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        <title>Artikel „Freiheit“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
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            <surname>Sanders</surname>
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            <surname>Göttel</surname>
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            <surname>Wiegand</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Freiheit“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="Freiheit" orig="Frēīheit">Frēīheit</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="noun">f.;</pos><gen norm="feminine"/> –en:</gramGrp>
        </form>
        <sense n="1)">1) der Zuſtand des Frei-Seins von etwas Hemmendem, Beſchwerendem ꝛc. in den verſch. Bed. des Wortes „frei“ (ſ. d.), auch in Bezug auf einzelne Befreiungen, wodurch man einem beſchränktern Zuſtand enthoben iſt, ſo nam. <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>Privilegium, ein Recht wodurch der Oberherr die Gleichheit der bürgerlichen Rechte zum Beſten Einzelner aufhebt.</title></bibl> — Man beachte den Unterſchied zwiſchen: Die F. [allgem., Ggſtz.: Sklaverei, Knechtſchaft, und ſo auch perſonificiert <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>die Göttin der F.] und: Eine F., F–en.</title></bibl> — Die F. von Abgaben, Steuern, Schulden, Geſchäften ꝛc., ſo auch: Abgaben-, Steuer-F. ꝛc. [ſ. frei <bibl><biblScope>I. 1];</biblScope> <title>Gefangnen, Sklaven, Leibeignen ꝛc. die F. ſchenken, ſie in F. ſetzen; Bürgerliche, ſtaatliche, phyſiſche, moraliſche F.; Die F. der Bewegung; Die F. [ungekünſtelte Leichtigkeit] des Pinſels ꝛc.; Die F. [das Nicht-beſchränkt-ſein, das Un- abhängig-ſein von beſchränkenden Einwirkungen und Beſtimmungen] der Gedanken, des Geiſtes, der Gewerbe, des Gewiſſens, des Glaubens, des Handels, der Meſſe, der Preſſe, der Religion, des Willens ꝛc., und ſo auch die Zſſtzg.:</title></bibl> Gedanken-, Geiſtes-, Gewerb- ꝛc. F. — Eine Stadt mit F–en begnadigen; Einem viele F. einräumen; Bau-, Brand-F–en ꝛc., Vergünſtigungen, die Einem bei einem Bau, bei einem erlittnen Brande ꝛc. bewilligt werden; Ich nehme mir die F. [erlaube mir], Ihnen Dies zu erwidern; Sich viele F–en herausnehmen [ſich Dinge erlauben, die nicht recht ſind, nam. den Anſtand, die Sitte verletzen] ꝛc. — So hat auch der Menſch eine doppelte Bewegung, eine beſondere und eine allgemeine. Dieſe reißt ihn unaufhaltſam fort, es iſt ſein Schickſal; jene wird von ſeinem Willen beſtimmt, es iſt die F. <bibl><author>Börne</author> <biblScope>2, 367;</biblScope> <title>Der Unterſchied zwiſchen F. und F–en iſt ſo groß als zwiſchen Gott und Göttern.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 308; 40;</biblScope> <title>Aber wenn hatte die F. je die Erlaubnis bekommen, frei zu ſein? Man</title></bibl> nimmt die F., man empfängt ſie nicht. Frz. <bibl><biblScope>80;</biblScope> <title>F. von Nationaleitelkeit.</title></bibl> <bibl><author>Fichte</author> <biblScope>7, 343;</biblScope> <title>Die F. als der Gegenſatz des Inſtinktes iſt . . ſehend und ſich deutlich bewuſſt der Gründe ihres Verfahrens.</title></bibl> <bibl><biblScope>9;</biblScope> <title>Und du verzeihſt die F., die ich nahm, | was ſich die Frechheit [ſ. d.] unterfangen.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>11, 137;</biblScope> <title>Dafür ſind aber auch unſere Privilegien ſo deutlich, unſere F–en ſo verſichert.</title></bibl> <bibl><biblScope>9, 166;</biblScope> <title>So heißt das Volk die Kanaille, die F. heißt Frechheit.</title></bibl> <bibl><author>Heine</author>  <title>Reiſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>4, 312; 300;</biblScope> <title>Deinen Sohn in die F. verſetzt.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>3, 71;</biblScope> <title>Von der Steuer- F. in Städten, Flecken und Weichbilden. .. Die Frage, ob dieſe oder jene Perſon einer F. von bürgerlichen Laſten genieße. . . Worin die F. in offnen Dörfern .. ſich von der F. in geſchloſſenen Orten .. unterſcheide.</title></bibl> <bibl><author>Möſer</author> <biblScope>1, 237; 3, 259</biblScope> <title>u. o.; F., die ich meine, | die mein Herz erfüllt ꝛc.</title></bibl> <bibl><author>Schenkendorf;</author>  <title>F. liebt das Thier der Wüſte.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>56b;</biblScope> <title>F.! ruft die Vernunft, F.! die wilde Begierde.</title></bibl> <bibl><biblScope>76b;</biblScope> <title>F. und Gleichheit!</title></bibl> <bibl><biblScope>80a;</biblScope> <title>Ins Feld, in die F. gezogen! . . Aus der Welt die F. verſchwunden iſt, | man ſieht nur Herren und Knechte.</title></bibl> <bibl><biblScope>330a; 334a;</biblScope> <title>Daß es dem Vortrefflichen gegenüber keine F. giebt als die Liebe.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author>  <title>G.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 78</biblScope> <title>u. ä. m.</title></bibl> —</sense>
        <sense n="2)">2) ein mit Freiheiten begabter, von gewiſſen Laſten und Einſchränkungen befreieter Ort: Freimeiſter, welche in Hamburg auf einer ihnen angewieſenen F. wohnen. <bibl><author>Möſer</author>  <title>Ph.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 35.</biblScope></bibl> — So giebt es in verſch. Städten eine Amts-, Burg-, Dom-, Herren-, Schloß-F. ꝛc., urſpr. den Gerichtsbezirk ꝛc. des Amts, der Burg ꝛc. bezeichnend (ſ. Friede 1), in Weſtfalen hießen ſo Marktflecken ꝛc. — Vgl. auch Freihart und Freiung.</sense>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. ſ. 1 und 2, wie auch die von frei, z. B.: Bāde-: wie ſie in Bädern herrſcht. Lewald Roth. 5. — Bérg- [1; 2]: die Freiheit, Bergwerke anzulegen; das Privilegium einer Bergſtadt, eines Bergfleckens u. ein damit begabter Ort. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Gáſt-:</comp> das Gaſtfrei-Sein, Gaſtfreundſchaft. Forſter B. 1, 396 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Gedánken-:</comp> Freiheit der Gedanken, des Denkens: Geben Sie | G.! Sch. 279b; Gutzkow R. 1, 94 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Gewérbe-:</comp> Freiheit der Gewerbe: Innungszwang und Gewerb s-F. G. 3, 198. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Glāūbens-:</comp> Hätte nicht Karl der Fünfte .. an die Reichs-Freiheit der deutſchen Stände gegriffen, ſchwerlich hätte ſich ein proteſtantiſcher Bund für die G. bewaffnet. Sch. 880a; Ein Symbol .. der G. an Wunder und Zeichen [Freiheit, an Wunder zu glauben]. G. 26, 211 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Hálb-:</comp> Eine gewiſſe H. 39, 382 [im Ggſtz. dervollen]. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Hándels-:</comp> Die H. beſchränken. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Jūgend-:</comp> wie ſie die Jugend genießt: Gefühl .. der J., die wir nur zu bald | verſcherzen. G. 8, 91. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Lêbens-:</comp> Einige tauſend Denker erwarben ſich Gedanken-Freiheit und das ganze Land verlor ſeine L. Börne Frz. 63. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Márkt-:</comp> das Recht eines Orts zu Jahrmärkten und die den Verkäufern auf dem Jahrmarkt eingeräumten Freiheiten. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Másken-:</comp> wie ſie auf einem Maskenball herrſcht. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Méß-:</comp> ſ. Markt-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Mönchs-:</comp> Weil ſie im Aufblühen des neuen Kloſters einen förmlichen Angriff auf ihre M. erblickten. Fallmerayer Or. 2, 30. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Préß-:</comp> Freiheit der Preſſe, Ggſtz. Cenſur. G. 3, 61 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Rēīchs-:</comp> das Reichsfrei-Sein ꝛc., ſ. Glaubens-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Religiōns-:</comp> die Freiheit in der Wahl oder in der Ausübung ſeiner Religion. — Schátz-, Schóß-, Stēūer- F.: das Frei-Sein von Steuern ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Un-:</comp> Zur Gebundenheit und U. führen. Tieck A. 1, 94 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Wáld-:</comp> wie ſie in den Wäldern herrſcht. Falmerayer Or. 2, 30. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Wíllens-:</comp> die Unabhängigkeit des Willens von fremder Beſtimmung, die Selbſtbeſtimmung. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Zóll-:</comp> ſ. Steuer-F.: Die Z–en der Städte. G. 20, 23 und nach der Analogie unzählige.</entry>
        </p>
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