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      <titleStmt>
        <title>Artikel „futtern“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
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        </author>
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            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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        <editor>
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            <surname>Wiegand</surname>
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          <email>edition-sanders@bbaw.de</email>
          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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             <country>Germany</country>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „futtern“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <lbl>I.</lbl>
        <form type="lemma">
          <orth expand="futtern" orig="Fúttern">Fúttern</orth>
          <pc>,</pc>
          <orth expand="Füttern" orig="Füttern">Füttern</orth>
          <gramGrp>— vgl. Futter I. —, zunächſt <pos norm="verb">tr.:</pos><subc norm="transitive"/></gramGrp>
        </form>
        <sense>Futter geben, wobei als Obj. ſowohl das gereichte Futter erſcheinen kann, als auch das Weſen (Thier), dem es als Nahrung gereicht wird: Wir f. den Gänſen Rüben <bibl><biblScope>—,</biblScope> <title>die Gänſe mit Rüben; Damit zu füttern jenes Kraken Bauch.</title></bibl> <bibl><author>Streckfuß</author>  <title>Rol.</title></bibl> <bibl><biblScope>8, 58;</biblScope> <title>Ich füttre mein Herz mit Liebe, Gall’ und Gift.</title></bibl> <bibl><author>Klinger</author>  <title>Th.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 237;</biblScope> <title>Vor allen Dingen werden daher in ſolchem Falle die Ohren .. beſeitigt, gewöhnlich den Hunden gefüttert.</title></bibl> <bibl><author>Gerſtäcker</author>  <title>Miſſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 217,</biblScope> <title>u. häufiger ohne beigefügten Dat.: Erbſen, Gerſte, Gras, Hafer, Heu, Korn, Stroh, Wicke f., wie anderſeits oft ohne Nennung des Futters für das damit genährte Weſen: Das Vieh, das Federvieh, die Pferde, die Schweine, die Tauben f. ꝛc.; Die alten Vögel f. die Jungen; Mit Fiſchen gefuttert.</title></bibl> <bibl><author>Forſter</author>  <title>R.; Wie ſie gefüttert und gehalten werden müſſen.</title></bibl> <bibl><biblScope>253 ꝛc.</biblScope></bibl> — Auch mit Beifügung der Wirkung: Ein junges Thier groß f.; Ein Thier krank, todt f. ꝛc. (ſ. c); Den Hänfling, den ein Bube aus dem Neſte ſtahl, um ihn .. mit aufgeweichtem Brot zum Sklaven zu futtern. <bibl><author>Hippel</author>  <title>Leb.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 252.</biblScope></bibl> — Zuw. ganz ohne Obj.: Ich will nur hier füttern [meinen Pferden Futter geben laſſen], ich muß gleich hinüber auf das Gut. <bibl><author>G.</author> <biblScope>16, 158;</biblScope> <title>„Geht’s noch nicht vorwärts?“ Nein, der Knecht hat noch nicht gefuttert,</title></bibl> — und meton.: Die Pferde haben [vgl. ſind] noch nicht gefuttert <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>gefreſſen.</title></bibl> — b) in andrer Metonymie erſcheint das Futter als Subj.: Erbſen f. [nähren] gut, ſind ein gutes Futter. — c) auch auf Nicht-Thiere angewendet (ſ. Futter Ib), z. B. auf Menſchen, entweder mit verächtlichem Nebenſinn, indem nam. die Befriedigung des Magens als Hauptſache hervorgehoben wird, oder auch zur Bez. der Unſelbſtändigkeit, wonach ſie nicht für ihre Nahrung ſelbſt ſorgen, ſondern ſie von Andern dargereicht erhalten. So erzählt <bibl><author>Forſter</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 224 ff.</biblScope> <title>von einem vornehmen Südſee-Inſulaner, den ſeine Leute f. mußten: Daß ſie über dem Hingucken nach uns das</title></bibl> Futtern nicht vergeſſen möchten ꝛc. ... Als ein Schwein, das auf dem Stalle gef ü ttert wird, um gemäſtet zu werden ꝛc. — Indem er [Chriſtus] für die Guten beſorgt iſt, füttert er zugleich einen Verräther (Judas). <bibl><author>G.</author> <biblScope>18, 197;</biblScope> <title>Es war eine Zeit, wo Ihr nicht ſo gefüttert [wohlgenährt] wart, wie jetzt.</title></bibl> <bibl><biblScope>29, 233;</biblScope> <title>Ein Gut, auf dem er mich und ſeine Tante todt f. [bis zu unſerm Tode ernähren] ſoll.</title></bibl> <bibl><author>Goltz</author> <biblScope>3, 24;</biblScope> <title>Endlich flieht er aufs Land und füttert ſich in etlichen adligen Familien zu Tode.</title></bibl> <bibl><author>Rabener</author> <biblScope>4, 362;</biblScope> <title>Das Stillen muste ausgeſetzt, das Kind gefüttert [gepäppelt] werden.</title></bibl> <bibl><author>Steffens</author>  <title>Erl.</title></bibl> <bibl><biblScope>5, 107;</biblScope> <title>Margarethe nahm alſo ihren Enkel in völlige Verpflegung, futterte und kleidete ihn.</title></bibl> <bibl><author>Stilling</author> <biblScope>1, 77 ꝛc.</biblScope></bibl> — Vgl. auch nach dem Engl. <bibl><biblScope>(to feed on)</biblScope> <title>als Intr. (ſ. a): Rein ſinnliche Begierde, die bloß thieriſch an ihrem Raube wie der Geier füttert.</title></bibl> <bibl><author>Gervinus</author>  <title>Sh.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 59.</biblScope></bibl> — Ferner: Das Futtern des Ofens in den Dampfmaſchinen [ihn mit der nöthigen Nahrung fürs Feuer, mit Kohlen verſehn]. <bibl><author>Kohl</author>  <title>E.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 250;</biblScope> <title>Wir hatten die Lachluſt gefüttert [ihr Stoff geliefert] und ſchämten uns alſo.</title></bibl> <bibl><author>Goltz</author> <biblScope>1, 149;</biblScope> <title>Jch füttre meine, eines Andern Grillen [gebe ihnen Nahrung, gebe ihnen nach ꝛc.].</title></bibl> <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>5, 105;</biblScope></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>12, 43 ꝛc.</biblScope></bibl> — d) ſo auch Futterung, Fütterung, <bibl><biblScope>f.;</biblScope> <title>–en: das Futtern und die Art und Weiſe desſelben; das Futter ſelbſt, und zwar früher auch ohne Nebenſinn (ſ. c) von menſchlicher Nahrung und Mundvorrath</title></bibl> <bibl><author>(Richt.</author> <biblScope>7, 8; 2.</biblScope></bibl> <bibl><author>Chr.</author> <biblScope>11, 23;</biblScope></bibl> <bibl><author>Nehem.</author> <biblScope>10, 31; 13, 15;</biblScope></bibl> <bibl><author>Ap.7,</author> <biblScope>11);</biblScope> <title>Fouragierung: Die F. der Thiere in der Menagerie, des Viehs; Die Vieh-F.; Die Rüben-F.; Die Dürr-F. im Gegenſatz der Grün-F.; Die Stallfütterung bei uns eingeführt.</title></bibl> <bibl><author>Iffland</author> <biblScope>5, 1, 23,</biblScope></bibl> — wonach das Vieh auch im Sommer ſein Futter im Stall erhält, im Ggſtz. des Weidegangs ꝛc.</sense>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg., vgl. auch die von II., z. B.: Áb-: gehörig füttern, nam. das letzte Futter bei jeder Fütterung vorſchütten; aber auch: Gäſte a., ſie durch eine Futtrung, einen Schmaus abfinden, ſich die Verpflichtung gegen ſie vom Hals ſchaffen. Auerbach Gv. 304; Pferde, welche, abgef uttert und wohlgemuth, gleichſam zum Nachtiſch.. Heu aus der Raufe zogen. Goltz 1, 159; Die Pferde brauchten etwa drei Stunden zur Abfütterung. 42; Ich laſſe über Mittag a. 2, 24; Eine dringend gewordene Abfütterung jener Leute, bei denen er .. zu Gaſt geweſen. Hackländer Stillfr. 1, 210; Dorten werden abgefüttert | dieſe. hübſchen Waiſenkinder. Heine Verm. 1, 188; Freude, die hungrige Kinderſchaar abzufüttern. Muſäus M. 2, 74; Ph. 2, 15 ꝛc. — 2) ſ. abfouragieren. —</p>
          <entry type="sub"><comp>An-:</comp> Sich ein Bäuchlein a.; Weil das monarchiſche Eins ſich die übrigen Neun als Rundbauch angefüttert und ſie zur Null gemacht [10 = 1 — 9]. Börne 3, 112; Jch habe mich recht mit Steinen angefüttert [auf der Brockenreiſe, damit ſattſam verſehen]. G. Stein 2, 783. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Āūf-:</comp> <sense n="1)">1) groß füttern: Kälber, Schweine, Gänſe a.: Als hätten ſtatt mit Brei <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>mit lauter Roſen ihn die Grazien aufgefüttert</title></bibl> <bibl><biblScope>[c].</biblScope></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>12, 34; 10, 297; 23, 67 ꝛc.;</biblScope> <title>Einen fremden Gedanken zu ſeinem eignen a.</title></bibl> <bibl><author>JP.</author> <biblScope>43, 141.</biblScope></bibl> — Auffütterung <bibl><biblScope>[c],</biblScope> <title>ſo ſollte hier die Erziehung heißen.</title></bibl> <bibl><author>Forſter</author>  <title>B.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 556.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="2)">2) ver-f., ein Futtervorrath auf-, verbrauchen. — <comp>Āūs-:</comp></sense><sense n="1)">1) gehörig füttern; dadurch dick und fett machen: Die [Pferde] hab’ ich recht ausgefüttert und wieder aufgezäumt. <bibl><author>G.</author> <biblScope>9, 9;</biblScope> <title>So blieb er einige Tage bei ihm, bis er ſich ausgefüttert und wieder einige Batzen verdient hatte.</title></bibl> <bibl><author>Hebel</author> <biblScope>3, 429;</biblScope> <title>Ausgefütterte [fette] Karpfen.</title></bibl> <bibl><author>Immermann</author>  <title>M.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 297;</biblScope> <title>Der Enthuſiasmus .. iſt in unſern Tagen trefflich ausgefüttert und bei Kräften.</title></bibl> <bibl><author>Muſäus</author>  <title>Ph.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 111 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="2)">2) durch-f., mit Futter erhalten: Vieh a., nam. den Winter über; Er muß die Wittwe ſeines Vorgängers mit a. ꝛc. —</sense><sense n="3)">3) futternd ausleeren: Die Haferkiſte a. — <comp>Dúrch-:</comp> aus-f. (2): Bettelkinder d. <bibl><author>Prutz</author>  <title>Felix</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 330.</biblScope></bibl> — Auch: alle zu Fütternden füttern. — <comp>Eīn-:</comp> Einem Etwas e., durch Füttern einflößen: Hundemuth, der eingepeitſcht mit Ruthen <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>und eingefüttert mit des Hofmahls Brocken wird.</title></bibl> <bibl><author>B.</author> <biblScope>102a.</biblScope></bibl> — Er-: durch Futtern erreichen, gut machen ꝛc.: An unſern Roſſen iſt nicht mehr viel zu e.; wenn man nicht Etwas ändert, ſo kommen die meiſten in Abgang. <bibl><author>Gotthelf</author>  <title>U.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 174.</biblScope></bibl> — Hêr-, Hín- ꝛc.: Wie ſollte man die tauſend Menſchen an Bord bis zum Kap hinfüttern? [ihnen Unterhalt reichen, um ſie hinzubekommen]. <bibl><author>Droyſen</author>  <title>Y.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 41;</biblScope> <title>Sie hat ihr Kind hingefüttert [todt gefüttert]; Krebſe.. zu merkwürdiger Größe heraufzufüttern.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>27, 191;</biblScope> <title>Der Roßkamm hatte die Schindmähre herausgefuttert [ihr durch reichliches Futter ein beßres Anſehn verſchafft, vgl. heraus-putzen, -ſtaffieren ꝛc.] u. ä. m.</title></bibl> — <comp>Nāch-:</comp> nachträglich futtern; auch: Einen n. <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>heraus-f.</title></bibl> <bibl><author>Gott-</author>  <title>helf Sch.</title></bibl> <bibl><biblScope>403.</biblScope></bibl> — <comp>Über-:</comp> übermäßig futtern (vgl. ver-f. 4): Überfutterte Kinder verdummen; Durch Überfüttrung der Pferde entſteht oft Futterrehe ꝛc. — <comp>Ver-:</comp></sense><sense n="1)">1) als Futter verwenden, gebrauchen: Erhalte ich von den verfutterten Rüben mehr düngende Subſtanzen. <bibl><author>Landw.</author></bibl> <bibl><author>Zeitung</author> <biblScope>(55) 43a;</biblScope> <title>Der Hafer war müchzend und da er doch .. verfüttert wurde, erkrankte davon unſer ganzer Reitſtall.</title></bibl> <bibl><author>Muſäus</author>  <title>Ph.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 59;</biblScope></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>26, 64 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="2)">2) als Futter verbrauchen, ſ. auf-f. <bibl><biblScope>2:</biblScope> <title>Ungeachtet es erſt November war, ſo war doch ſchon alles Heu lang verfüttert.</title></bibl> <bibl><author>Stilling</author> <biblScope>4, 154.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="3)">3) mit Futter verſorgen und erhalten (aus-f. 2). —</sense><sense n="4)">4) durch ſchlechtes, z. B. übermäßiges Futtern verderben, ſ. über-f.</sense></entry>
        </p>
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