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        <title>Artikel „Gehen“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
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            <surname>Sanders</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Gehen“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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          <orth expand="Gehen" orig="Gêhen">Gêhen</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp>ging; gegangen:</gramGrp>
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        <sense><bibl><biblScope>intr.</biblScope> <title>(ſein, Anm.): dies Zeitwort von weitem Umfang bezeichnet die Bewegung, das im-Gang-Sein, und zwar urſpr. das Sich-Fortbewegen lebender Weſen, im engern Sinn mittels der gleichmäßigen Fortbewegung der Füße, wo es den andern Arten der Fortbewegung entgegengeſetzt wird (z. B. dem Kriechen, Laufen, Springen, Hüpfen, Schwimmen, Fliegen ꝛc., wie auch dem Fahren, Reiten, Schiffen ꝛc.), im weitern Sinn aber auch dieſe Arten der Bewegung mitumfaſſt. In Bezug auf den Standpunkt des Sprechenden ſteht es als das</title></bibl> Fort- bewegen dem Kommen, dem Sich-hinzu-bewegen, gegenüber. — In noch weitrem Sinne ſteht g. auch <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>ſich bewegen, ſelbſt von nicht-lebenden Weſen, denen eine Bewegung eigen iſt oder mitgetheilt wird oder auch nur beigelegt wird, und zwar metonymiſch auch von einem Ganzen, das durch die Bewegung, das Fortrücken eines Theils im Gange (ſ. d.) iſt, und endlich in vielen Wendungen allgem.</title></bibl> <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>ſich bewegen, ſich erſtrecken, im Gange ſein, wie die Belege im Folgenden zeigen, welches wir aber der Uberſichtlichkeit halber nach grammat. Beziehungen ordnen: 1) ohne beigefügte nähere Beſtimmung (perſönlich und unperſ.):</title></bibl> <sense n="a)">a) Die Kinder kriechen, ehe ſie g. lernen; Wenn ich nicht mit fahren kann, gehe ich; Er kam gegangen, kam zu g.; Man kam [an] und ging [weg]; Ich muß jetzt g. [fort]; Die Jahre kommen und g. <bibl><author>Heine</author>  <title>Lied.</title></bibl> <bibl><biblScope>202;</biblScope> <title>Die Sonne kommt wieder in ihrer Kraft und der Nebel iſt gegangen.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>14, 139;</biblScope> <title>Das Stück will gegen das Ende weder g. noch rücken [weder vorwärts noch rückwärts]; Die Poſt das Schiff, die Eiſenbahn geht [fährt ab] um</title></bibl> <bibl><biblScope>6</biblScope> <title>Uhr; Das Rad, der Pendel, der Zeiger</title></bibl> — meton.: Die Maſchine, die Mühle, die Uhr geht [iſt im Gang]; Die Orgel geht [wird geſpielt]; Die Thür geht [bewegt ſich, wird geöffnet]. <bibl><author>Prutz</author>  <title>Woch.</title></bibl> <bibl><biblScope>125;</biblScope> <title>Der Teig geht [auf, hebt ſich]; Es geht [weht] ein unfreundlicher Wind.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>10, 13;</biblScope> <title>Es geht die Rede, das Gerücht [iſt im Gang, verbreitet]; „Wie befindeſt du dich?“ Es geht [macht ſich, ziemlich, vgl. hing.</title></bibl> <bibl><biblScope>2b];</biblScope> <title>Als erſter Verſuch geht’s; Das möchte noch Alles [hin-] g.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>10, 20;</biblScope> <title>„Das geht nicht.“ Verſuch nur, es wird ſchon g. [ſich machen laſſen] ꝛc.</title></bibl> — Mundartl.: Er wußte doch immer, was [vor-] ging [im Gang, im Werk war]. <bibl><author>Gotthelf</author>  <title>G.</title></bibl> <bibl><biblScope>246;</biblScope> <title>Frauen, wenn ſie g. [ſchwanger ſind, ſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>2b].</biblScope></bibl> <bibl><author>Günther</author> <biblScope>421 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="b)">b) als ſubſtant. Infin.: Das G. wird ihm ſauer; Ich bin des G–s müde; Er lieſt im G. ꝛc.; Es war ein beſtändiges G. und Kommen in dem Hauſe; Das G. der Mühle ꝛc. —</sense><sense n="c)">c) in Verbindung mit „laſſen“: Eine Perſon g. [ihres Weges g., in Ruhe] laſſen. — Sich g. laſſen, ohne Achtſamkeit auf ſich, ohne ſich zu zügeln ꝛc. ſich ſeinem natürlichen Weſen, ſeinem Trieb, ſeinen Leidenſchaften ꝛc. überlaſſen; ſich Nachläſſigkeiten zu Schulden kommen laſſen; im Infin. ohne ſich: Ein zu einem lockern Gehenlaſſen geneigter Geſelle. <bibl><author>Danzel</author> <biblScope>85.</biblScope></bibl> — Etwas g. laſſen, es ſeiner Entwicklung, ſeinem Gang überlaſſen; Den Teig g. [auf-g.] laſſen; Er läſſt es g., wie’s Gott gefällt; Ich laß es gehn <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>und muß denn eben dieſen Vorwurf tragen.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>13, 162;</biblScope> <title>Mit eurem ewigen Gehenlaſſen! Dieſes ſtete Vertuſchen!</title></bibl> <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 388;</biblScope> <title>vgl. hin-g.</title></bibl> — Wenn du den Byron gekauft haſt, ſo iſt es gut; ſonſt laß es gehn [ſein, unterlaß es]. <bibl><author>Platen</author> <biblScope>7, 112.</biblScope></bibl> — Einen, einen Wind g. [ſtreichen, fahren] laſſen; Wo ich Alles unter mich g. laſſe [die Erkremente unwillkührlich abgehen laſſen, unter ſich machen]. <bibl><author>G.</author> <biblScope>29, 270 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="d)">d) der Imperat., als Jnterjektion der Bitte, Aufmuntrung, — aber auch des Fort- und Zurückweiſens; vgl. Ach; Jch bitte dich ꝛc.: Gehe und erzähle weiter! <bibl><author>IHJacobi</author> <biblScope>5, 17;</biblScope> <title>Geh, thu mir den Gefallen; Geh! gehorche meinen Winken.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>1, 104;</biblScope> <title>Geht, geht! erzählt Das Mädchen, die den Theuerdank leſen.</title></bibl> <bibl><biblScope>9, 54;</biblScope> <title>Mit altem Käſe? geh, du Schwein!</title></bibl> <bibl><author>Lichtwer</author> <biblScope>112,</biblScope> <title>vergl.</title></bibl> <bibl><biblScope>3. 2)</biblScope> <title>mit Adverbien oder adverbiellen Beſtimmungen (ſ. 5):</title></bibl></sense><sense n="a)">a) des Orts, eigentl. und übertr.: Auf und ab (nieder), hin u. her (wider), vor-, rück-, ſeitwärts, ſeitab, links, rechts, gradaus, vorbei, vorüber, umher, im Kreiſe herum, rund g.; Der Pendel geht hin und her; Der Weg geht erſt gradaus, dann links; Wohin geht die Reiſe?; „Gehſt du zu Ball?“ Ich gehe hin; Er geht dahin, wo du herkommſt; Seine Abſicht, Anſicht, Meinung geht dahin, daß ꝛc. [auf das Ziel]; Der Dahingegangne [Verſtorbne]; Wie gefährliche Anſchläge einſt in meinem Kopf rundgegangen. <bibl><author>Arndt</author>  <title>Ber.</title></bibl> <bibl><biblScope>VI;</biblScope> <title>Die Thüre, die glücklicherweiſe hereinwärts ging [ſich öffnete].</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>19, 90;</biblScope> <title>Der gute Mann ſchien eher zurück als vorwärts gegangen zu ſein [eher Rück- als Fortſchritte gemacht zu haben].</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>17, 268;</biblScope> <title>In ſeinen Fordrungen, Anſprüchen ꝛc. weit g. [Viel fordern]; Da ſie nun | berichtet ſind, wie weit du ſchon gegangen [dich eingelaſſen].</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>361a;</biblScope> <title>So weit ging [erſtreckte ſich] weder | mein Auftrag, daß ich wüßte, noch mein Eifer.</title></bibl> <bibl><biblScope>332;</biblScope> <title>Die Frechheit geht ſo weit, daß ꝛc.</title></bibl> — Ein Geſchöpf, das ihm nahe ging [vgl. nahe ſtehen]. <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>205a;</biblScope> <title>Der Verluſt geht mir nahe [geht mir zu Herzen] ꝛc.</title></bibl> — Mein Hierher-G. <bibl><author>G.</author> <biblScope>33, 176 ꝛc.</biblScope></bibl> — S. Zſſtzg. —</sense><sense n="b)">b) der Art und Weiſe: Schnell (im Trab, Galopp) g.; Das ſchnelle G.; Langſam, aber ſicher g.; Leiſe, auf den Zehen g.; Aufrecht, grade, gebückt, krumm, aus-, einwärts mit den Füßen g. — Der Wandrer ging fehl, irre. — Es, ein Geiſt geht irre im Schloſſe [geht um, ſpukt]. <bibl><author>Muſäus</author>  <title>M.</title></bibl> <bibl><biblScope>4, 55;</biblScope></bibl> <bibl><author>Heine</author>  <title>Rom.</title></bibl> <bibl><biblScope>61.</biblScope></bibl> — Die Uhr geht richtig, falſch, vor, nach. — Die See, die Wellen g. hoch, hohl ꝛc.; Der Wind geht ſtark. — Der Pflug geht [dringt ein] tief, flach ꝛc. — In einer Sache bedächtig, gründlich, ernſt, vorſichtig [zu Werk] g., verfahren. — Der Hirſch geht hoch, iſt hochvereckt, hat ſein volles Geweih. — Schön, häßlich, prächtig, zerriſſen, zerlumpt, nach der Mode, in Sammt gekleidet g., auch ohne „gekleidet“; In langen Kleidern g., barfuß, barhaupt, ohne Hut, nackt g., ſtolz (daher, einher) g. ꝛc; In Trauer, ſchwarz, — im Ggſtz.: bunt g. <bibl><author>(Gotter</author> <biblScope>1, 64);</biblScope> <title>Daß er aufs Schloßamt komme, wie er ſteht und geht [ſofort,</title></bibl> — zunächſt wohl ohne ſich umzukleiden]. <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 378;</biblScope> <title>Holten die Dragoner mir Nichts dir Nichts den Amtmann ab, wie er ging und ſtand.</title></bibl> <bibl><author>Hebel</author> <biblScope>3, 151</biblScope> <title>u. o.; Der Knabe hier.. iſt, wie er geht und ſteht [leibt und lebt, ſo wie er da iſt] ein Schurke.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>15, 229.</biblScope></bibl> — Die Häſin geht [iſt] dicke, die Kuh trächtig, die Frau ſchwanger; Er geht mit dieſem Plan ſchon lange ſchwanger [trägt ſich damit]. — Er geht [iſt] müßig, iſt dauernd unbeſchäftigt, ein Müßiggänger, vgl. veralt.: Betrübt g. <bibl><author>Jer.</author> <biblScope>14, 3;</biblScope> <title>Gefangen g.</title></bibl> <bibl><biblScope>20, 6 ꝛc.</biblScope></bibl> — Sie g. dabei ganz ſicher [können keinen Schaden leiden]. — Er geht Deſſen verluſtig, quitt [verliert es]. — Etwas geht [wird] verloren, quitt. — Die Sache geht ſchief, es geht ſchief mit der Sache; Es geht gut, ſchlecht mit Etwas [nimmt damit ſolchen Gang]; Wo’s am tollſten [her-] geht. <bibl><author>G.</author> <biblScope>6, 78;</biblScope> <title>So konnt es gehn und ſtehn [die Sache konnte ſo Fortgang und Beſtand haben, konnte ſo füglich beſtehn].</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>11, 129;</biblScope> <title>Geht doch Alles, wie ſie es nur wünſchen können [hat den erwünſchten Fortgang].</title></bibl> <bibl><biblScope>10, 4;</biblScope> <title>Wir wollen, geh’s wie’s geh [was auch der Erfolg ſei].</title></bibl> <bibl><biblScope>9, 64;</biblScope> <title>„Wie geht’s dir?“ [wie befindeſt du dich]; Es geht mir hier gut, ſchlecht ꝛc.; Auf daß es dir wohl gehe.</title></bibl> <bibl><biblScope>5.</biblScope></bibl> <bibl><author>Moſ.</author> <biblScope>5, 16;</biblScope> <title>Es geht der Frau unrichtig, ſie abortiert.</title></bibl> — So auch im Infin. als ſächl. Hw.: Das Wohl-G. ſ. Er-g. — Mundartl.: Wie hart es ihnen ging [fiel, vgl. nahe gehen], daß die Frau fortwollte. <bibl><author>Gotthelf</author>  <title>G.</title></bibl> <bibl><biblScope>408.</biblScope></bibl> — Es geht [dauert] lange (ſchwzr.). <bibl><author>Tſchudi</author>  <title>Th.</title></bibl> <bibl><biblScope>443;</biblScope></bibl> <bibl><author>Gotthelf</author>  <title>Sch.</title></bibl> <bibl><biblScope>282;</biblScope> <title>U.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 362;</biblScope> <title>Jahre werde es g. (ſ. 4a), ehe ꝛc.</title></bibl> <bibl><biblScope>64.</biblScope></bibl> — Ein wenig mehr Gehirne <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>.. ſollte .. nicht ſo übel gehn [ſtehn, paſſen] zu dieſer ſchönen Stirne.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>12, 32. 3)</biblScope> <title>in Verbindung mit Zeitwörtern. Die Abſicht, in welcher ein Gang unternommen wird, bezeichnet der Infin. mit ,,um zu“: Er ging in den Wald, um Holz zu holen,</title></bibl> — um ein Wild zu ſchießen; Er geht zu Bett, um zu ſchlafen, — um zu ſchwitzen; Er geht an die Quelle, um zu trinken, — um Waſſer zu holen ꝛc. Hier kann überall das „um“ wegbleiben, wobei denn das Gehen als eine Bewegung zur Erreichung eines Zwecks weniger hervortritt: Ich gehe nur, <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>nach einer guten Freundin .. zu ſehn.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>8, 70;</biblScope> <title>Gingen ſie, auszuruhn, zur eigenen Wohnung ein Jeder.</title></bibl> <bibl><author>V.</author>  <title>Od.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 396.</biblScope> <title>Es kann dann aber auch noch das ,,zu“ wegbleiben, doch dann bez. g. nur das der eigentlichen Handlung Vorangehende, nicht eine Abſicht, vgl.: Er geht täglich eine Stunde, um beſſer zu ſchlafen,</title></bibl> — Er geht früh ſchlafen [zur Ruhe]: Sitzen g., ſich ſetzen; Liegen g., ſich legen; Er geht dreſchen, heuen, mähen, Gras ſchneiden, Holz (Waſſer ꝛc.) holen ꝛc.; Er geht betteln, hauſieren, ſpazieren [bettelt ꝛc.]; Flöten (ſ. d. II) g. <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>verſchwinden; vgl.: Da ging ich jagen durch die wilden Gründe.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>532b; 533a;</biblScope> <title>Und der Knabe ging zu jagen.</title></bibl> <bibl><biblScope>50b;</biblScope> <title>Die Herden gehn ſich weiden.</title></bibl> <bibl><author>SDach</author></bibl> <bibl><author>(W</author></bibl> <bibl><author>Müller</author>  <title>Bibl.</title></bibl> <bibl><biblScope>5, 8);</biblScope> <title>Wenn ich Büttner’n beſuchen ging.</title></bibl> <bibl><author>Forſter</author>  <title>Br.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 193;</biblScope> <title>Ehe ich Beſuche ablegen ging.</title></bibl> <bibl><biblScope>179;</biblScope> <title>Daß ich Waſſer ſchöpfen gehe.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>1, 169;</biblScope> <title>Wuſſt’ ich nicht, | daß ich mit einem Weibe handeln ging.</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 21</biblScope> <title>[„zu handeln ging“.</title></bibl> <bibl><biblScope>34, 166];</biblScope> <title>Ich geh mit meinen Leuten Freiheit finden [ſuche ſie].</title></bibl> <bibl><biblScope>8, 69;</biblScope> <title>Und ich ſoll dienen g.?</title></bibl> <bibl><author>Herwegh</author> <biblScope>1, 19;</biblScope> <title>Schulzens Hadrian ging klagen.</title></bibl> <bibl><author>Lichtwer;</author>  <title>Die Kraft ſeiner Lenden iſt verſiegen gegangen.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>106b =</biblScope> <title>verſiegt, vgl.: Verſiegen geht der Fluß.</title></bibl> <bibl><author>Schwab</author> <biblScope>182,</biblScope> <title>wie denn dieſes ,,g.“ mit dem Infin. oft faſt nur als bloße Umſchreibung erſcheint, woran ſich in Bezug auf thätige Zeitw. g. mit nachfolgendem „Und“ (ſ. d.) anſchließt: Er ging und klagte es meinem Vater</title></bibl> <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>er klagte ꝛc.; Ich werde g. und ihm unſern Vorſchlag eröffnen; Geh und gieb ſeinen Schmeicheleien Gehör! (ſ. 1d).</title></bibl> — Vgl. ferner: Ging auch ihr ganzes Dichten und Trachten dahin <bibl><biblScope>[2a],</biblScope> <title>uns zu gefallen.</title></bibl> <bibl><author>Forſter</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 249;</biblScope> <title>Ging er daran</title></bibl> <bibl><biblScope>[5a],</biblScope> <title>zu ſtrählen.</title></bibl> <bibl><author>Immermann</author>  <title>M.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 59 ꝛc. 4)</biblScope> <title>mit abhäng. Kaſus:</title></bibl></sense><sense n="a)">a) mit Accuſ. des Maßes, räumlich und zeitlich: Eine Meile, eine Stunde g.; Eine Meile in zwei Stunden; — Zwei Stunden auf eine Meile g.; Er iſt eine gute Strecke mit mir gegangen; Er ging den Saal auf und ab; Dieſe Uhr geht einen Monat ꝛc. —</sense><sense n="b)">b) mit Accuſ. zur Beſt. der Art des Gangs, vgl. <bibl><biblScope>2b:</biblScope> <title>Das Pferd geht einen ruhigen Gang, einen ſtarken Trab, den Paß, den Galopp; Die Mädchen .. gehen ihren ſtillen Schritt.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>11, 37;</biblScope> <title>Die Sache iſt den Krebsgang gegangen ꝛc.</title></bibl> — Mönchlein, du gehſt einen ſchweren Gang; Den Weg des Verderbens, alles Fleiſches g.; Den kürzeſten Weg g.; Ruhig ſeinen Weg, ſeine Straße, ſeinen Pfad g. (ſ. c). —</sense><sense n="c)">c) mit Gen.: Seines Weges, Pfades <bibl><author>(G.</author> <biblScope>9, 196; 14, 76),</biblScope> <title>ſeiner Straße g. (ziehen), auf ſeinem Wege ꝛc. fort gehn; Laß mich meines Weges g.</title></bibl> —</sense><sense n="d)">d) dagegen mit Accuſ., der die Wirkung des Gehens bez., als vollſtändiges Tranſ. u. daher auch mit dem Hilfszeitw. haben: Die Abſätze unter den Stiefeln ſchief, entzwei g.; Sich (Dat.) Blaſen unter die Füße <bibl><author>(Heine</author>  <title>Reiſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 109),</biblScope> <title>die Füße wund g.; Sich (Accuſ.) wund, matt, müde g. ꝛc.</title></bibl> —</sense><sense n="e)">e) daran ſchließt ſich, ebenfalls mit haben, das unperſ. refler.: Es geht ſich hier gut, es läſſt ſich hier gut g. [es iſt hier gut zu g. ꝛc.]; Auf dem ſchlüpfrigen Boden hat es ſich nicht ſchnell g. laſſen ꝛc.; vgl.: Wie ruhig, Freundin, geht ſich da <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>der ſtille Gang zu den Cypreſſen.</title></bibl> <bibl><author>Tiedge</author>  <title>Ep.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 86. 5)</biblScope> <title>in Verbind. m. abhäng. Präp., wobei man für die rein örtliche Bed. auf den Unterſchied von Dat. und Accuſ. achte, z. B.: Die Schwimmvögel g. nur ungeſchickt</title></bibl> auf dem Lande und g. deßhalb nur ungern aufs Land; Der Bauer ging in die Stadt und dort angekommen, ſah er viele Leute in den Straßen gehen ꝛc., für die verſch. Präpoſ. — Außerdem erwähnen wir z. B.:</sense><sense n="a)">a) Am Gängelbande, an Krücken g. — An Bord g.; An den engliſchen Hof g. — Einen an den Galgen g. heißen; An den Rath, ans Appellationsgericht, an die Regierung g. [ſich wenden]. — Er geht mir mit ſeinem Rath an die (zur) Hand, unterſtützt mich: — Er geht [reicht] mir an (bis an) die Schulter; Das Waſſer geht ihm an den Hals. — Wenn Noth an den Mann geht. — An die Arbeit, ans Werk g.; Er will gleich daran g., es zu machen. — Es geht nun an ein Tanzen, Lärmen ꝛc., das Tanzen ꝛc. beginnt. — Dieſe Geſchichte geht ihm an den Hals (Kragen), ans Leben, ans Magre, greift ihn ſehr an, ſo daß es ihm den Hals koſten kann ꝛc. — Seem.: An den Wind g., anluven. —</sense><sense n="b)">b) Auf den Zehen (Fußſpitzen), auf den Hacken, auf hohen Stelzen g.; Auf Freiersfüßen g.; Auf der Grube g. [vgl.: mit einem Fuß im Grabe ſtehn]. — Aufs Feld, Land, Dorf, Schloß, auf die Poſt ꝛc. g.; Auf die Univerſität g. [ſie beziehn]; Auf Reiſen g. [ſich begeben]; Raſch auf ein eiſern Gitterthor <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>ging’s mit verhängtem Zügel [hin, los, als Ziel]; Soll Das (der Spott, die Fabel ꝛc.) auf mich g.? [ſich beziehn]; Er geht [ſieht, zielt] nur auf ſeinen Nutzen ꝛc.</title></bibl> — Auf Partei (ſ. d.) g. — Mein nächſter Kummer geht [bezieht ſich] dabei auf unſre Mutter. <bibl><author>L.</author> <biblScope>12, 258;</biblScope> <title>Daß die ganze Kunſt des tragiſchen Dichters auf die ſichere Erregung des Mitleidens geht [hinzielt].</title></bibl> <bibl><biblScope>50.</biblScope></bibl> — Auf was [geſtützt] ich nach Hamburg gehe? Eigentlich auf Nichts. <bibl><biblScope>177;</biblScope> <title>Er geht auf den blauen Dunſt dorthin ꝛc.</title></bibl> — Meine Fenſter g. [haben die Ausſicht] auf einen ſchmalen Kanal. <bibl><author>G.</author> <biblScope>23, 69;</biblScope> <title>Das Zimmer geht auf die Straße, den Markt, den Hof ꝛc.</title></bibl> — Das Faß geht auf die Neige, auf die Letzt [nähert ſich ihr]; Die Uhr (es) geht ſtark auf <bibl><biblScope>12 ꝛc.</biblScope></bibl> — Auf den Grund einer Sache g. [ſie gründlich erforſchen]. — Auf den Hieb, Stoß g., fechten; Das geht [iſt ein Kampf] auf Leben und Tod. — Es g. <bibl><biblScope>12</biblScope> <title>Pfennige auf einen Groſchen, ſind darin enthalten, ſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>f.</biblScope></bibl> — In dieſem Hauſe geht Viel drauf [wird Viel verbraucht, aufgewendet]; Etwas drauf g. laſſen ꝛc. —</sense><sense n="c)">c) Aus dem Dorf in die Stadt g.; Aus dem Hauſe g.; Einem aus dem Wege g.; Geh mir aus den Augen! Laß dich nicht wieder vor mir ſehn; Etwas iſt aus den Fugen, aus dem Leim, auseinander gegangen [in Stücke]; Die Verſammlung ging aus einander [trennte ſich]; Er hält jedes Wort, das ihr aus dem Munde geht, für eine Perle; Sich die Axt aus den Händen g. [entwiſchen] laſſen; Die Arbeit ging ihm aus [gewöhnlich „von“] den Händen flink und recht. <bibl><author>Hebel</author> <biblScope>3, 307;</biblScope> <title>Ein Tonſtück geht aus C-Dur, aus A- Moll, aus dem FF; Da geht es denn aus dem Kammer- in den Chorton und immer ſo weiter hinauf.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>19, 80 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="d)">d) Durch die Thüren, durchs Fenſter, durchs Haus g.; Der Rauch geht durch die Röhre in den Schornſtein; Durch dieſes Zeug geht [dringt] kein Waſſer; Der Fluß, die Eiſenbahn, die Chauſſee geht [zieht ſich] durch die Stadt; Durch das ganze Dorf hört man die Rede g.; Das geht vorbedeutend durch ſein ganzes Leben. <bibl><author>Auerbach</author>  <title>Leb.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 27;</biblScope> <title>Dieſer Zug geht durch die ganze Familie; Durch die Zweige ging ein düſtrer Nebelwind.</title></bibl> <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>4, 219;</biblScope> <title>[Das] ging mir durch die Seele.</title></bibl> <bibl><author>Hölderlin</author>  <title>H.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 8;</biblScope> <title>Der Stich ging durchs Herz; Für Einen durchs Feuer g. [ſich der größten Gefahr ausſetzen, ihn ſehr lieben]; Alles geht durch ſeine Hände, er iſt das Faktotum; Das Silber durchs Feuer g. laſſen, läutern ꝛc.</title></bibl> — Auch: Der Wagen geht nicht durchs Thor [läſſt ſich nicht hindurch bringen]; Es iſt leichter, daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe ꝛc. (ſ. f). —</sense><sense n="e)">e) Das geht gegen, wider mein Gewiſſen, meine Ehre ꝛc. [iſt, läuft ihnen zuwider]. — Es ging gegen Morgen [war nahe am Morgen]. —</sense><sense n="f)">f) Die Wirthſchaft geht hinter ſich, den Krebsgang. —</sense><sense n="g)">g) Er geht in tiefer Trauer, in Schwarz, im langen Rock (ſ. 2b); Die Thür geht [bewegt ſich] in den Angeln; Der Wagen geht in Federn ꝛc.; Das Pferd geht im Galopp, Trab, Schritt ꝛc.; Etwas geht [iſt] im Schwange ꝛc. — In die Stadt, Schule, Kirche, ins Schauſpiel, Bad, ins Feld, in den Krieg g. ꝛc. — Das Korn geht [ſchießt] in Ähren. — Das geht ins Aſchgraue, in die Brüche, in die Puppen, in die Tauſende, in die Millionen ꝛc. — Ins Einzelne g., auf die Prüfung des Einzelnen ſich einlaſſen. — In Erfüllung g., ſich erfüllen. — Das geht mir (bis) in die Fingerſpitzen, erregt, erſchüttert mich empfindlich; Der Tadel ging mir ins Gewiſſen. <bibl><author>Lichtenberg</author> <biblScope>4, 4.</biblScope></bibl> — Und wie er nun in ſein Herz ging [ſeinen Geiſt darauf richtete] und das zu entwickeln ſuchte. <bibl><author>G.</author> <biblScope>9, 49;</biblScope> <title>Der Stich ging mir ins Herz; In ihren Mienen war Etwas, das in die Seele ging wie ein Schwert.</title></bibl> — Die Preiſe g. wieder in die Höhe [ſteigen]. — Das geht mit in den Kauf, wird obenein gegeben. — In ſich g., den Blick in ſich gekehrt, über Begangnes Reue empfinden. <bibl><author>Rückert</author>  <title>Morg.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 43;</biblScope></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>406a.</biblScope></bibl> — Die Erbſchaft geht in gleiche Theile, wird getheilt. — In Trümmer, in Stücke g., zerfallen; In die Brüche g. (ſ. o.) — In ſein Verderben g., ſich ſtürzen ꝛc. — Die Fenſter g. in (vgl. auf) den Garten ꝛc. — Als er ins ſechzehnte Jahr ging <bibl><biblScope>[15</biblScope> <title>Jahr alt war].</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>114b;</biblScope> <title>Es geht jetzt ins 21ſte Jahr [iſt</title></bibl> <bibl><biblScope>20</biblScope> <title>Jahr her, wird</title></bibl> <bibl><biblScope>21]. 196b:</biblScope> <title>Es geht in die vierte Woche, daß ich ihn nicht geſehn; Die Frau geht in den neunten Monat ihrer Schwangerſchaft ꝛc.</title></bibl> — Es g. [laſſen ſich hineinbringen, ſ. <bibl><biblScope>b</biblScope> <title>und</title></bibl> <bibl><biblScope>d] 12</biblScope> <title>Eimer in dies Faß,</title></bibl> — <bibl><biblScope>200</biblScope> <title>Perſonen in den Saal,</title></bibl> — viel geduldige Schafe in einen Stall; Das Wort geht nicht in den Vers, ſ. <bibl><author>IP.</author> <biblScope>2, 145;</biblScope> <title>Da es aber einmal nicht in unſern Plan geht [paſſt].</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>15, 15;</biblScope> <title>Das geht ihm nicht in den Kopf ꝛc.</title></bibl> —</sense><sense n="h)">h) Weißt du denn, mit wem [in weſſen Be-</sense></sense>
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</TEI>
