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      <titleStmt>
        <title>Artikel „denn“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
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            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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        </editor>
        <editor>
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            <surname>Wiegand</surname>
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          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="en">Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)</orgName>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „denn“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <lbl>†</lbl>
        <form type="lemma">
          <orth expand="denn" orig="Dénn">Dénn</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="conjunction">conj.:</pos></gramGrp>
        </form>
        <sense n="1)">1) an der Spitze eines — dadurch in ſeiner Wortführung nicht veränderten — grund- angebenden, das Vorangehnde erklärenden Satzes. Das ſvw. „weil“, das immer einen Nebenſatz anknüpft, bezeichnet dieſen nicht als bloßen Erkenntnisgrund, ſondern als Urſache, als Grund, warum das Vorangegangne iſt: Ich gehe nicht aus, d. es regnet fortwährend. [In dieſem Regen findet mein Nicht-Ausgehn ſeine Begründung, ſeine Erklärung]; Ich gehe nicht aus, weil es fortwährend regnet [Dieſer Regen iſt die Urſache meines Nicht-Ausgehens]. Auf die Frage „warum“ kann daher nur „weil“ antworten: „Warum gehſt du nicht aus?“ Weil es fortwährend regnet. Dagegen kann „weil“ nicht ſtehn, wo nur — oft mit zu ergänzenden Zwiſchengliedern — eine erläuternde Begründung angeknüpft wird (vgl. nämlich): Ich bin [das darf ich wohl ſagen] — denn warum ſollte ich das leugnen? — ſehr fleißig geweſen; Du muſſt es ihm geſagt haben [das ſteht feſt]; d. außer dir hat’s Niemand gewuſſt, oder: D. wer hat’s außer dir gewuſſt?; Sie treibt der Eifer nicht fürs Vaterland; <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>d. Tauſende, wie mich, gebar die Fremde.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>333b;</biblScope> <title>Und komm, ich hab des Schwätzens Überdruß, | d. du haſt Recht, vorzüglich [darum], weil ich muß.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>11, 132</biblScope> <title>[dein Rechthaben erklärt, daß ich nicht mehr ſtreiten mag]; Er hungert oft; d., weil er faul iſt, verdient er Nichts ꝛc. Mundartl. auch pleonaſtiſch: d. weil</title></bibl> <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>weil.</title></bibl> <bibl><author>Brentano</author>  <title>Fr.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 15 ꝛc.;</biblScope> <title>verſch.: Weil denn (ſ. 3).</title></bibl> — Als ſächl. Hw.: das D. <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>der Grund, die Begründung: Der Kunſtrichter empfindet nicht bloß, daß ihm Etwas nicht gefällt, ſondern er fügt auch noch ſein D. hinzu ꝛc.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>11, 752;</biblScope> <title>Sehen Sie ſelbſt, wie bündig ſein D. iſt.</title></bibl> <bibl><biblScope>6, 126; 7, 367 ꝛc.</biblScope></bibl></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note"><bibl><biblScope>1.</biblScope> <title>Veralt. iſt d. mit der Stellung des Nebenſatzes, wie bei „weil“: D. er ja wollt gern ſeine Chriſten aufwecken.</title></bibl> <bibl><author>Luther</author> <biblScope>6, 56b;</biblScope> <title>D. ſie ſelber bekennen müſſen.</title></bibl> <bibl><biblScope>118b</biblScope> <title>[aber</title></bibl> <bibl><biblScope>119a:</biblScope> <title>D. ich hab’s ja von Herzen lieb]; D. ihme Etliche gehäſſig ſind.</title></bibl> <bibl><author>Ryff</author></bibl> <bibl><author>Th.</author> <biblScope>98; 19; 97;</biblScope> <title>D. ich täglich habe ſaufen .. müſſen.</title></bibl> <bibl><author>Schweinichen</author> <biblScope>3, 56</biblScope> <title>u. ä. m.</title></bibl> <sense n="2)">2) D. nach einem Kompar. ꝛc. ſt. des gewöhnl. „als“ in altherthümlicher und gehobner Rede, wie namentl. ſehr oft in der Bibel: Meine Sünde iſt größer, d. daß ſie mir vergeben werden möge. <bibl><biblScope>1.</biblScope></bibl> <bibl><author>Moſ.</author> <biblScope>4, 13 ꝛc.:</biblScope> <title>Heftiger noch d. zuvor.</title></bibl> <bibl><author>V.</author>  <title>Od.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 324; 7, 136;</biblScope> <title>Moſch.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 62;</biblScope></bibl> <bibl><author>Fichte</author> <biblScope>7, 6;</biblScope></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>20, 229;</biblScope></bibl> <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>8, 408;</biblScope></bibl> <bibl><author>Hölderlin</author>  <title>H.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 148; 2, 105; 109 ꝛc.</biblScope></bibl> — Gewöhnl. zur Vermeidung eines doppelten „als“: Du haſt dich in dieſem Falle mehr als Schriftſteller d. als Advokat erwieſen. <bibl><author>G.</author> <biblScope>22, 145;</biblScope> <title>So beſuche ich ihn jetzt mehr als Freund, d. als Arzt.</title></bibl> <bibl><author>Immermann</author>  <title>M.</title></bibl> <bibl><biblScope>4, 193;</biblScope> <title>Das betrachten wir eher als eine Tugend, d. als einen Fehler.</title></bibl> <bibl><author>Keller</author>  <title>gH.</title></bibl> <bibl><biblScope>4, 166.</biblScope></bibl> — S. auch: Um ſo erſtaunter, als er Nichts weniger d. dieſe Vorwürfe zu verdienen glaubte. <bibl><author>G.</author> <biblScope>16, 147 ꝛc.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="3)">3) Enklitiſches d., nam. häufig in Frageſätzen, ferner an die bezüglichen Fürw. ſich lehnend (welcher, der, was, woran, wovon ꝛc., weßhalb, wo u. ſ. w.), ſo denn auch an die ähnlichen Bindew. (wie, wenn, weil, da ꝛc.), an ſo, alſo, nun, auf! wohlauf! ja, nein ꝛc. Dies d. bezeichnet eine gedankliche Verknüpfung mit dem Vorhergehnden, eine Anknüpfung an das Vorliegende <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>alſo; nämlich; wie aus dem Vorliegenden erhellt; wie oder da die Sache einmal ſo iſt ꝛc. Es iſt etwa das Widerſpiel von „aber“, indem es das Vorliegende erläutert, darauf fortbaut, während aber (ſ. d. 2) einen Gegenſatz gegen das Vorliegende bezeichnet, einen Widerſpruch dagegen erhebt, vgl.: Wer kann es ihm d. geſagt haben? [Die Thatſache: „Er weiß es“ wird nicht beſtritten, ſondern man wünſcht eine Erklärung dafür]; Wer kann es ihm aber geſagt haben? [Es wird bezweifelt, daß es ihm Jemand geſagt]. Natürlich kann auch zu dem Widerſpruch und Zweifel als etwas Thatſächlichem, Vorliegendem das denn gefügt werden: Wer kann es ihm denn aber geſagt haben? [Man wünſcht die Erklärung des unerklärlich Scheinenden]; Er iſt d. [nach dem Vorliegenden, wie ich einſehe] doch [was ich erſt nicht glauben wollte] ein Narr ꝛc.; Deine Blicke ſind Beweis genug. Ja denn. [Ich ſage ja zu eurer Verbindung, da, wie ihre Blicke zeigen, meine Schweſter dich liebt].</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>9, 38;</biblScope> <title>Er ſagt es und da (ſo) muß ich es d. wohl glauben [da er’s ſagt]; Haſt du ihn d. geſehn? [wie ich nach deiner Außrung annehmen muß]; Jch gab ihm, wie ich d. immer zu ſchwach bin, einen Thaler, welchen er d. ſofort einſteckte, mit der Frage, wann er d. das Übrige haben ſollte. Nun d., rief ich, ſo geſchwinde geht’s d. doch nicht; Wohlauf d.! getrunken den funkelnden Wein! ꝛc. Zuweilen zweimal in einem Frageſatze: Wer iſt d. der Der und Jener d.?</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>2, 231.</biblScope></bibl></sense></p>
        </note>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note"><bibl><biblScope>2.</biblScope> <title>Im Allgem. iſt dies d. tonlos, erhält aber den Ton, wenn die vorliegenden Umſtände andern entgegengeſetzt oder überhaupt hervorgehoben werden (wobei die Berührung mit dem urſprünglichen „dann“ (ſ. d.) klar hervortritt), z.B.: „Warum haſt du’s denn [tonlos] verkauft? Nicht wahr? um für das Geld zu naſchen?“ Nein, darum nicht. „Nun, warum denn? [betont</title></bibl> <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>aus welchem andern als dem angegebnen Grunde?]; „Ziemte mir’s | und frommte mir’s?“ Wem frommt es dénn, | daß er ſo neubegierig iſt? wem dénn?</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>2, 300;</biblScope> <title>„Er hat mir’s ſelbſt geſagt“. Nun dénn [wenn</title></bibl> Das der Fall iſt, unter ſolchen Umſtänden] will ich’s auch nicht leugnen. — Man beachte die Doppelbetonung des d. neben einſilbigen Fragewörtern: wer, wen, was, wie, wo, wann d. ꝛc.; das betonte Fragewort hebt dies als zu beantwortendes hervor, das betonte d. dagegen die Dringlichkeit der Frage: Noch zauderſt du? — „Ich weiß“. — Was dénn? <bibl><biblScope>(⏑ –)</biblScope> <title>„Ein Vogelneſt“.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>1, 106; 2, 300;</biblScope> <title>Er macht damit .. den dümmſten Witzling .. lächerlich. | „Und wen d.? (–⏑)“. Welche Frage? Sich!</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 32.</biblScope></bibl> <sense n="4)">4) Enklitiſches „d.“ ſich an den Konjunktiv eines Zeitw. lehnend, im Sinn von <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>ausgenommen wenn; außer wenn; wenn nicht ꝛc., eigentl. elliptiſch: Wir binden dich nicht los, du ſingeſt uns d. ein Lied.</title></bibl> <bibl><author>Geßner</author> <biblScope>3, 42</biblScope> <title>[Geſetzt, du ſingſt: dann (in dieſem Fall) binden wir dich los; ſonſt nicht]; Niemand ſoll ins Kloſter gehn, | als: er ſei d. wohl verſehn | mit gehörigem Sündenvorrath.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>3, 127;</biblScope> <title>Zum zweitenmal ſoll mir kein Klang erſchallen, | er müſſe d. beſondern Sinn begründen.</title></bibl> <bibl><biblScope>4, 23;</biblScope> <title>Er entfernte ſich niemals | weit, er ſagt’ es ihr d.</title></bibl> <bibl><biblScope>5, 31;</biblScope> <title>[Da] erhält man Nichts, man bringe d. ’was hin.</title></bibl> <bibl><biblScope>13, 116;</biblScope></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>30b</biblScope> <title>u. o., vgl. Kein</title></bibl> <bibl><biblScope>4.</biblScope></bibl></sense></p>
        </note>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">S. <bibl><biblScope>I.</biblScope> <title>Dann, Anm. Von dem langen Schwanken zwiſchen beiden Formen finden ſich noch, zumal in der Volksſprache, jetzt Spuren, z.B. denn</title></bibl> <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>dann, ferner: Was Dame ſei und d., was Dama.</title></bibl> <bibl><author>Logau</author> <biblScope>1, 21, 67; 24, 83 ꝛc.;</biblScope> <title>Und d., ſo werden meine Stühle | nur grad’ ein halbes Dutzend ſein.</title></bibl> <bibl><author>Göckingk</author> <biblScope>1, 202;</biblScope> <title>Und d. das Elend.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>29, 243;</biblScope> <title>Und d. mache, was dir gefällt.</title></bibl> <bibl><author>Leiſewitz</author>  <title>Jul.</title></bibl> <bibl><biblScope>14</biblScope> <title>u. ä. m.</title></bibl> — So auch: Als denn ꝛc.; Umgekehrt ,,dann“, grundangebend ſt. denn, z. B. <bibl><author>Zinkgräf</author> <biblScope>1, 318 ꝛc.,</biblScope> <title>und namentl. in der Bedeutung</title></bibl> <bibl><biblScope>3.</biblScope></bibl></p>
        </note>
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