchrift .. zu G–en [zu Gute] ſchreiben und für einen Brief gelten laſſen.</title></bibl> <bibl><author>Platen</author> <biblScope>7, 63 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense>
        <sense n="7)">7) veralt. als Titel: Ew. G–en, vgl. den höhern: Ew. Gnaden.</sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">S. Gönnen, Anm., veralt. Gonſt, ſ. <bibl><biblScope>1</biblScope> <title>wie</title></bibl> Gönſtig. <bibl><author>Luther</author> <biblScope>6, 8b.</biblScope></bibl> — Bei ältern Schriftſt. <bibl><biblScope>masc.,</biblScope> <title>wie ahd. und mhd. (neben fem.) und in einigen veralt. Bed. z. B.</title></bibl> <bibl><author>Eppendorf</author> <biblScope>81;</biblScope></bibl> <bibl><author>Ryff</author>  <title>Th.</title></bibl> <bibl><biblScope>7;</biblScope></bibl> <bibl><author>Schaidenreißer</author> <biblScope>VIb;</biblScope></bibl> <bibl><author>Stumpf</author> <biblScope>79a; 391b;</biblScope> <title>Haſſes oder Gunſts urtheilen.</title></bibl> <bibl><author>Zwingli</author> <biblScope>2, 3 ꝛc.</biblScope></bibl> — Dazu auch Mz.: Das Volk nahm dich in ſeine Günſte. <bibl><author>Fleming,</author>  <title>vgl.</title></bibl> <bibl><biblScope>2.</biblScope></bibl> — Übrigens iſt die Mz., außer in den adverbiellen Fügungen: Mit G–en (2); Zu G–en (6) unüblich (vgl. 7), indem nam. für <bibl><biblScope>5</biblScope> <title>lieber</title></bibl> Gunſtbeweiſe geſagt wird, doch z. B. alterthümelnd im Kanzleiſtil: Mit Hulden und Großgunſten <bibl><biblScope>omni modo</biblScope> <title>überſchüttet.</title></bibl> <bibl><author>W.</author></bibl> <bibl><author>(Merck’s</author>  <title>Br.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 291).</biblScope></bibl></p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. vielfach mit Hw. (ſ. 3—5), z. B.: Da- men-G. ſorgfältig zu verbergen. W. 11, 203; Und wärſt du ſelbſt der Preis und deine Frauen-G. [gewährte Liebe]. Sch. 420b; Ein Seil, aus drei mächtigen Stricken, Weiber-, Fürſten-G. und Schmeichelei gedreht. 9, 49; Herren-G. (ſ. u.) iſt veränderlich wie Aprilwetter; Hof- G. oder Hofe-G. Logau 2, 5, 65; Alles .. druckſt du aus durch Muſen-G. G. 6, 73; Von dem Weihrauche der Parteien-G. ſo betäubt. Gutzkow R. 6, 45 ꝛc.; aber auch: Herren-G. [2]: Konſens des Gutsherrn an einen Pächter zur Ubernahme eines Laßguts, d. h. eines ſolchen, wovon der Herr ihn jährlich gegen Rückgabe des Laudemiums entfernen kann und dazu: Herrengünſtler: der ſo der Gunſt des Herrn abhängige Beſitzer eines Laßguts. — Ferner mit Vorſ. z. B.: Ab- [3]: die Abneigung, Entfremdung, wonach man ſich von Einem abwendet, ſein Intereſſe nicht theilt und nicht fördert, oft nahe grenzend an Miß-G., die Geſinnung, wonach man Einem das Gute mißgönnt und ihm zu ſchaden ſucht, vgl. Un-G.: Geheimen Neid und ſtille A. Immermann M. 1, 370; Gerechtigkeit entfernt von Zu- und Gegenneigung, | von Vorlieb’ und Mißlieb’, A. und Gunſtbezeigung. Rückert W. 2, 117; Der eure Gunſt nicht ſucht, | noch eure A. fürchtet. Sch. 558a; So hätten wir die A. des Stagiriten [vom Heraklit] um ſo mehr zu beklagen. Schleiermacher 3, 2, 52; Wachſamkeit gegen Gunſt oder A. V. Ant. 1, 166; Zu Einem, der zu ihm ſagte, er wäre ihm mißgünſtig, ſagte er: Ich wünſchte .., daß ich Etwas in dir finden möchte, das der A. werth. Weidner 189 ꝛc. — Gêgen- [3]: Erwidrung der Gunſt: G. erhöhet Gunſt, | Gegenliebe nähret Liebe. B. 27a; Ihm ihre G. zu gönnen. Hagedorn 2, 154 ꝛc. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Miß-:</comp> ſ. Ab-G. und Mißgönnen: Von Gunſt und M. gleich entfernt. Chamiſſo 4, 10; Neid entſpringt aus Selbſtſucht, M. aus Feindſchaft. Engel 7, 265; M. und Haß beſchränken .. Hingegen Wohlwollen und Liebe ꝛc. G. 3, 189; An ſeinen Thaten beißt der Zahn der M. nicht. Haller 86; Beſorgnis vor dem Neid und der M. des Geſchicks. WHumboldt 3, 7; Die M. nagte | ihm an der Leber. Ramler F. 3, 7; [Des Königs] Ungunſt muſſt du laſſen dir gefallen; | doch ſeine M. iſt ein Dämon ſchadenfroh. Rückert W. 2, 31; Drum ſieht er jedes Biedermannes Glück | mit ſchelen Augen gift’ger M. an. Sch. 519b; Schelſehende M. 314a; Der Sterne M. W. 20, 185 ꝛc. Zuw. = Un-G., Mißkredit: Um ſich an den Höfen, an welchen er gelitten war, nicht in M. zu ſetzen. L. 11, 45 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Un-:</comp> der reine Gegenſatz von Gunſt [3; 6]: Wer Liebe hegt, ſoll keine U. achten. Freiligrath Ven. 39;. Durch liebreiche Scheltworte mit ſcheinbarer U. Etwas günſtig zu bezeichnen. G. 32, 252; Uns durch die U. des Schickſals entzogen. Guhrauer L. 1, 13; Einen getreuen, weder von Gunſt noch U. gefärbten Bericht. Prutz Muſ. 2, 269 ꝛc. — Ver- [2]: Ei, ei! mit V. Chamiſſo 3, 226; Iſſt man denn, mit V., ſpaniſchen Pfeffer bei Euch? Xenien 364 ꝛc.; 1. Kor. 7, 6; Er erlangte nur die V., in der Oſtermeſſe .. ſpielen zu dürfen. Devrient 2, 81; Du meinſt wohl ſelbſt, kein V. dazu von mir zu gebrauchen. Fouqué (Schlegel DM. 4, 113); Bewahre Jeder die V., | auf ſeine Weiſe toll zu ſein. G. 3, 130 ꝛc., vgl. Vergünſtigung. — Mundartl. [5] Carion Mar. Ther. 1, 64 ꝛc.</entry>
        </p>
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