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ahnden
Āhnden, tr.: 1) etwas Geſchehnes als Unbill,
Kränkung, Unrecht empfinden und ſeinen Unwillen dar-
über in Wort oder That zu erkennen geben; Etwas
ſtrafen: Was in währender Fehde geſchehen iſt, nicht mehr
äffern, anthen noch rächen. Berlichingen 278; Das treu-
loſe Betragen der Rebellen gebührend zu a. B.; Furchtbar
a–d nichtbegangne Sünden. Chamiſſo; Ahndet .. den Tod des
Vaters an der eignen Mutter. WHumboldt ꝛc. Die gerechte
Ahndung für Paris’ Frevel. ebd.; Keinen Fehler ungeahndet
hingehen laſſen. Engel ꝛc. (ſ. Anm.) 2) = ahnen
(ſ. d., nam. Anm. 1): Man hat neuerlich [?] zwiſchen Et-
was ahnen und ahnden einen Unterſchied machen wollen;
allein das Erſtere iſt kein deutſches Wort [?] ... A. bedeutet
ſoviel als gedenken; Es ahndet mir, heißt: es ſchwebt Etwas
meiner Erinnerung dunkel vor; Etwas a., bedeutet Jemandes
That ihm im Böſen gedenken (d. i. ſie beſtrafen). Es iſt
immer derſelbe Begriff, aber anders gewandt. Kant Anthr. 99;
Wie ſie [die Setzer] mir meine Ahndung immer in Ahnung
umdrucken, obgleich ich dieſen Unterſchied nicht anerkenne.
Tieck Dr. Bl. 1, 277 ꝛc. Vgl.: Ahnung iſt dunkle Vor-
erwartung. Kant 1, 185.
Anm. Ahd. anado, mhd. ande, Geiſt, Gemüth (vgl.
Athem), Gemüthsbewegung, zumal des Zorns, aber auch der
Sehnſucht (ſ. Ahnd). Es ahndet mich, erregt mein Gemüth,
z. B. in Unwillen, in Mitleid (z. B.: Als ein Kind ... ſehr
weinete, Solches aber gedachte Herren vexierweis ahndet.
Zinkgräf) ſ. ahnen 1c ꝛc. S. Benecke, Schmeller. Danach
auch der Unterſch. vom ſvwdt. ſtrafen: Man ſtraft die Perſon
oder ihr Vergehn, ahndet aber nur Dies (an der Perſon) und
zwar immer in der perſönlichen Empfindung, ein Unrecht zu
vergelten, während man z. B. auch, um zu beſſern, ſtrafen kann:
Wenn auch Niemand das Böſe, das wir thun, ahndet, ſo ſtraft
es ſich gewöhnlich doch durch ſeine Folgen ꝛc. Doch findet
ſich „ungeahndet“ zuw. auch auf Perſonen bezogen; Keinen
Widerſacher ſeines Fürſten ungeahndet entwiſchen laſſen.
Börne 1, 222 [ohne die Feindſchaft an ihm zu ahnden]; Heine
Sal. 1, 137. Man beachte: Ahndevoll G. 4, 26;
ASchlegel 1, 65 ꝛc., der Bed. nach = ahnungsvoll, worin
das alte Ahnde (= Gemüthserregung ꝛc.) noch erhalten
ſcheint.
Zſſtzg. in Bed. 2, ſ. Ahnen; in Bed. 1 z. B.:
Be-: Hippel 1 1, 24; Sich aller Beahndung in beſter Rechts-
form begeben. Lebensl. 3, 90; Bleibt ... nicht unbeahndet.
Kl. 12, 270. Nāch-: Ohne Schen vor Nachahndung.
Immermann 12, 72 ꝛc.