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        <title>Artikel „gern“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
            <forename>Daniel</forename>
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            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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        </editor>
        <editor>
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            <surname>Wiegand</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „gern“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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          <pc>),</pc>
          <gramGrp><pos norm="adverb">adv.:</pos></gramGrp>
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        <sense n="1)">1) mit Luſt, mit Vergnügen, mit freudiger Bereitwilligkeit ſeinem Begehren, Triebe, der Neigung folgend: Er giebt g. [liebt es im Allgemeinen, zu geben]; Nimm nur, ich geb’ es dir g. [mit Vergnügen, in Bezug auf den einzelnen Fall]; Jch ſchlafe im Allgemeinen nicht g. lang, aber heute hätte ich g. noch ein Stündchen gelegen; G. eſſen, trinken, tanzen, ſpielen, arbeiten ꝛc.; Etwas, Einen g. haben, g. ſehen, g. mögen; Ich möchte, wollte g., aber ich darf nicht; Von Zeit zu Zeit ſeh’ ich den Alten g. <bibl><author>G.</author> <biblScope>11, 17;</biblScope> <title>Wir würden | doch lieber langſam gehn und unſre Hand | ihm g. und willig leihen.</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 105;</biblScope> <title>Von eurer Macht allein und ihrer Furcht | erhaltet ihr den g. verſagten Dienſt [den ſie ihrer Neigung folgend verſagen würden].</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>492a ꝛc.</biblScope></bibl> — So mit Bezug auf ein andres als das genannte Subjekt: Du kannſt es g. bekommen, mitnehmen <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>immerhin, meinethalb, eig.: Jch gebe, laſſe es dir g. ꝛc.</title></bibl> — <sense n="a)">a) verſtärkt durch mancherlei Zuſätze, z. B.: Etwas herzlich g., von Herzen g. thun; Da ſtimm’ ich mit ein, von Herzen g. <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>3, 217 ꝛc.</biblScope></bibl> — Etwas für ſein Leben g. mögen; Es wußte für ſein Leben g., was dieſe oder jene Nachbarin ſage. <bibl><author>Gotthelf</author>  <title>Sch.</title></bibl> <bibl><biblScope>161;</biblScope> <title>Für mein Leben g. hätte ich auch einen Blick in den Harem geworfen.</title></bibl> <bibl><author>Kinkel</author>  <title>Erz.</title></bibl> <bibl><biblScope>188 ꝛc.</biblScope></bibl> — Sehr g., recht g., gar g., gar (ſ. d. 2b) zu g., wobei der urſpr. Sinn des Übermaßes oft zurücktritt <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>überaus g.: Ich gönne dir das Vergnügen gar zu g., vgl. das</title></bibl> — das tadelhafte Übermaß mehr andeutende: Ich ſpiele nur zu g. Karten ꝛc. (vgl. 2b); Sie thäten es nicht mehr (ſ. d.) wie [gewöhnl.: als] g. <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>6, 245 ꝛc.</biblScope></bibl> — So auch in Zſſtzg. z. B.: Jch geb’s ihm herzens-g. (mundartl. auch: blut-g.); Zuletzt ſähe ich unſre Sprache lebens-g–e von einer Menge nichtsſagender Silben gereinigt. <bibl><author>Enſe</author>  <title>Denkw.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 172.</biblScope></bibl> — Der ſeelen-g. des Nächſten Gram <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>von dem beſchwerten Herzen nahm.</title></bibl> <bibl><author>Burmann</author>  <title>Fab.</title></bibl> <bibl><biblScope>47.</biblScope></bibl> — Weil ich’s ſo über-g–e vergeſſen mag. <bibl><author>Tieck</author> <biblScope>16, 361 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="b)">b) mit Verneinung, wobei deren Stellung zu beachten iſt: Ich gehe nicht g. zu Ball [liebe das Ballgehn nicht]; Ich ginge gern heute nicht zu Ball [meiner Neigung entſpräche das Nichtgehn]: Er möchte gern Keinen beleidigen [es iſt ſein Wunſch, Keinen zu beleidigen]; Er möchte Keinen g. beleidigen [es wäre ihm unlieb, Einen zu beleidigen]; Die Kinder, ſie hörens nicht g–e. <bibl><author>G.</author> <biblScope>1, 143;</biblScope> <title>Ich gab nicht g. den Willen drein.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>11, 171;</biblScope> <title>Ich hab’s nicht g. [nicht mit Abſicht, mit Fleiß] gethan; Es iſt nicht g. geſchehn ꝛc.</title></bibl> — Zuw. minder genau: Nur will g. kein Volk [gewöhnlicher: kein Volk g.] das Wenigere auf ſeine Sprache kommen laſſen. <bibl><author>L.</author> <biblScope>11, 154ꝛc.</biblScope></bibl> — Stärker als: nicht g. iſt der reine Ggſtz.: un-g. (ſ. d.), der nicht bloß das Fehlen der Luſt, ſondern gradezu die Unluſt, den Widerwillen, Verdruß bezeichnet. — Man beachte die Wendung: G. oder nicht, verkürzt <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>gleichviel ob man es gern will oder nicht; ohne daß man um ſein Wollen gefragt wird;</title></bibl> <bibl><biblScope>nolens, volens:</biblScope> <title>G. oder nicht, ſie muß es tragen.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>11, 193; 8, 206; 12, 288 ꝛc.</biblScope> <title>So auch: Die Freiheit .., die er ihr, g. oder un-g., laſſen mußte.</title></bibl> <bibl><biblScope>19, 303; 193;</biblScope> <title>Schleppen ihn, g. oder un-g., fort auf die Schiffe.</title></bibl> <bibl><author>Hebel</author> <biblScope>3, 101</biblScope> <title>u. v.</title></bibl> —</sense><sense n="c)">c) zuw. als ſächl. Hw.: Das G. [g. Geben] iſt noch ſeltener als Geld. <bibl><author>Gotthelf</author>  <title>U.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 315.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="d)">d) vielfach in Zſſtzg. zur Bildung von perſönl. Hw., wo es nachſtehnd (in imperativiſchen Bildungen) die Neigung zu Etwas, voranſtehnd „das eitle und fruchtloſe Beſtreben“, Etwas zu ſein ausdrückt (ſ. <bibl><author>L.</author> <biblScope>5, 321):</biblScope> <title>Ein Habegern, Spiel-g., Tadel-g., Trink-g., Zank-g. ꝛc.,</title></bibl> — ein Gern(e)groß, Gern(e)klug, Gern(e)gelehrt, Gern(e)witz ꝛc. —</sense></sense>
        <sense n="2)">2) übertr.: <sense n="a)">a) auch auf Lebloſes, in einer Art Perſonifikation zur Bezeichnung Deſſen, was dem Weſen, der Eigenthümlichkeit gemäß iſt u. deßhalb gewöhnlich ſtatthat: Dieſe Pflanze wächſt g. am Waſſer, jene hat g. trocknen Boden; Stille Waſſer ſind g. [gewöhnlich, in der Regel] tief; Da wächſt der Wein, wo’s Faß iſt; <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>es regnet g., wo’s naß iſt.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>2, 243;</biblScope> <title>Gießt man zu heiß, ſo fallen die Lichte g. fleckig aus.</title></bibl> <bibl><author>Karmarſch</author> <biblScope>2, 414; 3, 169;</biblScope> <title>So iſt ſittliche Vortrefflichkeit g. die Begleiterin eines vergnügten Gemüths.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>1134a;</biblScope> <title>Zwar wird (wie man im Liede ſinget) | die Schönſte g. dem Tapferſten zu Theil.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>12, 187 ꝛc.</biblScope> <title>Doch vermeidet man die Anwendung jetzt gewöhnlich, wo Mißdeutung mit 1) zu befürchten iſt, z. B.: Die hohen Steiger fallen g. (Sprchw.).</title></bibl> <bibl><author>Schottel</author> <biblScope>1132a.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="b)">b) <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>leicht, zur Bez. der Möglichkeit, indem Etwas ſeinem Weſen nach dem Geſagten nicht widerſtreitet, z. B. (veralt.) von Sachen: Körper, welche feſt, | wovon keiner g. ſich trennen, | weniger behämmern läſſt.</title></bibl> <bibl><author>Brockes</author> <biblScope>9, 41;</biblScope> <title>Waſſergehölze, ſo ſich g. ſchälen läſſt.</title></bibl> <bibl><author>Zink</author> <biblScope>1, 313.</biblScope> <title>Auch: Ein Schwert, das ging g. [leicht, willig] aus und ein.</title></bibl> <bibl><biblScope>2.</biblScope></bibl> <bibl><author>Sam.</author> <biblScope>20, 8 ꝛc.</biblScope></bibl> — Ferner (ſ. a) auch hier hochd. heute vermieden, wo Mißdeutung mit <bibl><biblScope>1</biblScope> <title>zu befürchten, z. B.: Du hätteſt g. einen Andern.</title></bibl> <bibl><author>Gotthelf</author>  <title>Sch.</title></bibl> <bibl><biblScope>9 [=</biblScope> <title>bekämſt leicht ꝛc.]; Bekanntlich ſtreckt man die Hände nicht g. zwiſchen .. beißende Hunde, man kriegt g. [leicht] Zähne drein. U.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 305;</biblScope> <title>Wir . kommen nicht g. in den Harniſch [gerathen nicht leicht in Zorn].</title></bibl> <bibl><author>Weidner</author> <biblScope>29;</biblScope> <title>doch findet ſich: Der Weiſe, | der g–e die Geduld verlor.</title></bibl> <bibl><author>Pfeffel</author>  <title>Po.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 161;</biblScope> <title>Es war einmal, ich denke zu Salern, | ein König, Namens</title></bibl> — ja! die Namen, <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>die Namen, die vergeſſ’ ich gar zu g.!. ..Genug, daß in Salern | ihm Niemand g. den Preis der Schönheit ſtreitig machte.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>12, 3 ꝛc.</biblScope></bibl> — Dagegen gewöhnl.: Das glaube ich g. [leicht, wohl]; Das will ich g. glauben; Das iſt g. möglich; Es begegnet mir g., daß ich zu raſch urtheile. <bibl><author>Sch.</author>  <title>(Liter. Nachl. der Frau v.</title></bibl> <bibl><author>Wolzogen</author> <biblScope>1, 228);</biblScope> <title>Wie man denn in unbefriedigten Stunden nur zu g. auf ſonderbare Spielereien verfällt.</title></bibl> <bibl><author>König</author>  <title>Kl.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 56;</biblScope> <title>Dieſe Kleider konnten in der Ferne .. g. für ein ſich bewegendes menſchliches Weſen gehalten werden.</title></bibl> <bibl><author>Willkomm</author>  <title>Wald</title></bibl> <bibl><biblScope>196 ꝛc.</biblScope></bibl> — Häufig in Verbindung mit gut (ſ. d.), z. B. eig.: Dafür kannſt du gut und g. zehn Thaler geben; dann auch mit Bezug auf ein gedachtes Subj.: Das koſtet gut und a. [füglich, mindeſtens] <bibl><biblScope>10</biblScope> <title>Thaler ꝛc.; In der Zeit, die mir ein Stück von</title></bibl> <bibl><biblScope>10</biblScope> <title>Bogen koſtet, könnte ich gut und g. mit weniger Mühe</title></bibl> <bibl><biblScope>100</biblScope> <title>andere Bogen ſchreiben.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>12, 384;</biblScope></bibl> <bibl><author>B.</author> <biblScope>176a</biblScope> <title>u. o.</title></bibl></sense></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Goth. <bibl><biblScope>gairns,</biblScope> <title>ahd.</title></bibl> <bibl><biblScope>gërno,</biblScope> <title>mhd.</title></bibl> <bibl><biblScope>gërne,</biblScope> <title>vgl.</title></bibl> <bibl><biblScope>III.</biblScope> <title>Gehren, Anm.</title></bibl> — Veralt. als Ew., vgl. noch mhd. <bibl><biblScope>mietegërn, niugërne ꝛc.,</biblScope> <title>lohn-, neu-gierig ꝛc. Die Steigrung meiſt von lieb gebildet und ſo entſpricht z. B.: „Ich habe dich</title></bibl> lieber als ihn“ den beiden verſch. Wendungen; Ich habe dich gern, — und: lieb (ſ. d.), vgl. jedoch: Mich ſelbſt verdruß ebenſo faſt, ſo mich ein Wirth zu lieb und g. hielt, als wenn er mich mit Unwillen ausjagte und un-g. hätte. <bibl><author>Schaidenreißer</author> <biblScope>63a;</biblScope> <title>Hab ich nicht das Mädel g. gehabt wie meinen Augapfel.</title></bibl> <bibl><author>Spindler</author>  <title>Stadt</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 7.</biblScope></bibl> — Doch findet ſich auch: Gern und Gerner: Es mag der alte Zecher <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>ſich g–e ſonnen</title></bibl> <bibl><biblScope>..</biblScope> <title>und g–er ſich ſonnen am Klarblick deiner Augen ꝛc.</title></bibl> <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>3, 72;</biblScope> <title>Um ſo viel</title></bibl> lieber, je gerner wir ꝛc. <bibl><author>L.</author> <biblScope>3, 16;</biblScope> <title>Ich hab euch immer am</title></bibl> gernſten gehabt. <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>131a;</biblScope> <title>Er wird</title></bibl> gerner darauf verweilen, ohne zu wiſſen, warum. <bibl><biblScope>690b ꝛc.</biblScope></bibl> — Dieſe Steigrung iſt die gewöhnliche bei un-g., ſo: Ungerner. <bibl><author>G.</author>  <title>Stein</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 235;</biblScope></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>12, 247; 421;</biblScope></bibl> <bibl><author>Luther</author> <biblScope>6, 28a ꝛc.</biblScope></bibl> — Am (aller-)ungernſten. <bibl><author>G.</author> <biblScope>9, 248;</biblScope></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>12, 146; 244 ꝛc.</biblScope></bibl></p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <entry type="sub">Zſſtzg. ſ. 1a; außerdem: Ún- [1b u. Anm.]: Ungern ſeh ich den Jüngling, der immer ſo thätig | mir in dem Hauſe ſich regt, nach außen langſam und ſchüchtern. G. 5, 12; Die Gabe .., | die er oft ungern giebt, um loszuwerden den Armen. 14 ꝛc.</entry>
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