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      <titleStmt>
        <title>Artikel „Fleisch“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
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            <surname>Sanders</surname>
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            <surname>Göttel</surname>
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            <surname>Wiegand</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Fleisch“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="Fleisch" orig="Flēīſch">Flēīſch</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="noun">n.,</pos><gen norm="neuter"/> –es; 0:</gramGrp>
        </form>
        <sense n="1)">1) eig.: die Muskelſubſtanz des thieriſchen Körpers, die weichen blutreichen Theile zwiſchen Haut und Knochen, in weitrem Sinn auch z. B. die Eingeweide umfaſſend, im engern mit Ausſchluß derſelben, wie auch im Ggſtz. der nichtmuskulöſen Theile, z. B. des Fettes ꝛc. Andrerſeits wird in engrem Sinn der Ausdruck auf das F. der warmblütigen Thiere, d. h. der Vögel u. Säugethiere beſchränkt und während es im weitern Sinn z. B. heißt: Die Fiſche haben meiſtens ein ſehr zartes F. ꝛc. (vgl. 2), — ſo doch im engern: Die Katholiken dürfen an Faſttagen Fiſche, aber kein F. eſſen. — Nicht Fiſch (ſ. d.), nicht F. ꝛc. — Von F. fallen, abmagern, Ggſtz.: Wieder zu F. kommen; Feſtes, geſundes, kerniges F.; Wildes F. in einer Wunde; Der Nagel iſt ins F. gewachſen; Ein Pfahl im F–e. <bibl><author>L.</author> <biblScope>12, 165,</biblScope> <title>vgl.</title></bibl> <bibl><biblScope>2.</biblScope></bibl> <bibl><author>Kor.</author> <biblScope>12, 7 ꝛc.</biblScope></bibl> — Vom F. als Nahrungsmittel: Friſches oder grünes, geräuchertes, gepökeltes, eingeſalznes, rohes, gekochtes, gebratnes, geſchmortes, gedämpftes F. ꝛc., wo denn auch wohl alle Fleiſcherwaaren, wie Geſchlinge, Würſte ꝛc. F. heißen. — Oft im Ggſtz. der Knochen, des Gerippes (ſ. d.): Ich bin ein Maler aus Florenz und halte mich hier auf, um nach den toskaniſchen Gerippen mich am venetianiſchen F–e zu weiden. <bibl><author>Heinſe</author>  <title>A.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 20;</biblScope> <title>Es wird Mühe koſten, dieſes Gerippe mit F. und Nerven zu bekleiden.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>6, 286 ꝛc.</biblScope> <title>So auch in den bildenden Künſten die Nachahmung des menſchlichen Fleiſches, in der Mal. nam. in Bezug auf das Kolorit.</title></bibl> — Oft zur Bez. des Körpers, des Leibes, häufig in der Zuſammenſtellung: F. und Bein (ſ. d. 1a); F. und Blut (ſ. d. 6), im Ggſtz. zu Geiſt ſowohl als Geiſtern; leibhafte, lebende Geſchöpfe; Perſonen, nam. auch inſofern ſie Einem blutsverwandt ſind: Der Geiſt iſt willig, aber das F. iſt ſchwach. <bibl><author>Matth.</author> <biblScope>26, 41;</biblScope> <title>Das Wort ward F.</title></bibl> <bibl><author>Joh.</author> <biblScope>1, 14</biblScope> <title>(vgl. eingefleiſcht); Der allem F–e [allen Geſchöpfen| Speiſe giebt.</title></bibl> <bibl><author>Pſ.</author> <biblScope>136, 25;</biblScope> <title>Das [Weib] iſt F. von meinem [Adams] F.</title></bibl> <bibl><biblScope>1.</biblScope></bibl> <bibl><author>Moſ.</author> <biblScope>2, 23;</biblScope> <title>Wenn das F. von meinem F–e [mein Kind] nicht | zu rächen ich, der Vater, mich bezwungen.</title></bibl> <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>4, 137;</biblScope> <title>Weil ich nicht will, daß mein eigen F. und Blut mich über die Schulter anſehen ſoll.</title></bibl> <bibl><author>Lewald</author>  <title>W.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 31;</biblScope> <title>So iſt dieſe Abart auch euer Sohn nicht mehr, und wär er aus eurem F–e geſchnitten.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>1 05a:</biblScope> <title>Den Weg alles F–es gehen [ſterben].</title></bibl> <bibl><biblScope>120a;</biblScope> <title>Glaubt ihr, ein weiſer Mann ſei nicht von F. und Blut [habe keine Empfindung ꝛc.].</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>3, 40;</biblScope> <title>Dem Höllenwurm in ſeinem F. [ſeiner ſinnlichen Begierde] zu Trutz.</title></bibl> <bibl><biblScope>12, 99</biblScope> <title>u. v.</title></bibl> — 2) in erweitertem Sinn: die fleiſchähnlichen, feſten, aber ſaftreichen Theile von Früchten und eßbaren Pflanzen: Das höchſt zarte, pikante F. der Frucht. <bibl><author>Burmeiſter</author>  <title>gB.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 289;</biblScope> <title>Kirſchſteine, wovon ich das F. abgeſogen.</title></bibl> <bibl><author>Münchhau-</author>  <title>ſen</title></bibl> <bibl><biblScope>33;</biblScope> <title>Das F. des Champignons.</title></bibl></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Ahd. <bibl><biblScope>fleisc,</biblScope> <title>mhd.</title></bibl> <bibl><biblScope>vleisch,</biblScope> <title>Abſtammung unſicher, vgl. ſchwed.</title></bibl> <bibl><biblScope>fläsk,</biblScope> <title>Speck.</title></bibl></p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. z. B.: „Wofür halten Sie mich?“ .. Für ein Stück Weiber-F. in einen großen, großen Adelsbrief gewickelt. Sch. 166a; ſo: Löwen-, Bären-F. ꝛc., und nam. in Bezug auf die gew. gegeßnen zahmen Thiere: Rind-, Kalb-, Kuh-, Ochſen-, Schaf-, Hammel-, Schöpſen-, Lamm-, Schweine-, Ziegen-, Bock-F., während es in den Küchen vom Wild gw. „Braten“ heißt. Veralt. und mundartl. finden ſich auch ſt. des Bſtw. Ew., wobei zuw. „Fleiſch“ fortbleibt: Allerlei Fleiſch, grün und geſalzen, fürnehmlich ſchweinin. Stumpf 144b; Kuhfleiſch oder Schwynigs. Gott- helf Sch. 84; Das feiſte ſchäffen Fleiſch. Schaidenraißer 40a; A Lämmernes. Seydelmann 319; Vortreffliches Kälbernes. Hackländer Sold. Kr. 114 ꝛc. Ferner nach dem Körpertheil: Bauch-, Bruſt-F. ꝛc.; nach der Art der Zubereitung oder der Benutzung: Brat-F. (zu bratendes oder gebratenes, ſo z. B.: V. Th. 24, 135), Koch-, Pökel-, Rauch- [geräuchertes], Schmor-, Sülz-, Suppen- [wovon 58* Suppe gekocht wird], Wurſt-F. ꝛc., ferner nach Analogie der folgenden: Es iſt ihr kein Nonnen-F. gewachſen, ſie fühlt keinen Beruf zum Kloſterleben, verſchmäht die Liebe nicht; Er iſt von Schelmen-F. gemacht, ein Schelm ꝛc. ſ. Sitz-F., z. B.: Bérg- [2]: eine Art Asbeſt. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Kálb-:</comp> ſ. o., auch ſprchw. zur Bez. jugendlichen Unverſtands u. Muthwillens, vgl. kälbern: K., halb Fleiſch; junge Leut, dumme Leut. Schottel 1133b; Zinkgräf 2, 21; Ehe ihnen das K. vom Steiße abgekehrt worden. Weiſe (Palm 22). —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Kérn-:</comp> Ein tüchtiger, eingeturnter Knabe wird K. haben, nicht maſtigen Schwamm. Jahn M. 299. — Kírſch- [2]: nam. auch ausgeſteinte, mit Zucker dick eingekochte Kirſchen. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Krōn-:</comp> bei den Fleiſchern das Zwerchfell. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Míttel-:</comp> der Raum zwiſchen Zeugungsglied und After, ſ. Damm 4. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Sítz-:</comp> der Hintre: Einen derben Stoß gegen das S. Lichtenberg 5, 371; nam.: S. haben. Chamiſſo 5, 205 ꝛc., lange auf einer Stelle ſitzen können, Ausdauer bei der Arbeit haben ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Sólper-:</comp> Pökelſchweinefleiſch (?). Börne 2, 459. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Téller-:</comp> nicht ganz ausgekochtes Suppenfleiſch. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Wéll-:</comp> das den Schweinen an der Bruſt herunterhangende Fleiſch. Monatsbl. 1, 435. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Zāhn-:</comp> das die Zahnwurzeln umgebende Fleiſch, ſ. Biller u. ä. m.</entry>
        </p>
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