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        <title>Artikel „Fieber“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
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            <surname>Sanders</surname>
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            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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            <surname>Wiegand</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
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          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Fieber“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="Fieber" orig="Fīēber">Fīēber</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="noun">n.,</pos><gen norm="neuter"/> –s; uv.; –chen; -:</gramGrp>
        </form>
        <sense>allgm. Bez. einer Menge von Krankheiten, deren Zufälle nach gewiſſen Perioden ſteigen und fallen und wobei die Maſſe des Bluts in ungeregelter Bewegung iſt, der Pulsſchlag häufiger und ſchneller erfolgt, das Wärmegefühl in verſch. Graden verändert wird, ſo daß meiſt Hitze — oft verbunden mit Phantaſieren des Kranken — und Froſt abwechſeln ꝛc.; auch dieſe Symptome als Krankheitserſcheinung: Wird in Folge einer krankhaften Umſetzung der belebten Körpertheile ein größeres Maß von Kraft erzeugt, als zur Hervorbringung der normalen Bewegung erforderlich iſt, ſo zeigt ſich Dies in einer Beſchleunigung aller oder einzelner unwillkürlichen Bewegungen, ſo wie in einer höhern Temperatur des kranken Körpertheils. Dieſer Zuſtand heißt F. <bibl><author>Liebig</author>  <title>Th.</title></bibl> <bibl><biblScope>233;</biblScope> <title>Man unterſcheidet akute oder hitzige F., die in einer beſt. Zahl von Tagen</title></bibl> — zumeiſt ſieben oder einem Vielfachen davon — verlaufen und chroniſche F., die längre, unbeſt. Zeit dauern; anhaltende F., wo die weſentlichen Symptome während der ganzen Krankh. dauren, entw. in gleicher Stärke oder in abwechſelnder, ſ. g. nachlaſſendes F.; ausſetzende, intermittierende oder Wechſel-F., wo die weſentlichen Zufälle nach jedem Anfall nachlaſſen und zwar hat man hier, je nachdem das F. jeden Tag oder je den dritten (einen Tag um den andern) oder den vierten wiederkehrt, tägliche, drei-, vier-tägige (ſ. d.) F. Dieſe Wechſel-F., im Ggſtz. der hitzigen, auch kalte F. genannt, heißen im gw. Leben meiſtens bloß F. — Zuw. auch mit Auslaſſung von F,: Du ſtirbſt weder am warmen noch am kalten. <bibl><author>Weiſe</author>  <title>Jak.</title></bibl> <bibl><biblScope>213.</biblScope> <title>Außerdem nach den hauptſächlich angegriffnen Theilen, der entferntern Urſache, dem Auftreten der Krankh., z. B.: gaſtriſches, katarrhaliſches, nervöſes, ſchleichendes, bös-, gut- artiges F. ꝛc. (ſ. Zſſtzg.); ferner: Gelbes F., eine nam. in Weſtindien heimiſche, peſtartige Krankheit, wobei das Fieber mit Gelbſucht und ſchwarzem Erbrechen verbunden iſt u. ä. m.</title></bibl> — Übertr. auch auf eine heftige, krankheitsähnliche Erregung des Geiſtes, der Seele, daher in manchen Zſſtzg. <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>Sucht: Mich dünkt, die Alte ſpricht im F. [irre].</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>11, 108; 1, 158;</biblScope> <title>Das Alter iſt ein kaltes F. | ein Froſt von grillenhafter Noth.</title></bibl> <bibl><biblScope>12, 92;</biblScope> <title>Langeweile, du biſt ärger als ein kaltes F.</title></bibl> <bibl><biblScope>9, 59;</biblScope> <title>Wie tückiſch ſeine Zunge .. mich verletzt . . ., wie er das F. | nur mehr und mehr erhitzt.</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 150;</biblScope> <title>Bin ich im F.? Jſt das ein Spuk | der nächtlichen Phantaſei?</title></bibl> <bibl><author>Heine</author>  <title>Rom.</title></bibl> <bibl><biblScope>82;</biblScope> <title>Krepiert, ich weiß an welchem F. nicht, | war’s gelb, war’s ſcharlach oder war es faul.</title></bibl> <bibl><author>HKleiſt</author>  <title>Krug</title></bibl> <bibl><biblScope>46;</biblScope> <title>Ei, daß dich doch das F.!</title></bibl> <bibl><author>Müllner</author> <biblScope>7, 255</biblScope> <title>(häufige Verwünſchung); Am andern Morgen brach die Wuth | des F–s aus und wuchs mit ſolcher Macht.</title></bibl> <bibl><author>W.</author> <biblScope>11, 150;</biblScope> <title>Dieſe Art von F. [Herzens- unruhe], woran Roſinchen litt .. Sie will und will auch nicht ꝛc.</title></bibl> <bibl><biblScope>204;</biblScope> <title>Faſelſt du im F.?</title></bibl> <bibl><biblScope>230; 12, 247;</biblScope> <title>Der Luxus ein auszehrendes F. für jeden Staat.</title></bibl> <bibl><biblScope>8, 189; 3, 46 ꝛc.</biblScope></bibl></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">S. <bibl><author>Matth.</author> <biblScope>8, 14</biblScope> <title>mit der Randgloſſe: Das iſt den „Ritten“ auf deutſch, F. iſt latiniſch.</title></bibl> <bibl><author>Luther</author>  <title>SW.</title></bibl> <bibl><biblScope>64, 190.</biblScope> <title>Lat.</title></bibl> <bibl><biblScope>febris,</biblScope> <title>bei Ältern auch z. B.: Das (viertäglich Feber.</title></bibl> <bibl><author>Eppendorf</author> <biblScope>30; 31; 67</biblScope> <title>u. o.</title></bibl></p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. ſehr zahlreich, z. B.: Ángſt-: fieberhafte Aufregung vor Angſt. Hausbl. (58) 2, 247. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Brúſt-:</comp> von der Bruſt, nam. von einem Fehler der Lunge herrührend. L. 13, 326; ähnl. Zſſtzg. mit andern Körpertheilen. — Brétter-, Bühnen-: die Aufregung und Angſt, die Jemand beim Auftreten auf der Bühne, beſ. das erſte Mal empfindet, vgl.: Lampen-, aber auch Schauſpiel-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Dárm-:</comp> vgl. Bruſt-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Eīterungs-:</comp> vgl. Wund-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Fāūl-:</comp> wobei das Blut in Fäulnis und Zerſetzung übergeht, Febris putrida; in ſcherzh. Wortſp. auch wie Faulkrankheit ꝛc., vom Faulſein, Unfleiß. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Fléck-:</comp> ein Faulfieber, wobei ſich Flecken auf der Haut zeigen, Petechial-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Flúß-:</comp> Katarrhal-F. ꝛc. L. 13, 83. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Fréß-:</comp> Febris famelica, wobei der Kranke einen Heißhunger empfindet. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Gállen-:</comp> ſ. Bruſt-F.; von geſtörter Abſondrung der Galle herrührend. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Gīēß-:</comp> ſ. Hüttenkatze. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Gülden-:</comp> ſcherzh. für Geldſucht ꝛc.: Die Silberſucht und das G. Luther 8, 88b. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Hírſe-:</comp> weißes Frieſel. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Húnger-:</comp> Freß-F., Hungertyphus. Hartmann Unſt. 2, 131. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Kanōnen-:</comp> die Aufregung und Angſt in und vor der Schlacht beim Kanonendonner, ſ. nam. G. 25, 59 und 60; Von dem allgemeinen K. angeſteckt. Dingelſtedt 145; auch übertr. = Angſt überhaupt: Ich ſoll eine ſolche Profeſſur erhalten und geſtehe, daß ich ſehr das K. habe. Chamiſo 5, 249, ſ. Lampen-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Katarrhāl-:</comp> vom Katarrh herrührend. — Kópf-. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Lāger-:</comp> Art Faul-F., wie es nam. im Lager unter den Soldaten auftritt, Febris castrensis, hungarica. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Lámpen-:</comp> die fieberhafte Aufregung, die ein Schauſpieler vor ſeinem Auftreten auf der Bühne empfindet. Palleske Sch. 1, 109 ꝛc., ſ. Kanonen-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Lánd-:</comp> epidemiſches Fieber, oder F., wie es auf dem Lande, verſch. von dem in Städten, eigenthümlich auftritt. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Līēbes-:</comp> krankhaft geſteigerter Trieb zur Begattung, Febris amatoria, auch nur überh.: heftige Liebe. W. 10, 194 ꝛc. — Lúngen-. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Māgen-:</comp> ſ. Bruſt-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Milch-:</comp> der Wöchnerinnen, von der Milch herrührend. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Mútter-:</comp> hyſteriſches Fieber. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Nérven-:</comp> das von einer Zerrüttung des Nervenſyſtems ausgeht, Typhus. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Néſſel-:</comp> wobei der Körper mit Bläschen bedeckt iſt, wie wenn man ſich mit Neſſeln gebrannt. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Ochſen-:</comp> ſcherzh., ein nach reichlichem Genuß von Speiſ’ und Trank ſich einſtellender Schauder. Weiſe Jſ. 20; nach Adelung grobes, ungeſchicktes Betragen. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Procéß-:</comp> Proceßſucht. W. 22, 41. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Quartān-:</comp> viertägiges F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Rezenſénten-:</comp> die Wuth des Rezenſierens, Tadelſucht. B. 112a. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Revolutiōns-:</comp> vgl. Schauſpiel-F., z. B.: der fieberhafte Drang zur Revolution. Gervinus Lit. 5, 384. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Schárlach-:</comp> fieberhafte Ausſchlagkrankheit, nam. von Kindern, wobei der Körper ſcharlachroth wird und die Haut abſchilfert. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Schāūſpiel-:</comp> Bretter-F., aber auch die Manie, das übertriebne Verlangen nach Schauſpielen, z. B.: Das Sch., womit wir bis auf dieſen Tag manche Städte unſres deutſchen Vaterlandes behaftet ſehen. W. 13, 251. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Schlāf-:</comp> wobei der Kranke fortwährend ſchlafen möchte, Febris soporosa. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Schlēīm-:</comp> von geſtörter Schleimabſondrung herrührend, oft in 56 Faul- oder Zehr-F. übergehnd. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Schnúpfen-:</comp> v. Schnupfen herrührend, Katarrhal-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Schwēīß-:</comp> der engliſche Schweiß. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Sēēlen-:</comp> fieberhafte Aufregung: Indem er ſich im Bette wechſelweis | in Flammen bald herumwälzt, bald in Eis, | ſein S. noch durch Denken zu vermehren. W. 11, 222; 20, 148. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Soldāten-:</comp> Lager-F.; Kanonen-F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Studénten-:</comp> bösartiges Lager-F. Spate. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Tertiān-:</comp> dreitägiges F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Wéchſel-:</comp> intermittierendes F.; ſcherzh. auch der un- angenehme Zuſtand Deſſen, den Wechſelſchulden drängen. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Wúnd-:</comp> von einer Wunde herrührend. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Wúrm-:</comp> von Würmern herrührend, nam. bei Kindern. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Zāhn-:</comp> vom Zahnen der Kinder herrührend. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Zêhr-:</comp> bei der Auszehrung, hektiſches F. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Zēīt-:</comp> Das Z., das Einige auch das Fieber der Zeit nennen; Andre nennen es das Zeitungs-F. .. Es iſt eine böſe, anſteckende Krankheit, die ſich ſogar durch die Luft mittheilt ꝛc. G. 19, 202, ſcherzh. von der leidenſchaftlichen Erregung, ſich mit Politik zu beſchäftigen u. ä. m.</entry>
        </p>
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