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      <titleStmt>
        <title>Artikel „Gedanke“</title>
        <author ref="https://viaf.org/viaf/61594915/">
          <persName>
            <surname>Sanders</surname>
            <forename>Daniel</forename>
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        </author>
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            <surname>Göttel</surname>
            <forename>Sebastian</forename>
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        </editor>
        <editor>
          <persName>
            <surname>Wiegand</surname>
            <forename>Frank</forename>
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          <email>edition-sanders@bbaw.de</email>
          <orgName role="projekt">Forschung Daniel Sanders</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="en">Berlin-Brandenburg Academy of Sciences and Humanities (BBAW)</orgName>
          <orgName role="hostingInstitution" xml:lang="de">Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (BBAW)</orgName>
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             <addrLine>Jägerstr. 22/23, 10117 Berlin</addrLine>
             <country>Germany</country>
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        <pubPlace>Berlin</pubPlace>
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            <p>Distributed under a Creative Commons Attribution 4.0 International License (CC BY 4.0)</p>
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        <bibl>Daniel Sanders: „Gedanke“. In: Deutsches Wörterbuch. Leipzig, 1860–1865.</bibl>
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        <form type="lemma">
          <orth expand="Gedanke" orig="Ge~dánke">Ge~dánke</orth>
          <pc>,</pc>
          <gramGrp><pos norm="noun">m.,</pos><gen norm="masculine"/> –n (–ns); –n; –n-:</gramGrp>
        </form>
        <sense>Ggſtd. des Denkens, Erzeugnis des Denkvermögens, Vorſtellung, die ein denkendes Weſen als ſolches hat, und nam. in Mz. zuſammenhängende Reihe ſolcher Vorſtellungen. Nach dem engern oder weitern Umfang des Denkvermögens und nach ſeinen verſch. Richtungen und Beziehungen hat auch G. eine mehrfache nüancierte Bed.: 1) als thätige Außrung des Verſtandes und als beſtimmter, klar bewußter Ausdruck des denkenden Geiſtes, im Ggſtz. zu „Gefühl“ und „Empfindung“, wie ſie z.B. auch dem Thier als ſinnliche innre Erregungen durch äußre Eindrücke zukommen: G–n waren fern, er war nur Schmerz. <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>4. 101;</biblScope> <title>Daß in der Einen Alles ſchon deutlicher, umgrenzter G. iſt, was in der Andern noch unbeſtimmbares, zartes, ergreifendes Gefühl bleiben muß.</title></bibl> <bibl><author>Forſter</author>  <title>Anſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 315;</biblScope> <title>Glaube weit, eng der G.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>4, 2;</biblScope> <title>Der Hudel hat keine G–n mehr, ſondern nur Gelüſte.</title></bibl> <bibl><author>Gotthelf</author>  <title>Sch.</title></bibl> <bibl><biblScope>96;</biblScope></bibl> <bibl><author>Hegel</author>  <title>Log.</title></bibl> <bibl><biblScope>31;</biblScope> <title>Jetzt fiel der Thierheit dumpfe Schranke | und Menſchheit trat auf die entwölkte Stirn | und der erhabne Fremdling, der G., | ſprang aus dem ſtaunenden Gehirn.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>24a;</biblScope> <title>Süße Liebe denkt in Tönen, | denn G–n ſtehn zu fern.</title></bibl> <bibl><author>Tieck</author>  <title>ꝛc.</title></bibl> — 2) darnach bez. einerſeits G. als das höchſte Geiſtige das wahre Weſen der Dinge: Die reine Wiſſenſchaft .. enthält den G–n, inſofern er ebenſoſehr die Sache an ſich ſelbſt iſt oder die Sache an ſich ſelbſt, inſofern ſie ebenſoſehr der reine G. iſt. <bibl><author>Hegel</author>  <title>Log.</title></bibl> <bibl><biblScope>11.</biblScope> <title>Daher im prägnanten Sinn, wie Geiſt (ſ. d.), Weltgeiſt: Den G–n [ſ.</title></bibl> <bibl><biblScope>4a]</biblScope> <title>ausgeſprochen .., daß der Nus [νoȫς], der G., das Princip der Welt, daß das Weſen der Welt als der G. zu beſtimmen iſt.</title></bibl> <bibl><biblScope>12;</biblScope> <title>Hoch über der Zeit und dem Raume webt | lebendig der höchſte G.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>88a.</biblScope></bibl> — 3) andrerſeits aber macht ſich die Anſicht des „gemeinen Menſchenverſtands“ geltend, „daß G–n nur G–n ſeien, in dem Sinne, daß erſt die ſinnliche Wahrnehmung ihnen Gehalt und Realität gebe“. <bibl><author>Hegel</author>  <title>Log.</title></bibl> <bibl><biblScope>5,</biblScope> <title>und ſo wird G. oftſinnvwdt. mit Einfall, Einbildung, zuw. ſelbſt mit Hirngeſpinnſt: Dies war kein Einfall, kein G. mehr, es war ein entſchiedener Plan.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>30, 10;</biblScope> <title>und oft G., als bloß Gedachtes, im Ggſtz. zu ſeinem Ausdruck im Wort und ſeiner Ausführung in der That: G–n ſind zollfrei. Sprchw.</title></bibl> <bibl><author>(Luther</author> <biblScope>6, 326b; 384a);</biblScope> <title>Der ſchreckende G. wird zum Wort, | die Höll’ erfaſſt es und das Werkzeug naht | und der G. wird zur That.</title></bibl> <bibl><author>MBeer</author>  <title>Arr.</title></bibl> <bibl><biblScope>85;</biblScope> <title>Das Alles muste zum G–n, zur Sprache kommen.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>25, 129;</biblScope> <title>Gieb den G–n, die du hegſt, nicht Zunge, | noch einem ungebührlichen die That.</title></bibl> <bibl><author>Schlegel</author>  <title>Haml.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 3 ꝛc.</biblScope></bibl> — 4) von Vorſtellungen des Verſtandes, Kopfes (ſ. d.): <sense n="a)">a) vgl. Jdee: Wagteſt du zu denken ihn, den großen, den ſchrecklichen G–n: Ewigkeit. <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>4, 193;</biblScope> <title>Ein froh Geſicht, das den großen G–n deiner Schöpfung noch einmal denkt.</title></bibl> <bibl><author>Kl.;</author>  <title>Die Unſterblichkeit iſt ein großer G.</title></bibl> <bibl><author>Derſ.;</author>  <title>Mich ſcheucht ein trüber G. ..., du redeſt umſonſt heitre G–n mir zu.</title></bibl> <bibl><author>Derſ.;</author>  <title>Wär der Gedank’ nicht ſo verwünſcht geſcheit, | man wär verſucht, ihn herzlich dumm zu nennen.</title></bibl> <bibl><author>Sch.</author> <biblScope>343b;</biblScope> <title>Ein G. geht mir bei.</title></bibl> <bibl><author>G.</author> <biblScope>13, 10;</biblScope> <title>ſchießt mir durch den Kopf, das Gehirn.</title></bibl> <bibl><author>Gutzkow</author>  <title>R.</title></bibl> <bibl><biblScope>8, 343;</biblScope></bibl> <bibl><author>Klinger</author>  <title>F.</title></bibl> <bibl><biblScope>17;</biblScope> <title>Blitzſchnell wie der G.; Der G. iſt mehr ſchimmernd als wahr; Neue, originelle, ſchöpferiſche, fruchtbare, kühne, feine G–n; Derſelbe G. in andrer Einkleidung; Einen G–n weiter ausführen; Der erſte G. iſt nicht immer der beſte; Keines G–(s) mächtig; Der G. an dein Schickſal, über dein Schickſal ꝛc.</title></bibl> —</sense><sense n="b)">b) der Ggſtd. des Denkens: Du warſt mein Gedanke bei Tag und bei Nacht. —</sense><sense n="c)">c) nam. Mz. die Geſammtheit der Einen beſchäftigenden Vorſtellungen <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>Sinn: Etwas liegt Einem immerfort, ſchwer in den G–n; ſich Etwas aus den G–n ſchlagen; ſeine G–n beiſammen haben, zuſammennehmen, ſammeln; ſeine G–n ſind zerſtreut; ſich Etwas in G–n vorſtellen; Das iſt mir nicht in die G–n gekommen; In ihren G–n iſt ſie ſchon gnädige Frau (ſ. e).</title></bibl> —</sense><sense n="d)">d) nam. Mz., eine Reihe zuſammengehörender, ſich aus einander entwickelnder Vorſtellungen: G–n über die Lage Europa’s; Seinen G–n nachhängen, Audienz (Gehör) geben; in G–n vertieft oder auch: in G–n, in tiefen G–n [an Etwas Andres], was dem Sinn nach oft gleichbedeutend wird mit: ohne G–n, in Zerſtreutheit; vgl.: Scharrt, wie ohne <bibl><biblScope>|</biblScope> <title>G–n, mit dem Kolben in den Sand.</title></bibl> <bibl><author>Chamiſſo</author> <biblScope>4, 129;</biblScope> <title>War ſo ideenreich, daß er ordentlich g–nlos ſein konnte.</title></bibl> <bibl><author>König</author>  <title>Jer.</title></bibl> <bibl><biblScope>1, 21.</biblScope></bibl> —</sense><sense n="e)">e) Meinung, Anſicht auch über Zukünftiges (ſ. c): Jch that Das, in dem G–n, daß es dir erwünſcht wäre ꝛc., meiſt in Mz.: Nach meinen dummen G–n; Hohe G–n von ſich haben; Auf andre, beſſere G–n kommen, (ver)fallen, bringen; Jch will dir meine G–n darüber mittheilen; Ich hahe ſo meine G–n [Vermuthung ꝛc.] über den Diebſtahl, aber ich nenne Keinen. So auch: Sich G–n machen <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>Vermuthungen, Verdacht hegen, aber auch von ſich aufdrängenden Bedenklichkeiten: Mach dir darüber keine G–n [Sorgen] ꝛc. (ſ. auch 5).</title></bibl> — 5) G. aber auch von Vorſtellungen des Begehrungsvermögens, des Herzens (ſ. d.) <bibl><biblScope>=</biblScope> <title>Wille, Wunſch, Abſicht, Plan, Entſchluß, Vorhaben ꝛc.: Jch gehe mit dem G–n um, das Haus zu verkaufen; Aus dem Herzen kommen arge G–n.</title></bibl> <bibl><author>Matth.</author> <biblScope>15, 19;</biblScope> <title>Alle ihreG–n ſind, daß ſie mir Übels thun.</title></bibl> <bibl><author>Pſ.</author> <biblScope>56, 6;</biblScope> <title>Sich G–n auf Etwas [Hoffnung es zu erlangen] machen; Wenn wir nur noch einen G–n auf einander [uns zu heirathen] haben wollten.</title></bibl> <bibl><author>Miller</author>  <title>Siegw.</title></bibl> <bibl><biblScope>406;</biblScope> <title>Auch ſie hatte noch eine hintere Reihe von G–n [Abſicht im Hinterhalt, Hinter-G.].</title></bibl> <bibl><author>König</author>  <title>Jer.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 18;</biblScope> <title>Friedliche (Friedens-) G–n hegen ꝛc.</title></bibl></sense></sense>
        <note type="remark">
          <note type="label">Anm.</note>
          <p type="note">Nbnf.: Der Gedanken. <bibl><author>Klencke</author>  <title>Gſp.</title></bibl> <bibl><biblScope>2, 114;</biblScope> <title>häufiger im Gen.: Saß der Dichter | an dem Webſtuhl des G–ns.</title></bibl> <bibl><author>Heine</author>  <title>Rom.</title></bibl> <bibl><biblScope>73;</biblScope> <title>ſ. Haupt-G. u. v.</title></bibl> — Zuw. auch G. <bibl><biblScope>fem.:</biblScope> <title>Jhm hier eine G. und da eine Wendung .. abzuſtehlen.</title></bibl> <bibl><author>L.</author> <biblScope>5, 39;</biblScope> <title>Dieſe oder jene G.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 21; 7, 262; 292; 330; 8, 233 ꝛc., (masc.</biblScope> <title>z. B.</title></bibl> <bibl><biblScope>7, 351 ꝛc.),</biblScope> <title>vgl. ferner Dank</title></bibl> <bibl><biblScope>1.</biblScope></bibl> — Auch die Verkl. findet ſich: Um das Gedankchen her pflanz Korybantenchöre. <bibl><author>Lichtenberg</author> <biblScope>4, 373;</biblScope> <title>Gedänkchen.</title></bibl> <bibl><author>Rückert</author> <biblScope>2, 258;</biblScope> <title>Ihm Gedank’ mit Gedänkelchen ſpießend.</title></bibl> <bibl><author>Droyſen</author>  <title>Ar.</title></bibl> <bibl><biblScope>3, 44.</biblScope></bibl></p>
        </note>
        <p type="compositions">
          <p type="introduction">Zſſtzg. vielfach, z. B.: Ādler-: Senke nieder. | A. dein Gefieder. Sch. 6a. —</p>
          <entry type="sub"><comp>Allerwélts-:</comp> Gutzkow R. 9, 251 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Bābel-:</comp> G. 31, 3 = Gedanke, einen Thurm wie den zu Babel zu errichten. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Blítz-:</comp> ſchneller Gedanke. Gotthelf U. 2, 134 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Brúmmbär-:</comp> Rank Arm. 113. — Būß-. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Gārnichts-:</comp> Ich dachte meine ſüßeſten G–n. Heine Sal. 1, 234 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Grúnd-:</comp> Typus oder G. Burmeiſter Gſch. 355 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Hāūpt-:</comp> Dieſe Entwicklung eines H–s geſchieht am natürlichſten .. durch einen Gegen-Gedanken. G. Zelt. 2, 122 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Hínter-:</comp> unausgeſprochner Gedanke, Abſicht im Hintergrund, Arrière-Penſée. Heine Lut. 1, 77; 2, 74; 215 u. o. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Hínterhalts-:</comp> Hinter-G. Danzel 26. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Hōch-:</comp> G. 10, 231. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Jrr-:</comp> Heine Verm. 1, 302. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Lícht-:</comp> Chamiſſo 3, 324; Sch. 49b. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Míß-:</comp> Der M., alle Welt zu verzerrbilden. Jahn M. 115. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Mönchs-:</comp> Klinger F. 81. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Nácht-:</comp> Halbgereifte | N–n wälzt er im Gemüthe. Platen 4, 295; N–n von Young ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Nêben-:</comp> ſ. Haupt- G.; Nebenabſicht. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Rǘckhalts-:</comp> Hinter-G. Gutzkow R. 1, 98. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Spīēl-:</comp> Luther 6, 387a. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Tāg-:</comp> ſ. Nacht-G.: War ſein T., war ſein Traum. Hölty 17. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Tōdes-:</comp> Gedanke an den Tod. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Trāūm-:</comp> Die Gedanken, die er denket, ſind nicht, wie unſre alten T–n. W. 28, 8. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Un-:</comp> Ein einziges Theater für ganz Berlin ſei ein U. Zelter 3, 206 ꝛc. —</entry>
          <entry type="sub"><comp>Vōr-:</comp> früherer, voraufgegangner Gedanke. Auerbach Dorf. 4, 322 ꝛc. — Wāhn- u. v. ä.</entry>
        </p>
      </entry>
    </body>
  </text>
</TEI>
