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        <title>Artikel „Figur“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
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            <surname>Sanders</surname>
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            <surname>Göttel</surname>
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            <surname>Wiegand</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Figur“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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          <orth expand="Figur" orig="Figūr">Figūr</orth>
          <gramGrp>(lat.), <pos norm="noun">f.;</pos><gen norm="feminine"/> –en; Figürchen, lein; –en-:</gramGrp>
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        <sense>1) die äußere Geſtalt eines Körpers, nam. nach ſeinen Umriſſen: Faſſt . . von Gaſſe, Haus und Garten <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>F. und Lage ins Geſicht.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>11, 201;</biblScope> <title>Sie hat</title></bibl> — übertr. auch: Sie iſt (ſ. 6) — eine hübſche F. [iſt hübſch gewachſen]. — 2) Math.: ein von Linien begrenzter Raum: Grad-, krummlinige F. ꝛc.; auch: eine zur Veranſchaulichung des zu Beweiſenden ꝛc. dienende Zeichnung. <bibl><author>W.</author> <biblScope>3, 10</biblScope> <title>(ſ. 3).</title></bibl> — 3) Geſtalten, Zeichnungen und Bilder, oft inſofern ſie zur Veranſchaulichung einer Darſtellung durch Worte dienen, z. B.: Ein Buch mit vielen in den Text eingedruckten Figuren, wohl auch ſcherzh. in ganz latein. Form: Wie Figura [der Augenſchein] zeigt ꝛc., aber auch allgm. z. B. in der Damaſtweberei: Sieht man den Grund dunkel und die F. hell. <bibl><author>G.</author> <biblScope>37, 359;</biblScope> <title>Zu Kreuzen, Pyramiden und andern Figürchen zurechtgeſchnitten.</title></bibl> <bibl><author>Kohl</author>  <title>Irl.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 97 ꝛc.</biblScope> <title>Bei vielen Handw. und Gewerben ſteht dem Glatten das Figurierte (Paſſige), mit F–en Verſehne gegenüber.</title></bibl> — 4) ſo auch z. B. im Schachſpiel die Steine, weil ſie Verſchiedenes darſtellen (ſ. 5), Schach-F–en, vgl. dagegen: Dambrett- ſteine. — Ferner die Bilder im Kartenſpiel, wozu zuw. noch das Aß und die Zehn gerechnet werden. — Wappenk.: Alles was ſich außer der Tinktur in den Sektionen findet. — 5) im engern Sinn in den bildenden Künſten F. für menſchliche Geſtalt, Perſon: Ein prächtiges Stück [Gemälde] . ., worauf, mit F–en in Lebensgröße, die Wahl des Herkules geſchildert war. <bibl><author>W.</author> <biblScope>15, 38;</biblScope> <title>Die</title></bibl> Haupt-, Neben-F–en einer Gruppe; Die F–en waren auf <bibl><biblScope>9“</biblScope> <title>berechnet und obgleich zwölf Perſonen ſitzen .., daher als</title></bibl> Halb- F–en anzuſehen ſind. <bibl><author>G.</author> <biblScope>31, 74; 75;</biblScope> <title>Die zerbrochenen Figürchen.</title></bibl> <bibl><biblScope>20, 69;</biblScope></bibl> Gips-, Marmor-, Wachs-F–en ꝛc. Dazu: Da bekommen die Geſtalten etwas Wachsfigurenes. <bibl><author>Auerbach</author>  <title>Ab.</title></bibl> <bibl><biblScope>157;</biblScope> <title>SchV.</title></bibl> <bibl><biblScope>101</biblScope> <title>[Wachsfiguren-Artiges]; Nipp-Figürchen, kleine aufden Nipptiſch zu ſtellen ꝛc.</title></bibl> — 6) daher auch ſonſt <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>Perſon, beſ. in Bezug auf die äußre Geſtalt: Eine kleine F. humpelt herum.</title></bibl> <bibl><author>Tieck</author>  <title>Nov.</title></bibl> <bibl><biblScope>5, 174 ꝛc.;</biblScope> <title>ferner: Wenn die</title></bibl> Haupt-F–en ſich entfernen. <bibl><author>G.</author> <biblScope>15, 151;</biblScope> <title>Die</title></bibl> Neben- F–en eines Schauſpiels ꝛc. — Daher auch: Eine F. ſpielen, machen, ſich ſo und ſo darſtellen, z. B.: Ich fürchte nur, daß wir im Karren eine böſe F. machen können. <bibl><author>G.</author> <biblScope>10, 194;</biblScope> <title>Die alberne F., die ich mache.</title></bibl> <bibl><biblScope>14, 42;</biblScope> <title>Die Beſchämung u. ſ. w. ließen mich eine höchſt erbärmliche F. ſpielen.</title></bibl> <bibl><biblScope>20, 71;</biblScope> <title>Was für eine F. würden wir in der Geſellſchaft ſpielen!</title></bibl> <bibl><biblScope>34, 216 ꝛc.,</biblScope> <title>und im prägnanten Sinn ohne Artikel: Blondine, die neben den erſten Schönheiten . . noch F. machen [Etwas vorſtellen] würde.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>185a;</biblScope> <title>Niedlicher als wohlgeſtaltet, Taille, aber keine F.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>7, 147 ꝛc.</biblScope></bibl> — 7) Tanzk.: der von den Tänzern beſchriebene Weg, nach ſeiner beſtimmten Geſtalt: Sie fingen einen Engliſchen an . .. Als ſie auch in der Reihe die F. mit uns anfing. <bibl><author>G.</author> <biblScope>14, 26;</biblScope> <title>Es giebt verſchiedene</title></bibl> Tanz-F–en: Kreis- oder Cirkel-, Schlangen-, Diagonal- F–en ꝛc. (ſ. <bibl><author>Düringer</author> <biblScope>420).</biblScope></bibl> — 8) Muſ.: <sense n="a)">a) Ton-F., das an verſch. Stellen mit wechſelnder Modulation wiederkehrende Stück einer Melodie. —</sense><sense n="b)">b) die Zergliedrung melodiſcher Hauptnoten in Noten geringern Werths, wohl wegen der durch die zur Bezeichnung nothwendigen Linien und Striche auf dem Notenſyſtem entſtehnden Figuren. —</sense><sense n="c)">c) Die Chladni’ſchen Klang- F–en, die regelmäßigen F–en (2), die ſich auf einer mit feinem Sand beſtreuten Scheibe, wenn ſie zum Tönen gebracht wird, darſtellen. — 9) Rede-F., Bild, übertragner, uneigentlicher Ausdruck, bildliche Darſtellung; auch die verſchiednen Wendungen, als Formen und Geſtaltungen der Rede, von den Grammatikern mit beſtimmten Namen bez.: Ohne F. und unverblümt von der Sache zu reden. <bibl><author>B.</author> <biblScope>136b;</biblScope> <title>Wenn man nicht zu den Eſeln gehörte; ſo wurden die Ritter [vom Orden zum grünen Eſel] nach einer abkürzenden</title></bibl> Rede-F. benannt. <bibl><author>Immermann</author>  <title>M.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 200;</biblScope> <title>Es muß der Zinskauf ein F. und Anzeigen ſei, daß die Welt .. dem Teufel verkauft ſei.</title></bibl> <bibl><author>Luther</author> <biblScope>1, 314b;</biblScope> <title>Nu ſoll ja das alte Teſtament des neuen F. oder Fürbilde ſein.</title></bibl> <bibl><biblScope>6, 322b;</biblScope> <title>Wenn die Ähnlichkeit nur mit wenigen Worten gleichſam angezeigt wird, ſo heißt die F. eine Metapher; wird ſie ausgeführt, eine Allegorie.</title></bibl> <bibl><author>Mendelsſohn</author> <biblScope>4, 1, 177;</biblScope> <title>Wobei die ſchöne Klägerin weder</title></bibl> Rede-F–en noch Thränen ſparte. <bibl><author>W.</author> <biblScope>16, 52 ꝛc.</biblScope></bibl></sense></sense>
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