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        <title>Artikel „gegnen“</title>
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            <surname>Sanders</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „gegnen“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="gegnen" orig="Gêgnen">Gêgnen</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="verb">tr.</pos><subc norm="transitive"/> (veralt.):</gramGrp>
        </form>
        <sense>be-g. (ſ. d.), treffen: Gegnet uns Ehr..; gegnet uns aber Widerwärtigkeit und Krankheit. <bibl><author>Zwingli</author> <biblScope>2, 205;</biblScope> <title>Abenteuer gegnet ihn mannigfalt.</title></bibl> <bibl><author>Theuerdank</author>  <title>U. V.</title></bibl></sense>
        <p type="compositions">
          <entry type="sub">Zſſtzg.: Be-, intr. (ſein, Anm.): mit Einem, ihm auf ſeinem Wege entgegenkommend od. entgegentretend, zuſammentreffen (vgl. treffen): 1) eig.: Ich bin ihm, — wir ſind einander (uns) auf der Straße, unterwegs begegnet; Sich auf dem Schlachtfelde b. [treffen]. Schlegel Sh. 6, 114 ꝛc. — Übertr.: a) Einem auf ſeiner Lebensbahn ꝛc. b.; Die Blicke der Liebenden b. ſich (ſ. c); Unſre Briefe ſind einander begegnet. L. 12, 295 ꝛc. — b) Einander (ſich) in einem Wunſche, in einer Hoffnung, Anſicht ꝛc. b., mit Einem darin zuſammentreffen, denſelben Wunſch ꝛc. haben. So auch: Sich mit Einem in einem Wunſch, einer Anſicht b.; Ihre Wünſche, ihre Anſicht b. ſich; Er begegnet ſich daher faſt nur zufällig hie und da mit Leſſing. Guhrauer L. 1, 81; Wenn . . ihr Gefühl, | das niemals einig war, gerade hier | zum erſtenmal unſelig ſich begegnet. Sch. 508a; Kann ſein, daß ſeine Zwecke deinem Wunſch b. 350b ꝛc. — c) in einer Art Perſonifikation: Betrete nie | ein Mann dies Ufer, dem der ſchnelle Blick | hilfreicher Liebe nicht begegnet (ſ.a). G. 13, 85; 12, 169; Wir b. dieſem Wort zuerſt bei Leſſing. — Dies Wort begegnet uns zuerſt bei Leſſing; Kehren wir nun zur Vergleichung der Kunſt und Wiſſenſchaft zurück, ſo b. wir folgender Betrachtung. G. 39, 20; So b. uns folgende Betrachtungen. 251; Epigramme, die uns ganz anders ins Herz ſprechen, wenn ſie uns als wirkliche Inſchriften an den Stätten in Wald und Park b., für die ſie gedichtet wurden, ſtatt uns in dem öden ſchwarzen Druck von einem grauen Papiere ent- gegenzutreten. Stahr Weim. 260 ꝛc., vgl. Olearius Perſ. Roſ. 1, 18. — d) (ſ. c): Ein Glück, Unglück begegnet Einem [ſtößt ihm zu, betrifft ihn], vgl.: Ein Glück begegnet nie zweimal an einer Statt; | den Pardel ließeſt du entſpringen aus den Schlingen, | darein ihn Gott dir gab; nun wird er dich verſchlingen. Rückert Roſt. 103b. — All- 555 mählich abgeſchliffen: Etwas begegnet Einem = paſſiert, widerfährt ihm, ſtößt ihm zu, ereignet ſich, kommt vor als etwas ihn Betreffendes ꝛc.: Was iſt dir begegnet?; Was ihr nicht leicht begegnete. G. 15, 21; Ihm begegnete das Unglück, daß ſeine Tochter entführt wurde. 20, 189; Das kann dem redlichſten Gemüth b., daß es .. zuerſt ein wenig handeln und markten muß. Hebel 3, 503; Wenn nun ein ſolches Jrrewerden an G. einem ſeiner nächſten Freunde begegnet. Riemer G. 2, 45; Tröſtet ihr | mein Weib, wenn mir ’was Menſchliches begegnet. Sch. 518b ꝛc. — Auch oft ohne Dat.: Ein wunderliches Unglück begegnete [kam vor] bei dieſer Gelegenheit. G. 15, 189; 6, 7; Nach dem, was begegnet [geſchehen]. 19, 75; Etwas Ähnliches begegnet auch mit den Pflanzen. 39, 44; Es ſoll nicht mehr b. Sch. 536b [nicht wieder geſchehn] ꝛc. — e) mit Angabe der Art u. Weiſe: Einer begegnet mir liebevoll, lieblos, mit Liebe, mit Haß ꝛc. (ſ. f): die Weiſe ſeines Auftretens, Benehmens gegen mich iſt liebevoll ꝛc.; Einander (ſich) unfreundlich, roh b.; Kam Thoas dir als einer Gottgegebnen | mit Ehrfurcht und mit Neigung zu b. G. 13, 7; Ihm freundlich und vertraulich zu b. 11; Doch konnt’ ich anders nicht dem Mann b., | der ꝛc. 65; Der Sonne Glanz . ., des klaren Monds erquicklich leiſer Schein | begegneten mir holder nicht als du. 327; Heinrich .. hatte die Fürſten mit vielem Stolze behandelt und war ihnen .. ſehr gebieteriſch begegnet. Sch. 1043a; Unwürdig ſeh ich mir an dieſem Hof begegnet. 286b; Es ward mir hart begegnet. 426b ꝛc. Vgl.: Eh mögen Feur’ und Waſſer ſich in Liebe | b. ebd. [wo ſie ſich begegnen, wo ſie zuſammenkommen, dies in Liebe thun]. — f) (vgl. e): Etwas begegnet mir in einer angegebnen Art, tritt mir ſo entgegen, erſcheint mir ſo: Seit wann begegnet der Tod dir fürchterlich? G. 9, 224 ꝛc. — g) Einem, einer Sache b., ihnen entgegen (ſ. d. 2) treten, ſie bekämpfend ihnen entgegenwirkend ꝛc.: Erſt zu b. dem Thiere, | brauch ich den Spruch der Viere. G. 11, 53; Die angeborne Kraft, die ſtandhaft mich dem Unglück, ſtolz dem Unrecht | b. (ſ. e) lehrte. 113; Bald wird .. dem Widerſpruch begegnet. 39, 94; Den Schulden zu b. Gotthelf Sch. 90; Ruhmreich ſammeln ſchon die Mauren | ihren Raub, zurückzukehren, | denn Niemand begegnet ihnen. H. Cid. 8; Begegne nicht einer muthmaßlichen Verderbnis durch Mittel, die die Gewißheit derſelben vorausſetzen. Lichtenberg Hog. 1, XVII; Der bürgerliche Krieg | entbrennt .., wenn wir nicht, ſchleunig rettend, ihm b. Sch. 356b; Einem dritten Fallhatte [Anm.] Lykurgus nicht begegnet. 1020b. — 2) der Dativ, der auch ſonſt zuw. wegbleibt (ſ. 1d u. in der eig. Bed. z. B. Logau 2, Zug. 120; 124) fehlt gewöhnl.: a) beim Part.: Fragte einen zufällig [ihm] b–den Studenten. Kinkel E. 240; Jeder [mir] B–de rathfraget mich. V. Hor. 2, 179; Jeder [dir] B–de prieſe dich glücklich. Od. 15, 137. — b) im ſubſtant. Inf.: Nach einem ſo unvermutheten B. mitein- ander fortwandern. G. Sch. 1, 21; Beim erſten B. König. Kl. 1, 117; Die Art ſeines letzten B–s mit der Gräfin. Lewald W. 2, 9; Ein ſchön B. zwei erwählter Herzen. Schlegel Sh. 3, 79. — Das veränderte B. [ſ. 1e = Benehmen] von wohldenkenden Schwiegereltern [gegen ihn]. G. 22, 294 ꝛc. — Vgl. Begegnung.</entry>
        </p>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Außer der Verbindung mit ſein findet ſich auch nicht ſelten die mit haben u. auch die Fügung eines Tranſitivs, z. B.: Als zum erſtenmal <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>du den Fremdling ängſtlich liebevoll | begegneteſt.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>2, 42;</biblScope> <title>Er</title></bibl> hatte Philinen mit entſchiedener Verachtung begegnet <bibl><biblScope>[1c]. 16, 188;</biblScope> <title>Wenn man auch nicht weiß, was man unterwegs antreffen, unterwegs b. werde.</title></bibl> <bibl><biblScope>18, 171;</biblScope> <title>Iſt Jhnen .</title></bibl> <bibl><biblScope>.</biblScope> <title>. eine treffliche Gegend aufgeſtoßen?</title></bibl> Haben Sie ein Schauſpiel reizender Unſchuld .. begegnet? <bibl><biblScope>34, 225;</biblScope> <title>Daß ich ihr noch freundlich begegnet</title></bibl> <bibl><biblScope>[1e]</biblScope></bibl> hätte. Z. <bibl><biblScope>3, 162;</biblScope></bibl> Hätte .. das Schwert ergriffen und dem .. Feinde ſo begegnet <bibl><biblScope>[1g],</biblScope> <title>wie es Pflicht u. Gewiſſen verlangten.</title></bibl> <bibl><author>Heine</author>  <title>Sal.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 99;</biblScope> <title>Seit der Zeit</title></bibl> habe ich ihm zwar zwei oder dreimal begegnet. B. <bibl><biblScope>257;</biblScope> <title>Da ich Glock eilf</title></bibl> das Pärchen hier begegne. <bibl><author>HvKleiſt</author>  <title>Kr.</title></bibl> <bibl><biblScope>72;</biblScope> <title>Und</title></bibl> hätt’ ich meinen Bruder dort begegnet. <bibl><author>Körner</author> <biblScope>114b;</biblScope> <title>Welche ihn mit ſovieler Grauſamkeit begegneten</title></bibl> <bibl><biblScope>[1e].</biblScope></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>6, 215;</biblScope> <title>Hat man jemals einem Frauenzimmer .. ſo begegnet?</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 283;</biblScope> <title>Denen Rom im Glück herriſch begegnet</title></bibl> <bibl><biblScope>[1e]</biblScope></bibl> hatte. <bibl><author>JvMüller</author> <biblScope>1, 210;</biblScope> <title>Andreas wurde her- eingerufen und mit Anſtand begegnet.</title></bibl> <bibl><biblScope>24, 335;</biblScope> <title>Selbſt den infaillibeln Käſtner ſoll’s begegnet</title></bibl> ſein <bibl><biblScope>[1d],</biblScope> <title>ſich verrechnet</title></bibl> <bibl><biblScope>70*</biblScope> <title>zu haben.</title></bibl> <bibl><author>Muſäus</author> <biblScope>2, 26;</biblScope> <title>Dich ſelten zu b. und beklommen| dich anzuſchaun.</title></bibl> <bibl><author>Platen</author> <biblScope>2, 101;</biblScope> <title>Die ihm unfreundlich begegnet</title></bibl> haben. <bibl><author>Rabener</author> <biblScope>3, 18;</biblScope> <title>Ein Gärtner hatte | den Prinzen dort begegnet.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>273a;</biblScope> <title>Nur einem Traurigen</title></bibl> hab’ ich begegnet. <bibl><biblScope>469a;</biblScope> <title>Beide</title></bibl> hatten einander auf der Bahn des Ruhms .. begegnet <bibl><biblScope>[1a]. 804b;</biblScope> <title>Zum erſten Mal habe ich ihn mit vollem Zutrauen begegnet</title></bibl> <bibl><biblScope>[1e].</biblScope></bibl> <bibl><author>FSchlegel</author>  <title>Flor.</title></bibl> <bibl><biblScope>282;</biblScope> <title>Als ſie ihn einmal im Park begegnete.</title></bibl> <bibl><author>Waldau</author>  <title>N.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 129.</biblScope></bibl> — Die Fügungen mit „haben“ u. als <bibl><biblScope>tr.</biblScope> <title>haben, wie man ſieht, gute Gewährsmänner für ſich, trotzdem muß, mit Ausn. von</title></bibl> <bibl><biblScope>1g,</biblScope> <title>wo das Hilfszeitw.</title></bibl> haben ſprachüblich u. berechtigt erſcheint, weil hier wie bei abhelfen ꝛc. ein thätiges Eingreifen bez. wird, als Sprachgebrauch bez. werden: Ich bin Einem begegnet; ungewöhnlich aber iſt das dieſer Fügung entſprechende Partic.: Die uns ſo oft begegneten Wünſche. <bibl><author>Auerbach</author>  <title>Dicht.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 55.</biblScope></bibl> — Ahd. <bibl><biblScope>bigaganan,</biblScope> <title>mhd.</title></bibl> <bibl><biblScope>begegenen</biblScope> <title>(mit Dat. u. Acc.).</title></bibl> Ent-: <sense n="1)">1) <bibl><biblScope>tr.:</biblScope> <title>dagegen ſagen, erwidern, nam. inſofern man damit Einem entgegentritt: Er entgegnete mir Folgendes: „Wie?“ entgegnete er, „ich ſollte“ ꝛc.; Ihm wurde darauf entgegnet, daß ꝛc., vergl. Entgegnung.</title></bibl> —</sense><sense n="2)">2) <bibl><biblScope>intr.</biblScope> <title>(ſein): Einem entgegentretend ſich zeigen: Entgegnete uns [kam uns entgegen] vor Mosbach ein italiäniſcher Gipsgießer.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>26, 197;</biblScope> <title>In einem großen Erdſaale entgegneten ihm zwei Frauenzimmer.</title></bibl> <bibl><biblScope>18, 54; 10, 300;</biblScope> <title>Entgegnet ihm, daß er euch nicht entgeht!</title></bibl> <bibl><biblScope>12, 131; 154;</biblScope> <title>Und mir entgegnet [ſchallt entgegen], was mich ſonſt entzücket, | der Leier Klang.</title></bibl> <bibl><biblScope>220;</biblScope> <title>Hier entgegnet uns nun das höchſte dieſer Symbole.</title></bibl> <bibl><biblScope>21, 93; 6, 137; 25, 202.</biblScope></bibl></sense></p>
        </note>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Die Bed. <bibl><biblScope>2</biblScope> <title>iſt ſelten, vgl. mhd.</title></bibl> <bibl><biblScope>engegene.</biblScope></bibl></p>
        </note>
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